Podujeva (, oder auch Besiana bzw. Besianë; ) ist eine Stadt im Nordosten des Kosovo. Sie ist Amtssitz der gleichnamigen Gemeinde.

Geographie Podujeva liegt im Nordosten des Kosovo, an der Grenze zu Serbien. Durch Podujeva fließt der Llapi. Nach diesem Fluss wird die Region um die Stadt Llap genannt. In der Nähe der Stadt befindet sich der in den Sechzigern errichtete Stausee von Batllava, der für die Trinkwasserversorgung errichtet wurde und der bis heute den Gemeinden Podujeva und Pristina das Trinkwasser liefert. Im Sommer ist er ein beliebter Bade- und Anglersee für Menschen aus dem ganzen Land.

Bevölkerung Zur Volkszählung 2024 zählte die Stadt Podujeva 20.330 Einwohner, davon bezeichneten sich 19.605 als Albaner, 629 als Aschkali, 56 als Roma, 12 Balkan-Ägypter, 6 als Bosniaken und 7 als Serben. Während der Volkszählung von 1961 betrug der Anteil der serbischen Bevölkerung noch 29,7 %. In der gesamten Gemeinde Podujeva lebten 70.975 Einwohner.

+ BevölkerungsentwicklungZensus 1948 1953 1961 1971 1981 1991 2011Einwohner 2435 3253 4870 8490 15.894 25.847 23.453

Während des Kosovokriegs im Frühjahr 1999 flohen zahlreiche heimatlose Kosovo-Albaner nach Podujeva, allein im Stadtteil Sfeçla sollen seinerzeit 15.000 Flüchtlinge gelebt haben; für die gesamte Stadt wird von 100.000 Flüchtlingen ausgegangen. Nach Kriegsende kehrten die meisten von ihnen in ihre Heimatorte zurück.

Politik und Geschichte Bürgermeister der Gemeinde ist Shpejtim Bulliqi von der sozialdemokratischen Partei Lëvizja Vetëvendosje (LVV). Bei den Kommunalwahlen vom 12. Oktober 2025 wurde er erneut zum Bürgermeister gewählt; am 1. Dezember 2025 legte er für die neue Amtszeit den Amtseid ab. Die kommunale Verwaltung von Podujeva wird seit 2020 von Shpejtim Bulliqi geführt. Bulliqi war zunächst politisch in der Lidhja Demokratike e Kosovës (LDK) aktiv und gehört heute der Lëvizja Vetëvendosje (LVV) an. Bei einer außerordentlichen Bürgermeisterwahl im November 2020 gewann er bereits im ersten Wahlgang und beendete damit eine rund zwanzigjährige Dominanz der LDK in der Gemeinde. Nach seiner Wiederwahl 2021 wurde Bulliqi auch bei den Kommunalwahlen vom 12. Oktober 2025 erneut zum Bürgermeister gewählt. Seine neue Amtszeit trat er mit der Vereidigung am 1. Dezember 2025 an.

Die aus den Kommunalwahlen 2025 hervorgegangene Gemeindeversammlung von Podujeva umfasst 35 Mitglieder. Davon entfallen 15 Sitze auf die LVV, 13 auf die LDK, vier auf die PDK und jeweils ein Sitz auf Guxo, den Unioni i Blakçorëve und die AAK. Die LVV stellt damit die stärkste Fraktion, verfügt jedoch über keine absolute Mehrheit.

Vorsitzender der Gemeindeversammlung ist seit Dezember 2025 Isak Shabani (PDK). Er wurde mit 21 Stimmen bei einer Enthaltung gewählt; die Mitglieder der LDK nahmen an der Abstimmung nicht teil. Stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde ist Fahri Restelica.

Podujeva und die umliegende Region Llap waren bereits während der jugoslawischen Zeit Schauplatz politischer Mobilisierung der kosovo-albanischen Bevölkerung. Im Zuge der albanischen Demonstrationen des Jahres 1968, bei denen unter anderem eine stärkere verfassungsrechtliche Stellung Kosovos und die Gleichberechtigung der albanischen Bevölkerung gefordert wurden, fanden auch in Podujeva Proteste statt. An ihrer Organisation waren lokale politische und studentische Gruppen beteiligt.

Die politische Geschichte Podujevas und der Region Llap ist eng mit den gesellschaftlichen und politischen Umbrüchen im nordöstlichen Kosovo verbunden. Eine bis in die Gegenwart prägende Bevölkerungsgruppe der Region entstand infolge des Serbisch-Osmanischen Krieges von 1877/78. In dessen Verlauf wurde ein großer Teil der muslimischen, überwiegend albanischsprachigen Bevölkerung aus Gebieten des damaligen Sandschaks Niš, insbesondere aus Toplica, Kuršumlija, Prokuplje, Leskovac und dem weiteren südserbischen Raum, vertrieben oder floh vor den Kampfhandlungen. Ein erheblicher Teil dieser Flüchtlinge ließ sich im damaligen osmanischen Kosovo nieder, wobei die Region Llap und der Norden Kosovos zu den wichtigsten Siedlungsgebieten gehörten. Die Flüchtlinge und ihre Nachkommen wurden als Muhaxhirë bezeichnet, abgeleitet vom osmanisch-türkischen muhacir für Flüchtling bzw. Auswanderer. Die Zuwanderung veränderte die Bevölkerungsstruktur zahlreicher Ortschaften der heutigen Gemeinde Podujeva nachhaltig.

Die Zahl der in den Jahren 1877/78 vertriebenen Albaner ist in der Forschung umstritten. Gesichert ist jedoch, dass die Vertreibungen eine größere Flüchtlingsbewegung nach Kosovo auslösten und Llap zu einem der wichtigsten Aufnahmegebiete wurde. Ein Teil der muslimischen Flüchtlinge wanderte darüber hinaus in andere Gebiete des Osmanischen Reiches bis nach Istanbul weiter; größere albanische Auswanderungsbewegungen in die spätere Türkei folgten auch in den nachfolgenden Jahrzehnten.

Auch im sozialistischen Jugoslawien entwickelte sich Llap zu einem Zentrum der politischen Mobilisierung kosovo-albanischer Aktivisten. Eine besondere Rolle spielte dabei das Umfeld des Schriftstellers und politischen Aktivisten Adem Demaçi. Demaçi, dessen Familie aus Lupç i Poshtëm in der heutigen Gemeinde Podujeva stammte, gründete 1963 gemeinsam mit anderen Aktivisten die geheime Lëvizja Revolucionare për Bashkimin e Shqiptarëve (LRBSH; Revolutionäre Bewegung für die Vereinigung der Albaner). Unter den frühen Mitgliedern und Mitstreitern befanden sich auffallend viele Männer aus der Region Llap, darunter Zeqir Gërvalla und Sabit Ratkoceri aus Lupç, Azem Beqiri aus Dumnica, Abdyl Lahu aus Gllamnik sowie Ahmet Haxhiu aus Lupç. Demaçi und mehrere seiner Mitstreiter wurden 1964 von den jugoslawischen Behörden verhaftet und zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt.

Diese politischen Netzwerke bildeten einen Teil des Umfelds, aus dem sich Ende der 1960er Jahre eine breitere Protestbewegung entwickelte. Am 27. November 1968 fanden neben Pristina, Ferizaj und Gjilan auch in Podujeva Demonstrationen statt. Zu den Forderungen gehörten eine stärkere verfassungsrechtliche Stellung Kosovos innerhalb Jugoslawiens, die Errichtung einer Universität in Pristina, das Recht auf Selbstbestimmung und teilweise ausdrücklich die Forderung nach einem Republikstatus für Kosovo. Die Proteste wurden vor allem von Schülern, Studenten, Lehrern und lokalen Aktivisten getragen.

An der Vorbereitung der Demonstrationen waren mehrere Aktivisten aus Llap unmittelbar beteiligt. Zum überregionalen Organisationskreis gehörten unter anderem Adil Pireva und Ilaz Pireva aus Lupç i Poshtëm sowie Xheladin Rekaliu aus Dobratin. Für Podujeva wird daneben ein örtlicher Organisationskreis um Hamit Abdullahu, Hakif Sheholli, Sabit Syla, Hasan Shala, Xheladin Rekaliu, Skënder Hoxha, Bahri Shabani, Shaqir Shala und Abdullah Nishefci genannt. Eine vorbereitende Zusammenkunft dieses sogenannten „Grupi i Llapit“ fand Anfang November 1968 in Podujeva statt.

Die politische Untergrundtätigkeit setzte sich in den folgenden Jahrzehnten fort. Nach den kosovo-albanischen Protesten von 1981 entstanden in Llap erneut illegale politische Gruppen. Am 10. Juli 1981 gründeten Ali Ajeti, Avdi Gjata und Hamit Hamiti in Podujeva eine als Grupi ilegal i Llapit bezeichnete Untergrundgruppe. Mehrere ihrer Mitglieder wurden in den folgenden Jahren verhaftet und wegen politischer Delikte zu Freiheitsstrafen verurteilt. Ajeti selbst wurde 1984 zu fünf Jahren Haft verurteilt. Nach seiner Haftentlassung gehörte Ali Ajeti zu den führenden Personen der später als „Çeta e Llapit“ bezeichneten Gruppe. Sie unterschied sich von früheren oppositionellen Zusammenschlüssen dadurch, dass sie ausdrücklich auch auf bewaffneten Widerstand setzte. Nach Angaben kosovarischer Quellen wurde die Gruppe militärisch von Ali Ajeti und politisch von Sabri Kiçmari geführt. Am 27. März 1989, wenige Tage nach den Verfassungsänderungen, mit denen Serbien seine Kontrolle über die Autonome Provinz Kosovo wesentlich ausweitete, führte die Gruppe einen bewaffneten Angriff durch.

Am 30. Mai 1989 organisierte die Çeta e Llapit während des Besuchs einer europäischen Delegation erneut eine Demonstration in Podujeva. Zu den öffentlich vorgetragenen Forderungen gehörten „Kosova Republik“, Selbstbestimmung, Freiheit, Gleichberechtigung und Demokratie. Bei der anschließenden Auseinandersetzung mit der Polizei wurde Ali Ajeti getötet. In der politischen Erinnerung Kosovos wird die Çeta e Llapit deshalb häufig als eine frühe Erscheinungsform des bewaffneten Widerstands der späten jugoslawischen Zeit eingeordnet.

Aus der Region Llap kamen später auch mehrere zentrale Akteure der frühen Ushtria Çlirimtare e Kosovës (UÇK). Zu ihnen gehörte Zahir Pajaziti, 1962 in Turuçica in der Gemeinde Podujeva geboren. Bereits als Student beteiligte er sich 1981 an Demonstrationen in Podujeva. Anfang der 1990er Jahre nahm er im sozialistischen Albanien an militärischer Ausbildung teil und war anschließend am Aufbau bewaffneter Zellen, an der Beschaffung von Waffen und an der Vernetzung von Aktivisten innerhalb und außerhalb der Region Llap beteiligt. Pajaziti gehörte zu den frühen Organisatoren und Kommandeuren der UÇK. Am 31. Januar 1997 wurde er zusammen mit Hakif Zejnullahu und Edmond Hoxha bei Pestova nahe Vushtrria von serbischen Polizeikräften getötet. Eng mit den frühen UÇK-Strukturen in Llap verbunden war auch Ilir Konushevci, der 1969 im Dorf Llugë bei Podujeva geboren wurde. Konushevci gründete 1992 mit Mitstreitern die illegale Gruppe „Shqiponjat“ und schloss sich später der Lëvizja Kombëtare për Çlirimin e Kosovës (LKÇK) an. Seit 1996 arbeitete er eng mit Zahir Pajaziti zusammen. Nach dessen Tod übernahm Konushevci eine wichtige Funktion bei der Versorgung der UÇK mit Waffen und militärischem Material aus Albanien und vertrat die Operative Zone Llap im Generalstab der UÇK. Am 9. Mai 1998 wurde er auf dem Weg nach Bajram Curri in Albanien zusammen mit Hazir Mala bei einem Hinterhalt getötet.

Damit weist die Region Llap im 20. Jahrhundert eine auffällige Kontinuität politischer Mobilisierung auf: von den geheimen politischen Organisationen der 1960er Jahre und den Demonstrationen von 1968 über die oppositionellen Gruppen der 1980er Jahre bis zur Herausbildung bewaffneter Strukturen in den späten 1980er und 1990er Jahren. Podujeva wurde dadurch zu einem wichtigen Zentrum sowohl des politischen Protests als auch der frühen Organisation des bewaffneten kosovo-albanischen Widerstands.

Mit der Herausbildung des politischen Pluralismus in Kosovo ab Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre entwickelte sich die Region Llap zu einem der bedeutenden Unterstützungsgebiete der Lidhja Demokratike e Kosovës (LDK). Die von Ibrahim Rugova geführte Partei vertrat während der 1990er-Jahre zunächst eine Strategie des gewaltlosen Widerstands gegen die serbische Herrschaft und prägte auch die politische Entwicklung in Podujeva nachhaltig.

Nach dem Kosovokrieg behauptete die LDK ihre starke Stellung in Podujeva auch bei den ersten Kommunalwahlen. Bei den Kommunalwahlen 2000 errang sie 28 der damals 41 Sitze in der Gemeindeversammlung; 2002 erhielt sie 25 und 2007 noch 20 Sitze und blieb damit jeweils stärkste politische Kraft. Podujeva entwickelte sich dadurch zu einer der wichtigsten kommunalen Hochburgen der LDK.

Bei der erstmals 2007 direkt durchgeführten Bürgermeisterwahl setzte sich Ilaz Pireva (LDK) in der Stichwahl mit 54 Prozent gegen den Kandidaten der PDK durch. Zwei Jahre später gewann Agim Veliu (LDK) die Bürgermeisterwahl 2009 mit 66,18 Prozent der Stimmen in der Stichwahl. Veliu wurde 2013 bereits im ersten Wahlgang mit 50,16 Prozent wiedergewählt und setzte sich bei der Wahl 2017 erneut durch; in der Stichwahl erhielt er 63,78 Prozent.