Das Team Visma | Lease a Bike ist das erfolgreichste Radsportteam der Niederlande und hat seinen Sitz in Amsterdam. Es wurde im Jahr 1984 von Jan Raas unter dem Namen Kwantum-Decosol gegründet.

Zu den größten Erfolgen der Mannschaft gehören zwei Tour-de-France-Gesamtwertungssiege durch Jonas Vingegaard in den Jahren 2022 und 2023. Im Jahr 2023 konnte das Team als erste Mannschaft alle drei Grand Tours in einem Jahr für sich entscheiden, wobei sie mit Jonas Vingegaard, Primož Roglič und Sepp Kuss drei unterschiedliche Gesamtsieger stellte.

Des Weiteren erzielte die Mannschaft Gesamtsiege beim Giro d’Italia (2009, 2023, 2025, 2026) und der Vuelta a España (2007, 2019, 2020, 2021, 2023, 2025). Mit Lüttich–Bastogne–Lüttich (2020), Mailand–Sanremo (2020), der Flandern-Rundfahrt (1986, 1989, 1991, 1997) sowie Paris–Roubaix (2026) stellte das Team bereits sieben Sieger bei den fünf Monumenten des Radsports.

Organisation Seit dem Jahr 2024 startet die niederländische Mannschaft als Team Visma – Lease a Bike, wobei das Unternehmen offiziell den Namen Yellow B. trägt. Die Umstrukturierung erfolgte Ende 2023 im Zuge eines Sponsorenwechsels, im Bemühen eine eigene Identität zu schaffen, die nicht an den Geldgeber gebunden ist. Als CEO fungiert der Niederländer Richard Plugge, der die Leitung des Teams im Jahr 2013 übernahm. Weiters sind im sportlichen Management Grischa Niermann, Jacco Verhaeren, Mathieu Heijboer, Robbert de Groot und Patrick Broe tätig (Stand 2024). Die Mannschaft ist Träger einer UCI-WorldTeam-Lizenz und somit bei den größten Rennen des Straßenradsports startberechtigt.

Die Gründung der Mannschaft geht auf den niederländischen Radsportler Jan Raas zurück, der das Team im Jahr 1984 um sich formierte und nach seinem Karriereende bis ins Jahr 2003 leitete. Nachdem die Mannschaft in ihren Jahren viele unterschiedliche Namen getragen hatte, konnte sie mit dem Kreditinstitut Rabobank einen großen Sponsor lukrieren, der sich im Zuge mehrerer Doping-Skandale im Jahr 2012 aus dem Radsport zurückzog. Im Zuge einer Neustrukturierung fuhr die Mannschaft unter den Namen Belkin-Pro Cycling Team, Team Lotto NL-Jumbo und Jumbo-Visma, wobei sie in jenen Jahren von Richard Plugge aufgebaut wurde.

Neben der Männer-Mannschaft verfügt das Team Visma-Lease a Bike auch über ein Frauen-Team und eine Nachwuchsmannschaft (Team Visma-Lease a Bike Development).

Geschichte

1984–1986: Kwantum-Decosol mini|Jan Raas gründet die Kwantum-Decosol Mannschaft im Jahr 1984|links|200x200px Nach einer Auseinandersetzung zwischen dem Fahrer Jan Raas und dem sportlichen Leiter Peter Post kam es am Ende der Saison 1983 zur Teilung der niederländischen TI-Raleigh Mannschaft. Es entstanden die Mannschaften Kwantum-Decosol und Panasonic, wobei mit Ludo Peeters, Leo van Vliet, Ad Wijnands, Cees Priem, Jacques Hanegraaf und Adri van Houwelingen sechs Fahrer Jan Raas folgten. Weiters konnte sich das Team die Dienste von bekannten Radsportlern wie Joop Zoetemelk, Hennie Kuiper und Adrie van der Poel sichern. In der ersten Saison (1984) der neugegründeten Kwantum-Decosol-Mannschaft trugen Jacques Hanegraaf und Adrie van der Poel auf den ersten Etappen das Gelbe Trikot bei der Tour de France. Zu den größten Erfolgen zählte der Sieg beim Amstel Gold Race, sowie ein Tour-de-France-Etappensieg durch Jan Raas, der seine Karriere im Frühjahr 1985 beendete und die sportliche Leitung übernahm. In den beiden nachfolgenden Jahren folgten vier weitere Tour-de-France-Etappensiege, jeweils ein Erfolg bei Züri Metzgete, der Clásica San Sebastián und der Sieg von Adrie van der Poel bei der Flandern-Rundfahrt 1986. Weiters wurde Joop Zoetemelk im Jahr 1985 Weltmeister und bestritt die anschließende Saison im Regenbogentrikot.

1987–1989: Superconfex-Yoko Mit dem Jahr 1987 erhielt die weiterhin von Jan Raas geführte Mannschaft mit Superconfex einen neuen Hauptsponsor. Adrie van der Poel verließ die Mannschaft und Joop Zoetemelk beendete seine Karriere mit dem Ende der Saison 1987, wobei er zuvor das Amstel Gold Race gewann. Für Erfolge sorgte nun der vom Skala-Skil Team neu hinzugekommene Sprinter Jean-Paul van Poppel, der im Alter von 24 Jahren bei der Tour de France 1987 zwei Etappen und die Punktewertung gewann. Nachdem er bei der Tour de France 1988 vier Etappen für sich entschieden hatte, verließ er die niederländische Mannschaft jedoch wieder. Bis ins Jahr 1989 sorgten mit Rolf Gölz und Jelle Nijdam zwei weitere Fahrer für Etappensiege beim größten Radrennen der Welt. In der Gesamtwertung gelang dem, eher klassikerorientierten Team jedoch kein Top-Ergebnis. Weitere große Siege in jenen Jahren waren Züri Metzgete (1987), Amstel Gold Race, Mailand–Turin (jeweils 1988 und 1989) und der zweite Sieg bei der Flandern-Rundfahrt im Jahr 1989 durch Edwig Van Hooydonck.

1990–1992: Buckler-Colnago-Decca Ab dem Jahr 1990 ging die niederländische Mannschaft unter dem Namen Buckler-Colnago-Decca an den Start. Bis ins Jahr 1992 nahm die Anzahl der Tour-de-France-Etappensiege stetig ab, wobei das Team im Jahr 1992 erstmals seit seiner Gründung keinen Tageserfolg feierte. Bei den großen Eintagesrennen war man im Jahr 1991 mit Edwig Van Hooydonck bei der Flandern-Rundfahrt und mit Frans Maassen beim Amstel Gold Race erfolgreich. Weiters verpflichtete die Mannschaft den Niederländer Steven Rooks, der mit dem neunten Gesamtrang bei der Vuelta a España 1991 für den ersten Top 10-Platz im Gesamtklassement einer Grand Tour sorgte. Das Jahr 1992 stellte mit nur 28 Siegen die bis dahin schlechteste Saison in der Geschichte der Mannschaft dar.

1993–1994: Wordperfect–Colnago–Decca Nach David Dekker im Jahr 1992, begann im Jahr 1993 auch Michael Boogerd seine Karriere bei der niederländischen Mannschaft, die nun für zwei Saisonen unter dem Namen Wordperfect–Colnago–Decca fuhr. Weiters verpflichtete das Team den Mexikaner Raúl Alcalá für eine Saison, in der er die Tour DuPont vor Lance Armstrong gewann, ehe er sich dem US-Amerikaner auf der 8. Etappe der Tour de France 1993 geschlagen geben musste. Frans Maassen unterlag Johan Museeuw im Zweier-Sprint bei der Flandern-Rundfahrt und auch Edwig Van Hooydonck konnte mit dem Pfeil von Brabant nur ein größeres Eintagesrennen gewinnen. Im Jahr 1994 sicherte sich die Mannschaft die Dienste des 28-jährigen Russen Viatcheslav Ekimov, der nach dem Gesamtsieg bei der Valencia-Rundfahrt den dritten Rang bei der Fernfahrt Paris–Nizza belegte. Wie in den vorangegangenen Jahren konnte die Mannschaft jedoch keinen großen Sieg einfahren.

1995: Novell Software-Decca Im Jahr 1995 trug die Mannschaft den Namen von Novell Software, das Wordperfect als Produkt verkaufte. Der Sponsor blieb somit trotz der Namensänderung derselbe. Mit dem Usbeken Dschamolidin Abduschaparow verpflichtete die Mannschaft einen Top-Sprinter, der im Jahr 1994 die Punktewertung der Tour de France gewonnen hatte. Bei der Tour de France 1995 setzte er sich im Sprint auf der Champs Élysées durch und sorgte so für den ersten Tour-de-France-Etappensieg der niederländischen Mannschaft seit Jelle Nijdam im Jahr 1991. Edwig Van Hooydonck gewann zum insgesamt vierten Mal den Pfeil von Brabant und wurde Zweiter des Omloop Het Volk, während Viatcheslav Ekimov als Vierter nur knapp einen Podestplatz bei Paris–Roubaix verpasste. Für einen weiteren größeren Erfolg sorgte der Franzose Frédéric Moncassin, der Kuurne–Brüssel–Kuurne als Solist gewann.

1996–2012: Rabobank mini|Michael Boogerd sorgt im Jahr 1998 für die erste Top-10-Platzierung bei der Tour de France Mit dem niederländischen Kreditinstitut Rabobank konnte die Mannschaft im Jahr 1996 einen neuen Hauptsponsor lukrieren, der bis ins Jahr 2012 im Radsport tätig blieb. In jenen Jahren konnte das Rabobank ProTeam, später Rabobank Cycling Team, mehrere große Erfolge einfahren. Im Zuge der USADA Ermittlungen um den Fall US-Postal konnte der Mannschaft jedoch systematisches Doping nachgewiesen werden. Bereits in der ersten Saison wechselten mit Rolf Sørensen und Johan Bruyneel zwei bekannte Fahrer zu der niederländischen Mannschaft. Auch Adrie van der Poel kehrte ins Team zurück, wobei er sich zwischenzeitlich vermehrt auf den Cyclocross-Sport fokussierte und im Jahr 1996 Weltmeister wurde. Edwig Van Hooydonck beendete im Jahr 1996 seine Karriere und Dschamolidin Abduschaparow wurde durch den 23-jährigen australischen Sprinter Robbie McEwen ersetzt. Rolf Sørensen gewann Kuurne–Brüssel–Kuurne und eine Etappe der Tour de France 1996. Im Jahr 1997 sorgte er für den vierten Erfolg bei der Flandern-Rundfahrt. Auch Michael Boogerd konnte im Jahr 1996 eine Etappe der Tour de France gewinnen und entwickelte sich in den nachfolgenden Jahren zu einem Leistungsträger der Mannschaft. Mit dem fünften Gesamtrang bei der Tour de France 1998, fuhr er als erster Fahrer der niederländischen Mannschaft in die Top 10 der Gesamtwertung. Im Jahr darauf gewann er die Fernfahrt Paris–Nizza, das Amstel Gold Race und den Giro dell’Emilia. Mit dem Jahr 2000 konnte auch sein Landsmann Erik Dekker seine ersten großen Erfolge einfahren. Bei der Tour de France 2000 gewann er drei Etappen, ehe er sich auch bei der Clásica San Sebastián durchsetzte. In den nachfolgenden Jahren siegte er beim Amstel Gold Race (2001) und gewann die Gesamtwertung der Fernfahrt Tirreno–Adriatico (2002). Bis ins Jahr 2002 konnte die Mannschaft unter ihrem neuen Namen zehn Etappen bei der Tour de France gewinnen, wobei sich auch Léon van Bon, Robbie McEwen, Marc Wauters und Karsten Kroon in die Siegerlisten des größten Radrennens der Welt eintrugen. Während Adrie van der Poel seine Karriere nach dem Ende der Cyclocross-Saison 1999/2000 beendete, hatte sich das Rabobank ProTeam im Jahr 1998 die Dienste des Belgiers Sven Nys gesichert, der als der erfolgreichste Cyclocross-Fahrer der Jahrtausendwende gilt. mini|In den Jahren 2005 und 2006 gewinnt Michael Rasmussen die Bergwertung der Tour de France.