Der Astra F ist ein von Sommer 1991 bis Frühjahr 1998 (Cabrio bis Anfang 2000) produzierter Fahrzeugtyp der Kompaktklasse des Automobilherstellers Opel. Er ist der Nachfolger des Opel Kadett E und das sechste Modell der Reihe Opel Kadett/Astra und basiert wie sein Vorgänger auf der GM-T Plattform (1979).
Ein Facelift erfolgte im Sommer 1994. Der Astra F wurde für den mittelosteuropäischen Raum als „Astra Classic“ im polnischen GM-Werk Gliwice (Gleiwitz) noch bis Sommer 2002 hergestellt.
Modellgeschichte Allgemeines Mit Einführung des Astra wurde die traditionsreiche Modellbezeichnung Kadett ersetzt. Dies geschah, weil Opel in den 1990er Jahren bei Modellwechseln alle bisherigen Modellbezeichnungen durch Kunstnamen ersetzte, die auf „a“ endeten (wie z. B. Vectra, Omega und Calibra). Durch den neuen Namen sollte ein neues, positives Markenimage aufgebaut werden. In Umfragen wurde Astra meist mit Technik und Raumfahrt assoziiert. Der Buchstabe, der die Modellreihe angibt, wurde allerdings fortgeführt, weshalb das erste Astra-Modell die offizielle Bezeichnung Astra F bekam. In Großbritannien wurde der Kadett bereits seit dem Kadett D von 1980 als „Vauxhall Astra“ (statt D wurde MK1 als Generationenbezeichnung verwendet) verkauft.
Die Ausmusterung der Kadett E führte schließlich dazu, dass die Führung von General Motors eine einheitliche Namensgebung zwischen Opel und Vauxhall umsetzte. Bereits in den 1970er Jahren hatte General Motors Pläne zur Vereinheitlichung der Modellnamen entwickelt, die mit der Opel Kadett D (1979) als Vauxhall Astra im britischen Markt begonnen hatten und mit der Opel Kadett E (1984) fortgesetzt wurden. Das Nachfolgemodell der Kadett E erhielt daher den Namen Opel Astra. In Großbritannien blieb zwar die Marke Vauxhall bestehen, jedoch wurden dort abweichende Kriterien für die Bezeichnung der Modellserien verwendet.
Einführung und Entwicklung Der Opel Astra F wurde im September 1991 erstmals vorgestellt und war zunächst als drei- bzw. fünftürige Schräghecklimousine erhältlich, während der fünftürige Caravan im Oktober 1991 folgte. Im Mai 1992 gelangte die klassische Stufenhecklimousine zu den Händlern. Das Cabriolet, das wie der offene Kadett E bei Bertone entworfen wurde, komplettierte im August 1993 das Programm. Auf den ersten Blick erinnerte das Design an den Vorgänger Opel Kadett E, von dem sie wie eine stark überarbeitete Version wirkte. Dies war eine bewusste Entscheidung, um die erfolgreichen Linien der Kadett E, die sich guter Verkaufszahlen erfreute, nicht komplett aufzugeben.
Die Motorenpalette reichte vom 1,4-Liter-Motor C14NZ mit 60 PS bis zum 2,0-Liter-DOHC-Motor C20XE mit 150 PS in der sportlichen GSi-Version. Im Dezember 1991 wurde die Modellreihe um eine Dieselvariante mit dem 1,7-Liter-Motor 17YD und 57 PS ergänzt, die Ende 1992 auf 60 PS gesteigert wurde. Die Benzinmotoren waren durchweg mit elektronischer Einspritzung ausgestattet, wobei im ersten Produktionsjahr auf einigen Märkten (nicht jedoch in Italien und Österreich) auch ein 1,4-Liter-Vergasermotor mit 75 PS angeboten wurde. In der Regel waren die Motoren mit einem 5-Gang-Schaltgetriebe kombiniert, optional war auf bestimmten Versionen ein 4-Gang-Automatikgetriebe erhältlich. Weitere Motoren wurden im Laufe der Zeit eingeführt, darunter ein 1,6-Liter-Motor mit 100 PS (1992), ein 1,8-Liter-DOHC-Motor mit 125 PS (1993) und ein 1,7-Liter-Turbodiesel mit 82 PS von Isuzu (1992), der den 1,5-Liter-TD der Kadett E ablöste.
Der Astra Caravan konkurrierte erfolgreich mit Modellen wie dem Ford Escort Turnier und war der meistverkaufte Kombi im Kompaktsegment. Im Jahr 1994 gab es mechanische Updates, darunter der Wechsel von Öl- zu Gasdruckstoßdämpfern, sowie neue DOHC-Motoren mit 1,6 und 1,8 Litern. Ab 1996 kamen weitere Motoren hinzu, etwa ein 1,4-Liter-DOHC-Motor mit 90 PS und ein überarbeiteter 1,8-Liter-Motor (X18XE) mit 115 PS. Die Produktion des Astra F endete im März 1998 mit der Einführung des Astra G, wobei die Cabriolet-Version bis 2000 weiterlief. In Osteuropa und der Türkei wurde der Astra F als „Astra Classic“ bis 2002 parallel zum Astra G verkauft.
Sicherheit Der Astra F verfügte werksseitig über ein breites Spektrum an aktiven und passiven Sicherheitselementen. Konstruktive Maßnahmen an der Karosserie waren computerberechnete Versteifungspunkte und Doppelrohr-Verstärkungen in den Türen. Zusätzlich wurden die Säulen, die Seitenschweller und die Türschächte verstärkt. Die Karosserie war somit sehr torsionssteif. Von Anfang an wurden serienmäßig Gurtschlossstraffer und höhenverstellbare Sicherheitsgurte verbaut. Die Sitzrampen waren so konstruiert, dass ein Wegtauchen unter dem Gurt bei einem Frontaufprall verhindert wurde. Für die Fondsitze wurden Rahmenkopfstützen angeboten, diese ermöglichten eine gute Sicht nach hinten und verhinderten bei einem Aufprall Halsverletzungen der Fondpassagiere. Ab Frühjahr 1993 wurde gegen Aufpreis auch ein Fahrerairbag angeboten, wobei mit dem Facelift im August 1994 der Doppelairbag in alle Modelle serienmäßig eingebaut wurde. ABS war ab Produktionsbeginn gegen Aufpreis erhältlich, ab Modelljahr 1996 war es serienmäßig vorhanden. Im Cabriolet waren der Frontscheibenrahmen sowie die beiden Türen mit Stahlrohrverstärkungen versehen und die Kopfstützen im Fonds ebenfalls aus Stahl gefertigt, um bei einem Überschlag den notwendigen Überlebensraum (gedachte Linie zwischen Frontscheibenrahmen und Kopfstützen) zu gewährleisten.
Sonstiges Ein unrühmliches Kapitel des Astra F waren Rückrufaktionen wegen Konstruktionsfehlern am Tank sowie der übermäßig starke Rostbefall, der aus Verarbeitungsmängeln bei der Produktion (Schnittkantenrost), resultiert. Weitere Mängel, wie schwache Zahnriemen, Störungen des Zündverteilers oder der Lichtmaschine, am Astra F der ersten Baujahre 1991–1994 erforderten häufige Werkstattbesuche. Ein Rückruf betraf auch die GSi-Version mit dem C20XE-Motor wegen Problemen mit der Zylinderkopfdichtung, die während der Garantiezeit ersetzt wurden. Zur Modellüberarbeitung im August 1994 wurde jedoch eine bessere Rostschutzvorsorge getroffen. Den Astra F gab es auf Wunsch auch mit 4-Gang-Automatikgetriebe des japanischen Herstellers AisinWarner AW.
Die Astra-Modelle wurden in England als Vauxhall, in Südamerika als Chevrolet und in Australien als Holden vertrieben. In Südafrika wurde nur die Stufenhecklimousine als Opel Astra angeboten, die Fließheckmodelle weiterhin als Opel Kadett.
Modellpflege Bei der Überarbeitung im August 1994 wurden einige Details verändert. So zum Beispiel die Form der Außenspiegel (bisher entsprachen diese denen des Kadett E), der Türgriffe (ab Ende 1995), des Kühlergrills, Scheinwerfer (spitzer zulaufend zum Kühlergrill hin), Nebelscheinwerfer (Klarglas), der seitlichen Stoßleisten, Heckstoßfänger sowie der Dachkantenspoiler. Beim Kombi wurde die bisher unlackierte Heckleiste lackiert (außer Basismodell). Gegenüber dem bis 1994 gebauten Modell beschränkte sich nun der in Kunststoff gehaltene Teil der auf Wunsch in Wagenfarbe lackierten Stoßfänger auf den schmalen oberen Rand. Beim Schrägheck wurde die gleiche Kunststoffblende des GSi bis 1994 verbaut, die in ähnlicher Form von da an auch an Stufenheck und Cabrio montiert wurde.
Nach dem Facelift ergänzte ein 1,6-Liter 16Ventilmotor mit 100 PS (X16XEL) die bisherigen 1,6-Liter-Motoren, während ein neu konstruierter 1,8-Liter-Motor mit 115 PS (X18XE) angeboten wurde, jedoch mit besserer Drehmomentabgabe und Euro-2-Abgasnorm. Der 2,0-Liter-Motor mit 115 PS wurde 1995 durch einen DOHC-Motor mit 136 PS (X20XEV) ergänzt, der den 150-PS-Motor (C20XE) bis zu dessen Auslauf 1996 flankierte. Auf der Diesel-Seite wurde der 1,7-Liter-Saugdiesel durch eine Version mit Niederdruck-Turbo und 68 PS ersetzt, die neben dem 82-PS-Turbodiesel angeboten wurde. Ab dem Facelift wurden alle Astras mit verchromten Schriftzügen und dreidimensionalen Emblemen an der Heckklappe versehen. Der Einsatz von weißen Blinkergläsern vorn und getönten Vier- (Stufenheck, Cabrio, Caravan, Lieferwagen) beziehungsweise Fünfkammer-Rückleuchten (Fließheck) ließ den Astra moderner wirken.
Karosserievarianten Der Astra F wurde in fünf Karosserieformen angeboten:
Schrägheck mit drei oder fünf Türen mit 350 bis 1200 l Laderaum Stufenheck mit vier Türen Kombi (Caravan) mit fünf Türen und demselben Radstand wie bei den anderen Modellen. Ein dreitüriges Modell, wie es noch beim Vorgängermodell Kadett E vorhanden war, wurde aufgrund zu geringer Nachfrage nicht mehr produziert. Der Caravan verfügt wie bei den „Sport“- und „GSi“-Modellen über eine Dachantenne. Der Kofferraum fasst 500 Liter, bei umgeklappten Rücksitzen 1630 Liter. Wie bei allen Astra F-Modellen sind die Rücksitze asymmetrisch geteilt, in Verbindung mit der absolut ebenen Ladefläche wurde eine hohe Ladeflexibilität erreicht. Gegen Aufpreis wurde eine Durchladeeinrichtung bei der Mittelarmlehne angeboten, diese wurde später in den Modellen Dream und Style Serie. Der Astra Caravan war 1995 der meistverkaufte Kombi aller Klassen. Cabriolet: Die Cabrio-Variante des Opel Astra F wurde von Bertone auf der Basis des Stufenheckmodells entworfen. Das eingeklappte Stoffdach hatte keine karosserie-eigene Verdeckkasten-Abdeckung, sondern musste mit einer Persenning mittels Druckknöpfen manuell abgedeckt werden. Kaum ein Fahrer hat sich wegen der umständlichen Handhabung jedoch daran gehalten. Die optional erhältliche Diebstahlwarnanlage hatte das Manko, dass sie bei offen abgestelltem Fahrzeug bei Bewegungen in nächster Nähe den Alarm auslöste. Lieferwagen (Lfw): Caravan ohne Dachreling mit drei statt fünf Türen, zwei Sitzen, Blechen statt hinteren Seitenscheiben und halbhoher Trennwand aus Blech hinter den Sitzen. Der Lieferwagen hatte eine Lkw-Zulassung und war daher bei Handwerkern sehr beliebt. Sonderformen und Spezialumbauten: Der Astra Caravan wurde unter anderem zum Leichenwagen mit verlängertem Radstand und als behindertengerechter Transporter mit Hochdach modifiziert. Das Besondere beim Rollstuhltransporter ist, dass der Rollstuhlfahrer über eine absenkbare Aluminiumrampe in den Fahrgastraum fährt. Dabei entfallen allerdings die hinteren Rücksitze und der Tank befindet sich hinter der linken Hintertür. Die Innenhöhe beträgt zirka 140 cm. Der Rollstuhlfahrer benötigt allerdings einen Fahrer, er hat jedoch eine eigene Windschutzscheibe mit Scheibenwischer.
Der Doppelairbag (Fahrer 67 Liter, Beifahrer 120 Liter) war außer bei den Export-Modellen ab August 1994 ebenfalls Serie. Zudem wurde das einfache Infodisplay mit Uhr/Radioanzeige (DID; Dual Info Display) jetzt durch eines mit zusätzlicher Außentemperaturanzeige (TID; Triple Info Display, vorher Sonderausstattung) ersetzt, das ab 3 °C abwärts vor Straßenglätte warnte, indem es einige Sekunden lang nach Einschalten der Zündung blinkte. Ebenfalls ist das Ablesen der Geschwindigkeit im TID möglich, indem beide Knöpfe für zirka fünf Sekunden betätigt werden (es wird bis 53 km/h angezeigt, danach '+53 km/h).
Weitere technische Änderungen, neben einigen umweltfreundlicheren Motoren, waren im Rahmen des Facelifts der Wechsel von Öl- auf Gasdruckstoßdämpfer und das damit verbesserte Fahrverhalten. Geänderte Stabilisatorenbefestigung an den Dreieckslenkern vorn, modifizierte Koppelstangen, geänderte Aufhängung des Endschalldämpfers (ab Mitte 1996 waren ebenfalls eingeführt). Die Einpunktaufnahme per Schelle wurde gegen am Schalldämpfer angeschweißte Dreipunktaufnahme ausgetauscht. Die Befestigung der vorderen Türverkleidungen (eine statt zwei Schrauben unter der Armauflage, ab Herbst 1996) und der Schaltknauf wurden ebenfalls geändert. Die Seitenblinker an den vorderen Kotflügeln war bei den für Deutschland gefertigten Modellen erst ab Herbst 1997 verfügbar.
Mit dem Facelift entfielen die Motoren C16NZ, C18NZ, C18XE, C20NE und C20XE.
Classic