Die Schlacht von Mărășești umfasst eine Reihe weiträumiger aber taktisch zusammenhängender Kämpfe im Raum Focșani, die sich vom 6. August (24. Juli) bis 3. September (21. August) 1917 im Kreis Vrancea zwischen den Flüssen Sereth und Putna mit Konzentration an der Linie Muncelu – Mărășești ereigneten. Sie wurde in der deutschen Weltkriegsgeschichtsschreibung traditionell als „Durchbruchsschlacht an der Putna und Sușita“ bezeichnet.Luminița Elena Vasiliu: The Battle of Mărășești. The Story of a Mausoleum (PDF; 700 kB). In: Daniel Ghiba, Lucian Popescu, Cosmin Olariu, Adi Mustață (Hrsg.): Proceedings of the 17th International Scientific Conference “Strategies XXI” – Strategic Changes in Security and International Relations (15./16. April 2021) (= Zeitschrift der Fakultät für Sicherheits- und Verteidigungswissenschaften der Nationalen Verteidigungsuniversität „Karl I.“ Band 17). Bukarest 2021, ISSN 2668-1994, S. 202–207 (hier: S. 206). Die seit Dezember 1916 intensivsten Kämpfe am rumänischen Kriegsschauplatz, die eine direkte Fortsetzung der Schlacht von Mărăști (22. Juli – 1. August) darstellten, erstreckten sich über einen Zeitraum von 29 Tagen, von denen nur an 16 Tagen größere militärische Aktionen stattfanden. Die großen Verluste bei der Offensive zwangen die Mittelmächte, ihre Angriffe an der rumänischen Front aufzugeben und dauerhaft in die Defensive überzugehen. Aus rumänischer Sicht handelt es sich um die bedeutendste Schlacht des Ersten Weltkriegs, die auch als „das rumänische Verdun“ charakterisiert wird.Luminița Elena Vasiliu: The Battle of Mărășești. The Story of a Mausoleum. In: Daniel Ghiba u. a. (Hrsg.): Proceedings of the 17th International Scientific Conference “Strategies XXI”. Bukarest 2021, S. 202.

Hintergrund Der Plan der Mittelmächte zielte im Sommer 1917 darauf ab, Rumänien vollständig zu besetzen, um die landwirtschaftlichen Ressourcen dieser Region und danach jener der westlichen Ukraine für die eigene Kriegsführung zu nutzen. Durch die Niederlage der russischen Truppen während der Tarnopol-Offensive und den Verlust der Bukowina mussten die russische 9. Armee (fünf Armeekorps) von der rumänischen Front abgezogen und nach Ostgalizien verlegt werden, wo sie die Flanke der zurückgehenden 8. Armee sichern sollte. Der zusätzliche Erfolg des linken Flügels der rumänischen 2. Armee bei Mărăşti zwang die Mittelmächte, ihre Pläne Anfang August zu überarbeiten. Die rumänische 2. Armee begann am 22. Juli eine Entlastungsoffensive gegen den rechten Flügel der k.u.k. 1. Armee (Generaloberst Rohr von Denta). Die betroffene Korpsgruppe Gerok (XXIV. Reserve-Korps) geriet in starke Bedrängnis. Die dort eingesetzte k.u.k. 1. Kavallerie-Division (FML. de Ruiz) sowie die deutsche 218. Infanterie-Division mussten sich aus dem Soveja-Becken durch das Putna- und Susita-Tal zurückziehen. Die deutsche 117. Infanterie-Division musste als Verstärkung zugeführt werden. Der im Hauptquartier der russischen 4. Armee geplante Angriff am Fluss Namoloasa musste ebenfalls aufgegeben werden, weil auch deren Truppen zuvor abgelöst werde sollten. Die in der nördlichen Moldau stehende rumänische Reservearmee sollte durch eine Neugliederung der Front einbezogen werden. Das Gros wurde im Raum Focșani vorgezogen, wo die rumänische 2. Armee am mittleren Sereth konzentriert war. Die russischen Truppen wurden nacheinander von der rumänischen 1. Armee unter General Constantin Cristescu abgelöst. Der größte Teil dieser Kräfte befanden sich noch im Raum Tecuci und mussten zuerst den Sereth überqueren, bevor sie die Russen im freigewordenen Raum ersetzen konnte. Die rumänische 5. Infanterie-Division kam zuerst am 6. August in Baltaretu an und sollte am Abend die Ablöse des russischen VII. Armeekorps beginnen, die Stellungen waren nach den Vorkämpfen von Anfang August noch nicht durchgängig gefestigt und tief genug ausgebaut.

Angriffsplan Der Plan von Generalfeldmarschall August von Mackensen, dem Oberbefehlshaber der rumänischen Heeresgruppe sah vor, dass die Offensive im Raum nördlich Focșani konzentriert werden sollte, gleichzeitig sollte ein Angriff der k.u.k. Truppen im Oituz-Tal erfolgen. Der Hauptschlag wurde der deutschen 9. Armee (General Johannes von Eben) zugewiesen, deren Truppen sollte gegen das westliche Ufer des Sereth und auf der Linie Focșani – Mărășești – Adjud durchbrechen. Nach Erreichen der Linie Mărășești – Panciu sollte die links eingesetzte rumänische 2. Armee durch einen Vorstoß auf Racoasa nach Westen zum Gebirge abgedrängt und im Zusammenwirken mit der k.u.k. 1. Armee der Heeresgruppe Erzherzog Joseph eingekesselt werden, während die rechts gestaffelten Divisionen zunächst den Sereth-Brückenkopf bei Tecuciu auf die Linie Movileni—Negrilesci erweitern sollten.

Für die Offensive wurde die deutsche 9. Armee auf 174 Bataillone, 16 Eskadron, 150 Batterien (davon 31 schwere) gebracht, wobei die Verstärkungen von der Westfront und der italienischen Front herangebracht wurden. Die Streitkräfte im Angriffs-Abschnitt zählten 13 Divisionen mit 102 Bataillone, 10 Eskadronen, 24 Pionier-Kompanien, 2 Panzerwagen, 1.135 Maschinengewehre, 356 Mörser, 213 Feldgeschütze und 122 schwere Kanonen. General von Eben beschloss, den Hauptschlag mit dem I. Reserve-Korps (6 Divisionen) zu führen, während das XVIII. Reserve-Korps (3 Divisionen) zu seiner Linken die ihm gegenüberliegenden Entente-Truppen binden musste. Der linke Flügel der 9. Armee wurde durch 2 Divisionen der Ramnic-Gruppe defensiv gesichert. Der Angriff wurde auf einer Breite von etwa 35 km angesetzt und begann wegen Zeitdruck, obwohl die volle Konzentration aller Kräfte noch nicht erreicht war. Als Reserve fungierte eine deutsche und einer österreichisch-ungarische Division, sobald das frisch von der Westfront kommende Alpenkorps eingetroffen war, sollte der Angriff beginnen.

Die rumänisch-russischen Streitkräfte waren bedeutend: Einerseits bestand die russische 4. Armee aus 84 Bataillonen, 32 Schwadronen, 79 Batterien (9 schwere) mit 280 Feld- und 36 schwere Geschützen – und die rumänische 1. Armee – aus fünf Infanterie- und einer Kavallerie-Division, drei Brigaden mit 78 Bataillonen, 58 Schwadronen und 36 Batterien mit 114 Kanonen, 10 Mörsern und 7 Flugabwehrgeschützen. Gegenüber dem deutschen I. Reservekorps lag die russische 4. Armee mit dem VIII. Armeekorps (3 Divisionen) rechts und dem VII. Armeekorps (2 Divisionen) am linken Flügel. Die Reserve bestand aus einer Infanterie- und einer Kavallerie-Division. Die in der folgenden Konfrontation defensiv bleibende russische 6. Armee hatte rechts von der neu eingeschobenen rumänischen 1. Armee ihre Front bis Liesci zu verlängern. Hierdurch wurden Reservekräfte unter General Cristescu gewonnen, die aus der Hauptreserve durch die 10. Infanterie-Division verstärkt wurde, um bei Clipicesci das zuerst abgehende russische XXX. und später das VII. Armeekorps abzulösen.

Beteiligte Streitkräfte Mittelmächte Deutsche 9. Armee – General der Infanterie Johannes von Eben mini|Johannes von Eben als General der Infanterie I. Reserve-Korps, General Curt von Morgen Bayerische 12. Infanterie-Division, Generalmajor Karl von Nagel zu Aichberg 76. Reserve-Division, Generalleutnant Hugo Elstermann von Elster 89. Infanterie-Division, Generalleutnant Richard Hermann Vogel 216. Infanterie-Division, Generalleutnant Detlev Vett XVIII. Reserve-Korps, Generalleutnant Karl von Wenninger 115. Infanterie-Division, Generalleutnant Alfred von Kleist k.u.k. 62. Division, FML. Adolf Brunswik 217. Infanterie-Division, Generalmajor Kurt von Gallwitz gen. Dreyling Reserve Alpenkorps, Generalleutnant Leo Sontag 212. Infanterie-Division, Generalmajor Franz Franke k.u.k. 13. Division, FML Franz Kalser von Maasfeld

Entente Rumänische 1. Armee, General Constantin Cristescu, ab 12. August General Grigorescu mini|hochkant|Eremia Grigorescu III. Armeekorps, General Constantin Iancovescu, ab 12. August General Aristide Razu 14. Infanteriedivision, General Grigore Bunescu 9. Infanteriedivision, General Constantin Scărişoreanu VI. Armeekorps, General Eremia Grigorescu 10. Infanteriedivision, General Henri Cihoski 5. Infanteriedivision, General Aristide Razu 13. Infanteriedivision, General Ioan Popescu V. Armeekorps, General Ioan Istrate 15. Infanteriedivision, 12. Infanteriedivision, russische 80. Infanterie-Division, Generalleutnant Michail Dmitrjewitsch Kitschenko Heeresreserve: 1. Kavalleriedivision, 2. Kavalleriedivision, Grenzschutz-Brigade und 1. Calarasi-Brigade

Russische 4. Armee, General der Infanterie Alexander Ragosa

VII. Armeekorps, Generalleutnant Nikolai Leontjewitsch Junakow 13. Infanterie-Division, Generalmajor Dmitri Dmitrjewitsch Dschenejew 34. Infanterie-Division, Generalleutnant Nikolai Petrowitsch Stremuchow VIII. Armeekorps, Generalleutnant Andrei Georgjewitsch Jelchaninov 14. Infanterie-Division, Generalleutnant Wladimir Iwanowitsch Sokolow 15. Infanterie-Division, XXX. Armeekorps, Generalleutnant Alexander Nilowitsch Gawrilow 103. und 124. Infanterie-Division Reserve: Trans-Amur-Kavallerie-Division 71. Infanterie-Division, Generalmajor Pawel Grigorjewitsch Kantzerow

Die Schlacht Erste Phase vom 6. bis 12. August mini|Erste Schlachtphase 6. bis 18. August Die Offensive der 9. Armee ging eine schlagkräftige Artillerievorbereitung voraus, die am 6. August (24. Juli) um 4:30 Uhr begann. Um 07:30 Uhr griff das I. Reserve-Korps (General von Morgen) bei Radulesci mit der 76. und 89. Infanterie-Division an, in der zweiten Staffel folgten zwei weitere Divisionen. Links wurde das XVIII. Reserve-Korps mit der 217. Infanterie-Division angesetzt, in der Mitte die 89. und die 76. Reserve-Division, am rechten Flügel die 216. Infanterie-Division, dahinter stand die 212. Infanterie-Division als Eingriffs-Reserve zur Verfügung. Die gegnerische Front, die von der russischen 13. und 34. Infanterie-Division verteidigt wurde, wurde durchbrochen und ein 10 km tiefer Einbruch erreicht. Die Russen mussten sich östlich des Sereth ungeordnet zurückziehen und zogen als Verstärkung die in Reserve stehende 71. Division nach Mărășești nach vorne. Auf Ersuchen des russischen Kommandos, gab General Christescu den Befehl, dass Generalmajor Eremia Grigorescu mit seinem VI. Korps (5. und 9. Infanterie-Division) sofort intervenieren sollte, um das Ostufer des Sereth Flusses halten zu können. Die 32. Infanterie-Regiment „Mircea“ und das 8. Infanterie-Regiment „Buzau“ griffen die Truppen der Mittelmächte auf der Linie Moara Alba – Doaga – Furceni an und hielten deren Vorgehen auf. Da die Chancen, die Überquerung des Flusses Sereth zu erzwingen, am Morgen des 7. August sehr gering waren, leitete das deutsche Kommando die Offensive mit vier Divisionen nach Norden um. Die Angriffe konzentrierten sich gegen die rumänische 5. Infanteriedivision, welche alle Angriff aber zurückschlagen konnte. Am 8. August gruppierte General von Eben den Angriff weiter nach Westen, von russischen Einheiten gehaltene Front. Am Abend mussten sich diese zurückziehen, ein russisches Regiment wurde dabei aufgerieben. Am 9. August um 19.00 Uhr startete der nächste deutsche Angriff nach einer mächtigen Artillerie-Vorbereitung, die der rumänischen 9. Division schwere Verluste zufügte.