mini|Manufakturgebäude der Glashütter Uhrenbetrieb GmbH (Nach erfolgter Sanierung; zuvor rotbraune Fassade) Die Glashütter Uhrenbetrieb GmbH ist eine Uhrenmanufaktur aus dem sächsischen Glashütte, die Uhren im gehobenen bis luxuriösen Preissegment fertigt. Die Marke des Unternehmens ist Glashütte Original. Seit 2000 gehört die Glashütter Uhrenbetrieb GmbH zur Swatch Group.
Geschichte 1845 bis 1914 Die Wurzeln der Manufaktur reichen bis ins Jahr 1845 zurück. Nachdem die Stadt Glashütte für Jahrhunderte vom Bergbau gelebt hatte, brachen mit dem Versiegen der Minen Armut und Arbeitslosigkeit über den Ort herein. Mit einem Darlehen der sächsischen Landesregierung begann Ferdinand Adolph Lange, Strohflechter und Bergarbeiter zu Uhrmachern auszubilden. Er gründete im sächsischen Müglitztal die erste Uhrenfabrik, die „A. Lange Cie.“ (ab 1869, dem Einstieg seiner Söhne, „A. Lange & Söhne“). Das anfängliche Hauptziel von Lange war, einfache und zugleich mechanisch vollkommene Taschenuhren zu fertigen. Neben Lange siedelten sich bald weitere Uhrmacher wie Julius Carl Friedrich Aßmann, Adolf Schneider und Karl Moritz Großmann in Glashütte an. Gemeinsam schufen sie eine prosperierende Uhrenindustrie in der Kleinstadt. 1878 wurde in Glashütte auf Initiative von Moritz Großmann die Deutsche Uhrmacherschule gegründet.
Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts hatten „Glashütter Uhren“ international einen Ruf als qualitativ hochwertige Zeitmesser erworben. Aufgrund dieses Umstands waren jedoch auch Nachahmungen von als System Glashütte vermarkteten Taschenuhren im Umlauf. Es wurden in dieser Zeit auch neue Uhrenhersteller in Glashütte wie die Firmen Paul Stübner, Ludwig Trapp oder Karl W. Höhnel gegründet. Neben Taschenuhren wurden zudem vermehrt Pendeluhren, Marinechronometer sowie Turm- und Bahnhofsuhren gefertigt. Im Zusammenhang mit den Uhrenmanufakturen siedelte auch die feinmechanische Industrie in Glashütte an, die einen Schwerpunkt in der Herstellung einzelner Uhrenkomponenten, Werkzeuge oder Instrumente für die Uhrenindustrie hatte.
1914 bis 1945 Die wirtschaftlichen Folgen des Ersten Weltkrieges führten bei den Glashütter Uhrenherstellern zu gravierenden Gewinneinbrüchen. Die Inflation von 1923 sowie die Weltwirtschaftskrise ab 1929, bei der die Stadt Glashütte Konkurs anmelden musste, zwangen einige Firmen dazu, den Betrieb einzustellen. Zur Krise trug außerdem bei, dass in dieser Zeit die Armbanduhr zunehmend die Taschenuhr verdrängte, sodass die Nachfrage nach den Glashütter Taschenuhren sank. In Glashütte wurde erst vergleichsweise spät mit der Fertigung von Armbanduhren begonnen.
Die Uhren-Rohwerke Fabrik Glashütte AG (kurz UROFA) wurde zum ersten Unternehmen in Glashütte, das im großen Maßstab Uhrwerke für Armbanduhren fertigte und in diesem Zusammenhang auch andere Hersteller mit Rohwerken belieferte. Gleichzeitig mit der UROFA wurde 1926 auch die Schwestergesellschaft UFAG (Uhrenfabrik Glashütte AG) gegründet, deren Aufgabe in der Montage fertiger Armbanduhren lag. Geschäftsführer beider Schwesterunternehmen wurde der promovierte Jurist Ernst Kurtz (1899–1996), der bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs die Geschicke leitete. Unter seiner Leitung führte die UROFA auch die Kennzeichnung „Tutima“ als Gütesiegel für die besonders hochwertigen Uhren der UROFA ein.
In der Zeit des Nationalsozialismus stieg durch den Ausbau der zivilen und militärischen Luft- und Schifffahrt der Bedarf an Beobachtungsuhren, Armbandchronographen und Marine-Chronometern, was sich auch auf die Produktion in Glashütte auswirkte. Ab Ende 1938 wurden UROFA und UFAG offiziell in die Rüstungsindustrie einbezogen, mit Kriegsausbruch steigerte sich diese Entwicklung. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Uhrenproduktion um kriegswichtige Güter wie Zeitzünder erweitert. Am Tag der deutschen Kapitulation, dem 8. Mai 1945, wurde Glashütte von russischen Fliegern bombardiert. Verschiedene Uhrenhersteller im Ort waren davon teils schwer betroffen.
1945 bis 1990 Nach Kriegsende demontierte die sowjetische Besatzungsmacht einen großen Teil der Produktionseinrichtungen, die nicht durch die Bombardierung zerstört worden waren. In den folgenden Jahren wurden die Glashütter Werkzeug- und Uhrenhersteller schrittweise enteignet und verstaatlicht. Am 25. Dezember 1946 wurde die Wiederaufnahme der Uhrenproduktion durch die Sowjetische Militäradministration genehmigt. 1951 fusionierte man Betriebe der Glashütter Uhrenindustrie – darunter die UROFA, UFAG und A. Lange & Söhne – zu einem Großbetrieb.Watch-Wiki:
Der aus der Fusionierung entstandene VEB Glashütter Uhrenbetriebe (GUB) hatte die Aufgabe, die DDR und später auch die Staaten des RGW mit Uhren und Zeitmessgeräten verschiedener Art zu versorgen. Es wurden dabei weiter Militäruhren produziert, etwa Taucheruhren, Flugzeug-Borduhren und Flieger-Armbanduhren für die Piloten der NVA-Luftstreitkräfte, die beispielsweise in MiG-29 oder Su-22 flogen.
Am bekanntesten ist die Produktion von Armbanduhren geworden, die auch in großen Stückzahlen in die Bundesrepublik exportiert wurden. Mechanische Uhrwerke des VEB GUB für Herrenuhren waren beispielsweise: Formwerk (GUB 62 und 62.2), 1951–1956 runde Handaufzugswerke (GUB 60, 60.1, Gütewerke 60.2 und 60.3, Datum-Werke 66 und 66.1), 1951–1961 Automat (GUB 67 und GUB 68), 1960–1968 Spezimatic (GUB 74 und GUB 75), 1965–1979. Jene gilt als die in größter Stückzahl gefertigte Glashütter Herrenarmbanduhr. Spezichron (GUB 11-26, GUB 11-27), 1979–1985 Spezimat (GUB 10-30), 1993–1994
Die Fertigung und Weiterentwicklung mechanischer Schiffschronometer wurde bis 1976 im VEB GUB fortgeführt. Gegen Ende der DDR-Zeit beschäftigte das Unternehmen rund 2500 Mitarbeiter.
Seit 1990 Nach der Wiedervereinigung wurde der VEB Glashütter Uhrenbetriebe privatisiert und am 16. Oktober 1990 als Glashütter Uhrenbetrieb GmbH ins Handelsregister eingetragen. In der unmittelbaren Zeit nach der Wiedervereinigung wurde das Unternehmen von der Treuhand verwaltet, die unter anderem die Namensrechte an der Marke A. Lange & Söhne an die Schweizer Firma IWC veräußerte. Das Unternehmen fertigte mechanische Armbanduhren unter den Markennamen „GUB“ und „Glashütte Original“: Während erstere mit zugekauften Uhrwerken der Schweizer ETA ausgestattet waren, verwendete „Glashütte Original“ selbstgefertigte mechanische Manufakturkaliber.
Nach 1994 gestalteten die neuen Besitzer, die Unternehmer Wolfgang Heinz Pfeifer und Alfred Wallner aus Bayern, die Produktpalette um und steigerten die Gehäusequalität. Die Marke Glashütte Original wurde 1994 offiziell eingeführt. Von Anfang an wurden unter dieser Marke ausschließlich Uhren mit hauseigenen Kalibern gefertigt. Der Schriftzug stellt eine modifizierte Form des „Glashütte“-Schriftzuges des VEB Glashütter Uhrenbetriebe dar. Bestehende Uhrwerke wurden weiterentwickelt, und historische Komplikationen wie Mondphase, Tourbillon oder Ewiger Kalender wieder aufgegriffen. Daneben wurden auch neue Komplikationen wie ein Terminkalender in der Senator-Kollektion vorgestellt.
Im Jahr 2000 kaufte die Schweizer Swatch Group AG die Glashütter Uhrenbetrieb GmbH. Zugleich wurde bei der Übernahme deutlich gemacht, dass die Marke Glashütte Original in eigenständiger Form bestehen bleibt. Mit erheblichen Investitionen wurde im Anschluss die Marke Glashütte Original stärker international vermarktet und es wurden weltweit mehrere Boutiquen eröffnet.
2006 gründeten Glashütte Original und die Stadt Glashütte die Museumsstiftung „Deutsches Uhrenmuseum Glashütte – Nicolas G. Hayek“, benannt nach dem Swatch-Mitgründer Nicolas Hayek. Seither präsentiert das Museum in der Innenstadt von Glashütte auf rund 1000 Quadratmetern im historischen Schulgebäude der Deutschen Uhrmacherschule mit über 400 Ausstellungsstücken die Stadtgeschichte und insbesondere die Geschichte des Uhrmacherhandwerks in Glashütte. Bereits seit DDR-Zeiten hatte es ein Museum im damaligen Kulturhaus der Stadt gegeben, dessen Exponate in die neuere Ausstellung übergingen.
Produkte und Herstellung Produkte mini|PanoMaticCalendar – Detailansicht mini|PanoMaticCalendar – Blick auf die handgravierte Unruhbrücke mini|Senator Meißen mit handbemaltem Porzellanzifferblatt Die Produktpalette reicht von den Modellen der Pano-Kollektion mit typischem asymmetrischem Zifferblatt (mit Handaufzug oder Automatikwerk, Chronograph, Tourbillon oder Jahreskalender) über die Senator-Kollektion hin zu Vintage- und Sportmodellen. Dabei sind Modelle in Edelstahl ebenso erhältlich wie Uhren aus Gold oder Platin.
Die Produktpalette umfasst fünf Kollektionen (Stand 2026), jeweils noch einmal in verschiedene Modellreihen unterteilt. Diese Kollektionen sind: Senator-Kollektion Pano-Kollektion Spezialist-Kollektion Vintage-Kollektion Serenade-Kollektion
Besonders aufwendige Modelle, welche historischen Glashütter Betrieben oder Persönlichkeiten gewidmet sind, vertreibt die Manufaktur in limitierter Auflage: Julius Assmann: Die „Julius Assmann 1“ (1995) kann sowohl als Armbanduhr oder als Taschenuhr getragen werden. Mit fliegendem Tourbillon und ewigem Kalender war sie die komplizierteste Uhr, die in Glashütte nach 1990 produziert wurde. Die „Julius Assmann 2“ erschien später mit einem Zifferblatt aus der Meißener Porzellanmanufaktur, das mit 25 von Hand gemalten Motiven aus dem Meißener Schulz-Codex verziert ist. Alfred Helwig Tourbillon Nr. 1, benannt nach Alfred Helwig, Erfinder des „Fliegenden Tourbillons“. Das Handaufzugwerk Kaliber 41 mit lachsfarbenem Zifferblatt umrahmt die fliegend gelagerte Tourbillonkonstruktion der auf 25 Exemplare limitierten Uhr.
Herstellung, Besonderheiten und Vertrieb mini|Zifferblattrohlinge Die nach 1994 neu konstruierten Uhrwerke von Glashütte Original weisen verschiedene optische und technische Merkmale auf, die sich in der Glashütter Uhrenfertigung historisch etabliert hatten. Beispiele dafür sind die 3/4-Platine, chatonierte Lagersteine und die Schwanenhalsfeinregulierung. Ebenfalls charakteristisch ist die Finissierung der Platine, die als Glashütter Streifenschliff bekannt ist. Ein weiteres Merkmal vieler Uhren von Glashütte Original ist das sogenannte Panoramadatum, welche das Datum über zwei konzentrische Scheiben (Einer- und Zehnerstelle) anzeigt und auf den sonst bei Großdatumsanzeigen üblichen Mittelsteg zwischen der Einer- und Zehnerstelle verzichtet.
Neuere Armbanduhren von Glashütte Original sind mit einer Individualnummer ausgestattet, die in die Gehäuseinnenseite eingefräst ist. Die für jede Uhr individuelle Nummer leistet auch einen Beitrag zum Käuferschutz, denn gestohlene Uhren oder Fälschungen können so leichter erkannt werden.Markenuhren von Glashütte Original Uhren-Zeitlos.de. Zuletzt abgerufen am 29. Mai 2020. Bei Glashütte Original ist darüber hinaus zusammen mit dieser Nummer die ganze Historie einer jeden Uhr gespeichert.
Nach Unternehmensangaben fertigt Glashütte Original 95 Prozent aller Uhrwerkskomponenten in der eigenen Manufaktur selbst. Zudem entstehen viele Hilfsmittel, die für die Uhrenherstellung benötigt werden, in der hauseigenen Abteilung für Werkzeugbau. Seit 2025 betreibt Glashütte Original wieder eine eigene Zifferblattmanufaktur vor Ort in Glashütte. Dieser Grad an Eigenherstellung ist selbst für eine Manufaktur von Luxusuhren ungewöhnlich.5 Fakten über Glashütte Original Watchtime.net. Zuletzt abgerufen am 29. Mai 2020. Der Aufwand in der Fertigung der Werke und bei der Montage der Uhren begründet die relativ geringe Stückzahl, gekoppelt mit hohem Preis. Nach Unternehmensangaben werden pro Jahr wenige Tausend Uhren gefertigt.
Der Vertrieb der Uhren wird insbesondere durch eigene Boutiquen gewährleistet, u. a. in Dresden, Wien, Paris, Hongkong und Tokio.
Herkunftsbezeichnung „Glashütte“ für Uhren