mini|Johann Peter Stuppa mit seiner Gattin Anne-Charlotte de Gondi und seiner Nichte. Gemälde von Nicolas de Largillière mini|AllianzwappenJohann Peter Stuppa mitAnne-Charlotte de Gondi

Johann Peter Stuppa (auch Stoppa und Stouppe) (* Juli 1621 in Chiavenna; † 6. Januar 1701 in Paris) war ein Schweizer Söldner, Offizier und Diplomat in französischen Diensten.

Familie Johann Peter Stuppa wurde im Juli 1621 in Chiavenna geborenAbbé François Girard: Histoire Abrégée Des Officiers Suisses Qui Se Sont Distingués Aux Service Étranges Dans Des Grades Supérieurs. Tome II., Louis Piller Imprimeur, Fribourg en Suisse 1781.Chiavenna war damals Untertanengebiet des der Eidgenossenschaft der 13 Orte zugewandten Ortes Drei Bünde.. Im Interesse seiner Karriere erwarb er 1651 das Bürgerrecht von Chur, 1659 das von Basel und wechselte zu einem noch unbekannten Zeitpunkt auch von der reformierten zur katholischen Konfession.

Sein Vater, Nicolaus Stuppa, einer der drei Söhne des Mediziners und Professors an der Universität Basel Johannes Nicolaus Stuppan (1542–1621, genannt Stupanus, 1575 Bürger von Basel), entstammte dem ursprünglich aus Como stammenden in Chiavenna alteingesessenen Adelsgeschlecht der Stuppa (auch Stoppa). Von Beruf ebenfalls Arzt und zurückgekehrt nach Chiavenna, heiratete er seine Cousine Lavinia Stuppa. Johann Peter war eines ihrer sieben KinderMicheline Rapine: l'Hôtel-Dieu de Château-Thierry au Grand siècle. Compte-rendu du 28e Congrès tenu à Château-Thierry le 27. Mai 1984, Fédération des sociétés d'histoire et d'archéologie de l'Aisne/Mémoires, tome 30, Laon 1985.. mini|Gedenk-Medaillon der Hochzeitvon Johann Peter Stuppamit Anne Charlotte de Gondi

Der jüngere Bruder Johann Baptista Stuppa (1624–1692) war nach dem reformierten Theologiestudium in Leiden Feldprediger bei Cromwells Truppen. Er musste England, als spanischer Spion verdächtigt, fluchtartig verlassen und gelangte über die Niederlande nach Paris, wo er zum katholischen Glauben übertrat. Er wurde 1667 Besitzer und Hauptmann einer Freikompanie und avancierte bereits 1672–1674 zum Oberstleutnant im Regiment seines älteren Bruders Johann Peter, wurde 1677 Kommandant eines eigenen Regiments und 1686 zum Brigadier befördert. Er starb am 23. August 1692 in Mons an einer Verwundung aus der Schlacht bei Steenkerke, wo er gemeinsam mit seinem Bruder gekämpft hattePaul Fravi: Johann Peter Stuppa und das Stuppishaus in Chur. Artikel in Bündner Jahrbuch: Zeitschrift für Kunst, Kultur und Geschichte Graubündens, Band 16, 1974, p. 117–122..

Johann Peter Stuppas Ehe 1661 mit Anne-Charlotte de Gondi (1627–1694), illegitimer Spross einer einflussreichen Adelsfamilie und Witwe des Louis-François Colbert, weitläufig verwandt mit Jean-Baptiste ColbertEtienne Pattou: Genealogie Familie Colbert. In: http://racineshistoire.free.fr/LGN, 2010. Eingesehen: 1. Oktober 2019., Finanzminister des „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV., blieb kinderlos, verhalf ihm jedoch zu verwandtschaftlichen Beziehungen zum französischen Adel.

Stuppa verstarb am 6. Januar 1701 in Paris. Er und seine Frau fanden ihre letzte Ruhe in der Sankt-Anna-Kapelle des Hôtel-Dieu (Alten- und Krankenasyl) der Augustinerinnen, heute das Spital-Zentrum (französisch: Centre Hospitalier)Vom Hôtel-Dieu zur öffentlichen Gesundheitseinrichtung, 700 Jahre Pflegetradition. (französisch)., von Château-Thierry (Departement Aisne)Artikel: Peter Stoppa, 1621–1701, ein Schweizer Feldherr im Dienste des Sonnenkönigs. Lettres de Penthes No. 019-Printemps 2012, p. 35, Bulletin de la Fondation pour l'Histoire des Suisses dans le Monde, Rédacteurs: Benedict de Tscharner Anselm Zurfluh, Pregny, 4. April 2012., das sie zu Lebzeiten regelmässig grosszügig unterstützt hatten.

Militärische Karriere Der Subalternoffizier Stuppa trat 1636 erst 16-jährig als Söldner und Kadett in der im Jahr zuvor ausgehobenen Freikompanie seines Onkels Johann Anton Stuppa in französische Dienste ein.

Bereits 1637 zum Fähnrich und 1640 zum Leutnant aufgerückt, machte er in dieser Einheit, die 1648 in das Schweizer Garderegiment eingegliedert wurde, durch seine militärischen Fähigkeiten auf sich aufmerksam: in Italien in den Schlachten von La Roquette (1652) sowie an der Bormida (1654) und – 1652 Besitzer einer halben und fünf Jahre später Inhaber und Hauptmann einer ganzen Gardekompanie geworden – 1659 in der Freigrafschaft Burgund. 1665 hob er zudem zusätzlich eine Freikompanie ausKatrin Keller: Ein Schweizer Gardehauptmann als französischer Unterhändler. Johann Peter Stuppas Werbeverhandlungen in der Eidgenossenschaft 1671. Itinera 45/2018, Beilage zur Schweizerischen Zeitung für Zeitgeschichte, Herausgeber: Philippe Rogger und Nadir Weber, Schwabe Verlag, Basel 2018..

Der Gardehauptmann Stuppa konnte sich während der fast ununterbrochenen Kriegführung Frankreichsbeispielsweise Französisch-Spanischer Krieg (1635–1659), Fronde (1648–1653), Devolutionskrieg (1667–1668), zahlreiche Feldzüge in Spanien und den Niederlanden gegen die spanischen Habsburger und an den Rhein gegen die kaiserlichen Truppen im Holländischen Krieg (1672–1678), Reunionskrieg (1683–1684), Pfälzischer Erbfolgekrieg (1688–1697). immer wieder durch Mut und Kaltblütigkeit auszeichnen. Weltmännisches Auftreten, bestechendes Wesen, militärische Tüchtigkeit und die durch Heirat verwandtschaftlichen Beziehungen zum französischen Adel liessen ihn die Gunst des mächtigen Grafen von Soissons und des Kriegsministers Louvois gewinnen, was ihm die Vorstellung beim König verschaffte.

Im Feldzug 1667 in die spanischen Niederlande unter dem persönlichen Kommando von Ludwig XIV. war Stuppa in der von Maréchal Turenne geführten Hauptmacht an den erfolgreichen Belagerungen von Saint-Venant, La-Motte-au Boix, Dünkirchen, Tournai, Douai und Lille beteiligtBeat Fidel Zurlauben: Histoire militaire des Suisses au service de la France. 8 tomes, chez Desaint & Saillant, Jean-Thomas Herissant & Vincent, Paris 1751–1753..

Durch die chronisch schlechte FinanzlageZurlauben berichtet, dass die königlichen Zahlungsausstände bei den Schweizer Truppen zeitweilig so anwuchsen, dass die Königin gezwungen war, einen Teil ihres Schmuckes beim Kommandanten des Schweizer Garderegiments als Pfand zu hinterlegen! sah sich Ludwig XIV. ein Jahr später gezwungen, die Kosten und Bestände der Schweizer Regimenter zu reduzierenPaul de Vallière, Henry Guisan, Ulrich Wille: Treue und Ehre, Geschichte der Schweizer in fremden Diensten (übersetzt von Walter Sandoz). Les Editions d’art ancien, Lausanne 1940.. Sein Handlungsansatz – von den Zeit- und Eidgenossen Stuppa zugeschrieben, was diesen zu deren missgebilligstem Widersacher werden liessPeter Stuppa: Denkschrift über die Schweiz 1698. Kapitel in: Helvetia. Denkwürdigkeiten über die XXII Freistaaten der Schweizerischen Eidgenossenschaft, 2. Band, gesammelt und herausgegeben von Joseph Anton Balthasar, Mitglied des täglichen Raths der Stadt und Republik Luzern, gedruckt von J.J. Christen, Buchdrucker und Buchhändler, Aarau, zu haben bei C.U. Jenni, Buchhändler, Bern 1826. – die entlassenen Gardekompanien als Freikompanien zu herabgesetzten Ansätzen wieder einzustellen und die Offiziersstellen nicht mehr mehrheitlich mit Angehörigen der eidgenössischen Regierungsfamilien zu besetzen, widersprach klar den Rahmenbedingungen der letztmals 1663 erneuerten Allianzverträge mit den Eidgenossen. Deren Tagsatzung reagierte auf die Missachtung der Kapitulation mit dem Verbot dieser Werbung und drohte mit dem Abzug der regulären Truppen, blieb damit aber letztlich erfolglosdie Freikompanien fanden grossen Anklang, auch bei Offizieren mit versperrten Aufstiegschancen in den bestehenden Regimentern. Zwischen 1668 und 1690 entstanden bis zu 60 Freikompanien..

Der Stabsoffizier und Diplomat Als Ludwig XIV. für den bevorstehenden Angriff auf Holland zusätzliche Truppen benötigte, kompromittierte er bei deren Anwerbung nicht nur den eigenen Botschafter in Solothurn, sondern erneut auch die Eidgenossen. Er umging ihn und die dafür zuständige Tagsatzung und erteilte stattdessen 1671 ausgerechnet Gardehauptmann Johann Peter Stuppa den Auftrag, mit den nötigen Vollmachten ausgestattet, 10'000 Mann direkt bei den einzelnen eidgenössischen Orten zu rekrutieren. mini|Fahne Regiment Stuppa "der Ältere" Stuppa liess seine Mission dort vorerst durch einheimische Offiziere der Garde- und Freikompanien vorbereiten. Er selber konzentrierte dann seinen persönlichen Einsatz auf die begüterten frankreichfreundlicheren Orte des Mittellandes, deren Staatsbudget weniger von den konkurrierenden spanischen Pensionen abhingCécile Huber/Katrin Keller: Französische Pensionen in der Eidgenossenschaft und ihre Verteilung in Stadt und Amt Zug durch die Familie Zurlauben. Kapitel in: Soldgeschäfte, Klientelismus, Korruption in der Frühen Neuzeit. Herausgeber: Kaspar von Greyerz, André Holenstein, Andreas Würgler, V&R unipress, Göttingen 2018.. Mit geschickter Verhandlungstaktik und der tatkräftigen Unterstützung französischer Parteigängerinsbesondere folgende französische Parteigänger unterstützten Stuppa: Sigmund von ErlachBernFranz von MuraltBernOberst Meinrad von Planta-WildenbergDrei BündeFreiherr Fidel de la Tour, Landeshofmeister des BischofsSt. GallenOberstleutnant Johann Heinrich OberkanZürich Oberst Jean-Antoine de ReynoldFreiburgJohann Anton von Reynold gelang es ihm tatsächlich, einen Kapitulationsvertrag mit einem günstigeren Soldtarif (Soldat: 5 bis 6, statt der bisherigen 7 Ecu/Monat) auszuhandeln, damit in nur 4 Monaten 43 Kompanien von 200 Mann anzuwerben und sie nach Frankreich abzuschickenAls erstes wurde noch 1671 aus 12 Kompanien von 200 Mann unter dem Kommando von Johann Jakob von Erlach das "Berner Regiment" formiert. Dieses und weitere 4 Regimenter 1672/1673 bildeten auch den Übergang zu ständigen Schweizer Regimentern in französischen Diensten..

Der erfolgreiche Abschluss dieser Werbemission zahlte sich für Stuppa aus. Schon im Folgejahr 1672 wurde er Brigadier und als Eigentümer Oberst eines der danach gebildeten neuen RegimenterDie drei weiteren Regimenter wurden dem Kommando von Johann Rudolf von Salis-Zizers aus Graubünden, Franz Pfyffer von Wyher von Luzern und dem Solothurner Wolfgang Greder unterstellt. Später kamen noch sieben weitere ständige Regimenter dazu, darunter ein Marine-Infanterie-Regiment., mit dem er im Holland-Feldzug an der Belagerung von Doesburg unter Vauban, der Schlacht bei Woerden und der Einnahme von Utrecht beteiligt war.

Noch 1672 zum Brigadier befördert, setzte ihn der König unter dem Befehl des Herzogs von Piney-Luxemburg als Kommandant von Utrecht ein, wo er mit dem niederländischen Philosophen Spinoza verkehrte. In dieser Funktion schrieb er den König, den Prinzen von Condé und den Kriegsminister Louvois sogar brieflich an, um sie über die Übergriffe der französischen Truppen in der Provinz Utrecht zu informierenJournal officiel de la République française: rapport Académie des sciences morales et politiques, séance du samedi 10 octobre 1925. 13 octobre 1925..

Ab Ende 1673 wieder unter dem Herzog Piney-Luxemburg im Kampfeinsatz in Holland, von wo er, nach der Zerstörung von Zwammerdam und Bodegraven, 1674 wieder zurück an der französischen Grenze, sich in der Armee des Prinzen von Condé in der Schlacht von Seneffe auszeichnete. Er war 1675 an der Eroberung von Lüttich sowie den Belagerungen von Dinant, Huy und Limburg beteiligt und wurde 1676 zum Maréchal de camp befördert.

Diese Funktion übte er im Folgejahr in den Belagerungen von Landrecies, Condé-sur-l’Escaut, Bouchain, Aire, Cambrai und Valenciennes aus, bevor er in der Armee des einzigen Bruders des Königs bei der Belagerung von Saint-Omer und 1678 an denjenigen von Gent und Ypern im Einsatz stand.