mini|Blick auf Herzberg am Harz von Westen unterhalb des Schlosses
Herzberg am Harz ist eine Stadt im Landkreis Göttingen in Südniedersachsen (Deutschland), die am Südrand des Oberharzes liegt. Sie führt seit Juli 2006 auf ihren touristischen, kulturellen und städtepartnerschaftlichen Schreiben den Beinamen „die Esperanto-Stadt“.Ratsbeschluss der Stadt Herzberg am Harz vom 11. Juli 2006
Geografie Geografische Lage Die Stadt Herzberg am Harz liegt am Austritt der kleinen Flüsse Sieber und Lonau aus dem Mittelgebirge Harz. Von Göttingen liegt Herzberg 32 km in nordöstlicher Richtung, von Hannover 90 km in südöstlicher Richtung. Oberhalb des Ortskerns liegt das Schloss Herzberg.
Nachbargemeinden Herzberg grenzt beginnend im Norden dem Uhrzeigersinn folgend an folgende Städte, Gemeinden und gemeindefreie Gebiete:
Landkreis Göttingen: Gemeindefreies Gebiet Harz Bad Lauterberg im Harz Landkreis Eichsfeld: Sonnenstein Landkreis Göttingen: Duderstadt Rüdershausen (Samtgemeinde Gieboldehausen) Rhumspringe (Samtgemeinde Gieboldehausen) Wollershausen (Samtgemeinde Gieboldehausen) Hattorf am Harz (Samtgemeinde Hattorf am Harz) Elbingerode am Harz (Samtgemeinde Hattorf am Harz) Hörden am Harz (Samtgemeinde Hattorf am Harz)
Stadtgliederung Herzberg (8.806 Einwohner) Lonau (286 Einwohner) Pöhlde (1.921 Einwohner) mit Rhumasprung (PLZ: 37434) Scharzfeld (1.544 Einwohner) Sieber (473 Einwohner)
Stand: 31. Dezember 2023
Zudem lässt sich die Kernstadt von Herzberg in nichtamtliche Stadtteile gliedern (in Klammern die Namen der wichtigsten Straßen):
Alt-Herzberg/Urherzberg (Junkernstraße, Heidestraße) Zentrum/Innenstadt (Hauptstraße, Marktplatz, Sieberstraße) Sieberdamm (Am Sieberdamm) Oberherzberg/Fabrikviertel (Sägemühlenstraße, Fabrikstraße, Crausestraße, Selzergasse) ehem. Lonauerhammerhütte (Liethweg, Hammerweg, Andreasberger Straße) Katzenstein (Knollenstraße, Zum Katzenstein) Juesheide (Juesholzstraße, Amtmann-Lueder-Straße, Herzog-Heinrich-Straße, Beethovenstraße) Edelhof (Am Eichelbach, Wiesenweg) Dichterviertel (Stormstraße, Buschstraße, Lönsstraße) Bahnhofsviertel (Duderstädter Straße, Thomas-Mann-Straße) Aue (Northeimer Straße, Kornstraße, Siemensstraße) Kastanienplatz (Kastanienplatz) Weinberg (Am Weinberg) Pfingstanger (Am Pfingstanger) Mühlenberg (Mühlenberg) Eichholz (Am Sportplatz, Am Eichholz, Kuckuckstraße, Lerchenstraße, Meisenstraße) Kleebleek (Lonauer Straße, Stettiner Straße, Berliner Straße) Heidufer (Lonauer Straße, Rosenstraße, Tulpenstraße, Nelkenstraße) Mahnte (Breslauer Straße, Marienburger Straße, Berliner Straße) Heuer (Dresdner Ring, Nordhäuser Straße) Langfast (Am Langfast)
Geschichte mini|Herzberg 1753 mit Schloss Herzberg mini|Ältestes Haus von 1501
Das Schloss Herzberg wird erstmals in einer Schenkungsurkunde Heinrichs des Löwen aus dem Jahre 1154 erwähnt und blieb bis 1866 im Besitz der Welfen. Der Ort selbst erscheint erstmals 1337 urkundlich als landesherrliches Gut unterhalb des Schlosses. Von einem wesentlich früheren Siedlungsbeginn ist auszugehen. Der Ortsname lautete im Mittelalter Hircesberg, Hirzberch, Hertsberg. Das Grundwort -berg weist auf eine Entstehungszeit in der hochmittelalterlichen Ausbauperiode zwischen 800 und 1350 hin. Der Ortsnamensteil Herz- könnte von Hirsch stammen, da im 12. Jahrhundert der Stammvokal -i- zu -e- abgeschwächt wurde.Uwe Ohainski und Jürgen Udolph, Die Ortsnamen des Landkreises Osterode, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2000, ISBN 3-89534-370-6, Seite 76–79 Verwaltungsmäßig bestand seit 1315 das Amt Herzberg, das 1859 mit dem Amt Scharzfels vereinigt wurde. 1598 wurde Herzberg als Flecken bezeichnet. Stadtrechte erhielt der Ort durch Verordnung des Preußischen Staatsministeriums am 25. Oktober 1929.
Seit dem Zusammenschluss der Landkreise Osterode am Harz und Göttingen am 1. November 2016 gehört Herzberg am Harz zum Landkreis Göttingen.
In der näheren Umgebung von Herzberg gibt es einige mittelalterliche Wüstungen, unter anderem Barkevelde, Hage, Hermelingerode, die Kalkburg, Koyhagen, Oy, Runigerodt, Smerbeke und Steynowe.
Etymologie Der Name geht auf altsächsisch hirot zurück, was Hirsch bedeutet. In den frühesten Schriftzeugnissen findet sich noch ein i in der ersten Silbe. Der Name des Berges ging auf die Burg über und schließlich auf die Siedlung. Die Genese des Toponyms (in Auszügen): 1153/54 „Hirtesberch“, 1202 „Hertesberge“, 1363 „Hertsberg“, 1414 erstmals wie heute „Herzberg“.
Wirtschaftswesen Wegen seiner Wirtschaftskraft war Herzberg schon früh ein regionales Zentrum für sein Umland. Die Tuch- und Leinenproduktion war einst ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in Herzberg. Im 18. und 19. Jahrhundert übten ständig rund 50 Personen das Leinewebergewerbe aus. Bedeutend war auch das Brauwesen. Das Brauprivileg erhielt der Ort 1569, ein größeres Brauhaus entstand 1581. Der Ort hatte schon früh städtische Merkmale, dominierend war aber die Land- und Forstwirtschaft. 1614 zählte Herzberg etwa 180 Hofstellen, 1766 waren es rund 300. Mehrere Mühlen, darunter Säge-, Papier-, Getreide- und Ölmühlen, nutzen die Wasserkraft des Mühlengrabens als Energiequelle. Am Mühlengraben gab es eine Wasserkunst, die das oberhalb gelegene Schloss mit Wasser versorgte. Die industrielle Produktion im 20. Jahrhundert beinhaltete die Herstellung von Eisen, Papier, Sprengstoff und Faserplatten sowie die Verarbeitung von Metall, Margarine und Kunstseide.
Waffenproduktion Der bedeutendste Wirtschaftsfaktor war im 18. und 19. Jahrhundert die Waffenproduktion. Das Kurfürstentum Hannover beschaffte sich vorher Waffen aus anderen Herrschaftsgebieten wie Kursachsen und wollte nicht mehr davon abhängig sein. Dazu etablierte es in Herzberg 1732 eine Gewehrfabrik für die hannoversche Infanterie. Es wurden aber auch Jagdgewehre und Blankwaffen sowie Waffenzubehör hergestellt. Da es diese spezialisierten Arbeitskräfte vor Ort nicht gab, mussten die Arbeiter anfangs weitgehend von außerhalb angeworben werden. Das Material in Form von Roheisen stammte aus den Hüttenwerken im Harz. Die Fabrik entstand zunächst im heutigen Ortsteil Lonau an der Lonau, deren Wasser sie für Antriebsmühlen nutzte.Hans-Heinrich Hillegeist, Die Geschichte der Lonauerhammerhütte bei Herzberg/Harz, Vandenhoeck&Ruprecht, Göttingen 1977, ISBN 3-525-36165-3 Im Jahre 1740 wurde die Fabrik nach Herzberg verlegt. Eine Gewehrfabrik des Königreichs Hannover in Hannover-Linden wurde bereits 1738 nach Herzberg verlegt. Im 19. Jahrhundert hatte die Fabrik etwa 200 Beschäftigte. Ab 1866, nach der Annexion des Königreichs Hannover durch Preußen, nahm die Bedeutung der Waffenfabrik ab, da der preußische Staat keine Waffenproduktion im annektierten Gebiet wünschte.
Sprengstoffherstellung Unter dem Tarnnamen Werk Kiefer entstand 1940 eine Fabrik zur Abfüllung von Minen und Granaten mit Sprengstoffen. Die Dynamit AG Alfred Nobel errichtete die Fabrik nahe dem Ort und dem Schloss auf dem Gelände der ehemaligen Kunstseidenfabrik (Borvisk). Sie hatte einen eigenen Bahnanschluss, der am Haltepunkt Herzberg Schloss an einer Weiche begann. Von dem ehemaligen Gleis findet sich heute nur noch ein kurzes Stück in der Straße „Am Pfingstanger“. Wegen der Gefährdung der Bevölkerung durften nicht mehr als 7500 kg Sprengstoff gelagert werden. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges kam es in der Nacht zum 4. April 1945 zu einem schweren Unglück. Zu diesem Zeitpunkt lagerten auf dem Grundstück etwa 40.000 kg Sprengstoff und 8000 Minen. Durch kleinere Detonationen entstand ein Brand, der während der Löscharbeiten zu einer gewaltigen Explosion führte. Neun Menschen wurden getötet. Sachschäden waren abgedeckte Dächer im Ort und auf dem Schloss. Die Ursache wurde nicht ermittelt, vermutet wurden Sabotage oder Fahrlässigkeit. Später wurde ein geplanter Angriff seitens der Alliierten gemeldet.
Eingemeindungen Im Jahre 1937 wurde die Gemeinde Lonauerhammerhütte, die zuvor zum Landkreis Zellerfeld gehörte, in die Stadt Herzberg eingemeindet. Am 1. Juli 1972 kamen Lonau, Pöhlde, Scharzfeld und Sieber hinzu.
Einwohnerentwicklung Herzberg am Harz – Bevölkerungsentwicklung seit 1957 Jahr Einwohner Jahr Einwohner Entwicklung 1957 10.704 2010 13.802 1961 16.962 2011 13.573 1970 17.887 2012 13.227 1987 15.899 2013 13.140 1990 16.638 2014 13.079 1995 16.325 2015 13.059 2000 15.374 2016 13.028 2005 14.697 2020 12.799 Quelle: Jahre 1975 bis 2020Statistische Erhebungen, Homepage Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen LSKN-Online; Einwohnerzahlen jeweils am 31. Dezember des Jahres.
Die Zahlen von 1961 (6. Juni) und 1970 (27. Mai) sind Volkszählungsergebnisse einschließlich der später eingemeindeten Orte. In der Kernstadt Herzberg hatten am 1. Januar 2022 insgesamt 8727 Einwohner ihren Hauptwohnsitz, die übrigen 4240 Menschen leben in den Ortsteilen der Gemeinde.
Konfessionsstatistik Jahresende 2020 waren von den Einwohnern 50,2 % evangelisch und 11,0 % katholisch. 38,8 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe. Jahresende 2024 waren von den Einwohnern 44,7 % evangelisch und 10,0 % katholisch. 45,3 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe. Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung sinkt jährlich.Servicestelle Statistik im Referat Demografie und Sozialplanung des Landkreises Göttingen, Statistische Gemeindeprofile Tabellenteil Demografie-, Sozial- und Wohnstrukturdaten , abgerufen am 6. Juli 2025
Religion mini|Kath. Kirche St. Josef Herzberg war bis zum 31. Dezember 2012 Sitz des gleichnamigen Kirchenkreises der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Er ist zum 1. Januar 2013 mit den Kirchenkreisen Osterode und Clausthal zum Kirchenkreis Harzer Land fusioniert. Zu den evangelisch-lutherischen Gemeinden gehören in Herzberg die 1841–1845 erbaute Nicolai-Kirche in der Junkernstraße 21 (siehe auch: Abschnitt „Kultur und Sehenswürdigkeiten“) und die 1963/64 erbaute Christus-Kirche in der Margeritenstraße 3. Die katholische Kirche St. Josef, benannt nach Josef von Nazaret, befindet sich am Magisterberg. Sie wurde 1893–1895 erbaut. Ihre Pfarrgemeinde gehört zum Dekanat Nörten-Osterode. Seit 2006 gehört zur Pfarrgemeinde auch die katholische Kirche in Hattorf. Zur Pfarrgemeinde gehören auch die Kindertagesstätte neben der Kirche und der Friedhof an der Lönsstraße. Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Herzberg (Baptisten) wurde 1957 gegründet und gehört zum Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden. Sie verfügt über die Kreuzkirche in der Nelkenstraße 1 sowie ein Gemeindehaus in Osterode. Die Evangelische Gemeinschaft Herzberg verfügt über eine Kirche in der Junkernstraße 16. Die Gemeinde gehört über den Ohofer Gemeinschaftsverband zum Bund evangelischer Gemeinschaften. Die Neuapostolische Kirche wurde 2007 geschlossen. 1901 wurde die Gemeinde Herzberg gegründet, sie gehörte zum Kirchenbezirk Göttingen. Erst 1971 jedoch erhielt die Gemeinde in der Peimannsgasse 3 eine eigene Kirche. Am 11. November 2007 fand dort der letzte Gottesdienst statt. Das Kirchengebäude wurde verkauft, es wird heute als Physiotherapiepraxis genutzt. Die Zeugen Jehovas hatten eine Versammlung an der Lönsstraße. Mittlerweile befindet sich dort ein Steuerberater. Darüber hinaus gibt es zwei türkisch-muslimische Gemeinden bzw. Moscheen in der Stadt.
Politik
Stadtrat Der Rat der Stadt Herzberg am Harz besteht ab dem 1. November 2026 aus 28 Ratsfrauen und -herren. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die Amtszeit endet am 31. Oktober 2031.
Stimmberechtigt im Stadtrat ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister.
Seit der Kommunalwahl am 13. September 2026 setzt sich der Stadtrat folgendermaßen zusammen:
mini|Marktplatz
Bürgermeister