mini|Cover der Taschenbuchausgabe von Diogenes (1994) analog dem der Originaledition (1985) Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders ist ein Roman des deutschen Schriftstellers Patrick Süskind aus dem Jahr 1985. Dem Lebenslauf eines mit genialem Geruchssinn ausgestatteten Parfümeurs folgend, erkundet er die Welt der natürlichen und künstlichen Gerüche, thematisiert deren mögliche Bedeutung in zwischenmenschlichen Beziehungen und beschreibt traditionelle wie unkonventionelle Herstellungsverfahren von Parfum.Die Schreibung von Parfum sowie andererseits parfümieren/parfümistisch folgt der des Originals, nicht so bei Parfümeur, außer in Original-Zitaten als Parfumeur in französischer Schreibweise. Parfümerie wird nur als Zitat verwendet, deshalb als Parfumerie in französischer Schreibweise. Das der Postmoderne zugeschriebene Werk erlaubt eine Vielzahl von Lesarten, unter anderem als Entwicklungs-, Bildungs-, Künstler- und Kriminalroman – einschließlich deren Parodien.

Mit Übersetzungen in 48 Sprachen und bisher weltweit mehr als 20 Millionen verkauften Exemplaren ist Das Parfum einer der größten Bucherfolge unter den deutschsprachigen Romanen des 20. Jahrhunderts.Pressedossier Patrick Süskind. Diogenes Verlag Zürich, Stand November 2012 Nach seinem Erscheinen hielt sich der Titel rund neun Jahre in der Spiegel-Bestsellerliste. Etwa ebenso lange wartete der Diogenes-Verlag mit der Publikation der ersten Taschenbuchausgabe. Das Urteil der nationalen wie internationalen Kritik war nahezu einhellig positiv. 1987 wurde Das Parfum in der Übertragung von John E. Woods mit dem World Fantasy Award ausgezeichnet.

Bedingt durch die Öffentlichkeitsscheu des Autors sind viele Details der Entstehungsgeschichte des Romans noch unbekannt. Die Filmrechte verkaufte Süskind nach langem Zögern 2001 an den befreundeten Filmproduzenten Bernd Eichinger, dessen kommerziell erfolgreiche Produktion Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders fünf Jahre später Premiere hatte.

Inhalt Der Roman erzählt das Leben von Jean-Baptiste Grenouille (zu Deutsch „Frosch“), der mit einem phänomenalen Geruchssinn, aber ohne jeden Eigengeruch auf die Welt kommt. In seiner Kindheit und Jugend ist er als Waise vielen Demütigungen ausgesetzt, gegen die ihn jedoch sein starker Überlebenswille schützt. Durch den Erwerb eines Gesellenbriefs emanzipiert, lebt er zunächst als Eremit. Später wird er zum Serienmörder, als er seine Vision, „der größte Parfumeur aller Zeiten“Patrick Süskind: Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders. Diogenes, Zürich 1994, S. 58 zu werden, in die Tat umsetzt. Sein krönendes Parfum verschafft ihm scheinbar unbegrenzte Macht, führt ihn am Ende aber in die Desillusionierung und zum Scheitern.

Lehrjahre mini|Der Pariser Friedhof „Cimetière des Innocents“ im 18. Jahrhundert

Am 17. Juli 1738 kommt Grenouille unter dem Schlachttisch einer Fischbude in unmittelbarer Nähe zum Pariser , „am allerstinkendsten Ort des gesamten Königreichs“Patrick Süskind: Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders. Diogenes, Zürich 1994, S. 7 zur Welt. Seine Mutter, eine Fischhändlerin, will ihn mitsamt den Fischresten in der Seine entsorgen, so wie sie es schon mit ihren vier früheren Totgeburten getan hat. Grenouille jedoch stößt einen derart durchdringenden Schrei aus, dass Passanten auf ihn aufmerksam werden und er gerettet wird. Seine Mutter wird als mehrfache Kindesmörderin hingegen zum Tode verurteilt und enthauptet. Das Waisenkind wird von Amme zu Amme gereicht, denn jede weigert sich nach kurzer Zeit, den gierigen Säugling weiter zu versorgen. So auch die vierte Amme, Jeanne Bussie, die ihn schließlich dem kirchlichen Vormund zurückbringt. Zudem vermisst sie den vertrauten Baby-Geruch und meint, es sei womöglich vom Teufel besessen. Pater Terrier, der Grenouille widerstrebend entgegennimmt, weist diesen Verdacht zurück, fühlt sich aber höchst unwohl, als der erwachende Säugling ihn „schamlos abriecht“Patrick Süskind: Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders. Diogenes, Zürich 1994, S. 23 und markerschütternd schreit. Eilends gibt auch er ihn weiter in neue Obhut zu Madame Gaillard, die ihren Lebensunterhalt durch das Aufziehen von Waisenkindern bestreitet.Das letzte Wort von Kapitel 3, „entschlief“, wird mitunter so gedeutet, dass Terrier stirbt. Dafür spricht: a) „entschlafen“ ist ein Euphemismus für „sterben“; b) das gleiche Schicksal ereilt nach ihm Grimal, Baldini, Taillade-Espinasse und Druot, und auch immer gerade dann, wenn Grenouille geht. Dagegen spricht: a) „entschlafen“ ist (im gehobenen Stil) auch ein Synonym für „einschlafen“; b) Süskind gebraucht das Wort ein zweites Mal, und zwar bezogen auf Baldini in dessen Todesnacht (s. S. 144), hier nahezu eindeutig in diesem Sinne, ansonsten hielte er es für nötig, seinen Tod doppelt abzusichern; c) nicht jeder, der mit Grenouille in Kontakt kommt, stirbt nach dessen Weggang (z. B. Jeanne Bussie, Madame Gaillard, Madame Arnulfi, Antoine Richis).

Obwohl die Nahrung kärglich ist, Liebe gänzlich fehlt und die anderen Kinder Grenouille meiden, isolieren und sogar umzubringen versuchen, ist er bei Madame Gaillard in den richtigen Händen. Ihr Handikap, der Verlust ihres Geruchssinns schon in der Kindheit, erweist sich für Grenouille als Segen, denn mit ihrem Olfaktus hat sie auch sämtliche Gefühlsregungen verloren, empfindet weder Zu- noch Abneigung und behandelt daher alle Kinder gleich. Grenouille kann also bei ihr überleben; mehr will er vorerst ohnehin nicht. In allem ist seine Entwicklung verzögert und bleibt auf ein Mindestmaß beschränkt – mit Ausnahme seines phänomenalen Geruchssensoriums, dem er sich umso ausschließlicher hingibt. Sein innerer Reichtum bleibt seiner Mitwelt jedoch verborgen, oder er äußert sich in übernatürlich scheinenden Fähigkeiten. So zieht Madame Gaillard zwar Nutzen aus seiner Gabe, dass er jedes in seiner „Riechweite“ befindliche Ding oder Lebewesen identifizieren und lokalisieren kann, ohne dass er es sieht; noch größer aber ist ihre Angst davor. Als daher irgendwann die Zahlungen der Kirche ausbleiben, nimmt sie dies zum Anlass, ihn loszuwerden, und verkauft den Achtjährigen an den Gerber Grimal.

Dieser beutet die Arbeitskraft des unterwürfigen Jungen rücksichtslos aus. Erst als Grenouille nach einem Jahr wider Erwarten den Milzbrand überlebt und gegen diese in aller Regel tödlich verlaufende Gerberkrankheit resistent wird, steigt er im Wert. Das verschafft ihm kleine Freiräume, die er nutzt, um die Großstadt Paris nach und nach geruchlich zu erobern. Auf einem seiner Streifzüge wird er plötzlich von einem atemberaubenden Duft angezogen. Fasziniert folgt er ihm und findet in einem kleinen Hinterhof dessen Quelle, ein junges rothaariges Mädchen, das Mirabellen putzt. In seinem Drang, ihren exquisiten Duft besitzen zu wollen, nähert er sich ihr heimlich von hinten, ergreift ihren Hals und erwürgt sie. Gierig saugt er den Duft ihres ganzen Körpers in sich auf, bis er sie „welkgerochen“Patrick Süskind: Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders. Diogenes, Zürich 1994, S. 56 hat. Noch am selben Abend erkennt er seine Bestimmung als Geruchsgenie und beschließt, „der größte Parfumeur aller Zeiten“ zu werden. Zugleich wird er sich der Notwendigkeit bewusst, Methoden für die Konservierung von Düften kennenzulernen. Er sieht seine Chance gekommen, als er dem Parfümeur Baldini eine Lieferung Lederhäute zu überbringen hat, und demonstriert ihm auf eindrucksvolle Weise seine geniale Fähigkeit, ohne die üblichen Hilfsmittel Düfte zu kopieren und neue Parfums zu schaffen. Baldini, eigentlich schon entschlossen, vor dem aufstrebenden Konkurrenten Pélissier zu kapitulieren, schöpft wieder Hoffnung, kauft Grenouille und stellt ihn als Lehrling ein. Grimal, der sich am unerwartet hohen Erlös berauscht, stürzt volltrunken in die Seine und stirbt.

mini|Auf dem Pont au Change (‚Tauschbrücke‘) standen jahrhundertelang tatsächlich Wohn- und Handelshäuser (Gemälde von 1756)

Grenouilles unerschöpfliche Produktivität macht Baldinis Haus binnen kurzer Zeit zur ersten Adresse Europas, ohne dass nach außen dringt, wer die begehrten Parfums kreiert. Zugleich lernt Grenouille die Techniken und Konventionen des Parfümeur-Handwerks kennen. Heimlich versucht er nebenbei, auch anorganischen Stoffen wie Glas oder Messing ihren Geruch zu entlocken. Als dies mit der einzigen ihm bekannten Methode, der Destillation, scheitert, erkrankt er lebensgefährlich. Von sämtlichen Ärzten bereits aufgegeben, gesundet er erst, als er von Baldini erfährt, dass man im Süden Frankreichs, vor allem in Grasse, noch andere Duftgewinnungsverfahren erlernen könne. Dennoch muss er noch knapp drei Jahre ausharren und seines Meisters Vermögen und Ruhm weiter mehren, bis dieser ihn endlich, ausgestattet mit dem längst verdienten Gesellenbrief, freigibt. Im Frühjahr 1756 verlässt Grenouille Paris in Richtung Süden. Noch in derselben Nacht stürzt die Brücke – der – genau dort, wo Baldinis Haus steht, „ohne erkennbare Ursache“Patrick Süskind: Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders. Diogenes, Zürich 1994, S. 144 ein. Im Anschluss findet man weder die Leichen von Baldini und seiner Frau noch sein Vermögen, noch irgendetwas, das Grenouilles Wirken an diesem Ort bezeugt.

Wanderjahre

Indem Grenouille sich von Paris entfernt, entdeckt er in sich eine neue Leidenschaft: Luft zu atmen, die frei ist vom Geruch der Menschen. So ändert sich das Ziel seiner Wanderung. Es zieht ihn magisch zum „menschenfernsten Punkt“Patrick Süskind: Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders. Diogenes, Zürich 1994, S. 152 des Landes. Diesen findet er auf einem Vulkanberg, dem , wo er sich in einer tiefen Höhle einrichtet und sie nur zur Befriedigung der elementarsten Bedürfnisse verlässt. Äußerlich vegetiert er dahin, innerlich blüht er auf. Die zahllosen Düfte, die er in sich trägt, ordnet er, verwirft die schlechten und genießt die guten, wann immer er mag. Nach sieben Jahren bringt eine innere Erschütterung die Wende. In einem Albtraum erlebt er mit Entsetzen, was der Leser längst weiß: Er selbst hat keinen Geruch. Als alle Versuche, den Traum durch die Realität zu widerlegen, scheitern, bricht Grenouille auf und kehrt in die Zivilisation zurück.

Seine Behauptung, er sei sieben Jahre lang von Räubern in einem Erdloch gefangen gehalten worden, findet Glauben. Der Marquis de la Taillade-Espinasse, ein dilettierender Wissenschaftler, sieht in ihm sogar seine These bestätigt, wonach die Erde schädliche Gase ausstoße, welche alles Lebende schädige. Er bietet Grenouille an, ihn in einem „Vitalluftventilationsapparat“,Patrick Süskind: Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders. Diogenes, Zürich 1994, S. 180 den er selbst erfunden hat, binnen einer Woche zu kurieren, was vor der versammelten Geisteswelt in Montpellier demonstriert werden soll. Grenouille spielt das Spiel mit. Nur er weiß, was – neben der Wiederherstellung seines Äußeren – die Gelehrten tatsächlich täuscht: das Parfum, das er eigens für diesen Zweck kreiert hat. Ein zweites Parfum befriedigt ihn noch mehr: Es verleiht ihm den gewöhnlichen Menschenduft. Mit ihm fühlt er sich, wenn er unter Menschen ist, erstmals wie ihresgleichen und erkennt damit ihre Manipulierbarkeit. Jetzt will er auch noch Macht über sie, will, dass sie ihn lieben, glaubt er sich doch, als „omnipotenter Gott des Duftes“,Patrick Süskind: Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders. Diogenes, Zürich 1994, S. 198 dem „stinkenden Gott“,Patrick Süskind: Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders. Diogenes, Zürich 1994, S. 199 dem die Menschen huldigen, überlegen. Heimlich verlässt er Montpellier und begibt sich auf kürzestem Weg nach Grasse. Die Spur des Marquis de la Taillade-Espinasse hingegen, der versucht, die Richtigkeit seiner These noch eindrucksvoller an sich selbst zu beweisen, verliert sich in den Höhen der Pyrenäen.

Meisterjahre