Diese Liste beschreibt das Gedeck für Hrotsvit auf dem Tisch der Kunstinstallation The Dinner Party von Judy Chicago. Sie ist Teil der Liste der 999 Frauen des Heritage Floor, die den jeweiligen Gedecken auf dem Tisch zugeordnet sind. Die Namen der 999 Frauen befinden sich auf den Kacheln des Heritage Floor, der unterhalb des Tisches angeordnet, zur Kunstinstallation gehört.

Beschreibung Die Installation besteht aus einem dreiseitigen Tisch, an dem jeweils 13 historische oder mythologische Persönlichkeiten, somit insgesamt 39 Personen, von der Urgeschichte bis zur Frauenrechtsbewegung Platz finden. Diesen Personen wurde am Tisch jeweils ein Gedeck bestehend aus einem individuell gestalteten Tischläufer, einem individuell gestalteten Teller sowie einem Kelch, Messer, Gabel, Löffel und einer Serviette zugeordnet. Die erste Seite des Tisches widmet sich der Urgeschichte bis zur Römischen Kaiserzeit, die zweite der Christianisierung bis zur Reformation und die dritte von der Amerikanischen Revolution bis zur Frauenbewegung. Jedem Gedeck auf dem Tisch sind weitere Persönlichkeiten zugeordnet, die auf den Fliesen des Heritage Floor, der den Raum unter dem Tisch und die Mitte des Raumes zwischen den Seite des Tisches einnimmt, einen Eintrag erhalten haben. Diese Liste erfasst die Persönlichkeiten, die dem Gedeck von Hrotsvit zugeordnet sind. Ihr Platz befindet sich an der zweiten Tischseite.

Hinweise Zusätzlich zu den Namen wie sie in der deutschen Transkription oder im wissenschaftlichen Sprachgebrauch benutzt werden, wird in der Liste die Schreibweise aufgeführt, die von Judy Chicago auf den Kacheln gewählt wurde.

Die Angaben zu den Frauen, die noch keinen Artikel in der deutschsprachigen Wikipedia haben, sind durch die unter Bemerkungen angeführten Einzelnachweise referenziert. Sollten einzelne Angaben in der Tabelle nicht über die Hauptartikel referenziert sein, so sind an der entsprechenden Stelle zusätzliche Einzelnachweise angegeben. Bei Abweichungen zwischen belegten Angaben in Wikipedia-Artikeln und den Beschreibungen des Kunstwerks auf der Seite des Brooklyn Museums wird darauf zusätzlich unter Bemerkungen hingewiesen. Gedeck für Hrotsvit mini|Denkmal für Hrotsvit in Bad Gandersheim, 1978, Hrotsvit überreicht Kaiser Otto dem Großen ihre Gesta Oddonis.

Hrotsvit, auch bekannt als Hrotsvit von Gandersheim, geboren um 935, war eine Kanonisse des Stiftes Gandersheim. Vermutlich noch jung, trat sie in das Stift Gandersheim ein. Sie wurde dort, wie sie berichtete, von Rikkardis und Gerberga, Tochter des Herzogs Heinrich von Bayern und Nichte Ottos des Großen, die ab 949 Äbtissin des Stiftes war, unterrichtet. Ihre Werke entstanden ungefähr zwischen 950 und 970. Ihre Bildung war sehr umfassend, auch die Kenntnis einiger antiker Schriftsteller gehörte dazu. Ihre Werke werden der „Ottonischen Renaissance“ zugerechnet.

Als Sanctimoniale und Autorin des Frühmittelalters gilt sie als erste deutsche Dichterin. Neben geistlichen Schriften verfasste sie historische Dichtungen und es entstanden die ersten Dramen seit der Antike. Zu ihren bekannten Werken gehört Gesta Ottonis (Gesta Oddonis; ‚Die Taten Ottos‘), ein in lateinischen Hexametern verfasstes Werk über Familiengeschichte und politisches Wirken Ottos des Großen, den sie sehr verehrte. Vermutlich verstarb sie nach 973.

Hrotsvit hat ihr Werk selbst in drei Bücher eingeteilt. Das Legendenbuch oder carmina (liber primus), entstanden in den 50er und 60er Jahren des 10. Jahrhunderts, ist ihrer Äbtissin Gerberga gewidmet, das Dramenbuch oder dramatica series (liber secundus), entstanden um 965, wollte eine christliche Alternative zu Terenz bieten und das dritte Buch umfasst zwei historische Schriften in leoninischen Hexametern: die Gesta Ottonis (Gesta Oddonis), eine Geschichte der Ottonen aus den Jahren 919 bis 965, und die Primordia coenobii Gandeshemensis, eine Geschichte des Stiftes Gandersheim aus den Jahren 846 bis 919.

Ihr Gedeck an der Dinner Tafel erzählt anhand von Bildern aus mittelalterlichen Abteien aus ihrem Leben. Der Teller wird durch eine stilisierte Kopfbedeckung und die Hände einer Nonne, die im Gebet gefaltet sind, illustriert. Es befindet sich in einem Relief, das auf Elfenbeinschnitzereien der ottonischen Dynastie verweist und soll auf die gesellschaftliche Herkunft und das religiöse Leben Hrotsvits hinweisen. Der Tischläufer nimmt das Thema auf und würdigt ihren Beitrag zur Literatur. Genäht wurde der Läufer in der Technik Opus Teutonicum. Auf der Vorderseite des Läufers befinden sich Kreise die Münzen ähneln, wie sie von Äbtissinnen hergestellt wurden, die oft auch ein Münzrecht besaßen. Abgebildet in den vier Kreisen sind Szenen der frühen deutschen Geschichte. Eine Haushaltsszene, einmal wird eine Geschichte erzählt, eine Prinzessin vom Stamm der Zimbern mit dem Kopf eines feindlichen Soldaten und eine Walküre. Die Initiale „H“ auf der Vorderseite wird durch ein Porträt von Hrotsvit mit Schreibfeder, als Würdigung ihrer Arbeit als Schriftstellerin, geziert. Auf der Rückseite des Läufers befinden sich drei gestickte Szenen aus dem Leben von Hrotsvit. Sie stellen gleichzeitig die Aktivitäten mittelalterlicher Nonnen dar. Die erste zeigt sie beim Betreten einer Abtei, in der zwei Nonnen singen. Es wird dargestellt, welche Art Bildung Frauen in den Klöstern erhalten haben. Das zweite Bild zeigt Hrotsvit als Schriftstellerin, während ihre Äbtissin zuschaut und im dritten Bild schläft sie an ihrem Schreibtisch und träumt von einem Besuch eines königlichen Boten, der ihr ein Relikt zur Anerkennung ihrer literarischen Arbeit überreichen würde.