Kolzenburg ist ein Ortsteil von Luckenwalde, der Kreisstadt des Landkreises Teltow-Fläming in Brandenburg.
Lage Der Ort liegt südlich der Kernstadt Luckenwalde und grenzt im Westen, Süden und Osten an die Gemeinde Nuthe-Urstromtal. Nordwestlich befindet sich der Luckenwalder Wohnplatz Lindenberg. Die Umgebung von Kolzenburg ist durch ausgedehnte Wälder geprägt. Lediglich der südöstliche Teil wird landwirtschaftlich genutzt und über den Kolzenburger Graben in den Jänickendorfer Schleusengraben entwässert. Das Gelände liegt auf einer Höhe von rund .Kolzenburg, Brandenburgviewer, abgerufen am 15. Februar 2026. Rund 300 Meter südwestlich des Dorfzentrums befindet sich eine wallartige Anlage mit einer Höhe von einem bis drei Metern und einer Breite von 10 Metern, die zum Teil stark verschliffen ist. Eine Bezeichnung für den Flurnamen konnte bislang nicht festgestellt werden.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil X Jüterbog-Luckenwalde. Erstauflage erschienen im Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992, Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam, 2011, ISBN 978-3-941919-87-7, S. 278.
Geschichte und Etymologie Etymologie Kolzenburg wurde erstmals 1285 urkundlich erwähnt, als Luckenwalde zusammen mit elf weiteren Dörfern, darunter auch dieses Dorf von den magdeburgischen Ministerialen Oltzo und Wedego von Richow an das Kloster Zinna verkauft wurde. Experten gehen davon aus, dass es zuvor eine slawische Siedlung gab, die rund 900 Meter nördlich des noch im 21. Jahrhundert vorhandenen Ortskerns bestand. Rund 550 Meter südlich soll sich weiterhin eine Burg befunden haben, die einem Ritter Kolz gehörte. Bei der ersten Abschrift im Jahr 1285 als Koltzendorff könnte es sich möglicherweise um einen Fehler handeln. Weitere Erwähnungen waren das Auftreten eines Hennyng vnde Kune Kolcenborch in Wrietzen im Jahr 1343 sowie eine Erwähnung in den Jahren 1387/1388 als Der Kolczenborginnen dochter in Treuenbrietzen. Im Jahr 1419 erschien die Schreibweise Kolseborch und Kolßeborch sowie Kolzenborg im Jahr 1480, gefolgt von Koltzenbergk im Jahr 1534 und Koltzenburg im Jahr 1775. Es handelt sich um einen Mischnamen, der wahrscheinlich übersetzt so viel heißt wie „Burg an einem Ort mit dem slawischen Namen Koltze = Rodeland“Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin, Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission, be.bra wissenschaft verlag, Berlin-Brandenburg 2005, S. 93 ISBN 3-937233-17-2..
13. bis 16. Jahrhundert Kolzenburg erschien in den Jahren 1285 und 1419 lediglich als Dorf (villa). Eine detaillierte Übersicht existiert aus dem Jahr 1480. Es gab einen Schulzen mit zwei Lehnhufen, der außerdem eine Hufe von einer neuen Wiese bewirtschaftete. Daneben lebten im Dorf elf Einhufner und sechs Kossäten, die zusammen 14 Hufen bewirtschafteten. Neben den Flächen in Kolzenburg bewirtschafteten sie auch ein Land, das als Kalows Acker bezeichnet wurde; einige auch auf einem Frentzels Acker. Ihre Abgaben betrugen 10 Rheinische Gulden (fl) 3 ½ Groschen (gr) zum 50. Pfennig im Jahr 1534. Nach der Reformation übernahm im Jahr 1553 das Amt Zinna das Dorf mit allem Recht. Im Jahr 1562 wurde lediglich von 14 Hauswirten berichtet, 1568 waren es der Schulze mit zwei Lehnhufen, elf Einhufner und mittlerweile sieben Kossäten. Ihre Abgaben beliefen sich auf 6 Taler 1 gr 10 Pfennig (d) zum 70. Pfennig im Jahr 1586. Zum Ende des 15. Jahrhunderts erstellten die Zisterzienser ein Verzeichnis, aus dem ersichtlich ist, dass die Dorfbewohner dem Kloster zwei Tage Hand- und Spanndienste leisten mussten.
17. Jahrhundert Um 1600 gab es im Dorf nach wie vor 18 Hauswirte; 1609 waren es der Schulze, elf Hufner und sechs Kossäten. Im Dreißigjährigen Krieg war Kolzenburg im Jahr 1642 wüst gefallen und lediglich von drei Hufnern bewohnt. Zuvor waren es 18 besessene Mann: ein Lehnmann, elf Hufner und sechs Kossäten. Eine Statistik aus dem Jahr 1684 führte 18 Güter auf: elf Hufner und sechs Kossäten, von denen vier dienten. Genauere Angaben liegen aus dem Jahr 1686 vor. Demzufolge gab es zwölf Hufner und vier Kossäten. Der Schulze bewirtschaftete drei Hufen mit 25 Scheffel Aussaat, 6 Fuder Heu und besaß eine Wohnung mit Garten und Weide. Er betrieb Viehzucht und hatte das Recht, Holz zu schlagen. Drei Hufner bewirtschafteten je eine Hufe mit 9 ½ Scheffel Aussaat, 3 Fuder Heu und hatten je eine Wohnung, einen Garten, eine Weide. Sie betrieben ebenfalls Viehzucht und durften Holz schlagen. Acht Hufner brachten es auf jeder Hufe zu 10 Scheffel Aussaat und 4 Fuder Heu, ein Kossäte auf 3 ½ Scheffel und 2 Fuder, ein weiterer Kossät brachte 3 ¼ Scheffel Aussaat aus und 2 Fuder Heu ein. Ein anderer Kossät konnte 3 Scheffel Aussaat ausbringen und 2 Fuder Heu ernten, ein weiterer 2 ½ Scheffel Aussaat und 2 Fuder Heu erwirtschaften. Zwei Kossätenhöfe waren vollständig zerstört, die Gemarkung 14 Hufen groß.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil X Jüterbog-Luckenwalde. Erstauflage erschienen im Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992, Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam, 2011, ISBN 978-3-941919-87-7, S. 279.
18. Jahrhundert Im Jahr 1727 lebten im Dorf der Lehnschulze, elf Hufner und sechs Kossäten. Sie konnten im Folgejahr auf 14 Hufen insgesamt sechs Wispel zehn Scheffel vier Metzen Aussaat ausbringen; die sieben Kossäten 21 Scheffel Aussaat. Im Jahr 1738 gab es den Dreihufner (Lehnschulze), elf Einhufner, sechs Kossäten und einen Halbkossäten; 1745 waren es zwölf Hufner, sieben Kossäten und ein Büdner sowie zwölf Vollspänner und acht Kossäten im Jahr 1749. Weitere Angaben existieren aus dem Jahr 1772: zwölf Hufner, sechs Kossäten, vier Büdner, zwei Hirten, ein Schulmeister. Es gab 23 Männer, 25 Frauen, zwei alte Männer und fünf alte Frauen sowie 14 Söhne über zehn Jahre und 15 unter zehn Jahren. Weiterhin gab es sieben Töchter über zehn Jahre und zwölf unter zehn Jahren. Im Dorf lebten außerdem noch zehn Knechte und sieben Mägde. Aus dem Jahr 1791 wurde berichtet: zwölf Bauern, sieben Kossäten, vier Büdner, drei Hausleute oder Einlieger, die in Summe 25 Feuerstellen (= Haushaltungen) betrieben. Bis 1781 bewirtschafteten die Bauern aus Kolzenburg und Luckenwalde ein gemeinschaftliches Weiderevier, das als Mühlengehege bezeichnet wurde. Durch eine Separation, die zwischen den Jahren 1781 bis 1783 stattfand, wurde diese gemeinschaftliche Hütung aufgehoben. Wie aus einer Entscheidung des Königlichen Obertribunals hervorging, fiel die Lindenberger Mühle dabei nach Kolzenburg.
19. Jahrhundert Im Dorf lebten im Jahr 1801 der Lehnschulze, elf Ganzbauern, sechs Ganzkossäten, ein Halbkossät, vier Büdner und ein Einlieger. Es gab einen Krug; die Bewohner schlugen 350 Morgen (Mg) Holz und betrieben 25 Feuerstellen. Die Gemarkung war auf 38 Bauernhufe angewachsen. In der Zeit der Befreiungskriege wurde Kolzenburg 1806 von französischen Soldaten überfallen und ausgeplündert. Der Ort erholte sich jedoch von den Kriegswirren. Im Jahr 1818 wurde von einem Gast- und Schankwirt, einem Ölschläger und einem Grützmüller berichtet. Aus den 1830er Jahren sind im Ort die Existenz einer Mühle, einer Tuchfabrik, einer Wassermühle sowie je eine Walk- und Sägemühle sowie ein Krug und sieben Wohnhäuser überliefert.Kolzenburg, Webseite des Fördervereins Naturpark Baruther Urstromtal, abgerufen am 24. Oktober 2019. 1839 befestigten Handwerker die Chaussee zwischen Luckenwalde und Jüterbog. Kolzenburg erhielt damit Anschluss an einen wichtigen Handelsweg. Im Dorf arbeiteten im Jahr 1837 ein Zimmermann, ein Schankwirt, zwei Musikanten sowie drei männliche und fünf weibliche Dienstboten. Es gab zwei Webstühle und 26 Wohnhäuser. In der Nacht zum 27. Juli 1855 brach ein Feuer im Ort aus und zerstörte sämtliche Gebäude. In der Zeit von 1855 bis 1888 bestand im Ort ein Wildpark. Kolzenburg bestand im Jahr 1858 aus fünf öffentlichen, 30 Wohn- und 65 Wirtschaftsgebäuden sowie einem Abbau. Die Fläche umfasste 1606 Mg: 9 Mg Gehöfte, 9 Mg Gartenland, 717 Mg Acker, 134 Mg Wiese, 225 Mg Weide, 512 Mg Wald. Kolzenburg bestand 1885 mit dem Wohnplatz Wildpark. Am 1. Dezember 1871 lebten im Ort 53 Familien in 35 Wohngebäuden, darunter 163 männliche und 152 weibliche Einwohner.Königlich Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preussischen Staates und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. Dezember 1871. II. Die Provinz Brandenburg. Verlag des Königlich Statistischen Bureau, Berlin 1873, Online bei Google Books S. 43 (Fußnote). Im Jahr 1893 gab die Gemeinde acht Hektar (ha) an den Gemeindebezirk Neuhof bei Zinna ab; 1898 nochmals 1,6 ha an den Gemeindebezirk Dorf Zinna.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil X Jüterbog-Luckenwalde. Erstauflage erschienen im Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992, Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam, 2011, ISBN 978-3-941919-87-7, S. 277. Nach 1897 kam es zu einem bescheidenen wirtschaftlichen Aufschwung, nachdem der Ort an die Königlich Preußische Militär-Eisenbahn angeschlossen wurde. Der kleine Ort erschien in den Tagebüchern von Harry Graf Kessler aus den Jahren 1880–1937. Er beschrieb, wie er am 16. September 1896 von Kolzenburg nach Jänickendorf ritt. Auf dem Rückweg wurde er von zwei weiteren Personen begleitet, mit denen er gemeinsam im Mühlbach baden ging. Er schrieb: „ein merkwürdiges Bild, wir drei nackten Menschenkinder im Mondschein auf der Wiese“.
20. Jahrhundert Zur Jahrhundertwende standen im Dorf 39 Häuser auf 803,6 ha. Es gab drei Büdner, einen Büdner und Gastwirt, einen Büdner und Maurerpolier, einen Färber, einen Gemeindevorsteher, acht Hufner, sechs Kossäten, einen Lehngutsbesitzer und einen Lehrer. Zu Kolzenburg gehörte 1905 der Wohnplatz Militärbahnhof Kolzenburg. Im Zeitraum der durch die neue Kommunalverfassung bedingten Eingemeindungen zwischen 1928 und 1931 wurde der nördliche gelegene Wohnplatz Lindenberg zur Gemeinde zugesprochen. Kolzenburg wurde 1931 Landgemeinde mit den Wohnplätzen Bahnhof Kolzenburg, Lindenberg. Auf einer Fläche von nur noch 849,9 ha standen 46 Wohnhäuser mit 84 Haushaltungen. Eine Statistik aus dem Jahr 1939 führte auf: ein land- und forstwirtschaftlicher Betrieb mit über 100 ha. Weitere 13 Betriebe waren zwischen 20 und 100 ha groß, vier zwischen 10 und 20 ha, zehn zwischen 5 und 10 ha sowie 15 zwischen 0,5 und 5 ha.