Beyköy ist ein Dorf im Bezirk İhsaniye der zentraltürkischen Provinz Afyonkarahisar mit Stand 2025 rund 820 Einwohnern. Der Ort liegt etwa fünf Kilometer nordöstlich von İhsaniye und 30 Kilometer nördlich der Provinzhauptstadt Afyonkarahisar. Er ist über eine Landstraße mit dem Bezirkszentrum verbunden. Sechs Kilometer östlich verläuft von Norden nach Süden die Fernstraße D-665 von Seyitgazi nach Afyonkarahisar, die ebenfalls über Landstraßen erreichbar ist.
Es handelt sich um eine kleine ländliche Ortschaft; die ältere Bausubstanz besteht aus schlichten Häusern aus unbehauenem Stein, die teils unmittelbar auf dem Fels errichtet wurden. Die Moschee des Dorfes ist von bescheidener Größe. Das Umfeld des Dorfs war reich an antiken Spolien und bearbeiteten Werksteinen, die teilweise in jüngeren Bauten wiederverwendet wurden.Hatice Gonnet-Bağana: Beyköy (Ihsaniye-Afyon), 1979. In: Anatolian Studies 31 (1981), S. 181–183; Vladimir Stissi: What is Drawn and Written is not Necessary True. Contextualising Mellaart’s Fakes. In: Talanta 50, S. 87–124, hier: S. 105f.
Auf dem Friedhof des Ortes wurde ein stark verwitterter Grabstein aus seldschuckischer Zeit mit Tierreliefs aufgefunden, der im Zusammenhang mit weiteren Grabsteinen der Region steht und in das 12. bis 14. Jahrhundert datiert wird. Der 1,47 × ca. 0,65 m große und 26 cm starke Grabstein wurde 1979 in das Archäologische Museum Afyonkarahisar verbracht.Musa Seyirci/Ahmet Topbaş: Afyonkarahisar yöresi Türkmen mezar taşları, Istanbul 1985, Nr. 7, S. 24f., 39.
Im Süden und Südosten des Ortes liegen mehrere Hügel mit den Bezeichnungen Malatça, Beyköy, Ablak und Sipsin-Çayırbağı sowie Yumruktepe. Auf dem Yumruktepe entdeckte der deutsche Archäologe Franz Steinherr 1965 den verwitterten Rest eines Reliefs, das aus hethitischer Zeit stammen und eine Flügelsonne darstellen könnte. Auf sämtlichen Hügeln sowie in der weiteren Umgebung von Beyköy wurden zahlreiche Fels- und Kammergräber gefunden, die in phrygische und römische Zeit datieren und zum Teil später weitergenutzt wurden. Rund eine Meile südlich des Ortes wurde zudem 1884 durch William M. Ramsay eine hieroglyphenluwische Inschrift aufgefunden, die in der Forschung mittlerweile meist als Beyköy 1 bezeichnet und in das 13. Jahrhundert v. Chr. datiert wird.Hatice Gonnet-Bağana: Beyköy (Ihsaniye-Afyon), 1979. In: Anatolian Studies 31 (1981), S. 181–183; ders.: The Cemetery and Rock-cut Tombs at Beyköy in Phrygia In: Altan Çilingiroğlu (Hrsg.): Anadolu Demir Caglari 3, Ankara 1994, S. 75. Die Inschrift ist die einzige sichere Spur hethitischer Präsenz in der Gegend. Möglicherweise handelt es sich um ein Spolium, das erst in phrygischer Zeit dorthin verbracht worden ist. Daneben kursieren angebliche Abzeichnungen weiterer hieroglyphenluwischer Texte (Beyköy 2–4) sowie vermeintliche Übersetzungen keilschriftlicher Bronzeinschriften. Diese Texte stammen aus dem Nachlass des britischen Prähistorikers James Mellaart; die Fachwelt geht davon aus, dass es sich dabei um Fälschungen handelt.Michael Bányai: Der Beylöy Text: Eine Fälschung? In: Talanta 50 (2018), S. 57–82; Vladimir Stissi: What is Drawn and Written is not Necessary True. Contextualising Mellaart’s Fakes. In: ebd., S. 87–124; John David Hawkins: The Fantasies of James Mellaart. Fabrications of an Anatolian Archaeologist. In: The IOS Annual 24 (2024), S. 103–127.
Anmerkungen
Kategorie:Archäologischer Fundplatz in der Türkei Kategorie:Altorientalischer Fundplatz in der Türkei