Ludger tom Ring der Ältere (* 1496 oder 1497 in Münster; † 3. April 1547 ebenda) war ein deutscher Wand-, Tafel- und Dekorationsmaler, Zeichner, Holzschnitzer und Buchdrucker. Er gilt als Stammvater einer westfälischen Malerfamilie des 16. Jahrhunderts.

Leben Ludger tom Ring wurde 1496 oder 1497 in Münster geboren. Seine Ausbildung absolvierte er von etwa 1508 bis 1520, möglicherweise in den Niederlanden. Die Quellenlage lässt hier keine sichere Aussage zu. Ab 1520 war er als Malermeister in Münster tätig. Er heiratete Anna, die aus dem adligen Haus Rorup stammte. Als Anhänger Luthers musste er 1533 vor der Täuferherrschaft unter dem Prediger Bernd Rothmann sowie vor der Belagerung der Stadt durch katholische Truppen (1534/35) aus Münster fliehen. Später kehrte er zurück. Zusammen mit seinen Söhnen Hermann und Ludger dem Jüngeren führte er zahlreiche Aufträge für Kirchen, das Domkapitel und den Stadtrat aus. Damit trug er zum Wiederaufleben des Kunstlebens in der Stadt bei. Ein dritter Sohn war der Maler Hermann tom Ring. Ludger tom Ring und seine Frau starben um den Palmsonntag 1547 kurz nacheinander an einer Seuche. Als Todestag ist der 3. April 1547 überliefert. Die Familie unterhielt bis 1622 eine Werkstatt auf dem Honekamp in Münster.

Werk Ludger tom Ring wird als vielseitiger Künstler bezeichnet. Seine ersten bekannten Arbeiten sind Holzschnitte für den Buchdrucker und Mathematiker Dietrich Tzwyvel aus den Jahren 1521 bis 1525. Im Jahr 1530/31 malte er eine Stube im Haus des Jobst Schrage aus.

Zu seinen Hauptwerken zählen zwei im Jahr 1541 entstandene Ölgemälde auf Eichenholz: das Porträt seiner Frau Anna tom Ring und sein Selbstbildnis. Sie befinden sich im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster. Die beiden Dargestellten erscheinen als patrizische Bürger in vornehmer Kleidung. Sie stehen hinter einer Brüstung und sind einander im Dreiviertelprofil zugewandt. Damit stellte sich Ludger tom Ring nicht mehr als Handwerker, sondern als gebildeter Künstler dar. Das abgebildete Wappen ist eine selbstverliehene Hausmarke, die den gekreuzigten Christus zeigt. Als Anregung für diesen Porträttypus gilt Bartholomäus Bruyn der Ältere (* 1493), der zahlreiche Bildnisse des Kölner Bürgertums anfertigte. mini|Hermann tom Ring: Zehn-Gebote-Tafel und Gedenktafel für Ludger tom Ring d. Ä. und seine Familie, 1548, Öl auf Holz, Überwasserkirche, Münster – Die Tafel verbindet das Familienbild mit den Zehn Geboten. Im Hintergrund sind alttestamentliche Szenen zu sehen, der Tanz der Israeliten um das Goldene Kalb und Moses mit den Gesetzestafeln auf dem Berg Sinai Die umfangreichen Malereien an der Astronomischen Uhr im Dom zu Münster sind auf die Jahre 1542/43 datiert. Die Uhr mit Glockenspiel ist eine der wenigen erhaltenen, linksdrehenden öffentlichen Großuhren. Sie zeigt auch Mondphasen und Planetenstellungen an. Die Malereien enthalten Porträts seiner Söhne und weiterer Zeitgenossen vor Renaissancearchitektur. Die Personen sind natur- und detailgetreu wiedergegeben. In Ludger tom Rings Werk sind Einflüsse des oberdeutschen Malerkreises erkennbar, vor allem aber der altniederländischen Kunst. Es verbindet spätgotische Elemente westfälischer Prägung mit Renaissanceformen.

Werke (Auswahl)

Bildnis eines Architekten, um 1530/40 (Gemäldegalerie Berlin, Inv. 629A) Die Kimärische Sibylle, um 1538 (LWL-Museum für Kunst und Kultur Münster, Inv. 620 LM)Wolfger Stumpfe: Münsterische Sibyllen als Überlebende des Bildersturms. In: Westfalen. Band 87, 2009, S. 225–249. Selbstbildnis (LWL-Museum für Kunst und Kultur Münster, Inv. 1539 LG)

Literatur

Dinah Wijsenbeek: Ring, Ludger tom d. Ä. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 99, De Gruyter, Berlin/Boston 2018, S. 9. Ring, Ludger tom d. Ä. In: Ulrich Thieme, Felix Becker (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Band 28, E. A. Seemann, Leipzig 1934. Karl-Heinz Kirchhoff: Maler und Malerfamilien in Münster zwischen 1350 und 1534. In: Westfalen. Band 55, 1977, S. 98–110.

Theodor Riewerts, Paul Pieper: Die Maler tom Ring. Ludger der Ältere, Hermann, Ludger der Jüngere (= Westfälische Kunst). Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 1955.

Weblinks

Martin Heuser über Ludger tom Ring den Älteren | LWL-Museum für Kunst und Kultur (DGS)

Einzelnachweise

Kategorie:Maler der Renaissance Kategorie:Deutscher Kategorie:Maler (Münster) Kategorie:Buchdrucker (Münster) Kategorie:Geboren 1496 Kategorie:Gestorben 1547 Kategorie:Mann