Gustav Kirstein (geboren am 24. Februar 1870 in Berlin; gestorben am 14. Februar 1934 in Leipzig) war ein deutscher Verleger und Kunstsammler jüdischer Abstammung.
Leben Kirstein war der Sohn des Mediziners Moritz Kirstein und dessen Frau Franziska (geborene Michel 1843–1927), sowie der jüngere Bruder des Mediziners und Malers Alfred Kirstein. Er studierte zunächst Pharmazie, schloss das Studium mit einem Examen ab, arbeitete ein Jahr lang als Apothekengehilfe und wandte sich dann dem Verlagsbuchhandel zu.Georg Urdang: Der Apotheker als Subjekt und Objekt der Literatur. Springer, Berlin 1926, S. 15–16 (). Später arbeitete er für den Verlag E. A. Seemann, dessen Teilhaber er am 1. Oktober 1899 wurde. Später war er zunächst Geschäftsführer des Verlages. 1923 wurde der Sohn Ernst Arthur Elert Heinrich Seemanns, Elert Seemann (1892–1989), als Teilhaber in die Geschäftsleitung des Verlags aufgenommen. Dieser hatte sich frühzeitig der NSDAP angeschlossen. Nach dem Erstarken der Nationalsozialisten wurde Kirstein von Seemann gedrängt, den Verlag Ende Juni 1933 zu verlassen. Er wurde am 1. Juli des Jahres dem Verlag „Seemann & Co“ in Leipzig zugeteilt, der Kunstblätter herausgab. Als er 1934 starb, übernahm seine Ehefrau die Leitung des Verlages bis zu dessen Schließung 1938. Kirstein war von Mai 1912 bis Anfang des Jahres 1930 Vorsitzender des „Leipziger Bibliophilen-Abends“. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Cläre „Clara“ Therese (geborene Stein, 18. Mai 1885 bis 1939) betätigte er sich auch als Kunstsammler. Ihre gesamte Sammlung wurde 1939 von der Gestapo beschlagnahmt und einem Kunsthändler übergeben. Von beiden Eheleuten heißt es, sie hätten sich selbst das Leben genommen.
Kirstein war Gründer und Herausgeber der Zeitschrift Der Kunstmarkt (1904–1926) und der „Dehmel-Gesellschaft“ sowie Inhaber der Leipziger Klischeeanstalt „Kirstein & Co.“ beziehungsweise „Wendler, Kirstein & Co.“, deren Geschäftsstelle sich in der Hospitalstr. 11a in Leipzig befand. Er verfasste für den Börsenverein der Deutschen Buchhändler Schriften zum Urheberrecht. Seit Mai 1904 war er zudem Mitglied im Deutschen Buchgewerbeverein. Kirstein setzte sich in der Frage des Urheberrechts in den Jahren ab 1927 aktiv für die Beibehaltung der 30-jährigen Schutzfrist für Literatur ein und führte dafür sogar eine Unterschriftensammlung durch, für die mehr als 800 namhafte Persönlichkeiten ihre Unterschriften gaben. 1933 wurde er gezwungen, alle öffentlichen Ämter aufzugeben.
Kirstein wurde am 26. Juni 1922 von der Technischen Hochschule Aachen , zum Ehrendoktor ernannt.Imprimatur: Ein Jahrbuch Für Bücherfreunde. Band 18. Verlag der Gesellschaft der Bibliophilen, 2003, S. 295.
Familie mini|Stolpersteine in Leipzig
Aus der Ehe Kirstein gingen zwei Töchter hervor, die frühzeitig aus Deutschland auswanderten. Gabriele (* 1905) Marianne (* 1907)
An seine Nichte Thekla Kirstein wurden die zwei Bilder Die Lautenspielerin und Walchensee, Johannisnacht zurückgegeben.
Schriften (Auswahl)
Als Herausgeber
Literatur
Kirstein, Gustav. In: Joseph Walk (Hrsg.): Kurzbiographien zur Geschichte der Juden 1918–1945. K. G. Saur, München 1988, ISBN 3-598-10477-4, S. 194.
Weblinks Geschäfts- und Gesellschaftsverträge zwischen E. A. Seemann und Gustav Kirstein ( – archiv.sachsen.de) Stolpersteine Leipzig: Cläre und Gustav Kirstein (Trufanowstraße 8) Schriften von Kirstein, Gustav in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
Einzelnachweise
Kategorie:Verleger (Leipzig) Kategorie:Kunstsammler Kategorie:Ehrendoktor der RWTH Aachen Kategorie:Person, für die in Leipzig ein Stolperstein verlegt wurde Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1870 Kategorie:Gestorben 1934 Kategorie:Mann