mini|Andreas Laun (März 2015) mini|Die österreichische Bischofskonferenz mit dem damaligen Außenminister Sebastian Kurz (November 2014), Andreas Laun (2.v.l.) Andreas Laun OSFS (* 13. Oktober 1942 in Wien; † 31. Dezember 2024 in Oberalm) war ein österreichischer Ordensgeistlicher, Moraltheologe und Weihbischof in Salzburg. Laun wurde dem konservativen Flügel des österreichischen Bischofskollegiums zugerechnet. Er fiel mehrfach durch homophobe Äußerungen, durch seine Unterstützung der rechtsextremen FPÖ sowie durch die Verbreitung von Verschwörungstheorien im Zuge der COVID-19-Pandemie auf.

Leben Andreas Laun wurde 1942 als Sohn von Hellmut Laun geboren.

Nach seiner Matura 1960 am Gymnasium Borromäum in Salzburg studierte Andreas Laun bis 1962 Philosophie an der Universität Salzburg. 1962 trat Laun den Oblaten des hl. Franz von Sales bei und ging für das Noviziat nach Eichstätt in das Salesianum Rosental. Er studierte zunächst Theologie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und von 1966 bis 1970 Theologie und Französisch an der schweizerischen Universität Fribourg. Am 17. September 1966 legte er die feierliche Profess ab; am 29. Juni 1967 empfing er in Eichstätt die Priesterweihe. In den folgenden Jahren war er Erzieher in Ried im Innkreis und Ingolstadt und Kaplan in Wien-Döbling, dann von 1989 bis 1995 Pfarrmoderator der Pfarre Kahlenbergerdorf. Er gründete 1976 die „Initiative Pflegefamilien“, aus der später der Verein „Eltern für Kinder“ gegründet wurde. Der Schwerpunkt des überkonfessionellen Vereins liegt in der Unterstützung, Schulung und Beratung von Ersatzfamilien wie Pflege- oder Adoptivfamilien.

1973 wurde Andreas Laun in Fribourg mit einer Arbeit zur naturrechtlichen Begründung der Ethik in der neueren katholischen Moraltheologie promoviert. Ein Jahr später wurde er wissenschaftlicher Assistent für Moraltheologie an der Universität Wien. 1980 erhielt er den Kardinal-Innitzer-Förderungspreis für Theologie.

1981 habilitierte sich Laun für Moraltheologie an der Universität Wien. Von 1981 bis 2017 war er Professor für Moraltheologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Heiligenkreuz und von 1981 bis 1987 Professor an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benediktbeuern. 1985 wurde er Rektor des Ausbildungshauses der Salesoblaten in Eichstätt. Von 1987 bis 1989 war Laun Generalsekretär der Katholischen Akademie Wien, von 1986 bis 1989 geistlicher Begleiter des Katholischen Familienwerkes und anschließend bis 1995 Generalsekretär der Wiener Katholischen Akademie.

Am 25. Jänner 1995 wurde Andreas Laun von Papst Johannes Paul II. zum Weihbischof in Salzburg und zum Titularbischof von Libertina ernannt. Die Bischofsweihe spendete ihm Erzbischof Georg Eder am 25. März desselben Jahres im Dom zu Salzburg; Mitkonsekratoren waren Jakob Mayr, Weihbischof in Salzburg, und Josef Koukl, Bischof von Leitmeritz. Bischof Launs Wahlspruch ist Scio cui credidi („Ich weiß, wem ich geglaubt habe“, ). Laun war ab 1995 Bischofsvikar für die Seelsorge an Ehe und Familie und Konsultor des Päpstlichen Rates für die Pastoral im Krankendienst. Ferner ist er Mitglied in der Europäischen Gesellschaft für Theologie und der Societas Ethica. Er trägt die Ehrenbänder der katholischen Studentenverbindung KÖL Leopoldina Wien im KÖL sowie der KÖStV Gaudeamus Wörgl im MKV.

Am 13. Oktober 2017, Launs 75. Geburtstag, nahm Papst Franziskus dessen altersbedingten Rücktritt an.

mini|hochkant|Petersfriedhof Salzburg, Gruft Nr. 31 Andreas Laun ist am 31. Dezember 2024 in der Seniorenresidenz Schloss Kahlsperg (Gemeinde Oberalm), in der er zuletzt lebte, im 83. Lebensjahr verstorben.Website der Erzdiözese Salzburg, abgerufen am 2. Jänner 2025:Trauer um emeritierten Weihbischof Andreas Laun. 1. Jänner 2025.Sowie: Weihbischof em. Andreas Laun OSFS (1942–2024). Trauerportal, ohne Datum. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Petersfriedhof Salzburg (Gruftarkaden, Gruft Nr. 31).

Positionen Im Hinblick auf die Entwicklung der Arten schrieb Laun im Dezember 1996, den Glauben berühre letztlich nur die weltanschauliche Frage, ob auch der Mensch in der Reihe dieser Entwicklung stehe. In diesem Zusammenhang gelte es, die Frage, ob sich das Leben aus einer Urzelle „herausentwickelt“ habe, und die Frage der Ursache dafür nicht zu vermengen. Er bejahte, dass es „im Reich des Lebendigen viele Gemeinsamkeiten“ gebe. Die These, dass es Zusammenhänge zwischen den Arten des Lebens gebe, sei jedoch nicht dasselbe wie die „Behauptung Darwins, die Arten hätten sich durch das Gesetz des jeweils Stärkeren gebildet“; der Mensch sei nicht nur ein „höheres Tier“, denn die Seele sei „durch keine ‚Entwicklung von unten‘ erklärbar“;Andreas Laun: Die Entwicklung der Arten – und der Mensch. Eine kurze Darlegung der katholischen Lehrmeinung. In: stjosef.at. Gemeinschaft vom heiligen Josef. bezogen auf die Evolutionsbiologie setzte er sich 2011 von einer „totalitären Form der Evolutions-Theorie mit ihrer Vergottung des Zufalls und damit Leugnung der Vernunft im Seienden“ ab. Laun bezog in Kommentaren zur Evolutionstheorie kreationistische Positionen und verteidigte das Intelligent Design, auch auf polemische Weise.

Laun äußerte 2005 Befürchtungen einer zukünftigen Verfolgung des Christentums in Europa, die sich aus „Denkverboten und abstrusen Antidiskriminierungsgesetzen“ entwickeln könnte. Christen seien bereits jetzt „ein Stück weit Befehlsempfänger jener antiklerikalen Kreise, die in Europa das Sagen haben“.Bischof Laun warnt vor „Christenverfolgung“ in Europa ORF.at vom 9. Januar 2006. Laun wandte sich im selben Jahr gegen einen EU-Beitritt der Türkei, unter anderem, da das Land überwiegend muslimisch sei und die kulturelle Geprägtheit des Landes nicht in die Europäische Union passe.Andreas Laun bei ORF: Laun gegen EU-Beitritt der Türkei, 5. Oktober 2005.

Nach dem Anschlag in Saint-Étienne-du-Rouvray im Juli 2016 stellte Laun fest, dass der Koran Passagen enthalte, die „solche Taten bejahen und sogar empfehlen“ würden, auch wenn viele Muslime „solche Stellen nicht ernst“ nähmen und sie nicht befolgten. Er forderte, Christen sollten aufhören, den Islam „schönzureden“ oder so zu tun, als sei der Islam eine friedliebende Religion. Der Islam habe sich „von Anfang an mit Feuer und Schwert ausgebreitet“. Gebraucht werde ein Christentum, das sich Christi bewusst sei. Christen sollten alles tun, die Muslime mit Jesus Christus bekannt zu machen, und der Staat solle die schützen, die Christen werden wollten.Interview: Laun kritisiert Islam. In: profil.at, 30. Juli 2016.

Kontroversen Andreas Laun wurde zu den Kritikern und Gegnern von Papst Franziskus gerechnet.

Laun kritisierte 2011 im Zusammenhang mit der Abberufung des Kopfinger Pfarrers Andreas Skoblicki die Entscheidung des Linzer Bischofs Ludwig Schwarz als „innerkirchliche Christenverfolgung“. Skoblicki war zuvor vorgeworfen worden, in seiner Gemeinde „sektenähnliche Zustände“ herbeigeführt zu haben. Laun entschuldigte sich bei Bischof Schwarz später für diese Aussage.Bischöfe streiten wegen Absetzung von Pfarrer, diepresse.at, 22. September 2011.Bischof weicht Druck Konservativer, diepresse.com, 29. September 2011.

Wenige Tage vor der Stichwahl zur österreichischen Präsidentschaftswahl 2016 sprach Laun in einem Gastbeitrag auf dem Internetportal kath.net eine Wahlempfehlung für Norbert Hofer – den Kandidaten der FPÖ, aus. Hofers Ansichten seien „vernünftig und in Ordnung“; so wie das „Angebot“ sei, könne man nur Hofer wählen und „beten für ihn und Österreich“. Laun bezeichnete Alexander Van der Bellen als „links-extremen Kandidaten“. Dass Christen bereit seien, einen „erklärten Gottes- und damit auch Kirchenfeind“, der in „allen heiklen und gefährlichen Fragen, vom Lebensschutz über die Gottesfrage bis Gender“, auf der falschen Seite stehe, zu wählen und auch andere dazu zu verführen, zeige, „in welchem Zustand bestimmte Kreise in der Kirche“ seien. Die Äußerungen Launs wurden vom Dekan der Universität Salzburg als „diffamierend“ bezeichnet. Es werde „nicht der Aufgabe eines Hirten gerecht“, für solche Aussagen die bischöfliche Autorität in Anspruch zu nehmen. Salzburgs Erzbischof Franz Lackner kritisierte, die katholische Kirche in Österreich gebe „nach einer langjährig bewährten Tradition“ keine Wahlempfehlungen ab.

Im Oktober 2016 sagte Laun die Teilnahme an dem Kongress Verteidiger Europas in Linz ab, nachdem ihn Erzbischof Lackner darum ersucht hatte. Geplant war ein Referat Launs zum Thema „Die christlichen Wurzeln Europas“. Laun erklärte, er respektiere den Wunsch des Erzbischofs.Bischof Laun sagt Teilnahme an 'Verteidiger Europas'-Kongress ab. In: kath.net vom 29. Oktober 2016.

Abtreibung Laun forderte ein Verbot der Abtreibung. Jede Frau, die Kinder gebäre und aufziehe, solle entschlossen gefördert werden. Die Fristenlösung habe vor allem im Bewusstsein der Menschen vieles zum Schlechteren verändert. Die Menschen stünden unter dem Eindruck, sie seien Herren über Leben und Tod.Bischof Laun warnt vor „Christenverfolgung“ in Europa Wie Bischof Kurt Krenn schloss Laun sich der Ablehnung des Vatikans der Pille danach für Vergewaltigungsopfer im Zuge des Kosovokriegs an. Als in Kolumbien nach dem mehrfachen Missbrauch eines elfjährigen Mädchens neben den direkt Beteiligten einer folgenden Abtreibung auch die indirekt daran Beteiligten (wie die Gesetzgeber) exkommuniziert wurden, brachte Laun zum Ausdruck, dies sei richtig gewesen; es sei widersinnig zu glauben, man könne „ein Trauma durch ein zweites Trauma irgendwie aufheben oder heilen“. Das Mädchen sei durch die Abtreibung im Gegenteil noch mehr und noch tiefer verwundet worden.

Loveparade Laun äußerte sich zum Unglück bei der Loveparade 2010 in einer regelmäßigen Kolumne im Internetportal Kath.net mit dem Titel „Klartext“. Er formulierte zum Thema „strafender Gott“, dass die Loveparade und die Teilnahme an ihr „abgesehen vom abstoßenden Erscheinungsbild objektiv eine Art Aufstand gegen die Schöpfung und gegen die Ordnung Gottes“ sind, ja gar „Sünde und Einladung zur Sünde!“Moritz Baumstieger: "Ein Aufstand gegen die Schöpfung". In: Süddeutsche Zeitung, 9. August 2010.

Homosexualität Laun sah eine „Homosexualisierung der Gesellschaft“ im Gange.Parallelen zwischen dem Islam und der homosexuellen Ideologie, Artikel von Andreas Laun auf kath.net vom 12. Januar 2009. Gott könne Homosexuelle heilen, er habe jedoch nie behauptet, dies sei „der Normalfall“.Laun dementiert ORF-Bericht über Homosexualität. 21. Jänner 2004. 2015 erneuerte Laun seine Ansicht, dass Homosexualität eine durchaus „veränderbare“ „Neigung“ sei.

Laun setzte sich für eine Neuregelung des § 209 StGB (Österreich) ein. Es sei „absurd, den Schutz des Gesetzes abzubauen und pädophil orientierte Männer ‚näher‘ an ihre Opfer heranzulassen“.Laun im ORF: , 10. Juli 2002.

2014 wandte sich Laun unter Berufung auf Angaben des polnischen Theologen Dariusz Oko gegen die Einführung eines Adoptionsrechts für homosexuelle Paare. Dies schaffe „die nächste Gelegenheit“ zur Sünde, da die Gefahr des Missbrauchs höher sei als bei Heterosexuellen. Ein Adoptionsrecht für Homosexuelle sei zudem frauenverachtend, da nur eine Frau mütterliche Liebe schenken könne. Auch der Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche sei „sicher zum Teil“ von homosexuellen Pfarrern begangen worden. Kritisiert wurden diese Aussagen beispielsweise von der Salzburger Homosexuelleninitiative HOSI.HOSI droht Weihbischof mit Anzeige wegen Verhetzung. kurier.at, 7. Mai 2014.