L’Atenaide (auch Atenaide, RV 702) ist eine Opera seria (Originalbezeichnung: „dramma per musica“) in drei Akten von Antonio Vivaldi (Musik) mit einem Libretto von Apostolo Zeno. Sie wurde am 29. Dezember 1728 zur Karnevalsaison 1729 im Teatro della Pergola in Florenz uraufgeführt. Die Partitur dieser Aufführung (RV 702a) ist verschollen. Es existiert jedoch die Abschrift einer abweichenden Fassung (RV 702b) aus Vivaldis Werkstatt.

Handlung

Die folgende Inhaltsangabe basiert auf dem Libretto der Partiturfassung RV 702b.

Argomento

Die Vorgeschichte ist im gedruckten Libretto folgendermaßen angegeben:

Kurzfassung

Erster Akt. Am Vorabend der geplanten Vermählung seiner jetzt Eudossa genannten Tochter Atenaide mit dem byzantinischen Kaiser Teodosio gibt Leontino ihr noch einige Lebensweisheiten auf den Weg und nimmt Abschied. Als Teodosios Schwester Pulcheria berichtet, dass der persische Prinz Varane zur Hochzeit kommen will, ist Eudossa besorgt. Auch General Marziano gefällt das nicht, denn Gerüchten zufolge will Varane um die Hand Pulcherias anhalten, die Marziano heimlich liebt. Pulcheria bittet ihn, das zu verhindern. Der Prätorianerpräfekt Probo, der ebenfalls in Pulcheria verliebt ist, bietet gleichfalls seine Hilfe an, wird jedoch von beiden zurückgewiesen. Aus Rache beschließt er, Varane bei seiner Werbung zu helfen, und verleumdet Marziano beim Kaiser. Bei seiner Ankunft wird Varane von Probo freundlich empfangen. Er wirbt allerdings nicht um Pulcheria, sondern bei Leontino um seine frühere Geliebte Atenaide, deren neuen Namen Eudossa er noch nicht kennt. Da Leontino ihn zurückweist, spricht er bei Teodosio vor, der ihm eine Braut verspricht, ohne deren Namen zu nennen. Um den verleumdeten Marziano loszuwerden, befiehlt Teodosio ihm, gegen bulgarische Rebellen in die Schlacht zu ziehen.

Zweiter Akt. Teodosio stellt den Anwesenden Eudossa als seine Braut vor. Erschüttert erkennt Varane in ihr Atenaide. Aufgrund seines auffälligen Verhaltens muss Eudossa ihre Vorgeschichte offenbaren und schockiert damit den Kaiser, der sie nun für treulos hält. Pulcheria schlägt vor, sie aus Byzanz zu verbannen. Teodosio würde lieber Varane fortschicken. Beide beschließen, abzuwarten, bis sie mehr wissen. Marziano verabschiedet sich von Pulcheria, kann seine Liebe aber nicht deutlich offenbaren, obwohl sie ihm Hoffnung macht. Leontino erklärt dem Kaiser, dass Eudossa unschuldig an dem früheren Verhältnis mit Varane ist. Als Varane Teodosio von seiner Liebe zu Atenaide erzählt, lässt der Kaiser dem Mädchen die Wahl. Probo soll dem Auserwählten nach ihrer Entscheidung einen goldenen Ring bringen. Varanes Werbung bei Eudossa ist chancenlos. Sie beauftragt Probo, den Ring Teodosio zu überreichen. Leontino befürchtet einen Machtkampf zwischen Varane und Teodosio und rät seiner Tochter zur Flucht.

Dritter Akt. Da Probo nur dann Aussichten auf Pulcheria hat, wenn Varane Eudossa heiratet, gibt er diesem den Ring mit der Behauptung, dass sich Eudossa für ihn entschieden habe. Varane geht damit sofort zum Kaiser, der erschüttert über Eudossas vermeintliche Undankbarkeit ist und sie verbannen will. Pulcheria und Teodosio beschimpfen die ahnungslose Eudossa heftig. In der Nacht treffen Marziano und Pulcheria ein weiteres Mal zusammen, ohne sich ihre Gefühle zu offenbaren. Probo spinnt seine Intrige weiter: Er erzählt Varane, dass Teodosio Eudossa im Palast gefangen halte, und bietet an, bei ihrer Befreiung zu helfen. Das Gespräch wird jedoch von Marziano belauscht. Inzwischen hat Leontino seine Tochter zur Flucht überredet. Varane verfolgt sie heimlich. Nachdem Teodosio und Pulcheria ihre Abwesenheit bemerkt haben, kehrt Leontino zurück und berichtet, dass Varane seine Tochter entführt habe. Probo bietet an, die Verfolgung aufzunehmen, um sie zu retten. Nachdem er fort ist, klärt Leontino seine Intrige auf. Er folgt Probo zusammen mit Teodosio, während sich die allein zurückgebliebene Pulcheria nach Marziano sehnt. Kurz darauf bringt Marziano den gefangenen Probo, der gesteht und vom Kaiser zum Tode verurteilt wird. Marziano hat ihn und Varane in einer Schlacht besiegt, letzteren aber freigelassen. Eudossa ist unversehrt und wird von ihrem Vater und Teodosio freudig empfangen. Marziano hat sich Pulcheria als würdig erwiesen und darf auf sie hoffen. Varane kehrt ebenfalls zurück. Da er sein Vergehen einsieht und selbst von Probo getäuscht wurde, erhält er die Vergebung des Kaisers.

Erster Akt

Zum Kaiserpalast führende Arkaden

Szene 1. Am Vorabend von Eudossas/Atenaides Hochzeit mit dem Kaiser schwelgen sie und ihr Vater Leontino in Erinnerungen. Leontino erzählt ihr, dass er ihren Aufstieg auf den Thron bereits in den Sternen gelesen habe. Zuerst waren beide davon ausgegangen, dass sie den König Persiens heiraten würde. Doch als Leontino aus einer Opferflamme düsteren Rauch emporsteigen sah, befürchtete er ein schlimmes Ende für sie und floh mit ihr nach Byzanz. Leontino gibt ihr noch einige Ratschläge für die Ehe mit Teodosio und rät ihr, dessen Schwester Pulcheria respektvoll zu behandeln. Da sie in Kürze seine Kaiserin sein wird, enden seine väterlichen Pflichten jetzt. Er verabschiedet sich zärtlich von ihr (Arie Leontino: „Ti stringo in quest’amplesso“).

Szene 2. Eudossa ist fest entschlossen, nur noch Teodosio zu lieben und den hochmütigen Varane endgültig zu vergessen. Teodosios Schwester Pulcheria informiert sie darüber, dass Varane zur Hochzeit erscheinen werde. General Marziano hat Gerüchte gehört, dass Varane um Pulcherias Hand anhalten wolle. Er ist darüber tief erschüttert, denn er selbst liebt Pulcheria insgeheim. Eudossa fürchtet die Begegnung mit Varane (Arie Eudossa: „Della rubella“).

Szene 3. Pulcheria fragt Marziano nach dem Grund für seinen Kummer, wo doch jeder über den Antrag des persischen Prinzen erfreut sei. Auch sie selbst würde ihn nicht abweisen. Marziano weist auf ihre Bedeutung für den jungen Kaiser hin, wegen dem sie Griechenland nicht verlassen dürfe. Pulcheria erkennt, dass hinter diesem Rat noch andere Gefühle stecken. Obwohl Marziano ihr noch nicht seine Liebe gesteht, bittet sie ihn, nach Mitteln zu suchen, ihre Verbindung mit Varane zu verhindern.

Szene 4. Der Prätorianerpräfekt Probo, der Pulcheria ebenfalls liebt, versichert sie seiner Unterstützung gegen Varane. Sie weist seine ungebetene Hilfe jedoch mit der Belehrung zurück, dass er mehr Respekt gegenüber seiner Herrin zeigen müsse (Arie Pulcheria: „Là sul margine del rio“).

Szene 5. Probo bittet Marziano, Pulcheria gegen eine Verbindung mit Varane aufzubringen, wird aber auch von diesem zurechtgewiesen. Daraufhin wirft Probo ihm vor, selbst Gefühle für Pulcheria zu hegen, und droht ihm. Marziano hält Probo für einen feigen Angeber (Arie Marziano: „Al valore che prode ti preggi“).

Szene 6. Probo glaubt, Marziano habe ihm Pulcherias Liebe gestohlen. Um zu verhindern, dass sein Rivale zum Zuge kommt, schwärzt er ihn bei Teodosio an. Der Kaiser will nun Marziano unter einem Vorwand ins Exil schicken, bis die Hochzeit seiner Schwester mit dem Prinzen gesichert ist. Probo triumphiert (Arie Probo: „Imeneo più chiare e belle“).

Szene 7. Teodosio denkt an seine geliebte Eudossa (Arie Teodosio: „Trovo negl’occhi tuoi“).

Kaiserhof

Szene 8. Unsicher über sein Schicksal betritt Varane den Palast (Arie Varane: „Reggia amica a te vicino“). Probo heißt ihn im Namen des Kaisers willkommen und verspricht, ihn bei seiner Liebeswerbung zu unterstützen (er glaubt noch immer, es handele sich um Pulcheria und nicht Atenaide).

Szene 9. Als Leontino erscheint, schickt Varane Probo mit der Bitte fort, sich beim Kaiser für ihn einzusetzen.

Szene 10. Leontino verweigert Varane die Hand seiner Tochter und rät ihm, stattdessen um Pulcheria zu werben. Auch Varanes Drohungen beeindrucken ihn nicht (Arie Leontino: „Mal s’accende di sdegno il tuo core“).

Szene 11. Varane will nun den Kaiser um Atenaides Hand bitten. Dieser tritt zusammen mit Pulcheria, Marziano und Probo ein und verspricht Varane die Erfüllung seiner Wünsche – ohne dass jedoch der Name der ersehnten Braut fällt. Varane jubiliert (Arie Varane: „Tanto lieto hò il core in petto“).

Szene 12. Pulcheria vertraut ihrem Bruder an, dass sie kein Interesse an einer Ehe mit Varane habe. Marziano rät Teodosio, auf sie zu hören. Der Kaiser wechselt schnell das Thema und gibt ihm den Befehl, die bulgarischen Rebellen niederzuschlagen. Marziano entfernt sich siegesgewiss (Arie Marziano: „Di nuovi allori adorno“).

Szene 13. Pulcheria bittet Teodosio, seinen treuen Unterstützer Marziano nicht zu verärgern. Teodosio traut ihm jedoch nicht (Arie Teodosio: „Qual la sua colpa sia“).

Szene 14. Pulcheria glaubt, dass Marzianos unschuldige Liebe zu ihr der Grund für seine Ungnade beim Kaiser ist (Arie Pulcheria: „Quanto posso à me fò schermo“).

Zweiter Akt

Prächtiger Saal

Szene 1. Vor der kaiserlichen Hochzeit warten Teodosio, Probo und Varane ungeduldig auf die Braut.

Szene 2. Als Eudossa eintritt, ist Varane entsetzt, in ihr Atenaide zu erkennen. Er verlässt erschüttert den Saal (Arie Varane: „Nel profonde cieco orrore“).

Szene 3. Teodosio bittet Probo und Eudossa um eine Erklärung für Varanes Verhalten. Nachdem ihm Eudossa ihre Vorgeschichte erzählt hat, benötigt Teodosio etwas Ruhe, um seine Gedanken zu sammeln. Eudossa erkennt, dass er sie für schuldig hält (Arie Eudossa: „Son colpevole à tuoi lumi“).

Szene 4. Teodosio lässt die Feierlichkeiten abbrechen und bittet Probo, seine Schwester zu holen.

Szene 5. Als alle anderen fort sind, lässt Teodosio seiner Eifersucht freien Lauf. Er fühlt sich von Eudossa betrogen.

Szene 6. Teodosio schüttet Pulcheria sein Herz aus und wirft ihr vor, ihm Eudossa angepriesen zu haben. Pulcheria rät, Eudossa aus Byzanz zu verbannen. Da Teodosio aber noch immer Gefühle für sie hat, würde er stattdessen lieber Varane fortschicken. Das allerdings wäre ein politischer Affront. Die beiden entscheiden sich schließlich dafür, die Hintergründe genauer zu untersuchen (Arie Teodosio: „Vorresti il sò vorresti amor tiranno“).

Szene 7. Bevor er in den Kampf zieht, verabschiedet sich Marziano von Pulcheria. Dabei deutet er vorsichtig seine Gefühle für sie an. Pulcheria bittet ihn, zu schweigen, lässt aber durchblicken, dass er auf ihre Gunst hoffen könne (Arie Pulcheria: „Sorge l’irato nembo“).

Szene 8. Marziano bedauert, dass er Pulcheria seine Liebe nicht deutlicher offenbart hat (Arie Marziano: „Bel piacer di fido core“).

Kaiserliches Amtszimmer

Szene 9. Leontino rechtfertigt seine Entscheidung, die frühere Beziehung seiner Tochter geheim zu halten, vor dem Kaiser. Er beharrt darauf, dass sie unschuldig ist (Arie Leontino: „Se cieco affetto“).

Szene 10. Aufgewühlt tritt Varane vor den Kaiser und offenbart ihm seine Liebe zu Eudossa. Teodosio schlägt vor, ihr die Wahl des Ehegatten zu überlassen. Varane akzeptiert.

Szene 11. Teodosio teilt Eudossa mit, dass sie frei zwischen ihm und Varane wählen könne. Sie solle nun mit Varane sprechen. Er gibt Probo einen goldenen Ring, den dieser nach ihrer Entscheidung dem Auserwählten überreichen soll (Arie Teodosio: „Al tribunal d’amore“).

Szene 12. Varane versucht wortreich, Eudossa von seiner Liebe zu überzeugen. Da sie jedoch standhaft ihre Treue zu Teodosio beteuert, schwört er Rache (Arie Varane: „Il moi amore diventa furore“).

Szene 13. Eudossa fordert Probo auf, den Ring als Liebeszeichen Teodosio zu überbringen (Arie Probo: „Vado à recar contenti“).

Szene 14. Als Eudossa ihrem Vater von ihrer Entscheidung erzählen will, warnt der vor einem drohenden Machtkampf zwischen dem Kaiser und Varane. Er drängt darauf, aus Byzanz zu fliehen. Eudossa will jedoch ihre Liebe zu Teodosio nicht aufgeben (Arie Eudossa: „Eccelso trono fedel consorte“ oder „Sovrana sul trono“).

Dritter Akt

Hof bei den kaiserlichen Gärten