Als Middle-Grade Fiction (engl. für „fiktionale Literatur für die mittleren Klassenstufen“) wird dasjenige Textkorpus innerhalb der amerikanischen Kinder- und Jugendliteratur bezeichnet, das für 8- bis 12-Jährige geschrieben ist.

Kennzeichnend für die Middle-Grade Fiction ist bei der Prosa ein gewisser Umfang und die Gliederung in Kapitel. Dies unterscheidet sie einerseits sowohl von der Bilderbuchliteratur als auch von der Literatur für Leseanfänger. Andererseits fehlt aber die gezielte Ansprache der emotionalen Befindlichkeiten Adoleszenter, wie sie für die Jugendliteratur (Young-Adult Fiction) charakteristisch ist.

Als selbstständiges Literatursystem hat die Middle-Grade Fiction sich erst im 20. Jahrhundert aus Kinder- und Jugendliteratur herausgelöst, und der Terminus „Middle-Grade Fiction“ hat sich in den USA erst in den 1980er Jahren etabliert. In diesem Artikel werden jedoch auch vorausgehende Werke behandelt, von denen ausgehend die Middle-Grade Fiction ihre heutige Gestalt erlangt hat.

Genres und Themen Erzählungen und Romane Natur- und Tiergeschichten Beginnend mit Old Mother West (1910) hat Thornton Burgess eine Vielzahl von Kinderbüchern veröffentlicht, in denen regionale Wildtiere – Kaninchen, Stinktiere, Waschbären, Frösche usw. – die Protagonisten sind.

Der bedeutendste Tierroman der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg war Will James’ (1892–1942) Pferdegeschichte Smoky the Cow Horse (1929), die bis heute viermal verfilmt wurde, einmal sogar in der Sowjetunion. Während Smoky ein realistischer Roman war, gehören die Tiergeschichten von Hugh Lofting (1886–1947) und Walter R. Brooks (1886–1958) zum phantastischen Genre. Lofting, ein gebürtiger Brite, schrieb in seiner amerikanischen Wahlheimat, in die er nach dem Ersten Weltkrieg kam, 12 Romane um die heute weltbekannte Figur des Doktor Dolittle (veröffentlicht 1920–1952), den Arzt, der die Sprache der Tiere versteht. Ein sprechendes Tier – genauer: ein sprechendes Schwein – ist auch die Hauptfigur in Walter R. Brooks’ vielbändiger Romanreihe um Freddy the Pig (1927–1958).

miniatur|Marjorie Kinnan Rawlings (1896–1953), Autorin von The Yearling Erfolgreiche Tiererzählungen der 1930er Jahre waren Phil Stongs (1899–1957Phil Stong) Elch-Geschichte Honk, the Moose (1935Honk the Moose) und Richard (1892–1948) und Florence Atwaters Roman Mr. Popper’s Penguins (1938). John A. Moroso (1874–1957) veröffentlichte 1936 einen erfolgreichen Roman um einen Jungen und seinen Hund, Nobody’s Buddy (1936). Jim Kjelgaards (1910–1959) Hundegeschichte Big Red (1945) wurde 1962 von den Disney Studios verfilmt. Ebenfalls verfilmt wurde Marjorie Kinnan Rawlings’ Pulitzerpreis-Roman Frühling des Lebens (1939) um einen Jungen, der ein Rehkitz adoptiert und aufzieht. Der bekannteste Pferderoman der Zeit war Walter Farleys (1915–1989) 1941 veröffentlichter Klassiker The Black Stallion.

miniatur|E. B. White (1899–1985), Autor von Wilbur und Charlotte Viele erfolgreiche Kinderbücher der Nachkriegszeit hatten Themen aus der Natur. Preisgekrönte Winter- bzw. Wettergeschichten waren Berta (ca. 1890–1976) und Elmer Haders (1889–1973) The Big Snow (1948) und Charlotte Zolotows (1915–2013Charlotte Zolotow) The Storm Book (1952). Von Bäumen handelte Mary (1890–1970) und Conrad Buffs (1886–1975) Kinderroman Big Tree. Ein weiteres Beispiel für dieses Genre bildet Carolyn Sherwin Baileys (1875–1961yourkidslibrary.com: ) Kinderroman Miss Hickory (1946), der die Geschichte einer Puppe erzählt, die von ihren menschlichen Besitzern im Stich gelassen wird und lernt, unter Pflanzen und Tieren zurechtzukommen.

Einen Höhepunkt erlangte in den 1950er Jahren das Genre des Tierromans, mit dem sich in dieser Zeit so hochrangige Autoren wie Meindert DeJong und E. B. White beschäftigten. Von Meindert DeJong (1906–1992), der 1962 als erster Amerikaner mit dem Hans Christian Andersen-Preis ausgezeichnet wurde, stammen eine Reihe von Geschichten um Hunde, Katzen, Kaninchen und andere Bauernhoftiere, an die Kinder ihr Herz hängen, und deren Handlung an so unterschiedlichen Schauplätzen wie DeJongs westfriesischer Heimat, seiner Wahlheimat USA und in China angesiedelt ist. Als Klassiker der amerikanischen Kinderliteratur gelten heute auch die Arbeiten von E. B. White, besonders Klein Stuart (1945), Wilbur und Charlotte (1952) und Der Schwan mit der Trompete (1970), in denen die Tiere selbst zu handelnden Charakteren werden. Erfolgreiche Hundegeschichten der 1950er Jahre waren Eleanor Estes’ (1906–1988) Ginger Pye (1951), Fred Gipsons (1908–1973) Old Yeller (1956) und Rutherford Montgomerys Broken Fang. Von Pferden bzw. Ponys handelten die Romane Misty of Chincoteague (1947), King of the Wind (1948; beide von Marguerite Henry, 1902–1997), Midnight, a Cow Pony (1949; von S. P. Meek, 1894–1972) und Chucaro: Wild Pony of the Pampa (1958; von Francis Kalnay). Der Held von George Seldens (1929–1989) Buch The Cricket in Times Square (1960) ist eine musikalische Grille.

Ein Bestseller der Zeit war Dodie Smiths Hundegeschichte 101 Dalmatiner (1956), der in den Disney-Studios 1961 erstmals verfilmt wurde.

Ein bedeutendes Kinderbuch der 1960er Jahre mit Naturthema war The Sun is a Golden Earring (1962) von Natalia M. Belting. Bemerkenswerte Pferderomane derselben Zeit waren Hetty Burlingame Beattys (1907–1971) Blitz (1961) und Mebane Holoman Burgwyns (1914–1992) The Crackajack Pony (1970). Andere Tierromane handelten von Hunden (Kävik the Wolf Dog, 1968, von Walt Morey, 1907–1992; Sounder, 1969, von William H. Armstrong, 1911–1999), einem Waschbären (Rascal, der Waschbär, 1963, von Sterling North, 1906–1974) und einer Katze (It’s Like This, Cat, 1963, von Emily Cheney Neville, 1919–1997).

Auch viele Kinderbücher der 1970er Jahre bemühen sich darum, Kindern ein gefühlsmäßiges Verständnis von Natur nahezubringen, wie z. B. Jane Langtons Fantasy-Roman The Fledgling (1980yourkidslibrary.com: ) oder Joyce Sidmans illustrierter Lyrikband Song of the Water Boatman and Other Pond Poems (1980Joyce Sidman). Von Insekten handelt Norma Farbers (1909–1984) Lyrikband Never Say Ugh to a Bug (1979).

Zu den literarisch anspruchsvollsten Tierbüchern der 1970er Jahre zählt Mrs. Frisby and the Rats of NIMH (1971) von Robert C. O’Brien (1918–1973), in dem eine bedrängte Feldmaus bei einer Gruppe von Ratten Zuflucht findet, die nach ihrem Ausbruch aus einem Labor eine intellektuell und technisch hochentwickelte Gemeinschaft gebildet haben. O’Briens Tochter Jane Leslie Conly veröffentlichte 1986 eine Fortsetzung, Rasco and the Rats of NIMH.

Eine klassische Tiergeschichte bietet Allan W. Eckerts Abenteuerroman um einen Jungen und einen Dachs, Incident At Hawk’s Hill (1971yourkidslibrary.com: ). John Reynolds Gardiners (1944–2006John R. Gardiner) Roman Steinadler (1980) erzählt die Geschichte eines Jungen, der mit seinem Hundeschlitten einen Wettkampf gegen einen stillen und scheinbar unbesiegbaren Indianer antritt.

In den 1980er Jahren entstanden viele Pferde- und Reiterromane für Mädchen, darunter A Very Young Rider (1987) von Jill Krementz und die The Saddle Club-Romane (1988–2001) von Bonnie Bryant, die 2001 in Australien als Fernsehserie adaptiert wurden.

Ein literarisch beachtliches Tierbuch der Zeit war Paul Fleischmans Insekten-Poesie-Band Joyful Noise: Poems for Two Voices (1989).

1991 veröffentlichte Phyllis Reynolds Naylor ihren Roman Shiloh um einen Jungen, der einen streunenden Beagle adoptiert. Das Buch war so erfolgreich, dass Naylor daraus eine Trilogie schuf, die bald auch verfilmt wurde.

Die bedeutendste Autorin von (phantastischen) Tierromanen ist gegenwärtig Kate DiCamillo, die 2000 erstmals in die Bestsellerlisten gelangte, als sie ihre Hunde-Geschichte Winn-Dixie veröffentlichte. 2001 folgte die Tiger-Geschichte Kentucky Star und 2003 ihr Roman Despereaux – Von einem der auszog, das Fürchten zu verlernen über eine kleine Maus mit grotesk großen Ohren, die sich hoffnungslos in eine menschliche Prinzessin verliebt. Das Buch wurde mit der Caldecott Medal ausgezeichnet und erschien 2008 auch als Film. 2006 publizierte DiCamillo den Roman Die wundersame Reise von Edward Tulane über ein Porzellankaninchen, das erst, nachdem es verloren geht, lernt, dass selbst ein Liebesobjekt, das man verliert, mehr wert ist als ein Leben ganz ohne Liebe.

Einen phantastischen Katzenroman legte Alan Armstrong 2005 mit seinem Newbery Honor-Buch Whittington vor.

Realistische Gegenwartsromane Familiengeschichten Ein frühes Beispiel für eine Kinderbuchreihe mit Familienthema war die Little Pilgrim-Serie (1879–ca. 1884) von Ella Rodman Church.

In jüdischen Familien waren seit den frühen 1950er Jahren die All-Of-A-Kind-Family-Romane von Sydney Taylor beliebt.

Die in den 1980er Jahren erfolgreichste Autorin von Familiengeschichten war Beverly Cleary, deren 1983 erschienener Kinderroman Dear Mr. Henshaw über ein 10-jähriges Scheidungskind mit der Newbery Medal ausgezeichnet wurde. Viel gelesen wurden auch Cleary’s Ramona Quimby-Kleinmädchenromane und ihre Ralph S. Mouse-Serie über die Abenteuer einer Maus. Ebenfalls in den 1980er Jahren schrieb Mavis Jukes’ seinen bemerkenswerten Kinderroman Like Jake and Me (1984) um einen Jungen und seinen neuen Stiefvater.

Zu den spannendsten jüngeren Familiengeschichten zählt Jeanne Birdsalls National Book Award-Kinderroman The Penderwicks (2005) über die Abenteuer vierer ungleicher Schwestern während eines Urlaubs in den Berkshire Mountains. Die in den USA aufgewachsene, heute aber in British Columbia lebende Schriftstellerin Polly Horvath veröffentlichte 2002 ihr Buch The Canning Season über ein 13-jähriges Mädchen, das von seiner lieblosen Mutter zu zwei exzentrischen alten Tanten ins ländliche Maine abgeschoben wird. Das Buch, das seinen Witz dem Charakter der Personen verdankt, wurde mit einem National Book Award ausgezeichnet. Weitere Auszeichnungen hatte Horvath zuvor bereits für ihre Kinderromane The Trolls (1999) und Everything on a Waffle (2001) gewonnen. Um den Tod geht es immer wieder in Each Little Bird That Sings (2005) von Deborah Wiles, über ein Mädchen, dessen Eltern ein Bestattungsinstitut führen.

Alltagsgeschichten 1916–1919 erschienen die viel gelesenen Merryvale-Geschichten für Jungen und für Mädchen von Alice Hale Burnett, die die Jungen und Mädchen einer ländlichen Kleinstadt durch alltägliche Abenteuer begleiten.

Nach dem Ersten Weltkrieg erschienen in größerer Zahl Bücher, die die Aufmerksamkeit des jugendlichen Publikums nicht nur aufs Landleben richtete, sondern dieses gelegentlich sogar idealisierte; diese Entwicklung muss auch vor dem Hintergrund der soeben erst überstandenen Weltwirtschaftskrise verstanden werden, in deren Folge ein großer Bedarf an landwirtschaftlichen Arbeitskräften entstanden war. Zu den Autoren, die die Landwirtschaft in Jugendbüchern beschrieben bzw. bewarben, zählen John Case, Paul W. Chapman, Sarah Lindsay Schmidt, Betty Baxter Anderson, Arthur Charles Bartlett und Elizabeth Yates (1905–2001).

Eines der interessantesten amerikanischen Kinderbücher der 1950er Jahre ist Robert Paul Smiths (1915–1977) autobiografischer Roman Where Did You Go? Out. What Did You Do? Nothing. In einer Konsequenz, die in der Literaturgeschichte bis heute ohne Nachahmung geblieben ist, schildert das 1957 erschienene Buch auf nostalgische Weise das innere Leben der Kindheit, die Freuden und die Lebensnotwendigkeit der Ungestörtheit, der Abwesenheit von elterlicher Überwachung, der unstrukturierten Zeit, auch der Langeweile.

Beinahe etwas konventionell wirken im Vergleich dazu die Alltagsgeschichten von Catherine Besterman, Marjorie Kinnan Rawlings (1896–1953), Jack Schaefer (1907–1991), Scott Corbett (1913–2006) und Patrick Skene Catling. Ein Newbery-Preisträger war Virginia Sorensens (1912–1991) Heimatgeschichte Miracles on Maple Hill (1956).

Geschichten von Freundschaft