Die Gemäldesammlung der Familie Ravené war die erste öffentlich zugängliche Privatsammlung in Berlin.
Geschichte mini|hochkant|Adolph Menzel: Friedrich der Große auf Reisen Seit 1844 bestand die private Sammlung von Pierre Louis Ravené mit einem bedeutenden Anteil an Bildern der Berliner- und Düsseldorfer Schule.Vergessene Museen abgerufen am 13. Oktober 2019 Das berühmteste Bild war von Adolph Menzel Friedrich der Große auf Reisen (1853/1854).Hierzu gibt es auch eine abweichende Ölskizze von 1852 (zeno.org), welche die Berliner Alte Nationalgalerie im Bestand hat. Auf kleinen Reproduktionen leicht unterscheidbar, weil der Geheimrat v. Brenckenhof auf der Skizze seinen Kopf dem König zuwendet, beim Gemälde in seine Baupläne vertieft ist. 1853 ließ Ravené vom Architekten Stüler Ausstellungsräume im neuen Geschäftshaus in der Wallstraße 92–93 ausbauen. Seitdem konnten die Kunstwerke in der ersten öffentlich zugänglichen Kunstsammlung Berlins besichtigt werden.Karl Baedeker: Mittel- und Nord-Deutschland. Handbuch für Reisende, 1876 ( abgerufen am 13. Oktober 2019) Der Enkel des Sammlungsgründers Louis Auguste Ravené ließ 1896 ein monumentales Geschäftshaus in der Wallstraße 5–8 errichten. Ab 1897 konnte man dort im 3. Obergeschoss in fünf Sälen und drei Kabinetten die Gemälde besichtigen. Ein Aufzug brachte die Besucher zum unentgeltlichen Ausstellungsbesuch.
Das Privatmuseum war etwa bis zum Ersten Weltkrieg öffentlich zugänglich. Dann wollte Ravené die Sammlung an die Stadt Berlin übereignen, was jedoch scheiterte.
Menzels Gemälde Friedrich der Große auf Reisen musste 1938 für einen Spottpreis an die Nationalsozialisten abgegeben werden. Es hatte im Arbeitszimmer der Münchner „Führerwohnung“ am Prinzregentenplatz gehangen und war für das geplante „Museum Linz“ vorgesehen.
Bei der Zerstörung des Geschäftshauses Wallstraße 5–8 im Zweiten Weltkrieg ging auch die legendäre Sammlung unter. Das nach München verbrachte Menzelbild ging nach dem Zweiten Weltkrieg an die Stadt München und ist heute stark beschädigt. Es ist eines der wenigen erhaltenen Kunstwerke der Ravenéschen Gemäldesammlung.SMB-digital abgerufen am 17. Oktober 2019 Die Gemälde von Johann Peter Hasenclever „Jobs im Examen“, „Jobs als Schulmeister“ und „Jobs als Nachtwächter“ befinden sich als Leihgabe im Museum der bildenden Künste, Leipzig. Lediglich Beschreibungen in Reiseführern geben heute unvollständig Auskunft über die Künstler und ihre Werke in der Ravenéschen Gemäldesammlung.
Beschreibung der Sammlung mini|hochkant|Geschäftshaus Ravené, Wallstraße 5–8, Grundriss 3. Obergeschoss Die Sammlung umfasste 1906 etwa 200 Gemälde aus der ersten Hälfte des XIX. Jahrhunderts bis ca. 1900, darunter gute Werke der älteren Berliner und Düsseldorfer Schule.Karl Baedeker: Berlin und Umgebung. Leipzig 1906, S. 34, 121.
1. Saal Ludwig Knaus: Mausefalle, Frau mit Katzen spielend Karl Becker: Familienbilder, Morgen nach dem Balle, Juwelenhändler und Senator Adolph Tidemand: Norwegischer Sonntag Eduard Hildebrandt: S. Gloria bei Rio de Janeiro Karl Saltzmann: Kap der Guten Hoffnung Carl Graeb: Fontana Medina (Neapel) Ludwig Knaus: Porträt P. L. Ravene's Eduard Hildebrandt: Wintervergnügen Ernst Koerner: Gebel Schekh el Haride am Nil Carl Graeb: Motiv bei Florenz Adolph Schroedter: Eulenspiegel als Bäckerlehrling Paul Friedrich Meyerheim: Jagdbeute
Außerdem Aquarelle von Hilgers, Hosemann, Hoguet u. a.
2. Saal Johann Peter Hasenclever: Jobs im Examen, Jobs als Schulmeister Robert Fleury: Judenmord in London (1307)
3. Saal mit den Büsten des Begründers der Sammlung Peter Louis Ravené († 1861) und seines Sohnes Louis Ravené († 1879), von Hoffmeister
Jordan: Kinderbegräbnis auf Helgoland Alfred Stevens: Trauernde Damen Louis Gallait: Böhmische Musikanten August Leu: Bergsturz in Norwegen Henry Ritter: Der ertrunkene Fischersohn Johann Peter Hasenclever: Selbstbildnis Thomas Couture: Edelknabe Julius Schrader: Tod Lionardos da Vinci Carl Graeb: Dom zu Halberstadt Johann Peter Hasenclever: Maler Hilgers Eduard Hildebrandt: Feierstunde Andreas Achenbach: Hafen von Ostende Albert Flamm: Italienische Landschaft Adolph Menzel: Friedrich der Große auf Reisen Caspar Scheuren: Gewitterlandschaft Carl Friedrich Lessing: Jäger auf dem Anstand Johann Peter Hasenclever: Jobs als Nachtwächter Adolph Tidemand: Der erzählende Wolfsjäger François-Auguste Biard: Französ. Douane Adolf Schreyer: Husarenangriff Adolph Tidemand: Trauerfeier in Norwegen Johann Peter Hasenclever: Weinprobe Constant Troyon: Rinder, Hundekoppel Teutwart Schmitson: Ungarische Mutterstuten Franz Krüger: Pferdestall Carl Joseph Begas: Mohrenwäsche Carl Wilhelm Hübner: Jagdrecht Charles Hoguet: Landschaft
4. Saal Théodore Gudin: Seesturm August Leu: Norwegische Landschaft Carl Hilgers: Winterlandschaft Willens: Bilderauktion Andreas Achenbach: Norwegische Küste Charles Hoguet: Waldige Gegend Johann Peter Hasenclever: Maler Preyer1922 von der Galerie Paffrath, Düsseldorf, im Tausch erworben. Provenienz: ehemals Sammlung Dr. Peter Louis Ravené, Berlin, heutiger Standort: Alte Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin Eduard Hildebrandt: Boa Viagem bei Rio de Janeiro
5. Saal Fr. Beda: (Spanier) Billardspiel August Jernberg: Heimkehr Heinrich von Zügel: Rinder im Teich, Abend auf der Weide Otto von Kameke: Alpenlandschaft Arthur Kampf: Die Schwestern Robert Warthmüller: Karnevalszene Sorella y Bastida: Mutter und Kind H. Vogel: K. Becker und Ende als Akademiepräsidenten Christian Ludwig Bokelmann: Klaus Groth G. Melchers: Am grünen Kamin
Auf der Staffelei eine Tuschzeichnung von Kaiser Wilhelm II.: Kriegsschiffe
Ludvig Munthe: Herbst Oswald Achenbach: Italienische Landschaft Hans Fredrik Gude: Fischerei bei Rügen Kl. Meyer: Altholländische Schenke
1. Kabinett Eduard Hildebrandt: Straßenbilder aus Rouen und Lyon Andreas Achenbach: Landschaft Jules Dupré: Landschaft Ernest Preyer: Spatzenfrühstück Carl Friedrich Lessing: Westfälische Landschaft Carl Hilgers: Winterlandschaft Ludwig Knaus: Bauernmädchen in Blumen
2. Kabinett Friedrich Eduard Meyerheim: Harzer Frau und Mädchen: Nesthäkchen: Kirchgang: Morgenstunde Paul Friedrich Meyerheim: Ed. Meyerheim Franz Krüger: Friedrich Wilhelm IV. Eduard Hildebrandt: Fischermädchen: Kinder am Strande Robert Fleury: Der Bericht
3. Kabinett Carl Graeb: Kreuzgang Carl Hilgers: Fischerhütte Antoine Charles Horace Vernet: Le soldat nourrice, Roux: der junge Linné Eduard Hildebrandt: Irländische Hütte Albert Brendel: Schafstall Theodor Hosemann: Genrebild Meissonier: Genrebild
Literatur Vossische Zeitung vom 18. November 1896 (Morgenausgabe), 1. Beilage abgerufen am 13. Oktober 2019 Berliner Tageblatt 31. Januar 1912, S.3 (Morgenausgabe) abgerufen am 13. Oktober 2019 F. Weinitz: Die Werke Berliner Maler in der Ravenéschen Bildergalerie, in: Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins, 1917, Heft 50, S. 282ff Katrin Hiller von Gaertringen: Eine Geschichte der Berliner Museen in 227 Häusern, Berlin 2014, Seite 54f (ISBN 978-3-422-07273-2)
Einzelnachweise, Anmerkungen
Kategorie:Sammlung (Bildende Kunst) Kategorie:Kunstmuseum in Berlin