Die 70. Internationalen Filmfestspiele Berlin (Berlinale) fanden vom 20. Februar bis 1. März 2020 statt. Sie standen zum ersten Mal unter der Leitung von Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek, die offiziell am 1. Juni 2019 als Doppelspitze den bisherigen Festivalchef Dieter Kosslick ablösten. Während Chatrian für die künstlerische Leitung zuständig war, übernahm Rissenbeek den Bereich Geschäftsführung. Im Vergleich zu den vorherigen Auflagen wurde der Termin des Filmfestivals auf Ende Februar verschoben, wodurch die Berlinale erstmals seit der Terminierung im Februar kurz nach der Oscarverleihung stattfand.Christiane Peitz, Andreas Busche: Die Berlinale soll ein Publikumsfestival bleiben. In: Der Tagesspiegel, 30. Juli 2019; abgerufen am 8. Oktober 2019. Mit der Weltpremiere des in die Sektion Berlinale Special eingeladenen Spielfilms Mein Jahr in New York von Philippe Falardeau wurde die Berlinale eröffnet.

mini|hochkant|Jurypräsident Jeremy Irons (2014) Jurypräsident des Wettbewerbs, in dem unter anderem der Goldene Bär für den besten Film des Festivals vergeben wird, war in diesem Jahr der britische Schauspieler Jeremy Irons. Mit dem Hauptpreis wurde die internationale Koproduktion Sheytan vojud nadarad (internationaler Festivaltitel: There Is No Evil / Es gibt kein Böses) von Mohammad Rasulof ausgezeichnet. Eine Teilnahme am Festival war dem iranischen Regisseur nicht möglich, da er nicht aus seinem Heimatland hatte ausreisen dürfen.

Als Moderator der Eröffnungsgala und der Preisverleihung wurde der Schauspieler Samuel Finzi verpflichtet.Berlinale 2020: Schauspieler Samuel Finzi wird neuer Moderator für die Eröffnungsgala und die Preisverleihung. berlinale.de, 27. November 2019; abgerufen am 28. November 2019.

Ab Mitte Dezember 2019 wurden erste Filme in den verschiedenen Sektionen des Festivals bekanntgegeben. Das vollständige Programm wurde am 11. Februar 2020 veröffentlicht.Das Berlinale-Programm. In: berlinale.de (abgerufen am 10. Januar 2020) Zur 70. Festivalauflage entstand mit Encounters eine neue Wettbewerbssektion. Die Sonderreihen NATIVe (Präsentation indigener Filme) und Kulinarisches Kino wurden abgeschafft. Auch wechselten die Leitungen in den Sektionen Panorama, Berlinale Shorts, Forum und Berlinale Series sowie die Auswahlkomitees für den Internationalen Wettbewerb um den Goldenen Bären und des Forums.

Die britische Schauspielerin Helen Mirren wurde im Rahmen des Festivals mit dem Goldenen Ehrenbären für ihr Lebenswerk sowie einer Hommage aus fünf Filmen geehrt. Die diesjährige Berlinale Kamera ging an die deutsche Filmemacherin Ulrike Ottinger, die ihren neuen Dokumentarfilm Paris Calligrammes als Beitrag in der Sektion Berlinale Special präsentierte. In: berlinale.de, 28. Januar 2020; abgerufen am 28. Januar 2020.

Ende Januar 2020 entschlossen sich die Veranstalter, die Vergabe des 1987 initiierten Alfred-Bauer-Preises auszusetzen. Durch in der Zeit veröffentlichte Recherchen war bekannt geworden, dass Bauer wahrscheinlich eine bedeutende Position in der NS-Zeit innehatte.Berlinale setzt Alfred-Bauer-Preis aus. Zeit Online, 29. Januar 2020; abgerufen am 30. Januar 2020.

Die Berlinale 2020 hatte ein vorläufiges Jahresbudget von 26 Millionen Euro. Ein Anteil von 8,4 Millionen Euro stammte aus Mitteln der institutionellen Förderung der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien.Berlinale in Zahlen. berlinale.de; abgerufen am 6. Januar 2020

Offizielle Sektionen Wettbewerb um den Goldenen Bären Internationale Jury 2020 zum wiederholten Mal in den Wettbewerb um den Goldenen Bären eingeladen Regisseur Einladungen Hong Sang-soo, Christian Petzold 4 Sally Potter, Tsai Ming-liang 3 Benoît Delépine & Gustave Kervern, Abel Ferrara, Burhan Qurbani 2

Als Jury-Präsident wurde im Januar 2020 Jeremy Irons präsentiert. Der britische Film- und Theaterschauspieler war erstmals 2011 mit dem Wettbewerbsbeitrag Der große Crash – Margin Call bei der Berlinale zu Gast. 2013 verkörperte Irons die Hauptrolle in dem außer Konkurrenz gezeigten Film Nachtzug nach Lissabon. Er trat bislang in mehr als 90 Film- und Fernsehrollen in Erscheinung, übernahm darin häufig die Rolle des Bösewichts und wurde von der Kritik als „Ikone des internationalen Autorenkinos“ und „Meister der Ambivalenz“ gefeiert.Jeremy Irons. In: Internationales Biographisches Archiv, 35/2018, 28. August 2018 (abgerufen via Munzinger Online).

Irons war wegen früherer umstrittener Äußerungen zur gleichgeschlechtlichen Ehe, Abtreibung und weil er 2009 eine Petition für den mit Vergewaltigungsvorwürfen konfrontierten Filmemacher Roman Polański unterschrieben hatte, in die Kritik geraten.Die 70. Berlinale ist politisch, bevor sie angefangen hat. In: tagesspiegel.de, 20. Februar 2020; abgerufen am 20. Februar 2020. Er hatte sich mehrfach für seine Äußerungen entschuldigtBernd Haasis: Jeremy Irons wehrt sich gegen Vorwürfe. In: stuttgarter-zeitung.de, 20. Februar 2020; abgerufen am 20. Februar 2020. und am Eröffnungstag im Rahmen einer Pressekonferenz unmissverständlich zu Frauenrechten und Diversität bekannt.Jeremy Irons‘ Statement at Todays Press Conference. In: berlinale.de, 20. Februar 2020; abgerufen am 20. Februar 2020.

Dem Jury-Präsidenten stehen bei der Vergabe der Preise mehrere Jurymitglieder zur Seite, die am 4. Februar 2020 benannt wurden: In: berlinale.de, 4. Februar 2020; abgerufen am 4. Februar 2020. Bérénice Bejo, argentinisch-französische Schauspielerin Bettina Brokemper, deutsche Filmproduzentin Annemarie Jacir, palästinensische Regisseurin Kenneth Lonergan, US-amerikanischer Drehbuchautor und Regisseur Luca Marinelli, italienischer Schauspieler Kleber Mendonça Filho, brasilianischer Filmkritiker, Regisseur und Programmer

Filme Die Filmauswahl im Wettbewerb wurde am 29. Januar 2020 während einer offiziellen Pressekonferenz von Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek bekanntgegeben. Insgesamt konkurrieren 18 Filme um den Goldenen Bären. In: berlinale.de, 29. Januar 2020; abgerufen am 29. Januar 2020.

Filmtitel (Verweistitel) Regie Land Darsteller (Auswahl) / Anmerkung Bad Tales – Es war einmal ein Traum (Favolacce) Damiano D’Innocenzo, Fabio D’Innocenzo Italien, Schweiz Elio Germano, Barbara Chichiarelli, Lino Musella, Gabriel Montesi, Max Malatesta Berlin Alexanderplatz Deutschland, Niederlande Welket Bungué, Jella Haase, Albrecht Schuch, Joachim Król, Annabelle Mandeng, Nils Verkooijen, Richard Fouofié Djimeli DAU. Natasha (ДАУ. Наташа) , Jekaterina Oertel Deutschland, Ukraine, Vereinigtes Königreich, Russland Natalja Bereschnaja, Olga Schkabarnja, Wladimir Aschippo, Alexei Blinov, Luc Bigé Die Frau, die rannte (도망친 여자) (The Woman Who Ran) Hong Sang-soo Südkorea Kim Min-hee, Seo Young-hwa, Song Seon-mi, Kim Sae-byuk, Lee Eun-mi, Kwon Hae-hyo, Shin Seok-ho, Ha Seong-guk Online für Anfänger (Delete History) , Gustave Kervern Frankreich, Belgien Blanche Gardin, Denis Podalydès, Corinne Masiero First Cow USA John Magaro, Orion Lee, Toby Jones, Scott Shepherd, Gary Farmer, Lily Gladstone Irradiés (Irradiated) Frankreich, Kambodscha Dokumentarische Form Niemals Selten Manchmal Immer (Never Rarely Sometimes Always) USA Sidney Flanigan, Talia Ryder, Théodore Pellerin, Ryan Eggold, Sharon Van Etten The Intruder Argentinien, Mexiko Érica Rivas, Nahuel Pérez Biscayart, Daniel Hendler, Cecilia Roth, Guillermo Arengo, Agustín Rittano, Mirta Busnelli Rizi (日子) (Days) Tsai Ming-liang Taiwan Lee Kang-sheng, Anong Houngheuangsy Wege des Lebens – The Roads Not Taken (The Roads Not Taken) Vereinigtes Königreich Javier Bardem, Elle Fanning, Salma Hayek, Laura Linney Das Salz der Tränen (Le sel des larmes) Frankreich, Schweiz Logann Antuofermo, Oulaya Amamra, André Wilms, Louise Chevillotte, Souheila Yacoub Schwesterlein (My Little Sister) , Véronique Reymond Schweiz Nina Hoss, Lars Eidinger, Marthe Keller, Jens Albinus, Thomas Ostermeier, Linne-Lu Lungershausen, Noah Tscharland, Isabelle Caillat, Moritz Gottwald, Urs Jucker Sheytan vojud nadarad (شیطان وجود ندارد) (There Is No Evil / Es gibt kein Böses) Deutschland, Tschechien, Iran Ehsan Mirhosseini, Shaghayegh Shourian, Kaveh Ahangar, Alireza Zareparast, Salar Khamseh Siberia Italien, Deutschland, Mexiko Willem Dafoe, Dounia Sichov, Simon McBurney, Cristina Chiriac All die Toten (Todos os mortos) , Marco Dutra Brasilien, Frankreich Mawusi Tulani, Clarissa Kiste, Carolina Bianchi, Thaia Perez, Alaíde Costa, Leonor Silveira, Agyei Augusto, Rogério Brito, Thomás Aquino, Andrea Marquee Undine Deutschland, Frankreich Paula Beer, Franz Rogowski, Maryam Zaree, Jacob Matschenz Hidden Away Italien Elio Germano, Pietro Traldi, Orietta Notari, Andrea Gherpelli, Oliver Ewy

Berlinale Special Gala Filme, die bisher außer Konkurrenz liefen, werden künftig als Berlinale Special Gala präsentiert. Die Originalfassung von Der verrückte Professor (1963) wird anlässlich der Übergabe von exklusiven Dokumenten aus dem Nachlass von Jerry Lewis (1926–2017) an die Deutsche Kinemathek in Anwesenheit von dessen Sohn Chris Lewis gezeigt. Bislang bekanntgegebene Filme (inkl. Berlinale Special):

Filmtitel (Verweistitel) Regie Land Darsteller (Auswahl) / Anmerkung The American Sector , Pacho Velez USA Dokumentarische Form Charlatan Tschechien, Irland, Polen, Slowakei Ivan Trojan, Josef Trojan, Juraj Loj, Jaroslava Pokorná Curveball – Wir machen die Wahrheit Deutschland Sebastian Blomberg, Dar Salim, Virginia Kull, Michael Wittenborn, Thorsten Merten, Franziska Brandmeier DAU. Degenerazija (DAU. Degeneration) , Ilja Permjakow Deutschland, Ukraine, Vereinigtes Königreich, Russland Dokumentarische Form Golda Maria , Hugo Sobelman Frankreich Dokumentarische Form High Ground – Der Kopfgeldjäger (High Ground) Australien Simon Baker, Jacob Junior Nayinggul, Jack Thompson, Callan Mulvey, Witiyana Marika, Esmerelda Marimowa Hillary USA Dokumentarische Serie Last and First Men Jóhann Jóhannsson Island Dokumentarische Form Minamata Vereinigtes Königreich Johnny Depp, Hiroyuki Sanada, Minami, Bill Nighy Mein Jahr in New York (My Salinger Year, Eröffnungsfilm) Kanada, Irland Margaret Qualley, Sigourney Weaver, Douglas Booth, Seána Kerslake, Brían F. O’Byrne Nomera (Numbers / Die Zahlen) , Achtem Seitablajew Ukraine, Polen, Tschechien, Frankreich Jewhen Tschernykow, Ahata Larionowa, Oleksandr Behma, Maksym Dewisorow, Iryna Mak Onward: Keine halben Sachen (Onward) USA Animation Paris Calligrammes Deutschland, Frankreich Weltpremiere; Dokumentarische Form Pinocchio Italien, Frankreich Roberto Benigni Der verrückte Professor (1963) (The Nutty Professor) USA Jerry Lewis, Stella Stevens, Del Moore, Kathleen Freeman, Med Flory, Norman Alden Persian Lessons (Persischstunden) Russland, Deutschland, Weißrussland Nahuel Pérez Biscayart, Lars Eidinger, Jonas Nay, Leonie Benesch, Alexander Beyer, David Schütter, Luisa-Céline Gaffron Police (Night Shift / Bis an die Grenze) Frankreich Omar Sy, Virginie Efira, Grégory Gadebois, Payman Maadi Sa-nyang-eui-si-gan (Time to Hunt) Yoon Sung-hyun Südkorea Lee Je-hoon, Ahn Jae-hong, Choi Woo-shik, Park Jeong-min, Park Hae-soo Speer Goes to Hollywood Israel Dokumentarische Form Yi Zhi You Dao Hai Shui Bian Lan (Swimming Out Till The Sea Turns Blue) Jia Zhangke Volksrepublik China Dokumentarische Form

Berlinale Series Als neue Leiterin der Sektion wurde Julia Fidel berufen, die bislang für die Sektion Panorama sowie für das Auswahlkomitee der Generation mitverantwortlich war.Berlinale 2020: Neue Leitung für Berlinale Series und aus „Drama Series Days“ wird „Berlinale Series Market“. In: berlinale.de, 11. September 2019; abgerufen am 8. Oktober 2019. Eröffnet werden soll die Sektion mit drei 55-minütigen Folgen der Serie Freud, dem ersten gemeinsamen Projekt des ORF mit dem Streaming-Anbieter Netflix.

C’est comme ça que je t’aime (Happily Married, Kanada), 2 von 10 Folgen – Regie: Jean-François Rivard (mit François Létourneau, Patrice Robitaille, Marilyn Castonguay, Karine Gonthier-Hydman, Sophie Desmarais)