Die Genossenschaft Migros Aare (GMAA) ist eine von zehn Genossenschaften des Migros-Genossenschafts-Bundes. Sie hat ihren Sitz in Moosseedorf und ist ein rechtlich eigenständiges Unternehmen innerhalb des Migros-Genossenschafts-Bundes (MGB). Die Migros Aare entstand 1998 aus einer Fusion der Genossenschaften Bern und Aargau/Solothurn. Gemessen am Umsatz ist sie die grösste aller Migros-Genossenschaften.

Organisation und Kennzahlen mini|Shoppyland Schönbühl Das Einzugsgebiet der Migros Aare umfasst die Kantone Aargau, Bern (ohne den französischsprachigen Berner Jura) und Solothurn (ohne das Schwarzbubenland). Benannt ist die Genossenschaft nach dem Fluss Aare, der durch alle drei Kantone fliesst. Am Genossenschaftskapital des MGB hält sie einen Anteil von 19,7 %. Im Jahr 2025 zählte die Migros Aare 544'657 Genossenschafter, die durch einen alle vier Jahre neu gewählten Genossenschaftsrat mit 60 Mitgliedern vertreten werden. 17 der Ratsmitglieder sind gleichzeitig Delegierte an die Delegiertenversammlung des MGB. 2025 erwirtschafteten 7'539 Mitarbeiter einen Umsatz von 3,059 Milliarden Franken und einen Gewinn von 63,4 Millionen Franken. Der Hauptsitz der Genossenschaft ist das Verteilzentrum neben dem Shoppyland Schönbühl in Moosseedorf.

Um die Effektivität des Supermarktgeschäft zu steigern nahm am 1. Januar 2024 die zentral gesteuerte Migros Supermarkt AG als Tochterunternehmen des MGB den Betrieb auf.

Geschäftstätigkeit Zur Genossenschaft Migros Aare gehören (Stand: 2025): 128 Supermärkte

49 Voi-Verkaufsstellen 48 Gastronomiebetriebe (M-Restaurants, M-Take-away)

Überdies betreibt die Genossenschaft Migros Aare neun Einkaufszentren in den Kantonen Bern, Solothurn und Aargau. Ebenso ist die Genossenschaft im Auftrag der 1995 vom MGB gegründeten Stiftung Gurten-Park im Grünen für den Unterhalt des Freizeitparks auf dem Berner Hausberg Gurten zuständig.

Geschichte

Migros Bern Die Migros stiess im Kanton Bern auf hartnäckigen Widerstand der Behörden und mittelständischen Gewerbetreibenden. Am 25. März 1930 eröffnete sie ihren ersten Laden in Bern, zwei Tage später erfolgte der Eintrag der Berner Zweigniederlassung ins kantonale Handelsregister. Als am selben Tag erstmals Verkaufswagen ausfuhren, beschlagnahmte die Berner Stadtpolizei diese vorübergehend wegen fehlender Bewilligungen; die mitgeführten Waren lagerte sie ein. Diese Auseinandersetzung bescherte der Migros sogleich viel Gratiswerbung. Die vom Journalisten Alfred A. Häsler verbreitete Legende, wonach einer der Angestellten von einem Flugzeug aus Flugblätter auf die Stadt abgeworfen haben soll, um gegen das Verkaufswagenverbot zu protestieren, ist aufgrund fehlender neutraler Quellen schwer überprüfbar. Schliesslich lag am 2. Juni 1930 die Bewilligung für drei Verkaufswagen vor.

Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler verwickelte die Kantonsbehörden aufgrund der willkürlich hohen Gebühren in Verwaltungsverfahren, die er bis ans Bundesgericht weiterzog. Als er sich im Februar 1931 in einem anderen Rechtsfall weigerte, eine Geldbusse von 400 Franken zu bezahlen, wurde ihm eine Kommode gepfändet. Er empfand dies als besonders ungerecht, da das Urteil nur wegen eines Berechnungsfehlers des Berner Obergerichts zustande gekommen war und nicht angefochten werden konnte. In einem Flugblatt, das er Kaffee- und Mehlpaketen beilegen liess, wandte er sich direkt an die Berner Kundschaft und bat sie darum, mittels beigelegtem Postcheckformular jeweils zehn Rappen zugunsten der Migros einzuzahlen. Insgesamt gingen 4800 Zahlungen ein, den Überschuss von 80 Franken spendete er der Arbeitslosenfürsorge.Häsler: Das Abenteuer Migros. S. 146–147.

Nicht nur der Kanton, sondern auch die Gemeinden behinderten den ambulanten Handel. Etliche erliessen ein Halteverbot für Verkaufswagen auf ihrem Gemeindegebiet oder machten schikanöse Auflagen. Per 1. März 1932 beendete die Migros den Wagenverkauf im Kanton Bern. Jährlich wären für vier Wagen rund 50'000 Franken an kantonalen und kommunalen Gebühren fällig geworden, was annähernd 4 % des Wagenumsatzes entsprochen hätte. Dadurch wäre es nicht mehr möglich gewesen, die Preiskalkulation aufrechtzuerhalten. Gleichwohl sorgten die Filialen im Kanton Bern für die grösste Preisindexsenkung in der gesamten Schweiz. Am 7. November 1941 wandelte sich die Berner Zweigniederlassung in die Genossenschaft Migros Bern um. Nach dem Wegfall des Filialverbots im Jahr 1945 reichte der Platz des Lagers in Bern-Weyermannshaus nicht mehr aus, weshalb die Migros 1951 ein viermal grösseres Gebäude im Wankdorf-Quartier bezog.Häsler: Das Abenteuer Migros. S. 148–150. Dessen Nutzfläche hielt mit dem rasanten Wachstum bald ebenfalls nicht mehr Schritt. 1965 begann der Bau der Betriebszentrale Schönbühl in der Gemeinde Moosseedorf, die 1968 bezogen werden konnte. 1975 ging in dessen Nachbarschaft das Shoppyland Schönbühl in Betrieb, eines der ersten dezentralen Einkaufszentren der Schweiz. Die 55. Filiale der Migros Bern wurde im September 1976 in Münchenbuchsee eröffnet. Am 26. April 1991 haben die Migros-Genossenschaften Bern und Waadt die Übernahme der Carrefour Hypermarchés SA de participations mit Sitz in Romanel-sur-Lausanne per 1. April 1991 bekannt gegeben. Damit wurden die beiden Carrefour-Einkaufszentren in Brügg und Romanel übernommen. Zuletzt wurden die Aktien zu je 47 Prozent von der Merkur Holding (der heutigen Valora Holding) und von Carrefour france gehalten, neben einigen kleineren Anlegern. Das nun von der Migros Bern geführte Einkaufszentrum in Brügg wurde Ende Januar 1992, nach einer einmonatigen Umbauphase, als Centre Brügg wiedereröffnet.

1957 begann Ernst Berger aus Langnau im Emmental die Migros Bern mit Topfpflanzen zu beliefern. 1959 eröffnete die Migros eine Filiale in der Marktgasse in Bern.

Migros Aargau/Solothurn Der Regierungsrat des Kantons Aargau verbot 1926 die Ausfahrt von Verkaufswagen. Als das Bundesgericht die Aufhebung des Verbots anordnete, setzte der Regierungsrat die Gebühren so hoch an, dass die Migros bis 1952 auf den Einsatz von Verkaufswagen verzichtete. Stattdessen eröffnete sie am 6. Oktober 1927 in Aarau den ersten Migros-Laden ausserhalb Zürichs (den zweiten insgesamt). Die Gründung der Genossenschaft Migros Aargau erfolgte am 24. Januar 1942. Ihr Sitz war zunächst in Basel, ab 1946 in Aarau. Die Filialen in Aarau und Zofingen wurden von Basel aus beliefert, die übrigen von Zürich aus. Mit der Eröffnung der Betriebszentrale an der Hinteren Bahnhofstrasse in Suhr war die Genossenschaft ab 1. Juli 1949 auch betrieblich eigenständig.Häsler: Das Abenteuer Migros. S. 164–165.Häsler: Das Abenteuer Migros. S. 310. Rudolf Rey war ein Mitgründer der Migros Aargau.

Im Kanton Solothurn wurden die ersten Läden 1931 in Olten und im Kantonshauptort Solothurn eröffnet und zunächst von der Zweigniederlassung Basel betreut.Häsler: Das Abenteuer Migros. S. 152. Nach der Gründung der Genossenschaft Migros Solothurn am 22. November 1941 war die Berner Genossenschaft zuständigHäsler: Das Abenteuer Migros. S. 309., ab 1. Januar 1959 die Aargauer Genossenschaft. Da sich die betriebliche Zusammenarbeit bewährte, drängte sich bald auch ein organisatorischer Zusammenschluss auf. Basierend auf einem Beschluss ihrer Mitglieder fusionierten die beiden Genossenschaften per 1. Januar 1967 zur neuen Genossenschaft Migros Aargau/Solothurn mit Sitz in Suhr. Ende 1967 zählte sie 83'317 Mitglieder und setzte mit 36 Läden und sechs Verkaufswagen 222,7 Millionen Franken um.Häsler: Das Abenteuer Migros. S. 336.

Als Ersatz für die zu klein gewordene Betriebszentrale südlich des Bahnhofs wurde am 24. September 1986 ein Neubau im Wynenfeld bezogen, unmittelbar an der Gemeindegrenze zu Buchs.

Fusion zu Migros Aare mini|Einkaufszentrum Westside Da es zwischen den Genossenschaften Bern und Aargau/Solothurn zahlreiche Synergien gab, hielten die Verantwortlichen ein Zusammengehen beider Organisationen für sinnvoll. Die Fusion zur Genossenschaft Migros Aare erfolgte am 22. Juni 1998. Mit 203 Verkaufsstellen, 7100 Mitarbeitern und einem Umsatz von 2,8 Milliarden Franken stieg sie sogleich zur grössten aller Migros-Genossenschaften auf. Die gesamte Logistik der Migros Aare war ab 1. Oktober 2000 in Schönbühl zusammengefasst. Das kleinere Verteilzentrum in Suhr wurde als Migros Verteilzentrum Suhr AG innerhalb des MGB verselbständigt und spezialisierte sich auf die Belieferung aller Genossenschaften mit Kolonialwaren. 2005 wurde das von der Genossenschaft Migros Luzern entwickelte Herkunftslabel „Aus der Region. Für die Region.“ (AdR) übernommen.https://web.archive.org/web/20160322152908/https://aus-der-region.migros.ch/aus-der-region/de/unsere-geschichte.html Einer der AdR-Produzenten ist die Bösiger Gemüsekulturen AG in Niederbipp, die dem SVP-Grossrat Beat Bösiger gehört. 2007 hat die Migros Aare das Einkaufszentrum Gäupark in Egerkingen übernommen. Im gleichen Jahr wurde mit der Eröffnung des ersten Voi-Ladens in Wangen an der Aare im November und des zweiten in Liebefeld im Dezember, ein neues Franchising-System in Betrieb genommen. Die Läden, welche in ehemaligen Migros-Filialen installiert wurden, führen im Gegensatz zu diesen auch Alkohol und Tabakwaren im Sortiment. Inzwischen wurde das Voi-Konzept auch von weiteren Migros-Genossenschaften übernommen. Am 8. Oktober 2008 eröffnete die Migros Aare das Freizeit- und Einkaufszentrum Westside am westlichen Stadtrand von Bern. Für das rund 500 Millionen Franken Bauprojekt hatte sie Daniel Libeskind als Architekten engagiert.Chronik der Migros 1925–2012. S. 103. 2008 wurde im Westside das erste cha chà-Restaurant eröffnet. 2014 gab es zehn solcher Thai-Restaurants, im März 2021 waren es noch drei, alle in der Stadt Bern. Ende September wurde bekannt, dass es noch zwei cha chà-Restaurant gibt und diese den Betrieb per Ende 2021 einstellen werden. Im August 2015 wurde die erste Gastro-Filiale von my way in Bern eröffnet, welche 2017 wieder geschlossen wurde.Gastrobetrieb My Way - Pilotversuch wird beendet In: migros.ch, 10. März 2017, abgerufen am 3. Dezember 2017. Im Oktober 2011 wurde die IP-Suisse-Wiesenmilch eingeführt. Die Migros Aare ist einer der grössten Abnehmer dieser Labelmilch. In den 2010er Jahren begann die Umstellung auf Selbstbedienungskassen und elektronische Preisschilder. Im August 2016 wurde das Einkaufszentrum Welle7 beim Bahnhof Bern eröffnet, wo die Migros Aare als Generalmieterin fungiert. Per 1. Februar 2018 hat die Migros Aare die ehemaligen Grundstücke der Papierfabrik Utzenstorf gekauft.Migros kauft Papierfabrik Utzenstorf In: derbund.ch, 1. Februar 2018, abgerufen am 29. Januar 2020.