Hermann-Arnold Schultze-von Lasaulx [laˈsoː] (* 21. Oktober 1901 in Jena als Hermann-Arnold Schultze; † 1. Oktober 1999 in Renan/ItalienSebastian Felz: Biogramm: Hermann Schultze-von Lasaulx. In: ders.: Recht zwischen Wissenschaft und Politik. Die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät der Universität Münster 1902 bis 1952. Münster 2016, S. 521.Eintrag zu Hermann Schultze-von Lasaulx im Catalogus Professorum Rostochiensium oder Renan/SchweizGötz Landwehr: In memoriam: Erinnerung an Hermann Schultze-von Lasaulx. In: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Germanistische Abteilung 127 (2010), S. 1098–1102 (1102).) war ein deutscher Jurist, Rechtshistoriker und Universitätsprofessor.
Leben Schultze-von Lasaulxs Vater war der Jurist und Rechtshistoriker Alfred Schultze; sein Großvater mütterlicherseits war Arnold von Lasaulx.Gertrud Schubart-Fikentscher: Alfred Schultze. In: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Germanistische Abteilung 65 (1947), S. XXVII–XLIV (XXVIII). Seit 1928Vgl. die biographischen Angaben bei nannte er sich konsequent Schultze-von Lasaulx.
Nach dem Abitur an der Thomasschule zu LeipzigMichael Buddrus: Die Professoren der Universität Rostock im Dritten Reich. Ein biographisches Lexikon (= Texte und Materialien zur Zeitgeschichte. Band 16). München 2007. S. 370. studierte er Rechtswissenschaft und Kunstgeschichte in Leipzig, Breslau und München. Seit dem Wintersemester 1920/21 war er Mitglied der Studentenverbindung Wratislavia Breslau (ab 1952 Königstein-Wratislavia (Breslau) zu Frankfurt am Main).Miltenberg Wernigeroder Ring (Hrsg.): Adressenverzeichnis Miltenberg Wernigeroder Ring 1978, Stuttgart 1978, Seite 261. Nach erfolgreicher Promotion bei Paul Rehme war er ab 1927 zunächst Richter am Amtsgericht Leipzig, wurde dann 1930 Assistent von Arthur Benno Schmidt in Tübingen. Dort habilitierte er sich 1931 für Bürgerliches Recht, Handelsrecht, Deutsche Rechtsgeschichte und Nordisches Recht. Anschließend nahm er seine Lehrtätigkeit in Rostock auf. Nach einer Amtszeit als Dekan der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät (1934/1935) wurde er für das akademische Jahr 1935 zum Rektor der Universität gewählt, trat dieses Amt allerdings nach Intervention des Gauleiters Friedrich Hildebrandt zu Gunsten von Paul Schulze nicht an.Michael Buddrus: Die Professoren der Universität Rostock im Dritten Reich. Ein biographisches Lexikon (= Texte und Materialien zur Zeitgeschichte. Band 16). München 2007. S. 84 Fn. 8.
Stattdessen folgte er einem Ruf nach Jena. An der Jenaer Fakultät gehörte er ab 1935 zu einer Gruppe von „junge[n], aufstrebende[n], der neuen Zeit zumindest aufgeschlossen gegenüberstehende[n] Dozenten“ um Ulrich Scheuner und Günter Haupt.Stefan Wolf: Das Jenaer Studium der Rechte im Dritten Reich. Zwischen Tradition und nationalsozialistischer Ideologie (= Rechtshistorische Reihe. Band 442). Frankfurt am Main 2013. S. 93. Er schloss sich April 1934 der SA an,Lieselotte Steveling: Juristen in Münster. Ein Beitrag zur Geschichte der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (= Beiträge zur Geschichte der Soziologie. Band 10). Münster 1999. S. 647. und im selben Jahr auch dem NS-Lehrer- und NS-Dozentenbund. 1936 wurde er Mitglied der Akademie für Deutsches Recht. Am 17. Juni 1937 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 4.869.266).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/40431202Lieselotte Steveling: Juristen in Münster. Ein Beitrag zur Geschichte der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (= Beiträge zur Geschichte der Soziologie. Band 10). Münster 1999. S. 360. Vom Sicherheitsdienst des Reichsführers SS wurde Schultze-von Lasaulx als „politisch zuverlässig“ eingestuft,Stefan Wolf: Das Jenaer Studium der Rechte im Dritten Reich. Zwischen Tradition und nationalsozialistischer Ideologie (= Rechtshistorische Reihe. Band 442). Frankfurt am Main 2013. S. 100. verkehrte aber gleichzeitig im regimekritischen Jenaer Gesprächskreis um Ricarda Huch, der heute der Widerstandsgruppierung Neubauer-Poser-Gruppe zugerechnet wird.Jörg Opitz: Die Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Jena und ihr Lehrkörper im ‚Dritten Reich‘. In: Uwe Hoßfeld (Hrsg.): „Kämpferische Wissenschaft“ – Studien zur Universität Jena im Nationalsozialismus. Köln, Weimar, Wien 2003. S. 471–518 (490) 1940/41 war er Dekan der Jenaer Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät und ordnete an, in den Fakultätsbibliotheken „‚von Juden verfasste Kommentare durch Kommentare arischer Verfasser‘ zu ersetzen“.Jörg Opitz: Die Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Jena und ihr Lehrkörper im ‚Dritten Reich‘. In: Uwe Hoßfeld (Hrsg.): „Im Dienst an Volk und Vaterland“ – Die Jenaer Universität in der NS-Zeit. Köln, Weimar, Wien 2005. S. 191–240 (227) Überliefert sind allerdings auch rechtshistorische Examensklausuren, bei deren Bewertung er antisemitische Ausführungen zum Weltjudentum rügte und die Arbeiten mit „unzulänglich“ benotete.Stefan Wolf: Das Jenaer Studium der Rechte im Dritten Reich. Zwischen Tradition und nationalsozialistischer Ideologie (= Rechtshistorische Reihe. Band 442). Frankfurt am Main 2013. S. 182. Im mündlichen Examen erwartete er von Kandidaten indes fundierte Kenntnisse des NS-Rechts und prüfte etwa über das nationalsozialistische Sterilisationsgesetz.Stefan Wolf: Das Jenaer Studium der Rechte im Dritten Reich. Zwischen Tradition und nationalsozialistischer Ideologie (= Rechtshistorische Reihe. Band 442). Frankfurt am Main 2013. S. 189. Rückblickend bezeichnete er derartige Gesetze als „Unrechts-Gesetzgebung“.Hermann Schultze-von Lasaulx: Rezension von Schönfeld, Zur Frage des Widerstandsrechts. In: Historische Zeitschrift 185 (1958), S. 351–354 (351).
1941 wechselte er als Nachfolger von Hans Thieme nach Breslau. Im Nebenamt war er Richter am Oberlandesgericht Breslau. Kurz vor Kriegsende übernahm er von Heinz Meyer die Leitung der Rechtswissenschaftlichen Abteilung des Osteuropa-Instituts.Thomas Ditt: „Stoßtruppfakultät Breslau“ – Rechtswissenschaft im „Grenzland Schlesien“ 1933–1945 (= Beiträge zur Rechtsgeschichte des 20. Jahrhunderts. Ban 67). Tübingen 2011. S. 176.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er für kurze Zeit an die Universität Jena zurück, wurde aber im November 1946 suspendiert,Lieselotte Steveling: Juristen in Münster. Ein Beitrag zur Geschichte der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (= Beiträge zur Geschichte der Soziologie. Band 10). Münster 1999. S. 647. woraufhin er die Sowjetische Besatzungszone verließ.Jan Jeskow: Die Entnazifizierung des Lehrkörpers der Universität Jena von 1945 bis 1948. In: Uwe Hoßfeld (Hrsg.): Hochschule im Sozialismus. Studien zur Geschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena 1945–1990. Köln, Weimar, Wien 2007. S. 71–95 (81). Nach erfolgreicher Entnazifizierung in der Britischen Besatzungszone wurde er Nachfolger des verschollenen George Löning in Münster.Sebastian Felz: Recht zwischen Wissenschaft und Politik. Die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät der Universität Münster 1902 bis 1952. Münster 2016, S. 193. Hier gründete er das Institut für westfälische und deutsche Rechtsgeschichte sowie rechtliche Volkskunde und richtete auf dem Grundstock der nachgelassenen Bibliothek von Eberhard von Künßberg eine bis heute bestehende Rechtshistorische Bibliothek ein.Sebastian Felz: Recht zwischen Wissenschaft und Politik. Die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät der Universität Münster 1902 bis 1952. Münster 2016, S. 193f.https://www.jura.uni-muenster.de/de/fakultaet/bibliotheken/sammlungsschwerpunkte-der-bibliotheken/ auf den Seiten der WWU Münster. Bereits 1951 trat er ein Nebenamt als Richter am Hanseatischen Oberlandesgericht an und wechselte schließlich 1955 auch als Professor nach Hamburg (Nachfolge Karl Haff). 1955/1956 amtierte er als Dekan der Fakultät für Rechtswissenschaft.
Nach seiner Emeritierung 1970 erblindete er und verstarb dann 97-jährig im Urlaub.Götz Landwehr: In memoriam: Erinnerung an Hermann Schultze-von Lasaulx. In: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Germanistische Abteilung 127 (2010), S. 1098–1102 (1101f.).
Werk Seine Habilitationsschrift über die Rechtsgeschichte der Wertpapiere wurde als „eine der besten Erscheinungen, die die letzte Zeit auf rein rechtsgeschichtlichem Gebiet hervorgebracht hat“ aufgenommen.Herbert Meyer: Rezension von Schultze-von Lasaulx, Beiträge zur Geschichte des Wertpapierrechts. In: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Germanistische Abteilung 52 (1932), S. 470–476 (472).
1969 richtete er an seinem Hamburger Institut eine Forschungsstelle für Ostrecht unter der Leitung von Georg GeilkeGeilke, Georg im Hamburger Professorenkatalog. ein. Dabei handelte es sich um eine aus Mitteln des Bundesministeriums für gesamtdeutsche Fragen finanzierte Arbeitsstelle, die vor allem Gutachten erteilte über die Rechtslage bei Vertreibungsschäden der Flucht und Vertreibung Deutscher aus Mittel- und Osteuropa 1945–1950.Tilman Repgen: Grußwort. In: Russland. Verfassung, Recht und Realität. Festschrift für Prof. Dr. Otto Luchterhandt aus Anlass seines 70. Geburtstags. Berlin 2014. S. 12–14 (12).
Schultze-von Lasaulx war äußerst engagiert in der Lehre vertreten. Sein Lehrrepertoire umfasste neben der deutschen Privatrechtsgeschichte auch Genossenschaftsrecht, Urheber- und Erfinderrecht, Wertpapierrecht, Landwirtschaftsrecht, ferner Wasser-, Forst-, Jagd-, Fischerei- und Bergrecht, sowie skandinavische und schweizerische Rechtsgeschichte.Götz Landwehr: In memoriam: Erinnerung an Hermann Schultze-von Lasaulx. In: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Germanistische Abteilung 127 (2010), S. 1098–1102 (1100). Er betreute zahlreiche Doktorarbeiten und war einer ganzen Hamburger Juristen-Generation unter dem Spitznamen Lasso-Schultze bekannt.
Werke (Auswahl) Fusion eingetragener Genossenschaften. Leipzig 1927 Beiträge zur Geschichte des Wertpapierrechts. Marburg 1931 Geschichte des Hamburgischen Notariats seit dem Ausgang des 18. Jahrhunderts. Hamburg 1961, 2. Aufl. Hamburg 1980.
Literatur Michael Buddrus, Sigrid Fritzlar: Die Professoren der Universität Rostock im Dritten Reich. Ein biographisches Lexikon. München 2007. S. 370f online
Weblinks
Eintrag zu Hermann Schultze-von Lasaulx im Hamburger Professorenkatalog
Einzelnachweise
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