alternativtext=Bündelgezogene Edelstahlfaser|mini|Bündelgezogene Edelstahlfaser Metallfasern (MTF)Textilien – Chemiefasern – Gattungsnamen (ISO 2076:2013); Deutsche Fassung EN ISO 2076:2013, S. 14. sind Fasern, die aus Metall, Metalllegierungen, kunststoffbeschichtetem Metall, metallbeschichtetem Kunststoff oder einem vollständig mit Metall ummantelten Kern bestehen. Chokri Cherif (Hrsg.): Textile Werkstoffe für den Leichtbau – Techniken – Verfahren – Materialien – Eigenschaften. Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg 2011, ISBN 978-3-642-17991-4, S. 93. Alfons Hofer: Textil- und Modelexikon. Band 2: L–Z. 7., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Deutscher Fachverlag, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-87150-518-8, S. 563.Günter Schnegelsberg: Handbuch der Faser – Theorie und Systematik der Faser. Deutscher Fachverlag, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-87150-624-9, S. 557.
Metallfasern haben ihren Ursprung in der Bekleidungs- und Textiltechnik: Gold- und Silberfäden wurden schon früh verwebt oder für Stickereien eingesetzt. In jüngerer Zeit haben Garne aus Aluminium, aluminiumbeschichte Kunststoff- und Nylongarne den Platz von Gold und Silber eingenommen.
Heutzutage bietet die Metallfaserindustrie in erster Linie Fasern aus Edelstahl, Nickel, Titan, Kupfer und Aluminium für zahlreiche Anwendungen an. Metallfilamente können mit einer transparenten Beschichtung versehen werden, um ein Anlaufen weitestgehend zu verhindern.
Metallfasern können auch durch Scherprozesse mit Draht (Stahlwolle) oder Folie als Ausgangswerkstoff hergestellt werden, oder sie werden aus Drähten mit einem größeren Durchmesser bündelgezogen, aus einem Block gezogen, aus geschmolzenem Metall gegossen oder können als um eine Seele (Kernfaser, oftmals aus Kohlenstoff) gesponnene Mantelfasern ausgebildet sein.
Geschichte mini|Goldstickerei auf einem Antependium (Gent, 1660). Gold und Silber werden seit Urzeiten zur Verzierung der Bekleidung und Textilien von Königen, führenden und angesehenen Persönlichkeiten und des Adels eingesetzt. Viele dieser eleganten Textilien sind weltweit in Museen zu sehen. Historisch gesehen bestand ein metallischer Faden aus einem um einen Faserkern (Baumwolle oder Seide) gewickelten Metallstreifen, wobei oftmals darauf geachtet wurde, dass die Farbe des Faserkerns nach außen durchschimmerte, um der Verzierung eine bessere Optik zu verleihen. Antike Textilien und Bekleidung, die teilweise oder vollständig aus goldenen Fäden gewoben sind, werden manchmal als Goldstoff bezeichnet. Vom 7. bis 9. Jahrhundert wurden die Goldstoffe auf byzantinischen Webstühlen gewebt, anschließend dann auf Sizilien, auf Zypern, in Lucca und in Venedig. Die Weberei florierte auch im 12. Jahrhundert unter dem Einfluss des Vermächtnisses von Dschingis Khan, als die Kunst und der Handel unter mongolischer Herrschaft in China und einigen Gebieten im Nahen Osten aufblühten. An europäischen Herrscherhäusern der frühen Neuzeit waren Brokatstoffe weit verbreitet.
Die erste moderne Metallfaser wurde von dem Unternehmen Dobeckmum im Jahr 1946 hergestellt. In den frühen 1960er Jahren führte die Brunswick Corp. ein Forschungsprogramm zur Entwicklung eines wirtschaftlich rentablen Prozesses zur Herstellung von Metallfäden durch. Man begann zunächst mit der Produktion von Metallfäden auf einer Versuchsanlage im Labormaßstab. Bis 1964 stellte Brunswick feine Metallfasern mit einem Durchmesser von 1 μm aus Edelstahl (AISI 304) her. Die erste großtechnische Produktionsanlage mit Standort in den USA wurde dann im Jahr 1966 von Brunswick in Betrieb genommen. Heutzutage werden Metallfasern in großen Mengen hergestellt und in den verschiedensten Technologiebranchen eingesetzt. Es handelt sich hier um einen technisch ausgereiften Sektor mit einer Vielzahl von Anwendungen.
In der Vergangenheit wurde oft Aluminium als Ausgangswerkstoff für die Herstellung von Metallfasern verwendet. In jüngerer Zeit hat sich jedoch Edelstahl als der am häufigsten für Metallfasern verwendete Werkstoff durchgesetzt. Je nach Legierung verfügen die Metallfasern über Eigenschaften, die ihren Einsatz in High-Tech-Anwendung ermöglichen.
Fasereigenschaften alternativtext=Maschinell bearbeitete Fasern aus verschiedenen Metallen und Legierungen|mini|Maschinell bearbeitete Fasern aus verschiedenen Metallen und Legierungen Metallfasern gibt es in verschiedenen Formen und Durchmessern. Im Allgemeinen werden Metallfasern mit Durchmessern von 100 μm bis zu 1 μm angeboten.
Metallfasern werden sowohl als lange Endlosfasern als auch als Kurzfasern (mit einem Verhältnis von Länge und Durchmesser von unter 100) hergestellt.
Verglichen mit anderen Faserarten wie Carbon-, Glas- oder Naturfasern haben Metallfasern einen geringen elektrischen Widerstand, sodass sie sich für alle Anwendungen eignen, bei denen eine elektrische Leitfähigkeit gefordert ist. Dank ihrer hervorragenden Wärmebeständigkeit können sie extremen Temperaturen standhalten. Ihre Korrosionsbeständigkeit wird durch die Verwendung von qualitativ hochwertigen Edelstahllegierungen oder anderen Metalllegierungen erreicht. Metallfasern bieten noch andere vorteilhafte mechanische Eigenschaften, wie beispielsweise eine hohe Bruchdehnung, Duktilität, Schlagfestigkeit, Feuerbeständigkeit und Schalldämpfung.
Gesinterte Metallfaserstrukturen und -produkte zeichnen sich durch eine hohe Porosität bei gleichbleibend stabiler und belastbarer Struktur aus. Diese Eigenschaften kommen der Funktion und Struktur von spezifischen Anwendungen wie Filter oder Elektroden zugute.
Durch eine Beschichtung der Metallfäden kann ein Anlaufen des Metalls (Oxidation) minimiert werden. Werden geeignete Klebstoffe und Folien verwendet, sind sie beständig gegen Salzwasser, gechlortes Wasser in Schwimmbädern oder Klimaeinflüsse. Falls keine Pflegekennzeichnung vorhanden ist, sollten alle Metallfaserprodukte nach Möglichkeit chemisch gereinigt werden. Bügeln kann besonders bei hohen Temperaturen problematisch sein, da die Fasern durch die entstehende Hitze schmelzen können.
Herstellungsverfahren Bei Metallen gibt es verschiedene Methoden der Faserherstellung.
Das gängigste Verfahren ist das sogenannte Bündelziehverfahren. Hierbei werden mehrere tausend Drähte gleichzeitig als Bündel gezogen, d. h. sie werden in einem sogenannten Verbunddraht gebündelt, der durch eine Ziehdüse gezogen wird, um seinen Durchmesser weiter zu verringern. Die äußere Ummantelung wird später in Säure aufgelöst und übrig bleiben die einzelnen endlosen Metallfasern. Der Verbunddraht wird so lange weiter gezogen, bis der gewünschte Durchmesser der einzelnen Filamente innerhalb des Bündels erreicht ist. Mit dem Bündelziehverfahren können Endlos-Metallfasern in Längen von bis zu mehreren Kilometern hergestellt werden. Naturgemäß ist der Querschnitt der mit diesem Verfahren hergestellten Fasern achteckig. Zur Herstellung von qualitativ hochwertigen Fasern kann diese Technologie verfeinert werden. Das Endergebnis sind sehr feine Fasern mit einer sehr geringen Durchmesserstreuung. Durch spezielle Weiterentwicklungen in den letzten Jahren kann diese Technologie nun zur Herstellung von Fasern mit einem Durchmesser von 200 nm und kleiner eingesetzt werden.
Beim Laminieren (Kaschieren) wird eine Aluminiumschicht zwischen zwei Folienbahnen aus Acetat oder Polyester versiegelt. Diese Fasern können dann für die Herstellung von Garnen längs in Streifen geschnitten und auf Spulen gewickelt werden. Das Metall kann gefärbt und mit einer transparenten Folie versiegelt werden, der Klebstoff kann eingefärbt sein oder die Folie kann vor dem Laminieren gefärbt werden. Es können viele verschiedene Farbtöne und Effekte bei Metallfasern realisiert werden, sodass viele verschiedene Designs möglich sind.
Mit der „Foil-shaving“-Technik (Fasern werden von einer Folie abgeschabt) sind Faserdurchmesser von bis zu 14 μm und ein eher rechteckiger Querschnitt möglich. Mit dieser Technik werden „halb endlose“ Faserbündel oder Stapelfasern hergestellt.
Durch die maschinelle Bearbeitung von massiven metallischen Ausgangsprodukten können halb endlose Bündel von Fasern mit einem Durchmesser von bis zu 10 μm hergestellt werden. Durch eine Optimierung des Fertigungsprozesses für Stapelfasern kann sowohl die Durchmesserstreuung für diese Art von Fasern verringert als auch ihre Geometrie verfeinert werden. Diese Technik ist aufgrund der erreichbaren kleinen Durchmesser und der relativ geringen Durchmesserstreuung im Vergleich zum Foil Shaving oder Schmelzspinnen einzigartig
Eine andere Möglichkeit zur Herstellung von Metallfasern ist die Metallisierung von Kunststofffolien. Dabei wird das Metall im Hochvakuum bis zum Verdampfen erhitzt und schlägt sich auf allen Oberflächen nieder. Mit diesem Verfahren werden dünnere, flexiblere, haltbarere und leichter zu verarbeitende Fasern hergestellt.
Metallfasern können auch durch Scherprozesse unter Einsatz von Draht als Ausgangswerkstoff hergestellt werden (Stahlwolle) oder aus geschmolzenem Metall gegossen oder als um eine Seele (Kernfaser, oftmals aus Kohlenstoff) gesponnene Mantelfasern ausgebildet sein.
Arten von Metallfaserprodukten alternativtext=Gesinterte Metallfasern|mini|Gesinterte Metallfasern
Gesinterte Medien Metallfasern werden entweder zu einem Vlies oder zu gesinterten Faserstrukturen mit einem Faserdurchmesser von 1,5 bis 80 μm verarbeitet. Diese porösen Filtermedien werden wegen ihrer Einzigartigkeit in sehr anspruchsvollen Anwendungen eingesetzt. Der Vorteil, den ein Material mit einer überragenden Durchlässigkeit (Porosität von bis zum 90 % bei gesinterten Faserstrukturen und von bis zu 99 % für Vliesstrukturen) gepaart mit hoher Korrosions- und Temperaturbeständigkeit bietet, wird sehr geschätzt. Die gesinterte poröse Struktur verfügt über kein Bindemittel, da die einzelnen Fasern durch Diffusionsvorgänge fest miteinander verbunden wurden. Auch gesinterte 3D-Strukturen sind mittlerweile Standard. Einige der neuesten Entwicklungen betreffen Filtermedien, in denen metallische mit nichtmetallischen Fasern kombiniert werden und somit das Beste von „beiden Welten“ in sich vereinen. alternativtext=Kurze Metallfasern|mini|Kurze Metallfasern
Kurzfasern Ein speziell entwickeltes Verfahren ermöglicht die Herstellung von einzelnen, pulverartigen Metallfasern, die als Kurzfasern bezeichnet werden und ein Längen-Durchmesser-Verhältnis von 100 aufweisen. Diese Kurzfasern können allein oder in Kombination mit Metallpulvern für die Herstellung von gesinterten Filterstrukturen mit äußerst hoher Filtrationsleistung bei gleichzeitig einzigartiger Durchlässigkeit verwendet werden. alternativtext=Metallfasern in Polymerpellets für Spritzgussanwendungen|mini|Metallfasern in Polymerpellets für Spritzgussanwendungen
Polymerpellets Andere Metallfaserprodukte sind Polymerpellets oder -granulate, die aus Metallfasern bestehen. Mehrere Faserbündel werden miteinander verklebt, wobei verschiedene Schlichten möglich sind und eine entsprechend geeignete Extrusionsbeschichtung erfolgt. Nachdem diese beschichteten Bündel in Pellets zerteilt wurden, können sie als Zusatzstoffe in der Produktion von technischen, leitfähigen/abschirmenden Kunststoffteilen mittels Spritzguss oder Extrusion eingesetzt werden. Der einzigartige Vorteil von Metallfasern besteht darin, dass mit einer relativ begrenzten Menge an leitfähigen Zusatzstoffen ein leitfähiger Verbund gebildet werden kann. alternativtext=Metallfaservlies|mini|Metallfaservlies
Vliesstoffe Vliesstoffe oder Filze können ebenso wie mit herkömmlichen Textilfasern auch mit Metallfasern gefertigt werden. In sehr wenigen Fällen können die Fasern durch ein Vernadeln miteinander verschlungen und somit das Vlies verfestigt werden. alternativtext=Metallfasergarne, kombiniert mit anderen Textilfasern|mini|Metallfasergarne, kombiniert mit anderen Textilfasern
Garne