Argon Pedion (neugriechisch: Αργόν Πεδίον, altgriechisch: Ἀργὸν Πεδίον) bedeutet Faules Feld (unfruchtbares Feld). Der Begriff geht auf den Reiseschriftsteller Pausanias (110–180 AD) zurück. Argon Pedion steht auch für den Namen des „abflusslosen Beckens“ im Arkadischen Hochland in Griechenland. „Unfruchtbares Feld“, weil Felder bis in die Vegetationsphase häufig überflutet werden, oder bei viel Winterregen auch heute noch ein temporärer See entstehen kann. Die intensive Verkarstung (unterirdische Entwässerung in den anstehenden, zerrütteten Kalksteinschichten) verhindert aber, dass im Becken ein permanenter See entsteht. Zwar gibt es Verkarstung auf allen Kontinenten, aber Überschwemmungen heute, wie beim Argon Pedion und auch wie bei anderen Becken des Peloponnes (z. B. Stymfalia), gibt es anderswo nur selten (z. B. in Portugal, Italien).

Das Argon Pedion ist ein typisches Beispiel für das Arkadien von heute: Seit der römischen Antike ein Land der Hirten. Aber keine „Idylle“ ist der Existenzkampf um ein schwieriges Stück Natur in Griechenland. Fortschritte bei Entwässerung und Landwirtschaft durch Anwendung moderner Kenntnisse und Methoden werden aber auch im Argon Pedion erzielt.

mini|Die Polje Argon Pedion, Karstebene, wie üblich nur über Ponor(e) entwässert mini|Peloponnes mini|Temporärer See Argon Pedion, A7 motorway, Graben zum Ponor (10 Baumspitzen im Wasser, vorne links) mini|Alles grün im Frühling

Geographie Umgebung Die Griechische Präfektur Arkadien (Νομός Αρκαδίας) ist ganz überwiegend bergisches Hochland (Arkadisches Plateau). Es gibt nur ganz wenige Städte, selbst die größte Stadt Tripoli hat nur rund 50.000 Einwohner. Die Bevölkerung lebt je nach Ergiebigkeit der Böden in über die ganze Präfektur verstreuten Dörfern. Die bewaldeten Gebiete und die Bergketten sind kaum besiedelt. Waldreich ist das nördlich-zentrale Arkadien „Mainalo“, der mittlere Süden und die Bergkette des Parnon-Gebirges, nach SSE, die ganze Grenze entlang bis zur Küste. Die Bergketten sind durch Täler gegliedert, deren wenige Gewässer nur in den Monaten November bis April richtig Wasser führen. In der langen Trockenperiode verkümmern diese zu kleinen Rinnsalen oder versiegen ganz. Die Größe der Täler und die frei gefallenen Kiesbeten lassen erahnen, dass die Wasserwege früher wasserreicher gewesen sein können.

An den steileren Berghängen sind die Oberböden weitgehend abgeschwemmt und nur noch von degenerierten „Shrubs“ bewachsen. Alluviale Ablagerungen am Fuß der Hänge sind dürftig. Andere Bodenverhältnisse gibt es nur in der Ebene der Becken und noch in den tiefen, küstennahen Ebenen. Diese sind aber für Ackerbau nur geeignet, wenn sie intensiv bewirtschaftet und gepflegt und in der Trockenzeit bewässert werden. Die Landschaften eignen sich eher für Weidewirtschaft.

Klima Das Klima ist in allen Teilen des Peloponnes ähnlich, Temperaturunterschiede sind nur von der jeweiligen Höhenlage abhängig, der Einfluss vom Meer ist allgegenwärtig, da keine Lokalität weiter als 80 km vom Meer entfernt liegt. Der ganze Peloponnes ist durch typisches Winterregenklima mit Regenzeiten bis Ende März (Mittelmeerklima) und lange Trockenzeiten geprägt. Auf den kargen Restböden der Berge hält sich, auch wegen der langen Trockenperioden, in großen Bereichen nur Macchien, oft in degenerierter Form.

In Wäldern, so sie intakt und dicht sind, ist es dennoch allenfalls ein wenig kühler und länger feucht. Sehr prägend ist die überall wirkende Verkarstung. In der Trockenzeit beschleunigt sie die Austrocknung der Böden; in den abflusslosen Becken kann sie zu Überschwemmungen führen, weil die unterirdische Drainage hemmend wirken kann. Allerdings bringen die im Frühjahr noch voll vorhandene Feuchtigkeit und milde Temperaturen einen weithin blühenden, artenreichen, jedoch relativ kurzen Frühling hervor (April, Anfang Mai).

Wirtschaftliche Entwicklung Obwohl jede Form von Wasserretention auch wegen langer Trockenzeiten sehr bedeutsam ist, sind größere, geplante oder realisierte, Projekte der Retention auf dem Peloponnes nicht vorhanden (Ausnahmen in Arkadien: Die Anstrengungen von Tripoli zur Sicherung der Wasserversorgung mit dem verdeichten Reservoir „Takasee“ und die gegen den Willen des Dorfes Sagka erfolgt Anzapfung einer Quelle mit sehr großvolumigen Rohren). Es fehlt auch oft an Ressourcen und Kenntnissen zur Nutzung z. B. motorisierter Bewässerung.

Die im gebirgigen Gelände oft unzugänglichen Wälder sind kaum forstwirtschaftlich erschlossen. Für Waldpflege, das Aufräumen und eine zeitnahe Aufforstung nach den häufigen Bränden (verheerend in der Trockenzeit), fehlt es an geschultem Personal, Ausrüstung und Geld.

Auf den landwirtschaftlich nutzbaren Flächen herrscht kleinräumige, wenig entwickelte, traditionelle Bewirtschaftung vor, die häufig nur Erträge für die eigene Versorgung erbringt. Zu einer systematischen staatlichen Förderung von Projekten, die Überschüsse generieren, kommt es allenfalls dort, wo der Zugang zu Wasserressourcen und bessere Bodenbeschaffenheit auch in der Trockenzeit erhalten bleibt (vgl. die Nutzung der großen submarinen Quelle „Anavalos“ zur Bewässerung im Abschnitt Geologie weiter unten).

In Arkadien gibt es praktisch keine Industrie. Deswegen ließen sich die Auswanderungen der Bevölkerung – vor allem in den Jahren nach 1945, in Griechenland, im Peloponnes und auch in den Dörfern des Argon Pedion nicht aufhalten. Die meisten Auswanderungen führten ins Ausland. In den 60er Jahren kam die Arbeitsplatzmigration nach Deutschland hinzu. Die Bevölkerungszahl sinkt auch heute noch – vor allen wegen anhaltenden Urbanisierung. Vom Tourismus, der von Staat, Präfekturen und Städten gefördert wird, profitiert Arkadien jedoch nur beim Bildungstourismus und ein wenig in den Küstenstreifen des Argolischen Golfs.

Die Verkehrsinfrastruktur ist dürftig. Das kann die einzige Autobahnverbindung von Korinth nach Messenien und Lakonien kaum ändern. Die schwierigen topographischen Verhältnisse von Arkadien machen Straßenneubau teuer und engmaschige Vernetzung unerschwinglich. Die einzige Eisenbahnstrecke für die Fläche Arkadiens, eine Schmalspurbahn, von Korinth nach Argos (Stadt) über Tripoli nach Kalamata wurde eingestellt. Der Güterverkehr und ein mäßiger Personenverkehr ist gänzlich auf das Straßennetz angewiesen. Mit der fehlenden zeitgemäßen Verkehrsinfrastruktur sind die Voraussetzungen für eine flächige Verteilung effizienterer hergestellter Agrarüberschüsse nicht gegeben. Die Urbanisierung, die Migration und die moderne Mobilität haben zu einem Bedeutungsverlust der landwirtschaftlichen Orientierung geführt. Diese Entwicklungen waren für das Argon Pedion nicht förderlich.

Die Polje Argon Pedion Das Karstbecken Argon Pedion (eine Polje) ist mit ca. 4 × 2 km Fläche ein Seitenbecken im Nordosten des 39 × 6 km großen Tripoli-Plateaus, welches einen großen Teil des Arkadischen Hoch-Plateaus ausmacht.Der griechische Geologe Mariolakos beschreibt sämtliche beckenartigen Teile des Arkadischen Hochplateaus und zeigt durch Interpretation der Mythen die Verbindungen zur lokalen Antike auf. Vgl. unter Weblinks Eine Verengung der das Argon Pedion umschließenden Berge auf ca. 250 m am Südende und ein ca. 5 m höherer Durchlass gegenüber dem Beckenboden macht das Becken zu einem geschlossenen Becken, d. h. erst ein Wasserspiegel von Gewässern oder Seen, der 5 m über den Beckenboden reicht, könnte zum oberirdischen Wasserabfluss führen. Die Niederschläge aus den Bergen ergießen sich zuerst in die Entwässerungsgräben, danach aber auch oft über Wiesen und Äcker und machen die Böden bis zum Ende der Regenzeit (meistens im April/Mai) nass. Je nach Niederschlagsmengen kommt es zu leichten Überschwemmungen. Bei besonders regenreichem Winter schwillt die Wasserflut zu einem temporären See an, der die Hälfte oder einen noch größeren Teil des Beckens bedeckt. Da der Beckenboden von Süden nach Norden ganz leicht ansteigt, bleibt der obere Beckenteil fast immer trocken. In diesem Teil betreibt vor allem das Dorf Sagka seit jeher Ackerbau.

Da durch die Überflutungen die Böden auch noch bis in die Vegetationszeit hinein für landwirtschaftliche Kultivierung zu nass sind, entsteht auf diesen Böden nur üppig wachsendes Gras, das sich gut für eine Beweidung durch Schaf- und Ziegenherden eignet, zumal der nasse Grasboden das Einsetzen der Trockenheitsdürre verzögert. Mit den „Kühen des kleinen Mannes“ ernähren sich traditionell immer noch viele Bewohner der beiden Dörfer. Wenn dann anhaltende Trockenheit die Weiden verdorren lässt, können insbesondere die genügsamen, kletterfähigen, wetterfesten, nahezu alles leicht verdauenden Ziegen noch auf die Strauchheidenformation der Berghänge ausweichen. Spätestens dann aber ist die Gefahr der Überweidung real, denn die Tiere halten die Vegetation zu kurz, indem sie bevorzugt Triebe abfressen.

Dörfer des Argon Pedion Die Fotos vom traditionellen, schön gemauerten Quellwasser-Monument in Nestani und die traditionellen Getreide-Dreschplätze im Dorf Sagka deuten darauf hin, dass traditionelle Gesellschaftsformen noch lebendig sind. Gestylte Wasserstellen und Dreschplätze sind in vielen Dörfern Griechenlands nach wie vor noch lebende Symbole dörflicher Identifikation und Tradition. Zwar brauchen die durch dezentrale Wasserversorgung (meistens seit 1900) erschlossenen Dörfer Wasserstellen nicht mehr, ebenso wie heute Getreide nicht mehr auf Dreschplätzen gedroschen wird. Das Foto vom Quellwasserbrunnen (in Griechisch: φιλιππεοις Κρήνη), zeigt ein Replikat, welches der durch Pausanias (170 AD, sie unten) historisch verbürgte makedonische König Philipp II. 338 vor Christus an dieser Stelle bauen ließ. Die auf dem Foto sichtbaren kreisrunden Dreschplätze im Dorf Sagka, im Griechischen: Χοροστάσι, waren traditionell der Ort, wo man sich nach der Ernte zum Dorftanz traf. Das Wort Χορός (Griechisch für Tanz) ist heute noch der Begriff für die sehr beliebten traditionellen griechischen Gruppentänze. Jeder beliebige Tanzboden heißt im Griechischen immer noch Χοροστάσι.

Das Dorf Nestani war aufgrund seiner Lage am südlichen Ende des Beckens durch Weidewirtschaft geprägt. Bei tendenziell sinkender Bedeutung landwirtschaftlicher Nutzung und wachsender Urbanisierung und Mobilität, konnte sich Nestani noch durch die Niederlassung von Bewohnern aus Tripoli und Umgebung halten.

Das Dorf Sagka mit seiner Nähe zum (bewässerten) Ackerbau im oberen Teil des Beckens ist traditionell auf Landwirtschaft fokussiert, wenngleich die Landwirtschaft auch bei wachsender Mechanisierung, aber schlechter Verkehrsinfrastruktur, nur grenzwertig ertragreich ist. An den unteren Hangteilen und auf Alluvialböden in Dorfnähe, wo, wie in der Ebene, Böden tiefgründiger sein können, haben Bewohner von Sagka erfolgreich Gärten und Terrassen angelegt, um Fruchtbäume zu kultivieren.Siehe dazu die Terrassenkultivierung „prosperierende Nussplantage“ im Abschnitt Anthropogene Veränderungen, weiter unten

Geologie, Hydrogeologie Geologie von Griechenland und Peloponnes