mini|Stanford University, eine der renommiertesten Hochschulen der Vereinigten Staaten Der tertiäre Bildungsbereich in den Vereinigten Staaten ist der Teil im Bildungssystem, der auf der High School aufbaut. Der tertiäre Bildungsbereich (englisch Higher Education, Postsecondary Education) ist der Bereich der institutionalisierten höheren Bildung und hat im Jahr 2017 in den Vereinigten Staaten 4298 Hochschulen umfasst. Diese werden teils als Universities, teils als Colleges bezeichnet. Mehr als die Hälfte davon sind private Hochschulen; die übrigen befinden sich in öffentlicher Hand.
Gegliedert ist die tertiäre Bildung in den USA in ein grundständiges Studium (Undergraduate Studies) und darauf aufbauende weitere Studien (Advanced Studies). Im grundständigen Studium wird teils das allgemeinbildende Programm der High Schools fortgesetzt, teils werden berufliche Qualifikationen vermittelt, teils Voraussetzungen für anschließende Studien geschaffen. Bei den Advanced Studies sind Masterstudiengänge von speziellen berufsbildenden Studiengängen zu unterscheiden. Während die ersteren der Weiterqualifizierung im bisherigen Hauptfach dienen, konzentrieren die letzteren sich auf die Berufsausbildung in speziellen Fächern wie Recht oder Medizin, die neben der Fachqualifikation auch eine umfassende Grundlagenbildung voraussetzen.
Allgemeine Statistik mini|In den USA studieren fast zwei Drittel aller Schulabgänger, in Deutschland knapp ein Drittel. In den Vereinigten Staaten gibt es mehr Spitzenuniversitäten als in allen anderen Ländern der Erde. So führen die QS World University Rankings für das Jahr 2020 unter den 100 am höchsten bewerteten Universitäten 29 amerikanische auf; an zweiter Stelle folgt Großbritannien (18) und an dritter Australien (7).
Nach Indien, wo im Jahre 2017 fast 50.000 Universitäten, Colleges und ähnliche Bildungseinrichtungen bestanden haben, sind die Vereinigten Staaten das Land mit der zweitgrößten Anzahl an Hochschulen. Selbst in der Volksrepublik China bestanden noch im Jahre 2018 „nur“ 2663 Hochschulen, wobei an diesen allerdings mehr als 28 Mio. Menschen studieren.
Nach Kanada, Japan und Südkorea zählen die Vereinigten Staaten auch zu den vier Ländern mit der größten Verbreitung akademischer Bildung. Mehr als 60 % der 18- bis 24-Jährigen besuchen eine Hochschule oder haben eine Hochschule besucht. 41,9 % aller Erwachsenen haben einen Hochschulabschluss. Der Anteil der Erwachsenen, die mindestens einen Bachelorabschluss besitzen, hat sich seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges versiebenfacht; im Jahre 2017 betrug er 32,3 %. Eckdaten des amerikanischen Hochschulwesens (mit Vergleichsdaten aus Deutschland) Stand und QuellenZahl der Hochschulen öffentliche 1626 (37,8 %) 274 (63,9 %) 2017USA: Deutschland: Privathochschulen in Deutschland: private 2672 (62,2 %) 155 (36,1 %) insgesamt 4298 429 Einwohner pro Hochschule 75.779 192.354 2017Zahl der Studierenden an öffentlichen Hochschulen 14,56 Mio. (74,1 %) 2,61 Mio. (91,9 %) 2017Deutschland/Privathochschulen an privaten Hochschulen 5,1 Mio. (25,9 %) 230.197 (8,1 %) insgesamt 19,66 Mio. 2,84 Mio. Im Studium befindlicher Bevölkerungsanteil 6,0 % 3,4 % 2017 Lehrpersonal ordentliche Professoren 181.530 (23 %) 47.568 (19 %) USA: 2013D: 2019Deutschland: andere 609.861 (77 %) 201.967 (81 %) Verhältnis von Lehrenden zu Studierenden 1:24,8 1:11,4
Alternativen zum Hochschulstudium mini|Was Amerikaner direkt nach der High School tun: 31 % studieren nicht; die meisten davon gehen direkt in die Erwerbstätigkeit.
Berufsausbildung On-the-job Der hohe Studierendenanteil in den Vereinigten Staaten erklärt sich unter anderem vor dem Hintergrund, dass dort weniger Formen der Berufsausbildung bestehen als im deutschsprachigen Raum. So sind in den USA z. B. weder das Konzept der dualen Ausbildung noch Berufsfachschulen noch Fachoberschulen verbreitet. Die innerbetriebliche Ausbildung erfolgt grundsätzlich als On-the-Job-Training (OJT), wobei insbesondere große Firmen für ihre Mitarbeiter häufig eigene Ausbildungs- und Trainingsprogramme betreiben. Im Jahre 2018 waren in den Vereinigten Staaten 5,1 Mio. 16- bis 19-Jährige bereits erwerbstätig, wobei auch viele Studierende, um ihr Studium finanzieren zu können, jobben oder arbeiten müssen.
Militärlaufbahn Obwohl die Rekruteure der United States Army an den High Schools starke Werbepräsenz haben, ist das Interesse der Absolventen an einer Militärlaufbahn derzeit gering. Nach einer Untersuchung aus dem Jahre 2017 kamen von den zum Befragungszeitpunkt 17- bis 24-Jährigen für eine Aufnahme ins Militär nur 0,4 % in Frage. Der Anteil der 17- bis 19-Jährigen betrug im Jahre 2016 bei der Navy und der Air Force je 6 %, bei der Army 9 % und bei den Marines 16 %. Die Gesamtzahl der Teenager in den amerikanischen Streitkräften betrug damit rund 110.000.
Die Streitkräfte der Vereinigten Staaten betreiben fünf eigene Hochschulen: die US Military Academy in Westpoint, die US Naval Academy, die US Air Force Academy, die US Coast Guard Academy und die US Merchant Marine Academy. Aktive Soldaten können, wenn sie an einer dieser Schulen studieren, bis zu 100 % der Studiengebühren erstattet bekommen. Im Jahre 2015 hatten 8 % der Mannschaften und 84 % der Offiziere mindestens einen Bachelorgrad.
Es besteht auch die Möglichkeit, sich im Rahmen des Reserve Officer Training Corps zum Reserveoffizier ausbilden zu lassen. In diesem Fall übernimmt das Militär üblicherweise einen großen Teil der Ausbildungskosten.
Geschichte Kolonialzeit mini|Das 1700 errichtete Wren Building des College of William and Mary (Williamsburg, Virginia) ist das älteste erhaltene Universitätsgebäude der Vereinigten Staaten. Die erste Hochschule auf dem Gebiet der heutigen Vereinigten Staaten war das 1636 als Lateinschule gegründete New College (ab 1639: Harvard College), aus dem nach der Gründung der Harvard Medical School (1782) die Harvard University hervorging. Auf Harvard folgten William and Mary (1693), St. John’s (1696), Yale (1701), University of Pennsylvania (1740), Moravian College (1742), Princeton (1746), Washington and Lee (1747), Columbia (1754), Brown (1764), Rutgers (1766) und Dartmouth (1769). Als erste medizinische Hochschule wurde unter dem Dach der University of Pennsylvania 1765 die Perelman School of Medicine gegründet.
Mit ihrem Konzept der Vereinigung von Leben und Lernen (collegiate system) und ihrer privaten Finanzierung waren die Hochschulen der Kolonialzeit am Vorbild der traditionsreichen britischen Universitäten – insbesondere Oxford und Cambridge – orientiert. In Abweichung vom britischen Vorbild waren die amerikanischen Colleges berechtigt, ohne Mitwirkung der übergeordneten Universität selbst akademische Grade zu verleihen. Obwohl die Colleges neben Endowments, Spenden und Studiengebühren auch Geld von der britischen Krone erhielten und die Studierenden für die Vorlesungen häufig Eintrittskarten kaufen mussten, war ihre finanzielle Ausstattung in den ersten Jahrhunderten mehr als bescheiden.
Von der Unabhängigkeitserklärung bis zum Amerikanischen Bürgerkrieg Thomas Jefferson, einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten, initiierte 1779 A Bill for the More General Diffusion of Knowledge, ein seitdem viel zitiertes Gesetz, mit dem ein aus Steuermitteln finanziertes öffentliches Bildungssystem angekündigt wurde, das allen freien Kindern, Frauen und Männern für jeweils drei Jahre würde offenstehen.
1785 wurde in Athens, Georgia mit der University of Georgia die erste öffentliche Hochschule der Vereinigten Staaten gegründet. Zwar hatten die Bundesstaaten ein gewisses Interesse daran, das Bildungswesen durch eigene Hochschulen direkter kontrollieren zu können, doch scheuten sie gleichzeitig die damit verbundene finanzielle Verantwortung.
Im 19. Jahrhundert waren die meisten amerikanischen Hochschulen wenig exklusiv und erhoben von ihren Studierenden nur geringe Gebühren, wobei insbesondere kleine kirchennahe Colleges für ein breites Publikum offenstanden. Teure und exklusive Hochschulen, in denen vorzugsweise der Nachwuchs der Wohlhabenden studierte, bestanden nur in den Südstaaten (South Carolina College, University of Virginia). Die am stärksten nachgefragten Studienfächer waren Theologie, Erziehung, Recht und Ingenieurwissenschaften.
Die Verdoppelung der Studierendenzahlen zwischen 1800 und 1860 bildet eine in dieser Zeit gestiegenen Nachfrage nach Hochschulbildung ab. Während zu Beginn des 19. Jahrhunderts nur 0,6 % der 16- bis 25-jährigen Männer studierten, betrug dieser Anteil Mitte des Jahrhunderts etwa 1,75 %. Im Jahre 1870 betrug die Zahl der verliehenen Hochschulabschlüsse etwas über 9.000. Die große Mehrzahl der Bevölkerung erachtete Hochschulbildung jedoch als nicht profitabel. Dass eine formale höhere Bildung lange Zeit nicht einmal bei Inhabern von Spitzenpositionen erwartet wurde, veranschaulicht das Beispiel des zweimaligen US-Präsidenten Grover Cleveland (1885–1889, 1893–1897), der als Berufsjurist sein Fachwissen nicht an einer Hochschule, sondern in einer Anwaltskanzlei erworben hatte. Mit Ausnahme des Priesternachwuchses wurden die meisten Berufsakademiker (engl. Professionals, insbesondere Juristen und Ärzte) bis nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg nicht an Hochschulen, sondern in individuellen Praxen ausgebildet, die auch wenig Berührung mit dem aktuellen Wissensstand des Faches hatten. Viele Amerikaner gingen, um einen höheren akademischen Grad zu erlangen, nach Europa, insbesondere nach Deutschland.
Zu verstehen ist dies auch vor dem Hintergrund, dass der sekundäre und der tertiäre Bildungsbereich noch Mitte des 19. Jahrhunderts keineswegs klar voneinander geschieden waren, sondern einen fließenden Übergang bildeten. So bot beispielsweise das 1831 gegründete Genesee Wesleyan Seminary in Lima, New York Unterricht vom Elementar- bis zum Hochschulniveau an; 1850 verselbstständigte sich daraus das Genesee College, aus dem 1869 wiederum die Syracuse University hervorging.
Frauen waren von der höheren Bildung nicht ausgeschlossen. Bereits 1860 bestanden landesweit mindestens 45 Hochschulen, die Frauen akademische Abschlüsse anboten. Als die erste höhere Bildungseinrichtung in den Vereinigten Staaten, in denen Frauen vollwertige Abschlüsse erwerben konnten, gilt das 1839 eröffnete Wesleyan College in Macon, Georgia. Catherine Brewer erwarb hier 1840 als erste Amerikanerin den Bachelorgrad. 1877 erwarb Helen Magill an der Boston University als erste Amerikanerin einen Doktorgrad.
Nach dem Bürgerkrieg