HMCS St. Croix (I81) war ein kanadischer Zerstörer der US-amerikanischen Clemson-Klasse. Der Zerstörer kam im Herbst 1940 direkt zur Royal Canadian Navy, als die US Navy im Rahmen des Zerstörer-für-Stützpunkte-Abkommens 50 Zerstörer an das Vereinigte Königreich abgab. Diese Zerstörer wurden trotz ihrer Unterschiede als Town-Klasse bezeichnet. Der 1919 für die United States Navy als USS McCook (DD 252) fertiggestellte Zerstörer ging am 20. September 1943 auf dem Marsch nach Kanada bei der Sicherung des Doppel-Geleitzuges ONS 18 / ON 202 verloren.
Die Fregatte Itchen konnte am folgenden Morgen 81 Schiffbrüchige der St. Croix an Bord nehmen. Den Untergang der Fregatte der River-Klasse am 23. September nach Torpedotreffer von U 666 überlebten nur drei Mann, darunter auch ein Besatzungsmitglied der St. Croix. Der Untergang des Schiffes war der einzige Totalverlust eines Zerstörers dieser Klasse in kanadischen Diensten, wo insgesamt 16 Zerstörer der Town-Klasse eingesetzt wurden.
Geschichte des Zerstörers Der im April 1919 in den Vereinigten Staaten fertiggestellte Zerstörer McCook wurde bis zu seinem Untergang im September 1943 von der US Navy und der Royal Canadian Navy eingesetzt.
Im Dienst der United States Navy mini|links|Die McCook in Europa, 1919
Der Zerstörer war das erste Schiff der US Navy, das nach Commander Roderik S. McCook (1839–1886) benannt wurde, der sich im Sezessionskrieg u. a. als Kommandant des Monitors Canonicus ausgezeichnet hatte. Die am 10. September 1918 bei Bethlehem Shipbuilding Corp. in Quincy (Massachusetts) auf Kiel gelegte McCook lief am 31. Januar 1919 vom Stapel. Am 30. April 1920 wurde der Zerstörer dann von der US Navy übernommen und der Atlantikflotte zugeteilt. Schon am 30. Juni 1922 wurde der Zerstörer in Philadelphia wieder außer Dienst gestellt.
Nach 17 Jahren in der „Atlantic Reserve Fleet“ wurde die McCook wegen des Kriegsausbruchs in Europa am 18. Dezember 1939 wieder in Dienst gestellt. Im folgenden Jahr gehörte das Schiff zu den 50 Zerstörern der US Navy, die wegen des „destroyers for bases agreement“ der USA mit Großbritannien an die Royal Navy abgegeben wurden Der Zerstörer traf am 20. September 1940 im Übergabehafen Halifax (Nova Scotia) ein, wo am 24. dann die Außerdienststellung und Übergabe stattfand. Wegen des Mangels an geeigneten Besatzungen in der Royal Navy wurde die McCook direkt an die Royal Canadian Navy übergeben, die den Zerstörer als St. Croix mit der taktischen Kennung I81 in Dienst stellte. Die US Navy erhielt 15. März 1943 eine neue McCook, einen Zerstörer der Gleaves-Klasse.
Im kanadischen Dienst Der Anfang Oktober von der kanadischen Marine übernommene Zerstörer verließ Halifax am 30. November 1940, um über St. John’s auf Neufundland nach Großbritannien zu verlegen, wo eine umfassende Umrüstung des Zerstörers auf die Bedingungen der Royal Navy erfolgen sollte. Schon auf der ersten Etappe verlor man den Kontakt zum Zerstörer, der in einen Hurrikan geriet. Der Zerstörer erreichte den Zwischenhafen, bevor eine Suche nach ihm begann, hatte aber schwere Sturmschäden erlitten, so dass vor einer Atlantikquerung Reparaturen in Kanada notwendig wurden. Für diese traf er am 18. Dezember 1940 wieder in Halifax ein. Bis zum März 1941 wurde das Schiff dort einsatzfähig gemacht. Anfangs wurde der Zerstörer nur mit lokalen Aufgaben betraut, bei denen er vor Neufundland auslaufende Konvois die ersten Tage begleitete, so die HX-Geleitzüge HX 129 am 27.–28. Mai 1941,Rohwer, Seekrieg, S. 129: 27. Mai 1941, erster über den ganzen Nordatlantik gesicherter britischer Geleitzug. SC 33 1.–3. Juni, HX 133 17.–20. Juni,Rohwer, Seekrieg, S. 133f., erst am 23. Juni von U 203 entdeckt. HX 135 26.–29. Juni und HX 138 11.–15. Juli. Ab August 1941 erfolgte der Einsatz des Zerstörers zwischen St. John’s und Reykjavík auf Island, zuerst bei SC 41 vom 28. August bis 5. September 1941, dann von Island aus als Verstärkung der Sicherung von SC 42 vom 12.–17. September,Rohwer, Seekrieg, S. 161f., der Konvoi hatte schon vor Island 16 Schiffe verloren. als Verstärkung der Sicherung von ON 17 nach Neufundland vom 19.–21. September 1941 und schließlich noch mit ON 19 vom 28. September bis 4. Oktober zurück nach Kanada. Bei diesem Einsatz konnte die St. Croix am 2. Oktober 34 Überlebende des niederländischen Motorfrachters Tuva (4652 BRT, 1935) aufnehmen, der von U 575 versenkt worden war.Tuva Dutch Motor merchant. Mit SC 50 lief der Zerstörer vom 19.–26. Oktober erneut nach Island und wieder zurück mit ON 32 vom 6.–14. November. An den letzten Einsatz schloss sich eine bis zum April 1942 dauernde, umfassende Überholung der St. Croix in Saint John (New Brunswick) an.
Der Zerstörer kam dann ab Mai 1942 zur „Newfoundland Escort Force“ (bald in „Mid-Ocean Escort Force“ umbenannt) die nach und nach Sicherungsaufgaben bis zu den Häfen Londonderrys übernahm. Den Konvoi SC 84 (46 Schiffe) sicherte der Zerstörer in einer Escort Group vom 17.–21. Mai 1942 bis Island. Es folgte wieder von Neufundland die Sicherung von SC 89 vom 28. Juni bis 10. Juli jetzt bis nach Irland. Der Rückmarsch erfolgte als Sicherung von ON 113 vom 18.–26. Juli. Am 24. Juli 1942 konnte die St. Croix das deutsche U-Boot U 90 versenken, das auf seiner ersten Einsatzfahrt mit der 44-köpfigen Besatzung sank. Das von Kapitänleutnant Hans-Jorgen Öldorp geführte U-Boot vom Typ VII C sank auf . Der Zerstörer lief bei seinem Erfolg vor dem Geleitzug ON 113 auf dem Weg von Liverpool nach Kanada. Auch auf einer ähnlichen Position vor dem Konvoi lief das britische Schwesterschiff Burnham der Town-Klasse, während drei kanadische und eine britische Korvette der Flower-Klasse eng am 37 Schiffe umfassenden Konvoi standen, dessen größtes Schiff der norwegische Tanker Thorhild (10.316 BRT, 1935) war. Die elf angreifenden U-Boote der Gruppe „Wolf“ konnten bis zur Ablösung der kanadischen Gruppe noch zwei Schiffe versenken und einen Tanker beschädigen, der erfolgreich eingeschleppt wurde.Rohwer, Seekrieg, S. 263f. Nach der Ablösung der Gruppe am 26. Juli durch die Escort-Gruppe um den Zerstörer Walker verlor der Geleitzug noch einen dritten Frachter.
mini|links|Die Ottawa
Mit SC 96 lief der Zerstörer vom 15.–26. August wieder nach Europa und zurück mit Geleitzug ON 127 vom 5.–14. September. Dessen Sicherung führte der Kommandant der St. Croix; zur Escort Group C 4 gehörten noch der Zerstörer Ottawa und vier Korvetten der Flower-Klasse. Der Konvoi wurde von dreizehn U‑Booten angegriffen und verlor zwischen dem 10. und 14. September sechs Transporter und am 14. auch den Zerstörer Ottawa mit 114 Mann; weitere Transporter wurden beschädigt. Die Angreifer zogen sich vor der kanadischen Küste beim Einsetzen der kanadische Luftsicherung zurück.Rohwer, Seekrieg, S. 280. Mit dem Geleitzug SC 101, der nur einen kleinen Nachzügler verlor,Rohwer, Seekrieg, S. 288. lief die St. Croix nochmals vom 23. September bis 3. Oktober nach Nordirland und dann vom 12.–19. Oktober zurück nach Neufundland in der Escort Group C4, geführt von dem Zerstörer Restigouche mit den kanadischen Korvetten Amherst, Arvida, Orillia und der britischen Celandine als Sicherung von ON 137 von 40 Schiffen. Bei sehr schweren Wetter und trotz des Einsatzes von zwei U-Boot-Gruppen mit insgesamt 21 Booten verlor auch dieser Konvoi nur einen kleinen Tanker von 4142 BRT. Anschließend wurde der Zerstörer im November und Dezember 1942 routinemäßig in Kanada überholt.
1943 sicherte die St. Croix mit den britischen Zerstörern Vansittard und Chesterfield sowie den fünf kanadischen Korvetten Battleford, Chilliwack, Kenogami, Napanee und Shediac den Konvoi HX 222 auf dem Marsch nach Großbritannien. Der 25 Schiffe umfassende Konvoi wurde mit nur einem Verlust über den Atlantik geleitet. Verloren ging durch U 268 das ehemalige Walfangmutterschiff Vestfold (14.547 BRT, Bj. 1931) mit Passagieren, 17.386 ts Öl und den Landungsbooten LCT 2239, LCT 2267 und LCT 2344 als Deckslast an Bord.Rohwer, Seekrieg, S. 320f.Vestfold Panamanian Whale factory ship, 19 Tote / 56 ÜberlebendeVestfold Die kanadischen Einheiten mussten danach in Tobermory noch ein U-Abwehrtraining absolvieren.
Die St. Croix wurde dann Führungsschiff der „Canadian Escort Group No 1“ (EG C1). Als ersten Auftrag sicherte die Gruppe mit dem britischen Schwesterschiff Burwell der Town-Klasse, den kanadischen Korvetten Battleford, Kenogami, Napanee und Shediac sowie den britischen Minensuchern Fort York, Qualicum und Wedgeport der Bangor-Klasse den Konvoi KMS 10 von 57 meist kleineren Transportern seit dem 28. Februar von Londonderry Port nach Gibraltar. Am 4. März konnte die St. Croix zusammen mit der Shediac das U-Boot U 87 etwa 200 Meilen (320 km) vor der spanischen Küste versenken. Das von Kapitänleutnant Joachim Berger befehligte U-Boot vom Type VIIB sank westlich von Porto de Leixões auf der Position mit der gesamten Besatzung von 49 Mann. Der Konvoi verlor am 6. März den Frachter Fort Battle River (7133 BRT, Bj. 1942) durch U 410; drei weitere Frachter konnten beschädigt eingeschleppt werden. Sofort nach dem Eintreffen in Gibraltar trat St. Croix mit weitgehend denselben Geleitfahrzeugen als Sicherung des Rückkonvois MKS 9 den Rückmarsch an. Ohne Verluste wurden 59 Schiffe nach Großbritannien zurückgeführt. Am 18. März wieder in Großbritannien folgte ab dem 5.–14. April mit der Sicherung von ONS 2 von Nordirland nach Neufundland der nächste Einsatz. Am späten Abend des 11. April wurde der norwegische Frachter Ingerfire (3835 BRT, Bj. 1905), der etwas den Kontakt zum Konvoi verloren hatte, von U 613 torpediert und sank in sehr kurzer Zeit. Trotz stürmischen Wetters konnten St. Croix und die kanadische Korvette Camrose am Nachmittag des 12. noch 28 Mann des Frachters retten; sechs Norweger und zwei Briten verloren ihr Leben beim Untergang.Ingerfire Norwegian Steam merchant. Schon vom 20. April bis 2. Mai wurde SC 127 von dort nach Nordirland gesichert und dann vom 16. bis 25. Mai ON 184 wieder nach Neufundland begleitet. Die drei Konvois mit 41, 56 und 36 Schiffen hatten auf den Fahrten nur geringe Verluste. Anschließend übte St. Croix mit der „US Support Group 6“, zu der der US-Geleitträger Bogue und Zerstörer gehörten. Der alte Zerstörer wurde dann in Kanada überholt und sollte künftig aus Großbritannien in der Biskaya gegen U-Boote auf dem Weg von oder zu ihren Basen eingesetzt werden (Operationen Musketry und Seaslug). Die Operationen sollten in einer neugebildeten „Canadian Support Group 9“ (C9) durchgeführt werden. Dazu verlegte der Zerstörer mit dem über 70 Schiffe umfassenden Konvoi HX 250 im August als Teil der Geleitgruppe nach Großbritannien.
Untergang