Der Opel Kadett E ist ein Fahrzeugtyp der Kompaktklasse der Adam Opel AG, der von August 1984 bis Mai 1993 als Nachfolger des Kadett D hergestellt wurde, mit dem er sich die GM-T Plattform (1979) teilte. Er war das fünfte Modell der seit Mitte 1962 produzierten Reihe Opel Kadett/Astra. In Großbritannien wurde diese Generation wie schon der Vorgänger als Vauxhall Astra vermarktet. In knapp neun Jahren liefen insgesamt 3.779.286 Exemplare vom Band.
Modellgeschichte Allgemeines Die Entwicklung des Kadett E startete Ende der 1970er Jahre, federführend beim Design war Gert Hildebrand, der seit 1980 bei Opel tätig war. Bereits 1981 wurde auf dem Genfer Autosalon die Konzeptstudie „Opel Tech 1“ vorgestellt, ein mobiles Versuchslabor, das verschiedene aerodynamische Lösungen testete. Mit einem Luftwiderstandsbeiwert (Cx) von nur 0,235 lieferte sie zahlreiche stilistische und aerodynamische Elemente, die später in Serienmodellen wie dem Opel Omega A und Kadett E übernommen wurden. Das endgültige Projekt wurde unter Rückgriff auf viele technische Komponenten des Kadett D umgesetzt. Die aerodynamische Gestaltung wurde gemeinsam vom Opel-Designzentrum und General Motors entwickelt, wobei insgesamt 1200 Stunden im Windkanal getestet wurde. Wegen seiner stromlinienförmigen Karosserie erhielt er bald den Spitznamen „Windei“.
Zum Verkaufsbeginn im August 1984 gab es die drei- oder fünftürigen Schrägheckversionen sowie den ebenfalls drei- oder fünftürigen Kombi Caravan. Dieser wurde mit drei Türen auch als Lieferwagen ohne hintere Seitenfenster angeboten. Die Serienproduktion startete kurz vor der Weltpremiere auf dem Pariser Autosalon 1984 im Werk Bochum. Der Kadett wurde mit Ottomotoren von 1,2 bis 2,0 Liter Hubraum und einer Leistung von 40 bis 115 kW (54 bis 156 PS) sowie Dieselmotoren mit 1,5 bis 1,7 Liter Hubraum und einer Leistung von 40 bis 60 kW (54 bis 82 PS) angeboten.
Im September 1985 folgte die Stufenheckvariante, die von Opel „Formheck“ genannt wurde. Diese hatte vier Türen. Der Kadett E diente auch als Basis für den von Januar 1986 bis Juli 1994 produzierten Kastenwagen mit der Modellbezeichnung Combo. Während der Lieferwagen die Form des Caravan hat, ist der Combo mit höherem Dach, längerem Radstand, Blattfederhinterachse und Hecktüren ein buchstäblicher „Kastenwagen“. Im Mai 1987 wurde als letzte Ausführung das Cabriolet auf den Markt gebracht, das von Opel entworfen und von Bertone gebaut wurde.
Der Kadett E war der letzte Kompaktwagen von Opel in Deutschland mit dem traditionsreichen Namen Kadett. Das Nachfolgemodell erhielt den Namen Astra (Astra F), während Vauxhall den Kadett in Großbritannien bereits unter diesem Namen verkaufte. In Südafrika wurde der Astra F weiter unter dem Namen Opel Kadett F vertrieben.
Design Das aufwendige Design und die aerodynamische Optimierung durch die Designer von Opel und General Motors führten zu einem Luftwiderstandsbeiwert von nur 0,32. Dies wurde durch abgerundete Kanten der Karosserie erreicht. Die zweivolumigen Schrägheckmodelle erhielten durch eine keilförmige Silhouette mit nach vorne geneigter Gürtellinie ein modernes und dynamisches Erscheinungsbild. Der Frontbereich war glatt gestaltet und verfügte über einen schmalen Kühlergrill, der nur bis zur halben Höhe der trapezförmigen, abgerundeten Scheinwerfer reichte.
Eine zusätzliche Lufteinlassöffnung im vorderen Stoßfänger ergänzte die Luftzufuhr. Die Motorhaube ging fließend in die Front und die Scheinwerfer über, wobei viele Elemente von der Tech-1-Konzeptstudie übernommen und angepasst wurden. Die Kotflügel, insbesondere die leicht verkleideten hinteren, orientierten sich ebenfalls an der Studie. Die hohe, abgeschnittene Heckpartie wurde durch ein großes Heckfenster optisch aufgelockert, die bei sportlicheren Varianten durch einen Spoiler am unteren Rand betont wurde. Vertikale Rückleuchten rundeten das Heckdesign ab.
Das Innere des Kadett E setzte die gute Raumqualität der Vorgängergeneration fort. Der Fahrerplatz war mit einem Zwei- oder Dreispeichenlenkrad ausgestattet, die Armaturen und Instrumente zeigten eckige Linien, die einen Kontrast zu den weichen Außenkonturen bildeten. Je nach Ausstattung gab es ein oder zwei Hauptinstrumente im Cockpit, ergänzt durch weitere Anzeigen und Kontrollleuchten. Die Sitze hatten Kopfstützen und eine leichte Profilierung, die auch bei Basismodellen einen sportlichen Eindruck vermittelte.
Konzeption und Technik Der Kadett E nutzte die gleiche T-Plattform wie sein Vorgänger, weshalb beide Modelle technisch eng verwandt waren. Das mechanische Layout blieb weitgehend unverändert mit einem quer eingebauten Frontmotor, MacPherson-Federbeinen vorn, einer Verbundlenkerachse hinten, einem gemischten Bremssystem (bei der GSi-Version mit belüfteten Scheibenbremsen vorn) und einer Zahnstangenlenkung. Die Caravan-Variante erhielt zusätzliche Stabilisatoren vorn und hinten, um Lasten bis zu 595 kg zu bewältigen.
Zum Marktstart wurde eine breite Motorenpalette angeboten:
1.2: Ein 1196 cm³-Ottomotor mit 40 kW (55 PS); 1.3: Ein 1297 cm³-Motor mit 44 kW (60 PS); 1.3 S: Gleicher Motor, aber mit 55 kW (75 PS); 1.6 S: Ein 1598 cm³-Motor mit 66 kW (90 PS); 1.8 GSi: Der Topmotor mit 1796 cm³ und 85 kW (115 PS); 1.6 D: Ein 1598 cm³-Dieselmotor mit 40 kW (54 PS).
Die meisten Varianten hatten ein handgeschaltetes Vierganggetriebe, der GSi hingegen ein Fünfganggetriebe. Letzteres war optional für andere Modelle erhältlich, ebenso wie ein Dreigang-Automatikgetriebe für die mittleren Motorisierungen.
Modellpflege Im Februar 1989 erhielt die Baureihe ein Facelift, das äußerlich an dem kleineren Kühlergrill zu erkennen ist. Im Juli 1991 wurde die Produktion der letzten Kadett-Baureihe abgeschlossen. Sein Nachfolger bekam den Namen „Astra“. Als einzige Modellvariante blieb noch bis Mai 1993 das Cabriolet im Programm, bevor es im Spätsommer durch die offene Version des Astra ersetzt wurde.
Technische Daten Opel Kadett E (1984–93) Modell Karosserie Motor Hubraum (cm³) Antrieb Leistung PS/rpm Drehmoment Nm/rpm Getriebe / Anzahl Gänge Gewicht (kg) Höchstgeschwindigkeit (km/h) Beschleunigung 0–100 km/h (s) Verbrauch (l/100 km) Produktionsjahre Benzinversionen Kadett 1.2 S Zweitürige Limousine 12SC 1196 Vergaser Weber 32TL 55/5600 82,4/3600 Manuell 4/5 Gänge 840 155 17,0 7,9 08/1984–07/1986 Kombi 890 150 17,5 8,4 Van 870 Kadett 1.3 Zweitürige Limousine 13N 1297 Vergaser Pierburg 35 PDSI 60/5800 94/3800 845 160 15,0 8,5 08/1984–07/1987 Dreitürige Limousine 875 09/1985–07/1987 Kombi 905 155 16,0 8,9 08/1984–07/1987 Kadett 1.3i Kat Zweitürige Limousine C13N Elektronische Einspritzung Rochester Multec 60/5600 96/3400 850 160 16,5 7,5 09/1986–07/1990 Dreitürige Limousine 875 Kombi 905 155 17,5 7,7 Kadett 1.3 S Zweitürige Limousine 13S/13SC Vergaser Pierburg 2E 75/5800 100/4200 850 170 13,0 8,6 08/1984–05/1986 Dreitürige Limousine 875 8,7 09/1985–05/1986 Kombi 905 165 14,0 9,2 08/1984–05/1986 Kadett 1.4i Kat Zweitürige Limousine C14NZ 1389 Elektronische Einspritzung Multec 700 TBI 60/5600 101/2800 865 160 15,0 7,7 01/1989–07/1991 Dreitürige Limousine 885 7,8 Kombi 910 155 16,0 7,9 Van 890 Kadett 1.4 S Zweitürige Limousine 14NV Vergaser Pierburg 2E 75/5600 108/3000 885 170 14,0 8,5 01/1990–05/1991 Dreitürige Limousine 905 Cabriolet 950 167 14,5 8,7 Kombi 940 165 Kadett 1.6i Kat Zweitürige Limousine C16NZ/C16LZ 1598 Elektronische Einspritzung Rochester Multec 75/5200 122/3200 885 170 13,5 8,0 09/1986–07/1991 Dreitürige Limousine 905 7,8 Cabriolet 980 167 8,3 01/1987–05/1993 Kombi 930 170 8,1 09/1986–07/1991 Van 920 Kadett 1.6 Zweitürige Limousine 16SV Vergaser Pierburg 2E3 82/5400 130/2600 885 175 12,5 9,4 09/1986–05/1988 Dreitürige Limousine 905 9,5 Cabriolet 970 172 13,0 9,4 01/1987–05/1988 Kombi 920 170 9,6 09/1986–05/1988 Kadett 1.6 S Zweitürige Limousine 16SH Vergaser GMF Varajet II 90/5800 124/4000 Manuell 5 Gänge 925 180 11,0 08/1984–08/1986 Dreitürige Limousine 950 9,7 Kombi 965 175 12,0 9,8 Kadett 1.8 S Zweitürige Limousine C18NT/C18NZ 1796 Vergaser Pierburg EE 84/5400 143/2600 940 178 11,5 9,7 09/1987–07/1988 Dreitürige Limousine 970 Kombi 975 173 12,5 9,8 Kadett 1.8i Kat Zweitürige Limousine C18NE Elektronische Einspritzung Bosch LU-Jetronic 100/5800 140/3000 935 188 10,5 8,7 10/1985–07/1988 Dreitürige Limousine 960 8,8 Kombi 965 185 11,0 8,9 Kadett 1.8 GSi Kat Zweitürige Limousine 960 188 10,5 1985–1986 Kadett GT 1.8 S Zweitürige Limousine 18SH Vergaser Pierburg EE 112/5600 161/3000 905 10,0 10,0 1987–1989 Dreitürige Limousine 920 Kadett GT 1.8i Kat Zweitürige Limousine 18SE Elektronische Einspritzung 158/3000 905 1986–1991 Dreitürige Limousine 920 Kadett 1.8 GSi Zweitürige Limousine18E Elektronische Einspritzung Bosch LE-Jetronic 115/5800 148/4800 965 203 9,0 9,8 08/1984–08/1986 Kadett 2.0 GSi Cabrio/2.0i Cabrio Cabriolet 20NE 1998 Elektronische Einspritzung 115/5400 175/2600 1040 195 10,0 9,5 02/1987–05/1989 Kadett 2.0i GT Kat/2.0i Dreitürige Limousine C20NE Elektronische Einspritzung Bosch Motronic ML 4.1 170/3000 970 195 9,0 9,4 09/1986–05/1991 Kadett 2.0 GSi Kat Zweitürige Limousine 960 200 09/1986–08/1991 Cabriolet 1040 195 10,0 9,5 02/1987–05/1993 Kadett 2.0 GSi Zweitürige Limousine 20SEH 130/5600 180/4600 960 206 8,5 10,1 09/1986–07/1989 Kadett 2.0 GSi 16v 20XE Elektronische Einspritzung Bosch Motronic M 2.5 156/6000 203/4800 990 217 7,7 10,4 03/1988–05/1991 Kadett 2.0 GSi 16v Kat C20XE 150/6000 196/4800 8,0 10,3 Dieselversionen Kadett 1.5 TD Zweitürige Limousine 15DTR 1488 Turbodiesel mit Vorkammer, KKK-Turbolader und Bosch-Einspritzpumpe 72/4600 143/2600 Manuell 5 Gänge 985 170 13,5 6,0 07/1988–07/1991 Dreitürige Limousine 1005 Kombi 1075 165 14,0 6,2 Kadett 1.6 D Zweitürige Limousine 16D 1598 Saugdiesel, Bosch-Einspritzpumpe 54/4600 94/2400 Manuell 4/5 Gänge 930 152 19,5 6,1 08/1984–01/1989 Dreitürige Limousine 955 150 19,0 6,2 Kombi 975 147 21,0 6,4 Van 955 Kadett 1.7 D Zweitürige Limousine 17D 1699 57/4600 103/2400 Manuell 5 Gänge 936 153 18,0 6,0 02/1989–07/1991 Dreitürige Limousine 966 6,1 Kombi 975 149 19,5 6,2 Van 955 Hinweise:
Motoren Der Opel Kadett E wurde nur mit vorne quer eingebauten Vierzylindermotoren angeboten. Bis auf den GSi 16V mit zwei obenliegenden Nockenwellen und 16 Ventilen sowie dem 1,2-Liter-Motor mit seitlicher Nockenwelle und hängenden Ventilen haben sie eine obenliegende Nockenwelle und acht Ventile:
Ottomotoren Modell Zylinder Motorkennbuchstaben Hubraum cm³ Max. Leistung Bauzeit Bemerkung OHV-Motoren 1.2S 4 12SC 1196 40 kW (55 PS) 08.1984–07.1986 OHC-Motoren 1.2S 4 12ST 1196 40 kW (55 PS) 08.1984–07.1986 1.3N 13N 1297 44 kW (60 PS) 08.1984–07.1987 1.3 13NB 08.1987–07.1989 (Euronorm) 1.3i C13N 09.1986–07.1990 (mit Katalysator) 1.3S 13S/13SC 55 kW (75 PS) 08.1984–05.1986 1.4i C14NZ 1389 44 kW (60 PS) 01.1989–07.1991 (mit Katalysator) 1.4S 14NV 55 kW (75 PS) 01.1990–05.1991 (mit Euronorm) 1.4Si C14SE 60 kW (82 PS) 09.1989–07.1991 (mit Katalysator) 1.6i C16LZ 1598 55 kW (75 PS) 09.1986–07.1987 C16NZ 09.1987–05.1993 E16NZ 09.1987–05.1988 (mit Euronorm) 1.6S 16SV 60 kW (82 PS) 09.1986–05.1988 OHC-Bigblock-Motoren 1.6S 4 16SH 1598 66 kW (90 PS) 08.1984–08.1986 1.8S E18NV/S18NV 1796 62 kW (84 PS) 09.1987–07.1988 (mit Euronorm) 1.8i C18NT 1771 66 kW (90 PS) 04.1985–09.1985 (mit Katalysator) C18NZ 1796 06.1990–07.1991 1.8i, 1.8i GSI C18NE 74 kW (100 PS) 10.1985–07.1988 1.8i 18SE 82 kW (112 PS) 09.1986–08.1991 (ohne Katalysator, nur Export) 1.8i GSi 18E 85 kW (115 PS) 08.1984–08.1986 (GSi, ohne Katalysator) 2.0i 20NE 1998 09.1986–05.1989 (ohne Katalysator) 2.0i GSi, 2.0i GT Stufenheck C20NE 09.1986–05.1993 (mit Katalysator) 2.0i 20SEH 95 kW (130 PS) 09.1986–07.1989 (ohne Katalysator) DOHC-Bigblock-Motoren 2.0i GSi 16V 4 C20XE 1998 110 kW (150 PS) 03.1988–05.1991 (GSi 16V mit Katalysator) 2.0i 16V 20XE 115 kW (156 PS) 12.1987–05.1992 (GSi 16V ohne Katalysator, nur Export)
Dieselmotoren