Syberia ist ein Computerspiel des französischen Spieleentwicklers Microïds. Das Adventure wurde vom belgischen Comiczeichner Benoît Sokal entworfen und ist der erste Teil der gleichnamigen Spielereihe.

Handlung Donnerstag, 18. April 2002: Die US-amerikanische Rechtsanwältin Kate Walker reist im Auftrag ihres Arbeitgebers, der Anwaltskanzlei Marson & Lormont, in das französische Valadilène. Ein wichtiger Großkunde der Kanzlei, die Universal Toy’s Company, möchte die in Valadilène beheimatete, in Familienbesitz befindliche Automatenfabrik „Manufaktur Voralberg“ aufkaufen, deren Eigentümerin Anna Voralberg dem Verkauf zugestimmt hat. Vor Ort muss Walker feststellen, dass Voralberg einen Tag zuvor verstorben ist. Da sie keine Kinder hatte und es auch sonst keine Familie gibt, geht Walker davon aus, auf Grund des schriftlich vorliegenden Veräußerungswunsches das Geschäft zügig durchführen zu können. Beim örtlichen Notar wird sie mit dem schriftlichen Geständnis Voralbergs konfrontiert, dass ihr tot geglaubter jüngerer Bruder Hans vermutlich am Leben ist und dem Verkauf zustimmen müsste.

Die 1916 geborene Anna und der 1920 geborene Hans Voralberg hatten immer ein besonders inniges Verhältnis zueinander, was sie die Launen ihres strengen Vaters Rodolphe, in den 1930er-Jahren Eigentümer der Automatenmanufaktur, ertragen ließ. Am 13. Mai 1930 erforschten die beiden Kinder eine von Hans entdeckte Höhle in der Nähe Valadilènes, in der sie Felszeichnungen von Mammuts und eine Mammutfigur fanden. Beim Versuch, letztere von einem Felsen zu bergen, rutschte Hans ab und schlug mit dem Kopf auf den Felsboden auf. Er lag anschließend eine Woche im Koma und erlitt durch den Sturz bleibende Verletzungen: Geistig blieb er auf dem Stand zum Zeitpunkt des Unfalls zurück. Sein Vater Rodolphe, der auf einen Erben gehofft hatte, versank in Verzweiflung. Die Situation besserte sich, als sich herausstellte, dass Hans trotz seiner Behinderung eine intuitive Begabung für die Konstruktion kompliziertester Automaten hatte und so signifikant zum Erfolg der Firma beitragen konnte. Ein Nebeneffekt seines Unfalls war eine manische Beschäftigung mit Mammuts, und am 6. März 1938 verließ er gegen den Willen seines Vaters heimlich das elterliche Zuhause, um sich auf den Weg nach Sibirien zu machen, wo er überlebende Mammuts vermutete. Der Vater verkraftete den Verlust seines Sohnes nicht und spielt der Dorfgemeinschaft dessen Tod vor; ein befreundeter Pastor stellte eine Todesurkunde für Hans aus, ohne einen Leichnam gesehen zu haben, und unter großer Anteilnahme des Dorfes ließ Rodolphe Voralberg einen leeren Sarg beerdigen. Hans hielt auf seinem Weg nach Nordosten mit seiner geliebten Schwester Anna losen Kontakt über gelegentliche Postsendungen, die oft technische Skizzen für technisch überragende Automaten enthielten, die den Ruf der nach dem Tod des Vaters im Februar 1942 von Anna geleiteten Manufaktur förderten. Auf Grund der starken Konkurrenz durch elektronische Produkte ging es mit der Manufaktur gleichwohl wirtschaftlich bergab. Kurz vor den Ereignissen des Spiels hatte Hans Anna Pläne für einen rein mechanischen Zug zukommen lassen und sie aufgefordert, nach seinen Plänen den Zug sowie einen semiintelligenten Zugführerautomaten zu konstruieren, die seinen Unfall verursachende Mammutpuppe zu finden und mit dieser im neu konstruierten Zug zu ihm zu reisen.

Der Zug ist untrennbar mit seinem Zugführer verknüpft, einem intelligenten Automaten namens Oscar. Nachdem Walker dessen Herstellungsprozess abgeschlossen hat, startet sie an Anna Voralbergs Stelle die Reise zu Hans – zunächst nur, um die nötige Unterschrift für die Fabrik-Transaktion einzuholen. Der Zug hält dabei selbständig an einigen Orten, an denen er neu aufgezogen werden muss, so in der Universitätsstadt Barrockstadt. Walker findet heraus, dass Hans Voralberg vor 50 Jahren an der Universität Paläontologievorlesungen besuchte, bevor er sich auf den weiteren Weg nach Sibirien machte, und dass die in Valadilène gefundene Puppe vermutlich vom Volk der Youkol hergestellt wurde, das in grauer Vorzeit in den Alpen beheimatet war und als Folge einer Klimaveränderung in den äußersten Norden Sibiriens wanderte. Mammuts bildeten die Lebensgrundlage der Youkol, die sie als Reittiere nutzten und ihr Fleisch, ihre Stoßzähne und ihr Fell verarbeiteten. Die Youkol wurden im 20. Jahrhundert in das russische Reich integriert; in Barrockstadt stößt Walker aber auf eine Legende, die besagt, dass es auf einer Insel namens Syberia im äußersten Norden Sibiriens noch eine Gruppe ursprünglicher Youkol gäbe, die dort in Koexistenz mit den letzten überlebenden Mammuts existiere. Hans Voralberg war auf der Suche nach dieser Insel.

Auf dem Weg Richtung Syberia erreicht Walker schließlich das ehemals mondäne Seebad Aralbad. Dort trifft sie auf Hans Voralberg, der den Kaufvertrag für die Spielzeugfabrik bedenkenlos unterschreibt und „seinen“ Zug Richtung Syberia besteigt. Für Walker steht ein Flugzeug bereit, das sie zurück nach New York bringen würde, wo eine erfolgreiche Karriere als Anwältin auf sie wartet – in letzter Sekunde entscheidet sie sich allerdings, Voralbergs Zug ins Ungewisse zu besteigen. Damit endet das Spiel.

Ein parallel stattfindender Nebenplot erschließt sich dem Spieler durch Telefonate, die Walker während ihrer Reise mit Personen aus ihrem Umfeld in New York führt. Ihr Verlobter Dan bringt wenig Verständnis für Walkers ungeplant langen Aufenthalt in Europa auf und entfremdet sich langsam von ihr. Walkers beste Freundin Olivia tröstet Dan zunächst, nach und nach kommen sich die beiden aber näher und verbringen schließlich eine Nacht miteinander.

Schauplätze Syberia spielt in Europa und nimmt Bezug auf tatsächliche geographische Relationen. Alle Schauplätze des Spiels sind jedoch fiktiv.

Valadilène

Valadilène ist eine Kleinstadt in einem Tal der französischen Alpen. Eine erste urkundliche Erwähnung findet sich für das Jahr 1242, als Mitglieder der aus „Valadilenus“ stammenden Familie Voralberg dem Kaiser Marionetten aus eigener Produktion vorführten. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts war die wirtschaftliche Bedeutung der Stadt eng an den Erfolg der seit dem 17. Jahrhundert bestehenden Automatenfabrik geknüpft. Die Einwohner sind stolz auf die technische fortgeschrittene Automatenproduktion in der Stadt und nehmen im Alltag gerne die Dienste von Automaten in Anspruch. Mit dem Niedergang der Automatenfabrik verließen viele jüngere Menschen in Ermangelung einer wirtschaftlichen Perspektive die Stadt. Die einzige für den Spieler sichtbare öffentliche Einrichtung ist der Bahnhof der Stadt. Weitere Einrichtungen sind ein Gasthof, eine Kirche und eine Anwaltskanzlei. Neben der Automatenfabrik ist eine Bäckerei die einzige Firma auf dem privatwirtschaftlichen Sektor. Es gibt eine Tageszeitung, das Valadilèner Tageblatt.

Barrockstadt

Barrockstadt ist eine Universitätsstadt, die möglicherweise in Österreich liegt. Sie liegt an einem schiffbaren, namenlosen Kanal. Die Universität ist bekannt für ihre biologische Fakultät. Der vollverglaste Bahnhof der Stadt stellt eine große Voliere für exotische Vögel dar, die vom Fachbereich Ornithologie der biologischen Fakultät der Universität gehalten werden. Bedroht werden die Bestände durch eingeschleppte Kuckucksvögel aus Amerzone, eine Referenz an ein älteres Sokal-Spiel. Dem Spieler sind nur der Bahnhof und die Universität zugänglich, aus der Ferne sind außerdem verfallende Wohnhäuser am Stadtrand sichtbar. Laut Benoît Sokal manifestieren sich in der Gestaltung Barrockstadts Anklänge auf die Erlebnisse seines Großvaters im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs.

Komkolzgrad

Der Industriekomplex Komkolzgrad besteht im Wesentlichen aus einer alten Fabrik irgendwo in Russland, die einstmals große wirtschaftliche Bedeutung hatte, mittlerweile aber mangels Rentabilität geschlossen wurde, sowie einem ebenso geschlossenen und teils geräumten ehemaligen Kosmodrom. In den 1970er-Jahren machte Hans Voralberg in Komkolzgrad Station und arbeitete an einem federbetriebenen Abschussmechanismus für Raketen, der jedoch nie fertiggestellt wurde, weil das Programm 1979 von der Regierung mangels Erfolgsaussicht eingestellt wurde. Zahlreiche Automaten wie zum Beispiel ein mechanischer Adler zum Verjagen von Vögeln vom Weltraumbahnhof zeugen noch von Voralbergs Wirken. Der ehemalige Direktor der Fabrik und ein ehemaliger Kosmonaut und Testpilot, der den Weltraumbahnhof notdürftig wartet, sind mittlerweile die einzigen verbliebenen Bewohner Komkolzgrads.

Aralbad

Noch weiter östlich als Komkolzgrad befindet sich das ehemals mondäne, von Politikern und anderen Prominenten geschätzte Seebad Aralbad. Die Umgebung der Stadt ist wüsten- oder steppenartig. Der See, an dem die Stadt liegt, hat sich aus unbekannten Gründen etwas zurückgezogen, was zu einem Niedergang des Ortes führte. Für den Spieler ist nur das luxuriöse Hotel Kronsky zugänglich, das über einen eigenen, langen Pier (dessen Ende soeben noch an das neue Seeufer heranreicht) sowie einen eigenen, kleinen Bahnhof verfügt. Obwohl das Hotel nicht mehr direkt am See liegt und Salzstürme die Außenareale überziehen, ist das Hotel weiterhin in Betrieb und hat Besucher, die die Therme des Hotels sowie die trockene Luft der Umgebung schätzen.

Personen Handelnde Personen Kate Walker

Rechtsanwältin aus den Vereinigten Staaten, tätig für die in New York ansässige Anwaltskanzlei Marson & Lormont. Zu Beginn des Spiels ist sie sehr auf ihre berufliche Tätigkeit fokussiert, im Spielverlauf verliert ihre Arbeit jedoch mehr und mehr an Bedeutung für sie, während die Suche nach Hans Voralberg in den Mittelpunkt ihres Lebens rückt. Wie auch die Figur des Oscar dient die Figur der Kate Walker gelegentlich in der Cosplay-Szene als Vorbild für Kostümierungen.

Oscar

Modellbezeichnung: XZ2000. Oscar ist ein Automat in Menschenform, der so fortschrittlich konstruiert ist, dass er universell einsetzbar ist und fast menschlich erscheint. Er ist altmodisch in einen Tweedanzug gekleidet und verwendet eine Schiebermütze. Er verfügt über Ansätze einer Persönlichkeit und kann in begrenztem Umfang Emotionen ausdrücken. Der Zug, mit dem Walker ihre Reise antritt, kann nur durch ihn bedient werden.

Momo Geistig zurückgebliebenes Kind in Valadilène, etwa 10–15 Jahre alt. Ehemals gut vertraut mit Anna Voralberg, die in ihm Ähnlichkeiten zu ihrem Bruder Hans erblickte. So wie Hans hat auch Momo ein gesteigertes Interesse an Mammuts. Er verhilft Kate Walker zur Mammutpuppe in der Unglückshöhle.

Cornelius Pons Paläontologie-Professor an der Universität Barrockstadt. Studierte einst gemeinsam mit Hans Voralberg. Kann mit Hilfe der von Kate Walker gefundenen Mammutpuppe seine Theorie über die Youkol fertigstellen. Hält an der Universität einen Vortrag über die Kultur der Youkol und der früheren Bedeutung des Mammuts für ihren Alltag und ihren Glauben.

Kapitän Malatesta Seit 34 Jahren Kommandant der Torwache in Barrockstadt, der Visa für die Erlaubnis zum Verlassen der Stadt ausstellt. Hat das Amt von seinem Vater übernommen. Leidet unter starker Kurzsichtigkeit.

Serguei Borodine Ehemaliger Direktor einer Fabrik im russischen Komkolzgrad. Nach der Schließung der nicht länger rentablen Fabrik verfiel Borodine langsam den Wahnsinn und lebt voll und ganz für seine fixe Idee, die ehemalige Opernsängerin Helena Romanski in „seiner“ mittlerweile leerstehenden Fabrik auftreten zu lassen.

Boris Charow Ehemaliger Kosmonaut und Testpilot im ehemaligen Kosmodrom Komkolzgrad. Bekämpft Einsamkeit und Depressionen mit Alkohol. Kate Walker verhilft ihm zu einem Flug mit der von Hans Voralberg entwickelten, mechanischen Rakete; im Gegenzug verhilft er ihr zu einer Passage in einem Zeppelin nach Aralbad. Charows Schicksal nach dem Start seiner Rakete ist unbekannt.

Helena Romanski