275px|Logo des Voralpen-Expresses 275px

Voralpen-Express, kurz VAE, ist der Name eines Interregio-Zuges der Schweizerischen Südostbahn (SOB), der seit 1992Gerhard Oswald: Die Bodensee-Toggenburg-Bahn. Geschichte einer Ostschweizer Privatbahn. Appenzeller Verlag, Herisau 2004, ISBN 3-85882-361-9, S. 211. St. Gallen über Rapperswil und Arth-Goldau im Stundentakt mit Luzern verbindet. Seit dem Fahrplanwechsel 2019 ist der Voralpen-Express mit neuem Rollmaterial «Traverso» von Stadler Rail unterwegs. Bis Dezember 2019 wurden hauptsächlich modernisierte und klimatisierte Revvivo-Wagen eingesetzt. Früher verkehrte der Voralpen-Express ab Romanshorn.

Geschichte mini|links|Zug mit BDe 4/4 der Bodensee-Toggenburg-Bahn (BT) 1983 bei Sattel Durch die enge Zusammenarbeit der Bodensee-Toggenburg-Bahn (BT), der Schweizerischen Südostbahn (SOB) und der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) verkehren seit 1940, also seit der durchgehenden Elektrifizierung der gesamten Strecke, Schnellzüge zwischen Romanshorn und Arth-Goldau. Rollmaterial und Personal wurden gemeinsam gestellt. Ab 1947 wurde zunächst ein Zugspaar nach Luzern verlängert, die sogenannte «Direkte Linie Nordostschweiz-Zentralschweiz» war geboren. Die Zahl der direkten Züge blieb aber gering. 1981 waren es zwei Züge bis und drei Züge ab Luzern, die aber bis/ab Arth-Goldau als Regionalzüge mit anderer Zugsnummer fuhren (Zugspaare 966-1529/1532-975, Luzern an/ab 10.15/11.27, 1556-983 ab 16.19, 980-1557/1564-987 an/ab 16.05/17.42). Die Fahrzeit St. Gallen–Luzern oder umgekehrt betrug 2 Stunden 15 Minuten bis 2 Stunden 48 Minuten, und nur das Zugspaar 980/987 führte einen Buffetwagen der BT. Weitere Zugspaare mit Buffetwagen verkehrten nur auf dem Abschnitt (Romanshorn–) St. Gallen–Arth-Goldau.Amtliches Kursbuch Schweiz, Sommer 1981, Fahrplanfelder 70, 76 und 111.

mini|links|Voralpen-Express mit Re 4/4 der BT und Einheitswagen IV in Biberbrugg 1982 wurde schweizweit der Taktfahrplan eingeführt; und nun verkehrte zweistündlich ein Zugspaar Romanshorn–Luzern, die Fahrzeit St. Gallen–Luzern sank generell auf 2 Stunden 12 MinutenOffizielles Kursbuch Schweiz, Sommer 1982, Fahrplanfelder 600, 670 und 870., hingegen wurde der Buffetwagenbetrieb aufgegeben. Ab 1991 wurde der Zug mit Intercity-Wagen hinter einer Lokomotive geführt. Im Kursbuch 1992/93 erschien erstmals der Name «Voralpen-Express», ab Mai 1998 wurden die Züge als InterRegio klassiert. Nachdem in den Zwischenstunden bereits Regionalzüge der BT und der SOB in Rapperswil durchgebunden worden waren, verkehrte ab Mai 1995 in den Zwischenstunden ein Schnellzug mit gleichen Fahrzeiten wie der VAE bis/ab Arth-Goldau, ab 1997 kamen dafür Revvivo-Wagen zum Einsatz.Offizielles Kursbuch Schweiz der Jahre 1991/1992 bis 1999/2000 (Fahrplanwechsel Ende Mai), Fahrplanfeld 870.

1999 wurde der Voralpen-Express ein Joint Venture der BT, SOB und SBB (je ⅓; seit der Fusion von BT und SOB 2002: ⅔ SOB, ⅓ SBB); und die Züge wurden im Stundentakt mit Revvivo-Wagen im VAE-Design als Lokpendel geführt. Zwischen Romanshorn und Luzern wurden dreizehn Zugspaare angeboten (erster Zug Romanshorn ab 06.34, Luzern ab 07.40), dazu kamen zwei Züge Romanshorn beziehungsweise St. Gallen–Rapperswil am Abend und zwei, werktags drei Züge Rapperswil–Romanshorn am Morgen. mini|links|Voralpen-Express mit drei grünen Zusatzwagen und gelb/grünem BDe 4/4 als Schiebetriebwagen Wegen der 50-Promille-Steilrampen zwischen Pfäffikon bzw. Arth-Goldau und Altmatt bzw. Biberegg benötigten Züge mit mehr als sechs Wagen (Grundkomposition plus ein Zusatzwagen) Vorspann oder Schub. Das Beistellen beziehungsweise Wegstellen der Verstärkungswagen verteuerte den Betrieb. Zunächst wurde deshalb versucht, die noch nicht abgeschriebenen Revvivo-Wagen zu verkaufen, was aber nicht gelang. Schliesslich konnte sich die Südostbahn mit den Bestellern (Bund und Kantone) darauf einigen, dass ab Inbetriebnahme der S-Bahn St. Gallen 2013 ein Übergangskonzept umgesetzt wurde, das den weitgehenden Verzicht auf Verstärkungen erlaubt. Auf das Fahrplanjahr 2019 wurde neues Rollmaterial beschafft.

Seit dem 15. Dezember 2013 liegt die Verantwortung für den gesamten Zugslauf bei der Südostbahn.Pressecommuniqué der SOB vom 6. Juni 2008. Im neuen S-Bahn-Konzept wendet der Voralpen-Express in St. Gallen, wodurch eine Komposition frei wurde, was jedoch nicht ausreichte, um alle Kompositionen auf sieben Wagen (respektive zwei Triebwagen plus sechs Wagen) zu verlängern. Es musste deshalb auf die letzte Generation NPZ-Wagen, die noch durch die BT und die «alte» SOB beschafft worden waren, zurückgegriffen werden. Nachteil war, dass diese Wagen nicht klimatisiert waren (was bis dahin nur auf den Steuerwagen zutraf), womit der volle Komfort nicht mehr gewährleistet war.

Bis Dezember 2013 übernahm der Voralpen-Express auf dem Abschnitt St. Gallen–Romanshorn die Funktion eines Regionalzuges und hielt an den meisten Stationen. Auf dem heutigen Einsatzgebiet (St. Gallen–Luzern) entspricht die Haltestellenfrequenz dem eines RegioExpress. Im Fahrplan erschien der Voralpen-Express aber bis Dezember 2013 als InterRegio (IR). Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2013 war VAE als eigene Zugskategorie eingeführt worden. Ab Dezember 2019 wurden die individuellen Zugskategorien aufgehoben. Der VAE wurde zunächst als PE PanoramaExpress eingereiht, aber noch während des Fahrplanjahrs zum IR InterRegio umkategorisiert. Der Name Voralpen-Express bleibt als Zugsname.

Rollmaterial Seit 2019 SOB  RABe 526Bauartbezeichnung: RABe 526SOB-Bezeichnung: Traverso Flirt 3 zentriert|440pxVoralpen-Express mit Traverso (kupferfarben) und Flirt 3 (silber)Nummerierung: 526 101/201–124/224 526 001–010Achsformel: B0'2'2'2'B0' + B0'2'2'2'B0' B0'2'2'2'B0'Länge über Kupplung: 150,2 m 77,1 mFahrzeugmasse: ca. 260 t ca. 130 tHöchstgeschwindigkeit: 160 km/hMaximalleistung: 5200 kW 2600 kWStundenleistung: 4000 kW 2000 kWAnfahrzugkraft: 400 kN bis 47 km/h 200 kN bis 47 km/hSitzplätze: 68 (1. Klasse)291 (2. Klasse)25 (Klappsitze) 22 (1. Klasse)175 (2. Klasse)8 (Klappsitze)Fussbodenhöhe: 600 mm Im Dezember 2019 lösten sechs 8-teilige und fünf 4-teilige neue Flirt 3 von Stadler Rail das bisherige Rollmaterial des Voralpen-Express ab. Die achtteiligen Züge werden von der Südostbahn als Traverso (ital. für quer) bezeichnet.Fabian Scheeder, Walter von Andrian Walter: Erster RABe 526 Traverso für die SOB vorgestellt. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 7/2018. Minirex, . S. 350–352. Die Ersatzbeschaffung des Voralpen-Express löste ein Investitionsvolumen von 170 Mio. Franken aus.Mathias Rellstab, Walter von Andrian Walter: Acht- und vierteilige Flirt für den Voralpen-Express. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 8–9/2016, S. 386–388.

Fünf der 150 Meter langen RABe 526 100/200 werden für den Stundentakt St. Gallen–Luzern benötigt, der sechste Traverso dient als betriebliche Reserve. Die achtteiligen Triebzüge bestehen aus zwei mit halbautomatischer Kupplung verbundenen Einheiten mit je einem Führerstand. Für den Unterhalt in den 75 Meter langen Werkstätten in Herisau und Samstagern werden die Traverso getrennt. Sie verfügen über eine Fernverkehrsausstattung mit 68 Plätzen erster und 291 Sitzplätzen zweiter Klasse, Ski- und Velobereich, zwei Bistrozonen mit Getränke- und Imbissautomaten sowie drei Toiletten und entsprechen dem Behindertengleichstellungsgesetz. Die Südostbahn legt viel Wert auf Komfort. Die Sitze der zweiten Klasse verwenden die SBB in ihrem Fernverkehrs-Flirt in der ersten Klasse. Die Traverso sind kupferfarben mit einem rot umrahmten schwarzen Fensterband lackiert. Damit sie auf dem 50 Promille steilen Südnetz der SOB die nötige Zugkraft erreichen, werden sie von vier Triebgestellen angetrieben. Am 6. Juni 2018 wurde der erste Zug den Medien vorgestellt. Anschliessend wurden die Fahrzeuge geprüft und verschiedenen Tests unterzogen.Walter von Andrian Walter: Traverso fährt als Voralpen-Express. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 7/2019, S. 384–385.

Die 77 Meter langen vierteiligen RABe 526 000 Flirt sind als S-Bahn-Züge konzipiert mit verhältnismässig wenig Sitzplätzen erster Klasse und nur einer Toilette. Sie sind mit den 23 bereits vorhandenen Flirt der SOB kompatibel und haben ein ähnliches rot-silbernes Farbschema, sind aber wegen der verschärften Crash-Anforderungen etwa 6 Tonnen schwerer als ihre Vorgänger. Sie dienen in erster Linie als Verstärkungsmodule auf dem nachfragestarken Abschnitt St. Gallen–Rapperswil, können aber auch im S-Bahn-Verkehr eingesetzt werden. Traverso- und Flirt-3-Züge erhielten Trockentransformatoren, die dank dem Verzicht auf eine Ölkühlung leichter sind. Die leistungsstarken RABe 526 erreichen eine Beschleunigung von 1,1 m/s² und eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h. Die Drehgestelle mit weicher Achsführung und hydraulischen Achslenklagern schonen das Gleis, insbesondere in den engen Bogen mit nur 150 Meter Radius. Auf Signum- und ZUB-Geräte wurde verzichtet, es gelangt ausschliesslich das europäische Zugbeeinflussungssystem ETCS zum Einsatz.

Seit der Südostbahn genügend Rollmaterial zur Verfügung steht, ist in Arth-Goldau – dem Schnittpunkt des Voralpen-Express und des ebenfalls mit Traverso-Zügen verkehrenden Treno Gottardo – ein Triebzug als betriebliche Reserve stationiert.Mathias Rellstab: Weitere Traverso und Flirt an SOB übergeben. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 8-9/2021, S. 471.

mini|links|x130px|Seit dem Fahrplanjahr 2020 kom­men im Voralpen-Express neue Traverso-Züge zum Einsatz

Verstärken und Schwächen des Voralpen-Express xx.57 Uhr

xx.59 Uhr

xx.03 Uhr / xx.06 Uhr

Auf dem östlichen Abschnitt St. Gallen–Rapperswil ist die Nachfrage grösser als auf dem Südabschnitt vom Zürichsee nach Luzern. Der Voralpen-Express wird auf dem Ostabschnitt von vielen Pendlern benutzt und in den Hauptverkehrszeiten mit einem Flirt verstärkt. Die Verstärkungseinheiten des Voralpen-Express sind betrieblich mit der S6 und der S40 verknüpft.

mini|400px|Grafischer Fahrplan (Ausschnitt, vereinfacht, Fahrplanjahr 2024)Der Voralpen-Express wird in den Hauptverkehrszeiten zwischen St. Gallen und Rapperswil mit einem Flirt verstärkt.• hellblau: Traverso allein• dunkelblau:Traverso mit Flirt verstärkt

xx.52 Uhr: Ein Flirt trifft als S40 aus Einsiedeln–Pfäffikon SZ kommend im Bahnhof Rapperswil auf Gleis 2 ein und fährt ganz nach vorne. Dieser Flirt bleibt stehen und wird zur Verstärkungseinheit des Voralpen-Express nach St. Gallen.

xx.57 Uhr: Der aus St. Gallen kommende Voralpen-Express ist in Rapperswil auf Gleis 5 angekommen. Die automatische Kupplung zwischen dem Traverso und dem Flirt wird gelöst, damit der Traverso alleine nach Luzern weiterfahren kann. Die Ankunft des Voralpen-Express auf Gleis 5 ist zwingend, damit der Anschluss innert 2 Minuten auf die S5 in Richtung Uster–Zürich HB hergestellt werden kann (Abfahrt xx.59).

xx.59 Uhr: Abfahrt des Voralpen-Express nach Luzern aus Gleis 5.

xx.00 Uhr: Einfahrt des Voralpen-Express aus Luzern auf Gleis 2, kuppeln mit dem früher eingetroffenen Flirt (vorher S40).

xx.03 Uhr: Abfahrt des verstärkten Voralpen-Express nach St. Gallen. Abfahrt ab Gleis 2 zwingend, damit der Anschluss von der S5 aus Zürich HB–Uster (Ankunft xx.01) hergestellt werden kann.

xx.06 Uhr: Abfahrt des Flirt ab Gleis 5 als S40 nach Pfäffikon SZ–Einsiedeln.

2013 bis 2019 mini|Voralpen-Express mit Werbeloko­motive Re 446 017 «Fernweh» bei Küssnacht mini|An den Verpflegungsautomaten im Bistrowagen können die Reisenden warme und kalte Getränke beziehen