Sępopol [] (deutsch Schippenbeil) ist eine Stadt im Powiat Bartoszycki (Kreis Bartenstein) in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren mit etwa 2200 Einwohnern. Die Stadt ist außerdem Amtssitz der gleichnamigen Gmina (Stadt- und Landgemeinde) mit 42 Ortschaften.
Geographische Lage Lage Die Stadt liegt im ehemaligen Ostpreußen an der Einmündung der Guber in die Alle (poln. Łyna) im Bartenland, etwa 13 Kilometer östlich von Bartoszyce (Bartenstein) und 60 Kilometer südöstlich von Kaliningrad (Königsberg). Die Entfernung zur Grenze der russischen Exklave Oblast Kaliningrad bei dem Grenzort Szczurkowo (Schönbruch) beträgt elf Kilometer.
Geschichte mini|hochkant|Siegelabdruck der Stadt von 1351 mit der Umschrift S'. CIVITAT[IS] SCHIFFENBURCFriedrich August Voßberg: Geschichte der Preußischen Münzen und Siegel von frühester Zeit bis zum Ende der Herrschaft des Deutschen Ordens. Berlin 1843, Tafel XVII im Anhang, unten rechts. mini|hochkant|Historisches Rathaus, erbaut 1752–1753, zerstört 1807 durch Brand und nicht wieder aufgebaut. mini|Stadtpanorama, vom Kirchturm aus gesehen. mini|Teil einer Festungsanlage mini|Alter Wasserturm mini|Schippenbeil um 1872 (nach einer Darstellung der Pfarrersfrau Gregorovius). Die nach 1945 als Sepopol benannte Stadt wurde in der Nähe einer prussischen Siedlung erbaut, nach Goldbeck im Jahr 1230, und auf alten Stadtsiegeln Schiffenburc oder Schiffenburg genannt. Die Stadt scheint danach zerstört worden zu sein, denn 1351 erhielt sie vom Hochmeister des Deutschen Ordens eine Handfeste. Ein Siegelabdruck an der Urkunde von 1351 zeigte ein Schiff vor dem Hintergrund einer Burg mit der Umschrift S'. CIVITATIS SCHIFFENBURC. Dass der später übliche Name Schippenbeil nach dem Komtur des Deutschen Ordens Ludwig von SchippenJohannes Voigt: Geschichte Preußens von den ältesten Zeiten bis zum Untergange der Herrschaft des Deutschen Ordens. Vierter Band: Die Zeit von der Unterwerfung Preußens 1283 bis zu Dieterichs von Altenburg Tod 1341. Königsberg 1830, S. 154 ff. benannt ist, gilt nicht als sicher.Gustav Liek: Die Stadt Schippenbeil mit Berücksichtigung des Kirchspiels und der Umgebung. Königsberg 1874, S. 11 ff. Ebenso ungewiss ist, ob der Ortsname, der früher auch Scheppenbil und Scheffenbil gelautet hatte, darauf zurückzuführen ist, dass hier einmal der Sitz eines Schöffen war, wie Johannes Voigt vorgeschlagen hat.Johannes Voigt: Geschichte Preußens von den ältesten Zeiten bis zum Untergange der Herrschaft des Deutschen Ordens. Erster Band: Die Zeit des Heidentums (mit Abbildungen altpreußischer Grabhügel). Königsberg 1827, S. 495. Die Endung „Beil“ deutet auf die altpreußische Siedlung hin (vgl. das deutsche Wort Weiler, aber auch die weiter westlich gelegene Stadt Heiligenbeil). Nachdem es innerhalb des Deutschordensstaats zu einem Streit um Ländereien zwischen dem Bischof von Ermland und dem Deutschen Orden gekommen war, wurde in einem Schiedsverfahren vom 28. und 29. Juli 1374 die bis in die Neuzeit gültigen Grenzen Ermlands festgelegt, und die Städte Rastenburg, Bartenstein und Schippenbeil wurden dem Orden zugesprochen.Gustav Liek: Die Stadt Schippenbeil mit Berücksichtigung des Kirchspiels und der Umgebung. Königsberg 1874, S. 51.
Im Jahr 1749 brannte das alte, zwei Etagen hohe Rathaus in Stadtmitte ab. 1753 wurde ein neues Rathaus in Massivbauweise fertiggestellt, dessen Baukosten 4000 Taler betragen hatten. 1807 wurde dieses architektonisch ansprechend gestaltete Rathaus in der Nacht vor der Schlacht bei Friedland von den Russen niedergebrannt. Die Ruine des Rathauses wurde danach abgetragen, und der frühere Standplatz wurde gepflastert und diente seither als Teil des Marktplatzes.Gustav Liek: Die Stadt Schippenbeil mit Berücksichtigung des Kirchspiels und der Umgebung. Königsberg 1874, S. 20–22, Ziffer 5.
Von 1818 bis 1927 gehörte Schippenbeil zum Landkreis Friedland und – nach dessen Umbenennung – von 1927 bis 1945 zum Landkreis Bartenstein im Regierungsbezirk Königsberg der Provinz Ostpreußen des Deutschen Reichs.
Die Stadt blieb die Jahrhunderte hindurch immer sehr klein, obwohl sie an einem wichtigen Übergang über die Alle liegt. Die Altstadt liegt am linken Ufer des Flusses, doch bildete sich entlang der nach Osten führenden Hauptstraße rechts des Flusses die Bartener Vorstadt. Als in den 1860er Jahren die Hauptbahn Königsberg–Lyck–Grajewo–Białystok gebaut wurde, lehnte die Stadtverwaltung auf Druck der ansässigen Fuhrleute einen Anschluss ab und vergab damit eine wichtige Entwicklungschance. Erst sehr viel später wurde die Stadt durch eine kurze Stichbahn nach Wöterkeim mit der Hauptstrecke verbunden.
Die Einwohnerzahl erreichte 1871 mit 3250 ihren Höhepunkt, sank dann aber bis zum Ersten Weltkrieg wieder auf 2400. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Schippenbeil eine evangelische Kirche, ein Amtsgericht, eine Maschinenfabrik, ein großes Mühlwerk und zwei Dampfsägewerke.
Während des Zweiten Weltkriegs befand sich in Schippenbeil ein Außenarbeitslager des KZ Stutthof. Wie die meisten ostpreußischen Städte wurde auch Schippenbeil bei Kriegsende 1945 stark zerstört. Kurz nach Kriegsende 1945 wurde Schippenbeil von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Für Schippenbeil wurde die polnische Ortsbezeichnung Sępopol eingeführt. Soweit die deutschen Bewohner nicht geflohen waren, wurden sie in der Folgezeit größtenteils von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben.
Heute ist die Stadt Sitz einer polnischen Stadt- und Landgemeinde. Erhalten geblieben sind die stattliche Kirche der Stadt und eine Häuserzeile am Markt. Die abseitige Lage an der Grenze behindert die Entwicklung des Ortes.
Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1744 1343 Gustav Liek: Die Stadt Schippenbeil mit Berücksichtigung des Kirchspiels und der Umgebung. Königsberg 1874, S. 30. 1767 1516 in 211 Wohnhäusern 1777 1810 in 267 Wohnhäusern 1782 > 1800 ohne die Garnison (zwei Grenadierkompanien)Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil I: Topographie von Ost-Preussen. Marienwerder 1785, S. 18, Nr. 2; . 1802 1990 Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z. Halle 1823, S. 368–375, Ziffer 630 (Google Books). 1810 1515 1816 1714 davon 1686 Evangelische und 28 Katholiken (keine Juden) 1821 1957 in 208 Privatwohnhäusern 1831 2191 August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 513–514, Nr. 110; . 1852 2909 Kraatz: Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats. Berlin 1856, S. 546; . 1858 2879 davon 2819 Evangelische, 27 Katholiken und 33 JudenAdolf Schlott: Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Königsberg, nach amtlichen Quellen. Hartung, Königsberg 1861, S. 85, Ziffer 230. 1864 3205 am 3. DezemberDie Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Königsberg. Preußisches Finanzministerium, Berlin 1966, 5. Kreis Friedland, S. 26, Ziffer 174. 1871 3250 in 256 Wohnhäusern 1875 3155 1880 3174 1890 2996 davon zwölf Katholiken und 68 Juden 1905 2369 1910 2475 Stadt, mit einer evangelischen Pfarrkirche, einer Synagoge, einem Amtsgericht, einem Krankenhaus, einer kaufmännischen und gewerblichen Fortbildungsschule, einem Knaben-Waisenhaus, einer Mühle, einer Brauerei, Sägewerken, einer Ziegelei, einer Färberei, Getreidehandel sowie Vieh- und PferdemärktenSchippenbeil, Stadt, rechts der Alle, Kreis Friedland, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Schippenbeil (meyersgaz.org). 1933 2798 1939 3436
+ Bevölkerungsentwicklung seit 1946 Jahr 1995 2000 2005 Einwohner 2284 2283 2101
Balkendiagramm der Einwohnerzahlen
Kirchen Evangelische Kirche mini|Stadtkirche (bis 1945 evangelisch) Schippenbeil war schon in vorreformatorischer Zeit ein Kirchdorf. Die Reformation hielt hier dann recht früh Einzug. Die Stadt gehörte vor 1945 zum Kirchenkreis Friedland (Ostpr.) (heute russisch: Prawdinsk), zuletzt zum Kirchenkreis Bartenstein (polnisch: Bartoszyce) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union.
Heute in Sępopol lebende evangelische Kirchenglieder gehören zur Kirchengemeinde Bartoszyce (Bartenstein), die eine Filialgemeinde von Kętrzyn (Rastenburg) in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen ist.
Kirchspielorte Bis 1945 gehörte zur Kirchengemeinde Schippenbeil ein weitgedehntes Kirchspiel mit den Ortschaften: Deutscher Name (bis 1945) Polnischer Name Deutscher Name (bis 1945) Polnischer Name Anger Pöhnen Pieny Arndshof Domkowo Prantlack Prętławki Blunken Błonie Rohden, bis 1938: Schippenbeilshof Sępopolski Dwór Boritten Boryty Romsdorf Romankowo Dojaunen Laguny Roschehnen Rusajny Gilgenau Roskeim Roskajmy Honigbaum Miedna Rückgarben Rygarby Karlsfelde Karolewo Schippenbeil Sępopol Kinnwangen Kinwągi Schmirdtkeim (Waldhaus) Śmiardowo Landskron Smolanka Stolzenfeld Stopki Langendorf Długa Talowo Tałowo Lehwaldsruh Masuńskie Włóki Thorms Turcz Louisenhof Łobzowo Wöterkeim Wiatrowiec Massaunen Masuny
Pfarrer Von der Reformation bis 1945 amtierten jeweils zwei Geistliche (Pfarrer und Diakonus) in Schippenbeil:Friedwald Moeller: Altpreußisches Evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1946. Hamburg 1968, S. 133–134.
Johann Ortle, bis 1527 Valentin Wildemannsdorf, 1526–1527 Adam N. Benedict Weier, 1527–1550 Simon Steger, 1550–1551 Franciscus Marshausen, 1550–1555 Samuel Hebel, 1551–1555 Thomas N., 1553 Abraham Röder, 1555–1556 Friedrich Hofmann, 1556–1562 Johann Freudenhammer, 1556–1567 Jacob Buschcke, 1562–1568 Crispin Radewalt, 1567–1568 Joachim Groß, 1568–1569 David Tymno, 1569–1573 Matthias Sokolowius, ab 1569 Vincentius N., bis 1572 David Kolbe, 1572–1576 Heinrich Schönhut, 1573–1581 G. Halbach v. d. Pforte, 1576–1581 Christoph Schulz, 1581–1582 Martin Prätorius (Schultz), 1582–1588 Siegismund Weier, 1583–1585 Albert Wilhelmi, 1585 Georg Poltzin, 1585–1602 Jonas Wolstein, 1588–1592 Georg Kluge, 1593–1643 Justus Grube, 1602–1611 Leonhard Fabritius, 1611–1620 Adam Prätorius, bis 1630 Matthäus Wilde, 1630–1644 Christian Schnepfmüller, 1643–1653 Johann Reichel, 1644–1646 Martin Weiß, 1646–1654 Philipp Cramer, 1653–1660 Christian Wilcke, 1654–1656 Adam Gorlovius, 1656–1657 Johann Blanckenstein, 1658–1676 Paul Crüger, 1661–1679 Adam Stendel, 1676–1700 Johann Zeidler, 1680–1710 Martin Gottfried Dorn, 1699–1722 Daniel Walther, 1700–1718 Christoph Cramer, 1718–1721 Adam Neumann, 1722–1728 Daniel Fischer, 1723–1730 Bernhard Matzke, 1728–1731 Samuel Hart, 1731–1761 Johann Georg Segers, 1731–1783 Gottfried Heinrich Friederici, 1761–1783 Georg Wilhelm Hausdorf, 1783–1787 Johann Georg Segers, 1783–1814 Carl Friedrich Norgarb, 1787–1838 Christoph Michael Nietzki, 1814–1824 Carl Ludwig Fürchtegott Hintz, 1824–1854 Carl Eduard Hinz, 1839–1873 Rudolf (Carl F.) Gregorovius, 1855–1866Gregorovius 1 (1808–1866) war Angehöriger des Corps Masovia. Friedrich Adolf Günther, 1866–1878 Hugo Theodor Burdach, ab 1873 C. F. Rudolf Wilimzig, 1878–1903 Carl Wilhelm Hugo Freyberg, 1880–1882 Otto Koschorrek, 1882–1884 Julius Karl Kasemir, 1884–1888 Otto Eugen Bierfreund, 1888–1889 Paul Heinrich Adolf Ruppel, 1889–1893 Friedrich Ellenfeld, 1893–1899 Wilhelm K. T. Grigull, 1899–1907 Ernst Wedemann, 1903–1911 Paul Rudolf Müller, 1907–1913 Karl Wilhelm Otto Henkel, 1912–1920 Friedrich Wilhelm Worm, 1913–1942 Karl Hermann Samland, 1921–1928 Johannes Hirsch, 1929–1945 Klaus Ewert, 1942–1945
Kirchenbücher