David übergibt Goliaths Haupt dem König Saul ist ein Ölgemälde des niederländischen Malers Rembrandt van Rijn. Es ist als Querformat auf Eichenholz ausgeführt und wurde wahrscheinlich als Ölskizze für ein größeres Werk, von dem nicht bekannt ist, ob es ausgeführt wurde, 1627 oder früher gemalt.

Beschreibung Das Gemälde ist insgesamt in groben, skizzenartigen Pinselstrichen gemalt. Im Zentrum des Gemäldes steht Saul, der erste König der Israeliten. Er trägt ein kostbares gelbes und reich mit Brokat besetztes Gewand und darüber einen langen Umhang aus demselben Material, dessen lange Schleppe von zwei Pagen gehalten wird. Über seinem Gewand trägt er eine weiße, blau und gelb gemusterte Leibbinde, auf dem Kopf einen weißen Turban mit gelben und roten angedeuteten Applikationen und einer Feder. Saul ist nach rechts gewandt im Profil dargestellt, er hat mit dem rechten Arm seinen Umhang etwas zurückgeschlagen und die linke Hand auf den Arm von Samuel gelegt. Anscheinend spricht er gerade zu Samuel oder David.

Saul gegenüber kniet David, dem König zugewandt, mit dem Haupt des erschlagenen Goliat in den Händen. David trägt ein kurzes graublaues Gewand über einem weißen Hemd, das am Kragen und am linken Oberarm hervortritt. Über dem Gewand trägt er eine hellgraue Umhängetasche. Es ist wohl die Hirtentasche, in der er zuvor die Steine zur Konfrontation mit Goliat transportiert hat . In den Armen hält David ein graues Tuch, auf dem das als solches auf dem Gemälde kaum erkennbare Haupt Goliats liegt.

Hinter David und teilweise durch ihn verdeckt steht leicht vornüber gebeugt und auf Goliats Haupt blickend ein Mann in einem prächtigen mit Brokat besetzten rosafarbenen Umhang, dessen Kopf mit einem hellen, bunt gemusterten und gefiederten Turban bedeckt ist. Es handelt sich um Sauls Feldherrn Abner, der in seiner Rechten das hoch aufragende übergroße Schwert des Goliat hält. Zwischen Abner und Saul steht weit vornüber gebeugt ein alter Mann mit einem schütteren weißen Haarkranz und einem langen weißen Bart. Er trägt einen hellblauen Umhang mit weißem Muster und einem breiten hellen Kragen, möglicherweise ein Pelzkragen. Diese Figur stellt wahrscheinlich den Propheten Samuel dar.

Das linke Viertel des Gemäldes nimmt ein Reiter auf einem von hinten rechts dargestellten eher grobknochigen grauen Pferd ein. Der Reiter trägt ein aufwändiges blaues Gewand mit gelber und brauner Musterung und einen gefiederten Turban in derselben Farbe. Er trägt lederne Reitstiefel und auf dem Rücken einen Köcher mit zahlreichen Pfeilen. An seiner linken Seite ist ein Schwertknauf sichtbar, vor seinem rechten Bein ragt ein Bogen aus einem grauen Futteral heraus. Der Reiter ist leicht nach rechts gedreht und beobachtet die Szene. Wahrscheinlich ist es Sauls Sohn Jonatan, der später enge Freundschaft mit David schließen wird.

mini|Ausschnitt, in der Mitte mögliches Selbstporträt Am rechten Bildrand sitzt im Vordergrund ein Soldat im Schatten, mit dem Rücken zum Betrachter. Ein wohl zu ihm gehörender Speer liegt auf dem Boden, die Spitze auf einen Hund im Vordergrund weisend. Hinter dem sitzenden Soldaten steht, ebenfalls im Schatten und der Szene mit Saul und David zugewandt, ein geharnischter Soldat mit gefiedertem Turban und Lanze. Auf dem Gemälde sind mehr als 15 weitere Nebenfiguren dargestellt, von denen oft nur ein kleiner Teil sichtbar ist. Das zweite Porträt rechts neben Saul ähnelt stark den von Rembrandt gegen Ende der 1620er Jahre in mehrere seiner Historienbilder eingefügten Selbstporträts. Zahlreiche im Hintergrund aufragende Lanzen vertiefen den Eindruck, dass hier eine große Zahl von Soldaten zusammengekommen ist. Im rechten Mittel- und Hintergrund sind zwei weitere graue Pferde teilweise dargestellt.

Im Vordergrund links befinden sich einige Pflanzen, in der Mitte verbellt ein mittelgroßer, dunkel getüpfelter weißer Hund mit goldgelbem Halsband das Haupt Sauls. Den Hintergrund bildet vor dem in verschiedenen Grautönen gemalten bewölkten Himmel ein dunkel graublaues Armeezelt mit einem kugelförmigen Aufsatz. Rechts daneben im Hintergrund befindet sich ein Soldat mit einer Lanze vor einem Pfahl, an dem ein Überdach befestigt ist. Die Konstruktion ist offenbar auf Felsen errichtet und vermittelt den Eindruck eines Unterstands für einen Wachposten. Die gesamte Szene wird von rechts oben ausgeleuchtet, wobei die Hauptpersonen gegenüber allen anderen Figuren durch den Lichteinfall und ihre Farbigkeit hervorgehoben sind.

In der Mitte des unteren Bildrandes befindet sich eine in dünnem braunen Umriss gemalte Kartusche. Darin ist das Gemälde in derselben Farbe mit einzelnen Buchstaben RH. 1627 monogrammiert und datiert. Der Querstrich des H ist nicht sicher erkennbar. Die Signatur unterscheidet sich von den übrigen Signaturen des Jahres 1627, die in Schreibschrift ausgeführt wurden. Sie ähnelt aber in ihrer perspektivischen Ausführung Signaturen aus dem Jahr 1626, so Tobias verdächtigt seine Frau des Diebstahls und Die Taufe des Kämmerers.

Das Gemälde hat das Format 27,4 × 39,7 cm und ist mit Ölfarbe auf Eichenholz mit waagerechter Maserung gemalt. Die Unterlage besteht aus einem einzelnen etwa 5 Millimeter starken Brett. Am linken Rand, 12,8 cm von der Unterkante entfernt, befindet sich ein etwa neun Zentimeter langer Riss. Die Tafel ist rückseitig oben und an beiden Seiten abgeschrägt. Die fehlende Abschrägung an der Unterkante ist neben der Größe der Tafel ein Indiz für eine Verkleinerung. Ein übliches Maß für eine Tafel war 31,3 × 41,7 cm (12 × 16 rheinische Zoll). David übergibt Goliaths Haupt dem König Saul wurde wahrscheinlich auf die bereits verkleinerte Tafel gemalt.

Die Farbschicht ist sehr gut erhalten, nur an wenigen weißen Stellen ist ein sehr feines Krakelee zu sehen. Auf dem Röntgenbild ist eine frühere Bemalung der Tafel zu erkennen, das im Uhrzeigersinn um 90 Grad gedrehte Bild zeigt das Schulterstück eines jungen Mannes mit turbanähnlicher Kopfbedeckung. Da keinerlei Pinselstriche erkennbar sind, ist das erste Gemälde wahrscheinlich glatt geschliffen worden, bevor eine neue Grundierung aufgetragen oder das neue Gemälde aufgemalt wurden. An den dünn gemalten Teilen des sitzenden Soldaten im rechten Vordergrund und an einigen weiteren Stellen des Gemäldes tritt braungelbe Farbe hervor. Dabei kann es sich um eine ursprüngliche Grundierung handeln, die an zufällig übereinstimmend dünnem Farbauftrag beider Bilder hervortritt. es kann aber auch eine auf das erste Gemälde aufgetragene zweite Grundierung sein.

Biblischer Hintergrund Im 1. Buch Samuel des jüdischen Tanach und des Alten Testaments wird die Geschichte des Volkes Israel von der Bitte der Prophetin Hanna um einen Sohn und der Geburt ihres Sohnes Samuel über die Wahl Sauls zum König, der Konkurrenz zwischen Saul und dem von Gott begünstigen David bis zum Suizid Sauls und dem Tod seiner Söhne im Kampf gegen die Philister geschildert. Das Gemälde zeigt eine Szene, nachdem David den Philister Goliat mit einer Steinschleuder besiegt und ihn enthauptet hat. Er kehrt mit dem Kopf Goliats in der Hand nach Jerusalem zurück und wird von dessen Heerführer Abner empfangen. Mit dem Kopf Goliats kniet er vor Saul nieder. Dieser fragt ihn nach seiner Herkunft und David offenbart sich als Sohn Isais aus Bethlehem, auf den das Motiv der Wurzel Jesse zurückgeht . Dass der Prophet Samuel zwischen Saul und David abgebildet ist, steht im Widerspruch zur biblischen Überlieferung. Demnach hat Samuel Saul nicht wiedergesehen, nachdem er Agag, den König der Amalekiter, in dessen Gegenwart erschlagen hat . Allerdings wird auch in der Bibel eine erneute Begegnung Samuels und Sauls in anderem Zusammenhang erwähnt . Die von Rembrandt gemalte Szene ist von der triumphalen Rückkehr Davids nach Jerusalem zu unterscheiden, die im nächsten Kapitel des ersten Buchs Samuel geschildert wird . Die triumphale Heimkehr wird in der christlichen Kunst wesentlich häufiger als die Übergabe des Hauptes Goliats dargestellt.

Kunsthistorische Einordnung mini|Historiengemälde mit Selbstporträt des Malers (evtl. Palamedes vor Agamemnon), Öl auf Holz, 90,1 × 121,3 cm, 1626, Museum De Lakenhal, Leiden Rembrandt absolvierte von 1620 bis 1624 eine dreieinhalbjährige Ausbildung bei dem Leidener Maler Jacob Isaacsz. van Swanenburgh, der für seine Darstellungen der Hölle bekannt ist. Möglicherweise von ihm lernte Rembrandt das Spiel mit Licht und Schatten, das hier in der scheinwerferartig ausgeleuchteten Szene und den Figuren im Schatten anklingt. 1624 lernte Rembrandt ein halbes Jahr lang bei Pieter Lastman in Amsterdam. Mit der Steinigung des heiligen Stephanus und dem Leidener Historiengemälde schuf Rembrandt 1625 und 1626 zwei größere Gemälde, die der Ölskizze mit David und dem Haupt Goliats in vielerlei Hinsicht ähneln. Während dieser Zeit arbeitete Rembrandt mit Jan Lievens in einem gemeinsamen Atelier in Leiden.

Mit seiner skizzenhaften, groben Ausführung steht David übergibt Goliaths Haupt dem König Saul im Frühwerk Rembrandts völlig allein. Kurt Bauch hat wegen der Signatur und der Datierung die Möglichkeit zurückgewiesen, dass es sich bei dem Gemälde um einen Entwurf oder eine Skizze handelt. Das Rembrandt Research Project weist allerdings auf Ähnlichkeiten im Bildaufbau und in der Ausführung der Figuren mit der Steinigung des heiligen Stephanus und dem Historiengemälde mit Selbstporträt des Malers hin. Es ist denkbar, dass die Ölskizze dem Entwurf eines vergleichbar großen Gemäldes diente. Möglicherweise besteht auch ein Zusammenhang aller drei Gemälde, wobei Rembrandt sein Monogramm und die Datierung 1627 erst zum Zeitpunkt eines anstehenden Verkaufes des Gemäldes nachträglich angebracht hätte.

mini|Coriolanus und die Mütter Roms, Pieter Lastman, Öl auf Holz, 81 × 133 cm, 1622, Trinity College Dublin mini|Anbetung der Könige, Lucas Vorsterman d. Ä., nach Peter Paul Rubens, 1621, Radierung auf zwei Platten, 570 × 386 mm (links) und 554 × 355 mm (rechts) In den frühen Werken Rembrandts mit religiösen oder historischen Motiven kommt sein Wunsch zum Ausdruck, ein großer Historienmaler zu werden. Sie lassen meistens deutlich seine Vorbilder erkennen. Die niederländischen Kunsthistoriker Wilhelm Martin und Ben Broos sehen in dem 1622 von Rembrandts späterem Lehrmeister Pieter Lastman gemalten Coriolanus und die Mütter Roms im Trinity College Dublin die Vorlage für David übergibt Goliaths Haupt dem König Saul. Dafür sprechen neben dem großen Zelt im linken Hintergrund eine Vielzahl weiterer Details, wie der Reiter am linken Bildrand, die mit dem Rücken zum Betrachter gewandte Figur am rechten Bildrand, oder das durch die zahlreichen abgebildeten Lanzen dargestellte Heer. Darüber hinaus sind deutliche Parallelen mit dem 1621 erschienenen Druck Anbetung der Könige des Lucas Vorsterman d. Ä., nach Peter Paul Rubens, zu erkennen. Dieser Druck existiert in einer anonymen Nachahmung, die Rembrandt für David übergibt Goliaths Haupt dem König Saul und 1631 für das Selbstbildnis in orientalischer Kleidung mit Pudel als Vorlage verwendet hat. Christian Tümpel nannte in seiner Arbeit zur Ikonographie der Historienbilder Rembrandts einen Kupferstich nach Maarten van Heemskerck, der in einer Nebenszene im Hintergrund den Freundschaftsbund Davids und Jonatans zeigt, als weitere Quelle für Anregungen.

Die Mitarbeiter des Rembrandt Research Project (RRP) deuten im ersten Band ihres Corpus die dargestellte Szene wesentlich breiter als nur auf die Übergabe des Hauptes Goliats beschränkt. Die eigentlich unnötige Abbildung des Propheten Samuel interpretieren sie als Samuels Anerkennung Davids als zukünftigen König der Israeliten. Auch Jonatan wird nur als Beobachter Sauls und Davids gezeigt, um auf seine zukünftige Freundschaft mit David und auf seine Unterstützung Davids gegen den eigenen Vater hinzuweisen. Insofern wird David durch die Bezüge zu den anderen Figuren zur wirklichen Hauptfigur des Bildes.

Rezeption