Das Großherzoglich Mecklenburgische Feldartillerie-Regiment Nr. 60 war ein von 1899 bis 1919 bestehender Truppenteil der Artillerie der Preußischen Armee.

Geschichte Am 25. März 1899 (Stiftungstag) erfolgte zum 1. Oktober aus der I. und IV. Abteilung in Altona die Bildung des Großherzoglich Mecklenburgischen Feldartillerie-Regiments Nr. 60. Der Neubau der städtischen Kaserne hatte der Umbildung vorausgehen müssen. Ebenso der Bau der Messe, die an einem der schönsten Punkte der Residenzstadt mit dem Blick auf das Schloss gelegen ist.

Zum Feldzug in Deutsch-Südwestafrika, der den Aufstand der Nama und Hereros unterdrückte, entsandte das Regiment 1905: drei Offiziere, mehrere Unteroffiziere und Mannschaften.

1911 nahm das Regiment an den Kaisermanövern in der Gegend von Woldegk teil. Ihnen ging eine Parade vor dem Kaiser Wilhelm II. in Hamburg voraus.

Das folgende Jahr brachte die Umwandlung der II. Kanonen- in eine Haubitzabteilung. Die Haubitze war eine Rohrrücklaufhaubitze 98/09. Die Feldkanone war ein gutes Geschütz, doch trug sie nicht so weit im Gegensatz zur französischen Feldkanone. Sie hieß Kanone 96 n.A. und wurde 1906 mit Schutzschilden und Rohrrücklaufbremse bei der I. Abteilung eingeführt. Das Rundblickfernrohr erhielt sie erst Jahre später.

Am 5. Mai 1913 fand die Feier des 100-jährigen Jubiläums des Mecklenburgischen Artilleriekorps statt, das am 25. März 1813 gebildet worden war. Viele Tausend Veteranen und ehemalige Angehörige der mecklenburgischen Artillerie waren gekommen; die Parade, an der das Regiment unter Oberst Wilhelm von Woyna und sämtliche Angehörige nach Batterien getrennt teilnahmen, nahm der Großherzog Friedrich Franz IV. ab, ebenso den Vorbeimarsch. Am Nachmittag folgten ein Festessen und gemütliches Beisammensein in den einzelnen Batterien. Der Parade ging am vorhergehenden Nachmittag im Beisein des Großherzogs ein Reiterfest voraus, das Major von Aigner leitete. Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften nahmen an den Vorführungen teil.

Dem Korpsmanöver des IX. Armee-Korps, das im gleichen Jahr in der Gegend von Schwerin stattfand, wohnte die großherzogliche Familie bei; am letzten Tage erfolgte ein Vorbeimarsch sämtlicher mecklenburgischer Truppen, mit Ausnahme des in Colmar stationierten Großherzoglich Mecklenburgischen Jäger-Bataillons Nr. 14, vor dem Großherzog auf dem Alten Garten.

Das folgende Jahr 1914 führte zur Schießübung in das Munsterlager. Am Montag, dem 27. Juli 1914, traf das Regiment dort ein. Am Mittwoch kam der Befehl, dass das Regiment umgehend nach Schwerin zu verladen ist. Am Freitag das amtliche Telegramm: „Drohende Kriegsgefahr“.

zentriert|mini|1600x1600px|Struktur des Großherzoglich Mecklenburgischen Feldartillerie-Regiments Nr. 60, Anfang August 1914

mini|Artilleriekaserne in Schwerin - über den Burgsee fotografiert

Erster Weltkrieg mini|10.5 cm Feldhaubitze 98/09 mini|Feldkanone 96 n.A. 7,7 cm

Am 31. Juli 1914, gegen 15:00 Uhr traf das Telegramm des Generalkommandos des IX. Armee-Korps (Altona) beim Regiment ein. In einer Randnotiz stand auf Seite 2 der hiesigen Lokalzeitung, die Mecklenburgische Zeitung vom 1. August 1914 in seiner Abendausgabe:

„Verbot: Das Großherzogliche Ministerium des Innern gibt bekannt: Nach dem Erlasse des kommandierenden Herrn Generals des IX. Armeekorps zu Altona vom 31. Juli d.J., betreffende Erklärung des Kriegszustandes, sind Veröffentlichungen und Mitteilungen über militärische Angelegenheiten unbedingt zu unterlassen; Übertretungen dieses Verbotes werden auf das Strengste bestraft.“„Mecklenburgische Zeitung“ vom 01.08.1914, Nr. 354, 157. Jahrgang, Seite 2.

Mit dem Mobilmachungsbefehl des Kaisers vom 1. August 1914 begannen auch im Feldartillerie-Regiment Nr. 60 die Tätigkeiten der beschleunigten Heranführung von Truppen für das Moment der strategischen Überraschung des erklärten Feindes, Frankreich. An das Russische Reich erging dennoch bereits am 1. August die offizielle Kriegserklärung des Deutschen Reiches.

Mobilmachungsplan: (wahrscheinliche Variante) Die aktiven Offiziere und Mannschaften sowie die eintreffenden Reservisten haben die Mobilmachung durchzuführen und planmäßig zu beenden:

A. Bis zum Abend des 1. Mobilmachungstages 18:00 Uhr sind marschbereit: Stab II. Abteilung, 4., 5. und 6. Batterie. 4., 5. und 6. Batterie ohne 3. Züge. B. Beginn der beschleunigten Durchführung des Truppentransports II. Abteilung/FAR-60 mit Stab II. Abteilung, 4., 5. und 6. Batterie ohne 3. Züge sowie mit je zwei Staffeln je Batterie, vom Güterbahnhof Schwerin, am 1. Mobilmachungstag bis spätestens 24:00 Uhr. C. Bis zum Abend des 5. Mobilmachungstages: Die 3. Züge der II. Abteilung treten unter Kommando I. Abteilung/FAR-60 und werden auf Kriegsstärke gebracht. D. Bis zum Abend des 7. Mobilmachungstages: Herstellung der vollen Marschbereitschaft von Regimentsstab, Stab I. Abteilung, 1., 2. und 3. Batterie, Leichte Munitionskolonne I. und II. Abteilung sowie für die 3. Züge der II. Abteilung/FAR-60.vergleiche Döbrich, J.H; Bickel,J.-H., Mobilmachung und Ausmarsch des Feldartillerie-Regiments Nr. 25, 1914, S. 11.

Unterstellung unter das Kommando der 34. gemischten Brigade

Die II. Abteilung des Feldartillerie-Regiments Nr. 60 (Abkürzung: II./FAR-60) tritt am 2. August 1914, gegen 20:00 Uhr den Eisenbahntransport bis in die Gegend Aachen an. Ausladeort Herzogenrath, 12 km nördlich Aachen. Ausladung der II. Abteilung/FAR-60 am 3. August 1914, ca. 20:00 Uhr. mini|Eisenbahnroute der II. Abteilung/FAR-60 zur beschleunigten Heranführung in den Bereitstellungsraum|alternativtext=

Nach dem Erreichen des Zielortes, Unterstellung der II. Abteilung unter den Befehl der 34. gemischten Brigade.

Bildung der 34. gemischten Brigade am 4. August 1914, 08:00 Uhr im Preußenwald, südwestlich Aachen.

Die 34. gemischte Brigade war mit weiteren fünf Brigaden sowie dem Höheren Kavallerie-Kommando Nr. 2 mit der Aufgabe betraut, die Festungsstadt Lüttich zu überrumpeln (im Handstreich zu nehmen), in der Folge die zwölf Forts um Lüttich, mit Verstärkungen und frisch herangeführten Kräften auszuschalten und den Raum für die strategische Entfaltung der 1., 2. und 3. Armee vorzubereiten.

Gefechtskalender 1914 4. bis 14. August – Kämpfe um die Eroberung von Lüttich und seines FortsgürtelGeschichte des Großherzoglich Mecklenburgischen Feldartillerie-Regiment Nr. 60 im Weltkriege 1914–1918. Hermann Kampen, Hamburg 1921, S. 301 f. 18. bis 19. August – Schlacht an der Gete 23. bis 24. August – Schlacht bei Mons 26. August – Gefecht bei Genly, als Teil Fortsetzung der Schlacht bei Mons 30. August – Schlacht bei St. Quentin 4. September – Gefechte bei Viels-Maisons–Montmirail 5. September – Gefechte bei Leuze 6. bis 7. September – Gefechte bei Montceau–Esternay 5. bis 9. September – Schlacht am Ourcq 10. September – Nachhutgefechte bei Neuilly, St. Front und Crépy en Valois ab 12. September – Schlacht an der Aisne 21., 23. und 25. Dezember – Kämpfe im Bois St. Mard

1915 bis 12. Oktober – Kämpfe an der Aisne 8. bis 14. Januar – Schlacht bei Soissons (4. und 6. Batterie) 17. Januar bis 19. September – Stellungskämpfe westlich Roye–Noyon 16. Oktober bis 3. November – Herbstschlacht in der Champagne ab 4. November – Stellungskämpf in der Champagne 7. Dezember – Einnahme der Arbre-Höhe 193, westlich Tahure

1916 bis 15. Juni – Stellungskämpfe in der Champagne 27. Februar – Fortnahme der Navarin-Stellung 27. Mai – Patrouillen-Unternehmen westlich Navarin-Ferme 5. Juli bis 30. September – Schlacht an der Somme 1. Oktober bis 24. Dezember – Stellungskämpfe im Artois

1917 9. Januar bis 15. März – Stellungskämpfe an der Somme 16. bis 18. März – Stellungskämpfe vor der Siegfried-Front 9. Juni bis 21. Juli – Vorbereitungskämpfe für die Sommerschlacht in Flandern 21. Juli bis 1. August – Sommerschlacht in Flandern 2. August bis 23. September – Kämpfe in der Siegfried-Stellung 24. September bis 12. Oktober – Herbstschlacht 1917 in Flandern ab 15. Oktober – Stellungskämpfe im Artois

1918 bis 7. März – Stellungskämpfe im Artois 8. bis 20. März – Aufmarsch zur Großen Schlacht in Frankreich 21. März bis 6. April – Große Schlacht in Frankreich 21. bis 23. März – Durchbruchsschlacht Monchy–Cambrai 24. bis 25. März – Schlacht bei Bapaume 25. März – Gefecht bei Sapignies 5. April – Gefecht bei Burcquoy 7. bis 12. April – Kämpfe zwischen Arras und Albert 24. Mai bis 22. Juni – Kämpfe zwischen Arras und Albert 29. Juli bis 3. August – Die bewegliche Abwehrschlacht zwischen Marne und Vesle 4. August bis 3. September – Stellungskämpfe an der Vesle 4. bis 18. September – Kämpfe vor der Siegfried-Stellung 19. bis 27. September – Kämpfe in der Siegfried-Stellung 28. bis 29. September – Stellungskämpfe nördlich Ailette 30. September bis 9. Oktober – Abwehrschlacht in der Champagne und an der Maas 8. September – Kämpfe bei Bemont-Ferme 10. bis 12. Oktober – Kämpfe vor der Hunding- und Brunhildfront 10. bis 12. Oktober – Kämpfe vor der Aisne- und Airefront 13. bis 16. Oktober – Kämpfe an der Aisne und Aire 17. bis 25. Oktober – Abwehrschlacht in der Champagne und an der Maas 17. bis 25. Oktober – Abwehrkampf zwischen Argonnen und Maas 26. Oktober bis 1. November – Abwehrschlacht in der Hundingstellung 2. bis 4. November – Stellungskämpfe an der Aisne 5. bis 11. November – Rückzugskämpfe vor der Antwerpen–Maas-Stellung 11. November – Waffenstillstand von Compiègne ab 12. November – Räumung des besetzten Gebietes und Marsch in die Heimat

Verbleib Nach dem Waffenstillstand kehrte der Verband in die Garnison nach Schwerin zurück, wurde ab dem 1. Februar 1919 demobilisiert und Ende Mai 1919 aufgelöst. Aus Teilen bildeten sich verschiedene Freiformationen, so das Freiwilligen Feldartillerie-Regiment 60 und weitere Freiwilligen-Batterien. Die Teile des Freiwilligen Feldartillerie-Regiments 60 ging bei der Bildung der Vorläufigen Reichswehr als Stab der I. Abteilung im leichten Reichswehr-Artillerie-Regiment 9 auf.

Die Tradition übernahm in der Reichswehr durch Erlass des Chefs der Heeresleitung General der Infanterie Hans von Seeckt vom 24. August 1921 die Ausbildungs-Batterie des 2. (Preußisches) Artillerie-Regiments in Schwerin. In der Wehrmacht führte das Artillerie-Regiment 12 in Schwerin und Rostock die Tradition fort.

Regimentschef Kaiser Wilhelm II. ernannte am 25. März 1913 Großherzog Friedrich Franz IV. zum Regimentschef.

Kommandeure DienstgradNameDatumGünter Wegmann (Hrsg.), Günter Wegner: Formationsgeschichte und Stellenbesetzung der deutschen Streitkräfte 1815–1990. Teil 1: Stellenbesetzung der deutschen Heere 1815–1939. Band 3: Die Stellenbesetzung der aktiven Regimenter, Bataillone und Abteilungen von der Stiftung bzw. Aufstellung bis zum 26. August 1939. Biblio Verlag, Osnabrück 1993, ISBN 3-7648-2413-1, S. 282.OberstMax von Hanstein1. Oktober 1899 bis 13. September 1900Oberstleutnant/OberstLudwig von Aster14. September 1900 bis 10. April 1906Oberstleutnant/OberstFriedrich von Reichenbach24. April 1906 bis 21. Mai 1912OberstWilhelm von Woyna22. Mai 1912 bis 3. Februar 1914OberstOtto von Fumetti17. Februar 1914 bis 12. September 1916MajorGebhard Gans zu Putlitz13. September 1916 bis 29. Oktober 1918MajorWilhelm von Liebenau30. Oktober 1918 bis 24. Januar 1919OberstleutnantMax von Peschke25. Januar bis Februar 1919OberstleutnantViktor von AignerFebruar 1919 bis Auflösung

Erinnerung mini|Denkmal

1923 wurde gegenüber den bis heute erhaltenen Schweriner Artilleriekasernen das Bronzedenkmal „Kriemhild“ nach einem Entwurf von Wilhelm Wandschneider für die Gefallenen des Regiments errichtet. Es wurde am 27. Mai 1923 enthüllt; nach 1945 fiel es der Zerstörung zum Opfer.

Literatur

Jürgen Kraus: Handbuch der Verbände und Truppen des deutschen Heeres 1914–1918. Teil IX: Feldartillerie. Band 1, Verlag Militaria, Wien 2007, ISBN 978-3-902526-15-1, S. 267.