mini|Grünheide und Fangschleuse mit Werlsee, im Hintergrund das Baugelände Die Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg (auch Giga Berlin und Gigafactory 4) ist eine Großfabrik von Tesla im Ortsteil Freienbrink der märkischen Gemeinde Grünheide. Sie befindet sich rund 30 Kilometer Luftlinie südöstlich vom Zentrum Berlins. Es handelt sich um eine der größten Elektroauto-Fabriken in Deutschland und die erste des US-Herstellers in Europa. Baustart war im ersten Quartal 2020, die ersten dort produzierten Fahrzeuge wurden im März 2022 übergeben. Produziert wird unter anderem das Model Y für den europäischen Markt.
Geschichte Planung Am 12. November 2019 kündigte Elon Musk anlässlich der Verleihung des Goldenen Lenkrads den Bau einer Gigafactory in Deutschland an. Die Produktionsstätte für Elektrofahrzeuge und Batterien sollte in Grünheide direkt am Berliner Autobahnring in der Nähe des Flughafens Berlin Brandenburg errichtet werden. In Berlin war zudem ein Design- und Entwicklungszentrum geplant; dies wurde jedoch nicht weiter verfolgt. Bis zuletzt gehörte zudem ein Standort zwischen Weilerswist und Euskirchen in Nordrhein-Westfalen zu den Favoriten.Tesla-Werk wird nicht im Kreis Euskirchen angesiedelt. In: wochenspiegellive.de. 13. November 2019, abgerufen am 24. Februar 2020.
Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) hielt in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung perspektivisch für die nächsten zehn Jahre je nach Marktsituation bis zu 40.000 Mitarbeiter für möglich. Später wurde diese Zahl von Regierungskreisen revidiert. Intern werde mit der Zahl von maximal 12.000 Mitarbeitern gerechnet – und zwar auf absehbare Zeit. Tesla hatte zunächst Kosten von 1,1 Milliarden Euro veranschlagt, was auch den in Aussicht gestellten Fördermitteln entsprach.
Anfang Januar 2020 begann das Genehmigungsverfahren,Bekanntmachung des Landesamtes für Umwelt vom 2. Januar 2020: Errichtung und Betrieb einer Anlage für den Bau und die Montage von Elektrofahrzeugen mit einer Kapazität von jeweils 100.000 Stück oder mehr je Jahr am Standort 15537 Grünheide (Mark). Amtsblatt für Brandenburg, 31. Jg., Nummer 1, Potsdam, den 3. Januar 2020 (PDF; 7,7 MB). Tesla hatte am 20. Dezember 2019 erstmals Unterlagen zum Vorhaben auf etwa 1500 Seiten eingereicht. Der Brandenburger Landtag billigte den Kaufvertrag des Waldstücks, das zu DDR-Zeiten vom Ministerium für Staatssicherheit genutzt worden war.Achim Hippel: In: rbb24. Rundfunk Berlin-Brandenburg, 3. März 2020, abgerufen am 18. August 2020. Das Land Brandenburg verkaufte die Fläche an Tesla zum gutachterlich ermittelten Verkaufspreis von 43,4 Millionen Euro (14,35 Euro/m²).
Dabei bezahlte das Land auch Ausgleichsmaßnahmen für Tesla im Rahmen des Bebauungsplans in Höhe von 4,3 Millionen Euro aus dem Kaufbetrag und 8,1 Millionen Euro aus dem Vermögen der ehemaligen Regierungspartei der DDR, der SED. Im Januar 2021 erweckte Wirtschaftsminister Jörg Steinbach dagegen in einem Schreiben an den Wirtschaftsausschuss des Landtags den Eindruck, diese Mittel würden aus dem Verkaufspreis des Grundstückes refinanziert: „Ein in diesem Fall kaufpreiserhöhender Faktor war der Umstand, dass die Kosten für die bauplanungsrechtliche Eingriffsregelung nicht dem Käufer, sondern dem Land Brandenburg obliegen sollten. Dieser Kostenanteil wird aus dem gezahlten Kaufpreis herausgelöst und für die Umsetzung der bauplanungsrechtlichen Eingriffsregelung zur Verfügung gestellt.“ Umweltminister Axel Vogel (Die Grünen) hatte jedoch im Landtag erklärt, der komplette Kaufpreis in Höhe von 43 Millionen Euro würde für den Erhalt des Forstvermögens und den Zukauf von Waldflächen eingesetzt werden.
Bau mini|Juli 2023 Die Bauarbeiten begannen im 1. Quartal 2020. Das Landesamt für Umwelt in Brandenburg erteilte am 13. Februar 2020 die Zulassung für einen vorzeitigen Beginn der Rodung, obwohl noch keine Baugenehmigung vorlag. Am gleichen Abend begannen Waldarbeiter mit 29 Harvestern und sechs Rückern, um eine Fläche von 90 Hektar innerhalb der Frist vor dem 1. März komplett zu roden. Weil die umweltrechtliche Baugenehmigung noch ausstand, erfolgten alle Arbeiten auf Teslas eigenes Risiko. Die Fertigstellung sollte ursprünglich im Juli 2021 erfolgen. Errichtet werden sollten Anlagen zur Fahrzeugteile-, Batterie- und Antriebsfertigung, zur Endmontage sowie zur Standortlogistik.
Die Bauanträge aus dem Jahr 2020 betrafen die erste Ausbaustufe (ein Teil der Parkplätze und das erste Gebäude). Es sollten noch drei weitere Gebäude des gleichen Ausmaßes, zusätzliche Parkplätze und Nebenanlagen folgen. Die Antragsunterlagen wurden ab dem 6. Januar 2020 in Grünheide (Mark), in Erkner, im Amt Spreenhagen und im brandenburgischen Landesamt für Umwelt öffentlich ausgelegt. Einwendungen waren bis einschließlich 5. März 2020 möglich. Die für den 18. März 2020 geplante öffentliche Erörterung der – bis dahin – 373 eingegangenen Stellungnahmen und Einwendungen musste wegen der damals aufkommenden COVID-19-Pandemie abgesagt werden.
Das von Tesla erworbene Bauland liegt innerhalb des Geltungsbereichs eines qualifizierten Bebauungsplanes nach § 30 BauGB und ist als Industriegebiet gemäß § 9 BauNVO ausgewiesen. Der Bebauungsplan Nr. 13 „Freienbrink-Nord“ der Gemeinde Grünheide, der bereits im Jahr 2000 als Satzung beschlossen wurde, war ursprünglich für die Ansiedelung einer neuen Produktionsstätte der BMW AG vorgesehen. BMW hatte sich im Sommer 2000 aber für einen Standort in Leipzig im Bundesland Sachsen entschieden. Die Lage des Plangebietes nördlich des Güterverkehrszentrums Berlin Ost/Freienbrink verschafft Tesla wegen seiner Verkehrsanbindung und des vorhandenen Flächenpotenzials gute Standortbedingungen. Durch das Vorhandensein eines passenden rechtsverbindlichen Bebauungsplans hatte Tesla zudem einen Zeitvorteil in der Projektierung.
Parallel zum Genehmigungsverfahren nach Bundes-Immissionsschutzgesetz änderte die Gemeinde Grünheide (Mark) den bestehenden Bebauungsplan Nr. 13 „Freienbrink Nord“. Dies war erforderlich, um die komplexe verkehrliche Erschließung der Fläche zu regeln (z. B. neue Anschlussstelle an die Bundesautobahn 10, neue Landesstraße als Querverbindung zwischen A 10 und Landesstraße 23, Ersatz der Bahnschranken am Bahnhof Fangschleuse durch Straßenüberführung und Park&Ride-Flächen für bis zu 250 Fahrzeuge).
Im Juli 2020 wurden veränderte Bauunterlagen veröffentlicht, das Volumen der Großfabrik war verkleinert worden. Neben anderen Änderungen entfiel nun die wasserreiche Batteriefertigung und die Kunststofffertigung. Der Änderung des Bauantrags waren Proteste von Umweltverbänden und Bürgerinitiativen vorangegangen, die unter anderem eine Wasserknappheit in der Region befürchten. Während der zweiten öffentlichen Auslegung vom 2. Juli bis zum 3. September 2020 gingen 41 weitere Einwendungen ein. Somit lagen von 414 Personen, Institutionen oder Vereinigungen Einwendungen zur Erörterung vor. Die erneute Auslegung war erforderlich geworden, weil das Unternehmen einige Änderungen zum Vorhaben vorgenommen hatte, die auf Hinweisen von Behörden, Umweltverbänden und betroffenen Bürgern basierten.
Ende November 2020 wurde eine weitere Genehmigung für die Rodung von insgesamt 82,8 Hektar Wald ausgestellt. Tesla hatte bereits im August 2020 weitere Rodungen beantragt. Die beantragte Fläche wurde vom Antragsteller auf den seinerzeit für unbedingt notwendig gehaltenen Umfang gekürzt. Die Flächen wurden für Rohrleitungen und als Lagerplätze benötigt. Das Verwaltungsgericht Frankfurt (Oder) beschloss in einem Eilverfahren am 7. Dezember 2020 einen vorläufigen Stopp der Rodungsarbeiten. Die Brandenburger Landesverbände des NABU und der Grünen Liga hatten Klage gegen die Rodung eingereicht.
Dieser vorläufige Stopp der Rodungsarbeiten wurde jedoch am 10. Dezember 2020 durch das Verwaltungsgericht Frankfurt (Oder) aufgehoben und der eingereichte Eilantrag abgelehnt. Die beiden Umweltverbände legten am gleichen Tag Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg gegen diese Entscheidung ein. Dort hatte der Antrag in zweiter Instanz teilweise Erfolg. Lediglich in schmalen Randbereichen dürfe der Forst nicht sofort gerodet werden. Für den Großteil der Fläche konnten die Naturschutzverbände jedoch nicht darlegen, dass sie ein Reptilienlebensraum sei.
Anfang Dezember 2020 erhielt Tesla eine weitere Vorabgenehmigung für die Montage der Lackieranlage im Werk. Am 17. Juni 2021 reichte Tesla neue Genehmigungsunterlagen ein, diese lagen bis 19. Juli 2021 öffentlich aus. Inhalt des Antrages waren die bereits vorher beantragten Anlagen, ergänzt um eine Kunststofffertigung und eine Batteriezellproduktion einschließlich einer Batteriepackfertigung.
mini|Luftaufnahme der Gigafactory 4, Oktober 2022
Am 4. März 2022 erteilte das Landesumweltamt die Genehmigung zum Betrieb der Anlage unter Auflagen. Die endgültige Betriebserlaubnis, nach Abarbeitung aller Auflagen, wurde zu diesem Zeitpunkt für Ende März 2022 angestrebt.
Produktionsbeginn und Eröffnung Ursprünglich war geplant, die Produktion im Juli 2021 mit dem Tesla Model Y aufzunehmen (1. Baustufe), später sollte das Model 3 folgen.Details zur deutschen Gigafactory. Tesla will für Fabrik in Grünheide mehr Wald roden. In: Manager Magazin. 2. Juli 2020, abgerufen am 8. Juni 2023. Ende 2021 wurde bekanntgegeben, dass sich der Produktionsstart bis 2022 verzögert. Die Serienfertigung lief schließlich mit 3000 Mitarbeitern im 1. Quartal 2022 an.
Die ersten in der Fabrik produzierten Fahrzeuge des Model Y wurden am 22. März 2022 bei der Eröffnung im Beisein von Bundeskanzler Olaf Scholz, Ministerpräsident Dietmar Woidke, Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (alle SPD), Umweltminister Axel Vogel und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (beide Bündnis 90/Die Grünen) durch Elon Musk übergeben.
Im Umfeld der Tesla-Fabrik protestierten am Eröffnungstag Klimaaktivisten. Sie führten auf der nahe gelegenen Bundesautobahn 10 eine Abseilaktion von einer Schilderbrücke durch, was Verkehrsstörungen verursachte. Außerdem blockierten nach eigenen Angaben Angehörige der Gruppen Sand im Getriebe, Ende Gelände und Extinction Rebellion ein Werkstor der Fabrik. Einen Tag zuvor kam es zu einem Kabelbrand in der Nähe des S-Bahnhofs Berlin-Wuhlheide, der Störungen im Fern- und Regionalverkehr verursachte. Der polizeiliche Staatsschutz ermittelte wegen eines mutmaßlich politisch motivierten Brandanschlags.Autobahn wegen Abseilaktion gesperrt – Kabelbrand bei der Bahn. In: Tagesspiegel. 22. März 2022, abgerufen am 8. Juni 2023. Laut einem anonymen BekennerschreibenAnschlag auf Bahn, Tesla und zum Krieg. In: kontrapolis. 21. März 2022, abgerufen am 8. Juni 2023. hätten die Täter mit ihrer Sabotage die Anreise von 3000 pendelnden Beschäftigten und die publikumswirksame Kundenübergabe von Teslafahrzeugen bei der Eröffnungsveranstaltung beeinträchtigen wollen.Sabotage vor Tesla-Start? Feuer am Gleis – Bahnverkehr in Berlin und Brandenburg mit Verspätungen. In: kontrapolis. 21. März 2022, abgerufen am 8. Juni 2023.
Geplante Erweiterung Die geplante Erweiterung des 300 Hektar großen Werksgeländes um weitere rund 100 Hektar östlich des bisherigen Werksgeländes, die einen neuen Bebauungsplan erfordern würde, verzögerte sich. Der Grünheider Hauptausschuss stimmte Anfang Juni 2022 Teslas Plänen zur Erweiterung des Werksgeländes zu, die Gemeindevertretung leitete das Verfahren für einen neuen Bebauungsplan am 8. Dezember 2022 ein. Gegen den Plan gingen zahlreiche Einwände ein, zudem wurde gegen die Erweiterung demonstriert. Die Gemeinde beschloss eine Einwohnerbefragung über die Erweiterung. Darin sprach sich am 20. Februar 2024 eine Mehrheit gegen die Planungen aus. Der Bürgermeister sagte daraufhin, er wolle in der Gemeindevertretung weiter über geänderte Pläne beraten.