Als Schwellenmarkt (meist als Anglizismus verwendet) werden im Marketing und in der Volkswirtschaftslehre die Märkte von Schwellenländern oder die Schwellenländer selbst bezeichnet. Die Weltbank-Tochtergesellschaft Internationale Finanz-Corporation schlug 1981 vor, den negativ konnotierten Begriff „Entwicklungsland“ () durch die Bezeichnung „emerging market“ zu ersetzen.The Economist vom 5. Oktober 2017, Defining Emerging Markets, abgerufen am 15. November 2021Daniel Wilhelmi, Emerging Markets: Von den aufstrebenden Märkten profitieren, 2007, S. 15 Die Weltbank definiert heute ein solches Schwellenland als Staat, in welchem das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf zwischen US$ 1046 und US$ 4095 liegt ().World Bank/Country and Lending Groups (Hrsg.), Country Classifications, 2022 Der Begriff „Emerging Markets“ wurde seither von den Ratingagenturen bei ihrem Länderrating übernommen.

Markt-Klassifizierung Je nach Marktrisiko lassen sich die Staaten in entwickelte Märkte (; Industriestaaten), Schwellenmärkte und Grenzmärkte () klassifizieren. Letztere haben eine geringere Marktkapitalisierung und Marktliquidität als die besser entwickelten Schwellenmärkte.

Markt-Klassifizierung Marktrisiko Bruttoinlandsprodukt pro Kopf Verarbeitungsstufen Grenzmärkte sehr hohes Marktrisiko sehr niedrig keine Schwellenmärkte mittleres Marktrisiko Mittelwerte mindestens eine entwickelte Märkte niedriges bis sehr niedriges Marktrisiko hoch bis sehr hoch alle

Das Marktrisiko setzt sich aus schnell veränderlichen Marktdaten wie Preisniveau, Zinsniveau, Kursniveau, Konjunkturrisiken, Länderrisiken, Anfälligkeit für volkswirtschaftliche Schocks, gesetzlichen Auswirkungen wie Verbraucherschutz, Steuern, aber auch Kriege, Naturkatastrophen, politischen Risiken, Umweltveränderungen, demografischen Entwicklungen oder technologischem Fortschritt zusammen und ist höher als in entwickelten Märkten. Verarbeitungsstufen für die Agrarprodukte und Rohstoffe gibt es in Schwellenmärkten nur wenige, so beispielsweise die erste Verarbeitungsstufe bei Agrarprodukten oder bei Rohstoffen. Die Weiterverarbeitung zu Endprodukten erfolgt meist in den importierenden Industriestaaten.

Staaten Es handelt sich bei Schwellenmärkten um schnell entwickelnde Volkswirtschaften mit hohem Wirtschaftswachstum, die sich im Übergang vom Schwellenland zum Industriestaat befinden.IMF Working Paper WP 04/177, What is an Emerging Market?, September 2004, S. 5 Übergang bedeutet der Wandel von einer geschlossenen Volkswirtschaft zu einer offenen. Hierzu gehören in Afrika Südafrika, in Asien der Nahe Osten, Indien, die Tigerstaaten und die Volksrepublik China, in Europa Osteuropa und Russland und in Südamerika Brasilien. Damit sind auch die BRICS-Staaten als Schwellenmärkte erfasst.

Staat Bruttoinlands-produkt Bruttoinlandsprodukt pro Kopf Jahr 16.862.979 12.159 20213.022.061 2.234 2019 2.614.027 2.573 2011 2.288.428 15.834 2013 1.823.852 35.486 2021 1.315.356 10.178 2014 1.150.245 4.356 2021 1.081.383 13.412 2021 957.504 11.521 2013 842.588 25.859 2021 785.589 33.305 2021 655.332 21.546 2021 643.861 14.537 2017568.499 2.9812014546.223 8.260 2021467.532 66.046 2021458.708 8.124 2011 422.215 44.894 2018 396.328 4.240 2021 385.737 3.676 2021 382.093 7.748 2013 378.64566.491 2021 371.114 11.740 2021 368.002 3.927 2021

Die Liste enthält auch Staaten, die nach der Weltbank-Klassifikation ein höheres Bruttoinlandsprodukt pro Kopf aufweisen, weil auch die Staaten mit höheren Marktrisiken erwähnt werden. Kleinstaaten oder Stadtstaaten wie Singapur besitzen im Regelfall höhere pro-Kopf-Zahlen als Flächenstaaten wie Brasilien. Der MSCI Emerging Markets-Aktienindex begann 1988 mit zehn und umfasst nun 24 Länder. Der MSCI Frontier Index enthält derzeit 29 Staaten als Grenzmärkte.

Wirtschaftliche Aspekte Es handelt sich bei Schwellenmärkten um Staaten oder Wirtschaftsräume, die sich auf der Schwelle zum Industriestaat befinden.Gerhard Clemenz, Das 1x1 der Geldanlage, 2012, S. 289 Schwellenmärkte können zu Wachstums- oder Zukunftsmärkten avancieren, auch ihr Wandel zum Status des Industriestaates ist möglich (bei Südkorea). Es besteht häufig ein geringes Niveau der Marktregulierung, die Volatilität der Marktpreise und Börsenkurse ist dort überdurchschnittlich hoch. Ihre Industrialisierung macht Fortschritte, gleichzeitig wächst der Dienstleistungssektor, es vollzieht sich in der Wirtschaftsstruktur eine Wandlung vom Agrarstaat zum Industriestaat. Zwar kann es immer wieder zu politischen Spannungen und Engpässen in der Versorgung kommen, doch steigt die Lebenserwartung der Bevölkerung sukzessive an, zudem verstärkt eine wachsende Mittelschicht den Konsum.Fondsdiscount.de vom 15. April 2019, Frontier Markets, abgerufen am 15. November 2021 Eine steigende nationale Kaufkraft stabilisiert die Binnenmärkte, ein Technologietransfer durch Direktinvestitionen aus Industriestaaten kann zur Verbesserung der Terms of Trade in Schwellenländern beitragen. Für Gläubiger, Investoren oder Kontrahenten ist das Länderrisiko in Schwellenländern und in deren Schwellenmärkten groß, da Verstaatlichung oder indirekte Enteignung – im Gegensatz zu Investitionen in Ländern der OSZE – als hoch eingestuft wird. Diesem Risiko stehen hohe Gewinnchancen gegenüber.

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