Lutz Kroth, geb. Reinecke, (* 18. März 1942Bundesanzeiger: Kroth, Lutz. In: Genios, 6. Juli 2012, aufgerufen am 28. Oktober 2019. in Magdeburg) ist ein deutscher Verleger und ein Mitbegründer von Zweitausendeins.

Leben und Wirken Lutz Kroths Vorfahren waren Buchhändler. Sein Vater Friedrich ReineckeGuido Heinrich: Reinecke, Friedrich Karl Eduard. In: Universität Magdeburg, 4. März 2005, aufgerufen am 28. Oktober 2019. gründete 1910 in MagdeburgFotos der Central-Buchhandlung: Magdeburg vor 1945 – Breiter Weg 135 und Großansicht: Magdeburg – Breiter Weg 135. In: Flickr, aufgerufen am 28. Oktober 2019. ein Buchhandelsgeschäft namens Central-Buchhandlung und Antiquariat Friedrich Reinecke, Verlag, Kunst- und Musikalienhandlung.Bestand: Central-Buchhandlung und Antiquariat Friedrich Reinecke, Verlag, Kunst- und Musikalienhandlung, Magdeburg. In: Staatsarchiv Leipzig, aufgerufen am 28. Oktober 2019. Im Jahr der Gründung der DDR 1949 verließ die Familie Magdeburg, zog nach Sarstedt in Westdeutschland und führte dort wieder eine Buchhandlung.Datensatz: Brief von Margarete Buber-Neumann an Central-Buchhandlung Friedrich Reinecke <Sarstedt> . In: Kalliope-Verbund. Auch Reineckes Eltern waren Buchhändler.Peter Unfried: Betr.: Lutz Kroth. In: taz, 23. Dezember 2006.

Reinecke absolvierte ebenfalls eine Lehre zum Buchhändler. Er gewann 1960 ein vom Suhrkamp-Verleger Siegfried Unseld initiiertes Preisausschreiben für das am besten gestaltete Schaufenster einer Buchhandlung.Willi Winkler: . In: Die Zeit, 14. Oktober 1994. Der Preis war ein Besuch bei einem Suhrkamp-Autor, und Reinecke wählte Hans Magnus Enzensberger in Norwegen aus. Anschließend wurde er von Unseld in seinem Vertrieb eingestellt. Während der Frankfurter Buchmesse 1968 fand eine Demonstration der APO gegen die Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels an Léopold Sédar Senghor statt.red.hanau: Tumulte auf der Buchmesse, der Straße und im Gerichtssaal 1968. Die Friedenspreisverleihung an Léopold Senghor 1968. In: linksnavigator.de / Swing, No. 155, 4. November 2008. Foto von Eberhard Seeliger: Frankfurt am Main, APO-Protest gegen die Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an Léopold Sédar Senghor. In: Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Reinecke, seinerzeit Vertriebsleiter, verließ den Suhrkamp-Messestand, nahm an der Demonstration teil und wurde daraufhin von Unseld entlassen.Peter Unfried, Mathias Bröckers: Ich sitze am Ufer eines Flusses und warte. In: die tageszeitung, 23. Dezember 2006, Interview mit Lutz Kroth.

Anschließend arbeitete Reinecke zunächst bei der Satire-Zeitschrift pardon. Hier wurde er Assistent von Hans A. Nikel. Gemeinsam mit Walter Treumann – damaliger Geschäftsführer beim pardon-Verlag Bärmeier & Nikel – entwickelte er ab 1969Sonnenberg, Von Marx zum Maulwurf, S. 287. eine Merchandising-Abteilung, einen pardon-shop.Oliver Kobold und Jochen Wobser: Nur bei uns. Wie Zweitausendeins die Gegenkultur verlegte. In: SWR2, Radio-Feature, 10. März 2019, (PDF; 324 kB). Als sich der pardon-Verlag 1971 auflöste, gliederten Reinecke und Treumann den Versand als ein eigenständiges Unternehmen aus;Bröckers, Zweitausendeins, S. 5. es entstand der Buchversand Zweitausendeins. Mit dem Auf- und Weiterverkauf von Restauflagen gelang es, die Buchpreisbindung stark zu unterbieten.

Ende der 1970er Jahre veränderten sich die Inhalte des Programms von Zweitausendeins.Bröckers, Zweitausendeins, S. 59.Wolfgang Frömberg: In: Intro, 2004, publiziert am 29. Oktober 2007, ein Gespräch mit dem Verleger Jörg Schröder. Reinecke heiratete 1983 in zweiter Ehe die Fotografin Eva Kroth,Bundesanzeiger: Kroth, Lutz. In: Genios, 6. Juli 2012, aufgerufen am 28. Oktober 2019. deren Familiennamen er annahm.Besprechung von Sabine Rosenbladt: . In: Zeitmagazin, 2. Dezember 1977.Günther Stockinger: Triumph in der Nische. In: Spiegel special, 1. Oktober 1996, Nr. 10, und als (PDF; 4,36 MB).Bröckers, Zweitausendeins, S. 59. Seine Frau, die er bereits 1977 kennengelernt hatte, wirkte auch bei der Programmgestaltung mit.Manuel Hessling: 2001+8 = pfft. In: revierflaneur.de, 3. Februar 2010. Neue Schwerpunkte im Sortiment bildeten Titel aus den Bereichen Ökologie, Feminismus, Selbsthilfe und Esoterik.Bröckers, Zweitausendeins, S. 62. Auch die Anti-AKW-Bewegungen, die Grünen und Greenpeace wurden publizistisch unterstützt.Bröckers, Zweitausendeins, S. 62 f. 1997 erwirtschaftete Zweitausendeins sechzig Prozent des Jahresumsatzes von 110 Millionen DM über den Versand und vierzig Prozent über die damals noch elf eigenen Läden.Peter Kliemann: Homöopathie für den Hund. In: Die Welt, 28. Oktober 1997.

Nach dem Verkauf von Zweitausendeins 2006 aus Altersgründen an die Brüder Kölmel (Kinowelt) übte Kroth vorübergehend eine Beratertätigkeit aus. 2008 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

Das Ehepaar lebt seit den 1990er Jahren in der Holsteinischen Schweiz im Kreis Plön. In: Landesportal Schleswig-Holstein, 26. November 2008.Bröckers, Zweitausendeins, S. 64. Kroth hat zwei Kinder;Peter Unfried: Betr.: Lutz Kroth. In: taz, 23. Dezember 2006. sein Sohn aus seiner ersten Ehe mit Ehefrau Dorle ist ebenfalls in der Buchhandelsbranche tätig.Generationswechsel bei Zweitausendeins: Robert Egelhofer, Fabian Reinecke, Frank Seibel und Dr. Till Tolkemitt übernehmen Geschäftsführung / Lutz Kroth zieht sich aus dem Tagesgeschäft zurück. In: BuchMarkt, 10. Oktober 2005.Wolfgang Frömberg: In: Intro, 2004, publiziert am 29. Oktober 2007, ein Gespräch mit dem Verleger Jörg Schröder.Fabian Reinecke macht Vertrieb und Marketing für Verlagshaus Römerweg. In: BuchMarkt, 15. Juni 2015.

Auszeichnungen 2004: Hörbuch des Jahres der hr2-Hörbuch-Bestenliste für das „Hörwerk 1928–56“ mit Ton-Dokumenten Gottfried BennsHr2-Bestenliste: Die Hörbücher des Jahres 2004. In: BuchMarkt, 25. November 2004. 2008: Bundesverdienstkreuz am Bande

Literatur Mathias Bröckers: Zweitausendeins. Der Versand. 40 Jahre danach. Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-86150-999-8 Christoph Nettersheim: „Neckermann für Intellektuelle?“ Die Geschichte des Verlags- und Versandunternehmens Zweitausendeins. Hochschulschrift, Universität Mainz, 1999 Uwe Sonnenberg: Von Marx zum Maulwurf: Linker Buchhandel in Westdeutschland in den 1970er Jahren. Wallstein, Göttingen 2016, ISBN 978-3-8353-2934-8, S. 287–290

Einzelnachweise

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