Die Liste von Dokumenten der Päpstlichen Bibelkommission enthält unter anderem die Responsen der Päpstlichen Bibelkommission (Pontificia Commisio de re biblica) zu ihr vorgelegten strittigen Fragen (Dubia) der Bibelwissenschaften. Sie bildeten für römisch-katholische Exegeten die verbindliche Grundlage ihrer Arbeit am Alten und Neuen Testament. Mit dem Motu proprio Praestantia Scripturae (18. November 1907) wurde ihre Verbindlichkeit der von Dekreten der Heiligen Kongregationen gleichgestellt.

Die Dokumente der Päpstlichen Bibelkommission sind im Zusammenhang der drei Bibelenzykliken zu verstehen:

Providentissimus Deus vom 18. November 1893 Spiritus paraclitus vom 15. September 1920 Divino afflante Spiritu vom 30. September 1943

Die Entwicklung der päpstlichen Lehre zum Thema Bibel fasste der damalige Kardinal Joseph Ratzinger 1993 so zusammen: „Wenn sich Leo XIII. in der Zeit eines äußerst selbstsicheren und geradezu dogmatisch auftretenden Liberalismus überwiegend kritisch geäußert hatte, ohne das Positive der neuen Möglichkeiten auszuschließen, so konnte fünfzig Jahre später aufgrund der fruchtbaren Arbeit großer katholischer Exegeten Papst Pius XII. in seinem Schreiben Divino afflante Spiritu vom 30. September 1943 vor allem positiv ermutigen, die modernen Methoden für das Verstehen der Bibel fruchtbar zu machen. Die Konstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils über die göttliche Offenbarung, Dei Verbum, vom 18. November 1965 griff dieses alles auf; sie hat uns eine Synthese zwischen den bleibenden Einsichten der Vätertheologie und den neuen methodischen Erkenntnissen der Moderne geschenkt, die maßgebend bleiben.“Joseph Kardinal Ratzinger: Geleitwort zum Dokument der Bibelkommission Die Interpretation der Bibel in der Kirche, S. 23 f.

Dadurch, dass Fulcran Vigouroux 1903–1913 Erster Sekretär der Bibelkommission war, gelangten dessen exegetische Positionen in Einleitungsfragen zu weiter Verbreitung in der katholischen Bibelwissenschaft. +PontifikatNameDatumInhalt140x140px Pius X.Circa citationes implicitas in S. Scriptura contentas13. Februar 1905Ein katholischer Exeget darf nur in Ausnahmefällen Passagen der Heiligen Schrift als Zitat aus dem Werk eines anderen, nicht inspirierten Autors bezeichnen.De narrationibus specietenus tantum historicis in S. Scripturae libris qui pro historicis habentur23. Juni 1905Nur in Ausnahmefällen kann ein katholischer Exeget Bibeltexte als Gleichnisse, Allegorien usw. bezeichnen, die kein Bericht über tatsächliche historische Begebenheiten sind.De mosaica authentia Pentateuchi27. Juni 1906Die Ansicht, dass der Pentateuch nicht Mose zum Verfasser hätte, sondern aus Quellen zusammengestellt sei, wird abgewiesen.Vgl. Die Interpretation der Bibel in der Kirche, S. 30 f.: „So entwickelte sich dann im 19. Jahrhundert die ‚Urkundenhypothese‘, die der Redaktion des Pentateuchs Rechnung zu tragen versucht. Vier zum Teil parallele Dokumente bzw. Quellenschriften aus verschiedenen Epochen wären miteinander verschmolzen worden: der Jahwist (J), der Elohist (E), das Deuteronomium als Quelle (D) und die Priesterschrift (P). Die letztere hätte dem Endredaktor dazu gedient, das Ganze zu strukturieren. In analoger Weise berief man sich auf die Zweiquellenhypothese, um die beobachteten Übereinstimmungen und Unterschiede zwischen den drei synoptischen Evangelien zu erklären; gemäß dieser Hypothese wären die Evangelien von Matthäus und Lukas aufgrund zweier Hauptquellen entstanden: dem Evangelium von Markus einerseits, und andererseits einer Sammlung von Worten Jesu (genannt Q = Quelle). Im wesentlichen werden diese beiden Hypothesen auch heute noch in der wissenschaftlichen Exegese vertreten, sind jedoch auch umstritten.“ Dies muss aber nicht so verstanden werden, als hätte er den ganzen Pentateuch mit eigener Hand geschrieben oder jemandem diktiert; er kann auch mehrere Personen mit der Niederschrift beauftragt und ihr Werk abschließend gebilligt haben. Mose kann bei Abfassung des Pentateuch selbst Quellen (schriftliche Urkunden oder mündliche Überlieferungen) verwendet haben. Nach dem Urteil der Kirche ist es möglich, dass im Text des Pentateuch Überlieferungsfehler enthalten sind.De auctore et veritate historica quarti Evangelii29. Mai 1907Der Apostel Johannes ist der Verfasser des Johannesevangeliums. Der gesamte Inhalt des Evangeliums ist historische Wahrheit; die Reden hat Jesus Christus in der Weise gehalten, wie sie im Evangelium stehen.De libri Isaiae indole et auctore28. Juni 1908Wesen und Autor des Jesajabuchs. Die Ansicht, dass die Kapitel 40–66 nicht vom Propheten Jesaja stammen, wird abgewiesen. Die historische Person Jesaja hatte kraft der Prophetie die Fähigkeit, sich auf Ereignisse zu beziehen, die erst lange nach seinem Tod eintrafen. Die Propheten bezogen sich mit ihrer Botschaft nämlich nicht nur auf ihre Zeitgenossen, sondern wandten sich auch an zukünftige Generationen. In diesem Sinne sind Kapitel 40–66 von Jesaja verfasst und spendeten Juden im Babylonischen Exil Trost. Philologische Argumente für eine spätere Abfassung von Jes 40–66 überzeugen nicht. Auch die Meinung, dass nicht Jesaja allein, sondern mehrere Personen das Jesajabuch verfasst hätten, wird abgewiesen.De organo officiali Commissionis biblicae15. Februar 1909Das offizielle Organ der Päpstlichen Bibelkommission.De charactere historico trium priorum capitum Geneseos30. Juni 1909Der historische Charakter von Genesis 1–3: Unter anderem die Erschaffung eines Urmenschenpaares im Stand der Gerechtigkeit, Unversehrtheit und Unsterblichkeit, der Sündenfall und die Vertreibung der Stammeltern aus dem Paradies.De charactere historico trium priorum capitum Geneseos, III: „… formatio primae mulieris ex primo homine; generis humani unitas; originalis protoparentum felicitas in statu iustitiae, integritatis et immortalitatis; praeceptum a Deo homini datum ad eius obedientiam probandam; divini praecepti, diabolo sub serpentis specie suasore, transgressio; protoparentum deiectio ab illo primaevo innocentiae statu …“ Ein Verständnis als Sagen oder Allegorien wird abgewiesen. Da jedoch die Kirchenväter Genesis 1–3 auf unterschiedliche Weise interpretierten, ist es für katholische Exegeten möglich, einzelne Formulierungen als Metaphern oder anthropomorphe Redeweise zu verstehen. Es handelt sich beim Bibeltext nicht um eine wissenschaftlich exakte Beschreibung der Weltentstehung. Deshalb kann unter katholischen Exegeten frei darüber diskutiert werden, ob der Begriff „Tag“ wörtlich als ein natürlicher Tag oder im übertragenen Sinn als ein Zeitraum zu verstehen ist.„… sive sensu proprio pro die naturali, sive sensu improprio pro quodam temporis spatio …“De auctoribus et de tempore compositionis Psalmorum1. Mai 1910Autoren und Entstehungszeit der Psalmen: König David ist der Hauptverfasser der Psalmen. Nach dem Zeugnis des Neuen Testaments und der Kirchenväter haben einige Psalmen messianischen und prophetischen Charakter, indem sie auf Leiden, Tod und Auferstehung des Erlösers verweisen; die jüdische Interpretation der Psalmen ist daher unzutreffend.De auctore, de tempore compositionis et de historica veritate Evangelii secundum Matthaeum19. Juni 1911Autor, Entstehungszeit und historische Wahrheit des Evangeliums nach Matthäus: Der Apostel Matthäus ist der Autor des nach ihm benannten Buches, er schrieb dieses in der Sprache der Juden Palästinas (=Aramäisch) und früher als die drei anderen Evangelien.De auctore, de tempore compositionis et de historica veritate Evangeliorum secundum Marcum et secundum Lucam26. Juni 1912Autor, Entstehungszeit und historische Wahrheit der Evangelien nach Markus und nach Lukas:

Verfasser des Markusevangeliums war Johannes Markus, der Schüler und Übersetzer des Simon Petrus. Verfasser des Lukasevangeliums war Lukas, Begleiter des Paulus von Tarsus. Der Text Mk 16,9–20 ist keine spätere Hinzufügung. Die Kindheitsgeschichten und der Gebetskampf Christi im Garten Getsemani können nicht, wie Häretiker meinen, als nachträgliche Zusätze angesehen werden. Das Magnificat darf nicht Elisabet zugeschrieben werden. Die historische Reihenfolge, in der die Evangelien verfasst wurden, ist identisch mit ihrer Anordnung im Neuen Testament. Markus hat sein Evangelium nicht nach der Zerstörung Jerusalems im Jüdischen Krieg geschrieben. Lukas schloss sein Werk während der römischen Gefangenschaft des Apostels Paulus ab. Markus und Lukas schrieben als Schüler der Apostel Petrus und Paulus und benutzten über deren Lehre hinaus keine weiteren Quellen.De quaestione synoptica sive de mutuis relationibus inter tria priora Evangelia26. Juni 1912Synoptisches Problem: Beziehung der drei älteren Evangelien zueinander. Die Zweiquellentheorie (Markuspriorität und Existenz der Logienquelle Q) ist falsch.De auctore, de tempore compositionis et de historica veritate de libri Actuum Apostolorum12. Juni 1913Autor, Entstehungszeit und historische Wahrheit der Apostelgeschichte des Lukas: Autor der Apostelgeschichte ist der Evangelist Lukas. Der Wechsel von der 3. Person Plural zur 1. Person Plural („Wirstücke“) ist kein Hinweis auf Quellen.De auctore, de integritate et de compositionis tempore epistolarum pastoralium Pauli apostoli12. Juni 1913Autorschaft, Integrität und Abfassung der Pastoralbriefe des Apostels Paulus: Die Pastoralbriefe wurden vom Apostel Paulus selbst geschrieben. Es ist sicher, dass Paulus zweimal in Rom inhaftiert war, und in dem Zeitfenster zwischen der Freilassung aus dem ersten Gefängnisaufenthalt und dem Tod des Apostels sind die Briefe an Timotheus und Titus anzusetzen.De auctore et de modo compositionis epistolae ad Hebraeos24. Juni 1914Autor und Abfassung des Hebräerbriefs: Der Apostel Paulus ist Verfasser des Hebräerbriefs. Ob der Brief, wie er jetzt vorliegt, als ganzes von Paulus geschrieben wurde, wird dem weiteren Urteil der Kirche überlassen.140x140px Benedikt XV.De parousia seu de secundo adventu Domini nostri Iesu Christi in epistolis Sancti Pauli apostoli18. Juni 1915Angaben in den Briefen des Apostels Paulus über die Parusie oder Wiederkunft Jesu Christi: Der Apostel hat zu diesem Thema nicht etwa seine persönliche Meinung niedergeschrieben, sondern was er schrieb, war inspiriert und entspricht der sonstigen biblischen Lehre, dass der Zeitpunkt der Parusie nicht bekannt ist.De additione variarum lectionum in editionis versionibus Vulgatae Novi et Veteris Testamenti17. November 1921Ergänzung variierender Lesungen in den Ausgaben der Vulgata.140x140px Pius XI.De falsa duorum textuum biblicorum interpretatione1. Juli 1933Falsche Interpretation zweier Bibeltexte: Man darf Ps 16,10–11 nur so verstehen, dass der Text sich auf die Auferstehung Christi bezieht. Mt 16,26 und Lk 9,25 beziehen sich auf das ewige Heil der Seele und nicht nur auf das irdische Menschenleben.De opere R. D. Friderici Schmidtke, cui titulus «Die Einwanderung Israels in Kanaan»27. Februar 1934Beurteilung des Werks von Friedrich Schmidtke: Die Einwanderung Israels in Kanaan (1933). Der Breslauer Alttestamentler Schmidtke missachtete das Dokument De mosaica authentia Pentateuchi und erkannte in den Patriarchentraditionen Stammesüberlieferungen, auch nahm er an, dass nicht das ganze Volk Israel in Ägypten war, sondern nur ein Teil. Damit widersprach er den Enzykliken Providentissimus Deus und Spiritus Paraclitus. Katholische Exegeten werden daran erinnert, dass die richtige Interpretation der Heiligen Schrift der Kirche obliegt und es nicht gestattet ist, die heilige Schrift anders auszulegen, als es die Kirchenväter einhellig taten und als die Kirche es lehrt.De usu versionum Sacrae Scripturae in Ecclesiis30. April 1934Gebrauch der Versionen der Heiligen Schrift in den Kirchen.140x140px