mini|hochkant|Anna Giacometti (2023)
Anna Giacometti (* 8. September 1961 in Samedan; heimatberechtigt in Bregaglia) ist eine Schweizer Politikerin (FDP). Sie wurde am 20. Oktober 2019 in den Nationalrat gewählt.
Leben Anna Giacometti wuchs im Bergell auf. Mit 16 Jahren besuchte sie die Handelsschule am Lyceum Alpinum in Zuoz. Anschliessend verbrachte sie ein Jahr in England, danach arbeitete sie in Chur. In Bern machte sie eine Ausbildung beim Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten und arbeitete anschliessend beim konsularischen Dienst auf der Schweizer Botschaft in Lissabon und im Generalkonsulat in Mailand. Im Jahr 1987 kehrte die Bergellerin in ihre Heimat zurück und führte 12 Jahre lang einen kleinen Landwirtschaftsbetrieb. Ausserdem war sie Präsidentin der Vormundschaftsbehörde Oberengadin/Bergell und leitete als Präsidentin des Regionalverbands das Fusionsprojekt Bregaglia. Sie ist Vizepräsidentin der Verwaltungskommission der Gebäudeversicherung Graubünden und Mitglied im Stiftungsrat der ÖKK. Sie war Vorstandsmitglied der Schweizer Patenschaft für Berggemeinden.
Anna Giacometti ist mütterlicherseits mit dem Bildhauer Alberto Giacometti, väterlicherseits mit dem Maler Augusto Giacometti verwandt.
Politische Tätigkeit Im Jahr 2010 übernahm Anna Giacometti das Gemeindepräsidium von Bregaglia. Ende September 2019 wurde sie im zweiten Wahlgang für eine weitere Amtsperiode als Gemeindepräsidentin gewählt. Per Ende Juni 2020 ist sie zurückgetreten, weil die Arbeitsbelastung als Gemeindepräsidentin und Nationalrätin weit über 100 Prozent betragen habe.
In den Nationalratswahlen Ende Oktober 2019 gewann sie einen der fünf Sitze des Kantons Graubünden. In den Wahlen 2023 wurde sie wiedergewählt. Von 2019 bis Ende 2021 hatte sie Einsitz in der Aussenpolitischen Kommission; seither ist sie Mitglied der Finanzkommission. Bei den Bundesratswahlen 2023 erhielt sie 15 Stimmen. Wenige Tage nach dem Freispruch im Strafverfahren zum Bergsturz von Bondo kündigte Giacometti im September 2026 an, bei den Wahlen 2027 nicht erneut zu kandidieren. Nach Gesprächen mit ihrer Partei vermeldete sie eine Woche später, dass sie bereits per Ende November 2026 aus dem Nationalrat ausscheiden werde.
Bergsturz von Bondo Nationale Bekanntheit erlangte Anna Giacometti nach dem Bergsturz von Bondo vom 23. August 2017, als sich von der Nordflanke des Piz Cengalo drei Millionen Kubikmeter Stein lösten. Darauf wurde Bondo evakuiert. Anna Giacometti war als Gemeindepräsidentin für die Ereignisbewältigung zuständig. 2024 wurde sie und vier weitere Personen wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung angeklagt. Das Gericht muss entscheiden, ob die Angeklagten die Gefahrenlage vor dem Bergsturz pflichtwidrig falsch einschätzten, indem sie die Wanderwege vorgängig nicht gesperrt hatten.Bergsturz in Bondo GR: Staatsanwaltschaft klagt fünf Personen an. In: SRF.ch, 25. Juli 2024. Das Regionalgericht Maloja hat Giacometti am 4. September 2026 freigesprochen mit der Begründung, dass diese keine Geologin sei. Sie habe sich auf die Einschätzung der Experten stützen müssen. Auch die beigezogenen Experten wurden freigesprochen, diese nach dem Grundsatz «im Zweifel für den Angeklagten». Das Gericht sah keine hinreichend eindeutigen Beweise dafür, dass es in den Wochen vor dem grossen Bergsturz tatsächlich klare Anzeichen für ein absehbares Grossereignis gab. Die Staatsanwaltschaft und die Vertretungen der Opferfamilien akzeptierten das Urteil, worauf das Urteil rechtskräftig wurde.
Weblinks
von Anna Giacometti Daniel Fuchs: Plötzlich im Mittelpunkt: Die Bergeller Gemeindepräsidentin Anna Giacometti In: Aargauer Zeitung. 31. Dezember 2017 Philipp Wyss: Anna Giacometti gewinnt das Familienduell. In: Südostschweiz. 22. September 2019
Einzelnachweise
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