Die Lokomotiven der Eurodual-Familie sind Zweikraftlokomotiven mit dieselelektrischem und elektrischem Antrieb für den Streckendienst, die von Stadler Rail Valencia in Spanien produziert werden. Das erste Exemplar wurde 2019 an die Havelländische Eisenbahn ausgeliefert. Die Lokomotiven zählen zu den größten einteiligen Lokomotiven auf deutschen Gleisen.

Geschichte Die Lokomotiven gehen auf die sechsachsigen Diesellokomotiven Euro 4000, die vierachsigen Beacon Rail Class 68Internetseite über die Diesellokomotive Reihe 68. (2013) und die vierachsigen Zweikraftlokomotiven EuroDual Class 88 aus dem Jahr 2013Internetseite über die bimodale Reihe 88. zurück. Diese genannten Maschinen wurden noch von Vossloh entwickelt. 2014 wurde auf der Messe InnoTrans auch ein erster Entwurf einer schweren sechsachsigen, zweikraftfähigen Lokomotive von Vossloh vorgestellt.

mini|ohne|88 003 der Direct Rail Services, von dieser Konstruktion wurde die elektrische Ausrüstung für die Stadler Eurodual übernommen

Nachdem Stadler Rail das Werk bei Valencia von Vossloh übernommen hatte, wurde die Konstruktion weiterentwickelt. 2017 entstand daraufhin eine erste sechsachsige Eurodual für Frankreich. Sie erhielt die Register-Nummer 92 87 0006 001-7 F-STVA und wurde firmenintern als Eurodual F bezeichnet. Sie ist unter der im französischen Netz üblichen Einphasenwechselspannung von 25 kV mit 50 Hz und der Gleichspannung von 1,5 kV einsetzbar. Der Dieselmotor kann im Gleichstrombetrieb zusätzlich zur Leistungserhöhung verwendet werden. Diese Lokomotive wurde vor ihrem Einsatz in Frankreich, Belgien und Rumänien intensiven Erprobungen unterzogen.

Ende 2018 wurden die ersten Lokomotiven der bestellten zehn Fahrzeuge der Havelländischen Eisenbahn ausgeliefert, die intern als Eurodual D bezeichnet werden und sich vom Prototyp Eurodual F äußerlich und im elektrischen Teil unterscheiden. Noch Ende des Jahres fanden mit der Lokomotive 159 001 erste Testfahrten auf der Strecke von Treuchtlingen nach Donauwörth statt. Auf der Messe Transport logistic in München wurde bekannt, dass die ITL Eisenbahngesellschaft vier Eurodual-Lokomotiven bei Stadler Rail bestellten. Auch das Leasingunternehmen European Loc PoolInternetseite des European Loc Pool. hat zehn Lokomotiven der Reihe bestellt.

Im deutschen Fahrzeugeinstellungsregister erhielten die Eurodual-Lokomotiven die Stammnummer 2159. Seit November 2021 sind die Lokomotiven auch für den Einsatz in Österreich zugelassen. Im Zeitraum Juni bis Juli 2023 erfolgten Zulassungsfahrten mit der Eurodual 2159 246 in den Balkanländern Slowenien, Kroatien und Serbien. Die ersten Testfahrten erfolgten in Kroatien im Dieselmodus und unter 25 kV / 50 Hz Wechselstrom, danach in Slowenien ausschließlich im Dieselmodus und als letztes in Serbien wieder mit beiden Antriebsarten. Die Zulassung für Serbien wurde bereits 2023 erhalten, die Zulassungen für Slowenien und Kroatien folgten im April 2026.

Die Euro 9000 ist für den Betrieb in den drei deutschsprachigen Ländern sowie in Belgien und den Niederlanden zugelassen.

Technik Die Konstruktion beruht auf Technik des ehemaligen Vossloh-Werks Valencia. Die Lokomotive setzt sich aus Komponenten der Vossloh Euro 4000 (Rahmen und Drehgestelle), der vierachsigen Diesellokomotive UKLIGHT (Class 68) (Tank, Dieselmotoranlage, Lüfter, Abgasanlage) und der zweikraftfähigen, auf der UKLIGHT basierenden Class 88 (Haupttransformator, elektrische Ausrüstung) zusammen. Durch die Kombination dieser Elemente entstand die von der HVLE gewünschte Konfiguration der Baureihe.

Die tragenden Elemente der Lokomotive sind aus verschiedenen Stahlsorten hergestellt. Die Seitenwände des Maschinenraumes sind fest mit dem Rahmen verschweißt. Führerhäuser und Einstiegsräume sind separate Aufbauten. Das Dach besteht aus fünf Segmenten, sie nehmen neben den Stromabnehmern auch andere Komponenten wie die Kühlerlüfter auf. Die Führerstände sind schallisoliert und klimatisiert. Der Lokführer hat seinen Arbeitsplatz in der Mitte des Führerraumes.

Die Drehgestelle gelten trotz ihrer dreiachsigen Ausführung als oberbauschonend, da sie beim Bogenlauf geringere Querkräfte als die zweiachsigen Drehgestelle der Bombardier TRAXX und Siemens Vectron aufweisen. Die Primärfederung erfolgt über Schraubenfedern, die Sekundärfederung wird in Form von Gummi-Metall-Elementen und Schwingungsdämpfern realisiert.

Als Verbrennungsmotor wird ein Sechzehnzylinder-Viertaktdieselmotor C175-16 von Caterpillar mit einer Leistung von 2800 kW verwendet, der elektrische Antrieb hat eine Leistung von 6150 kW bei Speisespannungen von 25 kV / 50 Hz und 15 kV / 16,7 Hz.

Der Wechsel zwischen den Traktionsarten ist im Stand und während der Fahrt möglich. Die Lokomotiven verfügen über eine Funkfernsteuerung.

Technische Daten Die EuroDual ist eine Zweikraftlokomotive für zwei Fahrleitungsspannungen mit maximal 6150 kW Leistung im Fahrleitungs- sowie 2800 kW Leistung im Dieselbetrieb. Der Dieselmotor ist im Gleichstrombetrieb zuschaltbar.

Varianten der Eurodual sind: Euro6000: Elektrolokomotive für drei Spannungen, mit maximal 6200 kW Leistung Euro9000: Elektrolokomotive mit Last-Mile-Modul, mit maximal 9000 kW Leistung im Fahrleitungsbetrieb sowie maximal 1800 kW Leistung im Last-Mile-Modus Britische Klasse 99

EuroDual Euro6000 Euro9000 Länge über Puffer 23 020mm Breite 2900mm Höhe 4290mm Achslast21t Achsfolge Bo’Bo’ oder Co’Co’ unterschiedliche Varianten möglich Spurweite 1435mm bis 1668mm unterschiedliche Varianten möglich Leistung 6150kW (Wechselspannungen und  3kV =)4100kW (1,5kV =)6000kW (Gleichspannungs- und Dieselbetrieb)2800kW (Diesel) 6200kW (25kV ~)5600kW (3kV =)4100kW (1,5kV =) 9000kW (~)6000kW (=)900kW (last mile)1800kW (last mile)(900 kW= 1 Motor / 1800 kW = 2 Motoren) Traktionsleistung (Diesel) 2350kW− Anfahrzugkraft 500kN Elektrische Bremskraft 240kN Höchstgeschwindigkeit 120–160km/hunterschiedliche Varianten möglich Antrieb elektrisch und dieselelektrisch(Caterpillar C175-16) elektrisch elektrisch und dieselelektrisch(Caterpillar C32 (Last-Mile)) Tankvolumen 3500l − Fahrleitungsspannung 15kV, 16,7Hz ~ 25kV, 50Hz ~1,5kV = 3kV =unterschiedliche Varianten möglich 25kV, 50Hz ~1,5kV = 3kV =unterschiedliche Varianten möglich 15kV, 16,7Hz ~ 25kV, 50Hz ~1,5kV = 3kV =unterschiedliche Varianten möglich

Auszeichnungen Für die Entwicklung der Eurodual ist Stadler Rail (Valencia) gemeinsam mit der Havelländischen Eisenbahn AG (HVLE) im Jahr 2018/2019 mit dem Innovationspreis des Privatbahn Magazin ausgezeichnet worden.

Einsatz HVLE 159 001–014 mini|Eurodual der HVLE Die Lokomotiven der Havelländische Eisenbahn sollen mit unterschiedlichen Fahrdrahtspannungen elektrifizierte sowie nichtelektrifizierte Strecken bedienen. Konkret betrifft es die mit 25 kV bei 50 Hz elektrifizierte Rübelandbahn, das mit 15 kV bei 16,7 Hz versorgte deutsche Fernbahnnetz und die bislang nicht elektrifizierten Zulaufstrecken zur Rübelandbahn. Bisher wird dieser Verkehr elektrisch mit Lokomotiven der Reihe 185 und auf den nicht elektrifizierten Abschnitten mit Diesellokomotiven abgewickelt. Die Eurodual wäre die Universallokomotive für diese Dienste. Außerdem ist sie bedeutend leistungsstärker als die gegenwärtig eingesetzten Maschinen und besitzt dazu noch die für die Steilstrecken notwendige Lokreibungslast. Nach den Lokomotiven der Baureihe 251 kommen damit wieder sechsachsige elektrische Lokomotiven auf der Rübelandbahn zum Einsatz. Die Lokomotiven könnten durch ihr Dieselgeneratoraggregat auch Aufgaben auf der „letzten Meile“ mit erledigen, wie bei Einsätzen vor Holztransporten zwischen Goslar-Oker und Kreiensen, oder vor Splitt- bzw. Schotterzügen zwischen Bad Harzburg und Braunschweig oder Grohnde und Hameln, d. h. auf nicht elektrifizierten Endstücken der jeweiligen Fahrtroute.

Die Zulassung der Lokomotiven für die HVLE erfolgte am 12. Februar 2020.

Am 29. August 2020 wurde die 159 003 von DB Fernverkehr für Testfahrten auf der Schnellfahrstrecke Köln/Rhein-Main angemietet. Der Testzug bestand aus zwei Triebzügen der Baureihe 407 sowie einer Lokomotive der Reihe 101. Diese sollte allerdings nur die Masse der Fahrgäste simulieren.

Im Dezember 2020 wurden die Lokomotiven 159 004–007 an die HVLE ausgeliefert. Sie absolvierten Ende Januar 2021 auf der Strecke zwischen Zwickau und Hof ihre Abnahmefahrten.

Am 17. Dezember 2021 bestellte die HVLE eine weitere Lokomotive bei Stadler. Weitere drei Lokomotiven wurden im Januar 2023 geordert und 2024 ausgeliefert. Diese insgesamt vier Lokomotiven haben die Nummern 159 011–014 und besitzen ein modifiziertes Frontdesign, wie es auch bei den restlichen Serienlokomotiven vorhanden ist. Weitere Eurodual werden angemietet.

Captrain/VFLI mini|159 102 von Captrain, 2022 auf der Hafenbahn Dresden

Deutschland Die ITL Eisenbahngesellschaft Dresden als Tochter der Captrain Deutschland hat für 2020 vier Lokomotiven bestellt. Diese Lokomotiven erhalten die Nummern 159 101 bis 104. Die erste Lokomotive 159 101 ist Anfang März 2020 in Dienst gestellt worden. Inzwischen sind alle vier Lokomotiven beim Besteller eingetroffen (Oktober 2020). Die Loks haben ein gegenüber den Vorserienlokomotiven der Havelländischen Eisenbahn modifiziertes Frontdesign nach Art des Stadler KISS 3.

Frankreich Am 31. August 2018 unterzeichneten VFLI (seit 2021 Captrain France) und Stadler Rail einen Vertrag über zwölf Euro4001, sowie die Prototyp-Eurodual-Lokomotive.

Spanien mini|Euro6000 von Renfe Mercancías mit einem schweren Holzzug am Pajares-Pass Für den Einsatz in Spanien, Portugal, Frankreich und Luxemburg wurden elf Euro6000-Lokomotiven bestellt. Sechs Lokomotiven erhielten Drehgestelle für iberische Breitspur (1668 mm), die restlichen fünf Regelspurdrehgestelle für den Einsatz in Spanien, Frankreich und Luxemburg. Die Lokomotiven werden durch Alpha Trains an Captrain España verleast. Seit dem 31. März 2021 fanden Testfahrten mit der in Frankreich registrierten 0006 001-8 (Euro6000) auf dem spanischen Regelspurnetz und in Frankreich statt. Die Zulassung für Spanien und Frankreich (25kV uneingeschränkt, 1,5kV nur Perpignan bis zur spanischen Grenze mit Höchstgeschwindigkeit 30 km/h) wurde am 22. Dezember 2021 durch die Europäische Eisenbahnagentur (ERA) erteilt. Die Breitspurlokomotiven erhalten die Baureihe 256 im spanischen Fahrzeugeinstellungsregister.

European Loc Pool mini|159 208 von ELP, abgestellt Mai 2020 in Dresden Hauptbahnhof mini|Die fabrikneuen ELP 2159 276 und 2159 277 in Saarbrücken Hbf Die ersten Eurodual für Deutschland sowie zwei weitere für Norwegen und Schweden wurden im Jahr 2017 bestellt. Mitte 2019 unterzeichnete European Loc Pool (ELP) einen Rahmenvertrag für 90 Zweikraftlokomotiven der Eurodual-Familie mit Stadler. Im Mai 2019 wurden die ersten Fahrzeuge aus dem Rahmenvertrag abgerufen: zehn Eurodual- und zehn Euro9000-Lokomotiven. Die Euro9000 sind mit dem Länderpaket DE-AT-CH-IT-BE-NL ausgestattet.

Im März 2020 wurden zehn weitere Eurodual für den deutschen Markt bestellt. Im Januar 2024 wurden erneut jeweils zehn Eurodual und Euro9000 bestellt, sodass bis dahin insgesamt 84 Eurodual und 40 Euro9000 von ELP bestellt worden sind. Im August 2026 wurde eine Bestellung über 20 weitere Eurodual-Lokomotiven bekanntgegeben. Dies ist die erste Bestellung für Lokomotiven mit Zulassungen in Kroatien, Serbien und Slowenien.

Bestellungen Kunden für die Euro9000 aus der ersten Tranche sind die niederländische Rail Force One sowie die deutsche RTB Cargo.

2021 unterzeichneten DB Cargo und European Loc Pool einen Full-Service-Leasingvertrag über sechs Eurodual-Lokomotiven.

Für den Ausbau grenzüberschreitender Verkehre schloss das Güterverkehrsunternehmen Lokomotion Gesellschaft für Schienentraktion am 1. Juli 2022 mit ELP einen Full-Service-Leasingvertrag für zwei Euro9000 ab. Der Einsatz zusammen mit der Rail Traction Company wurde für das vierte Quartal 2023 angekündigt.