Der Rosenthaler Platz in Berlin-Mitte ist ein belebter Verkehrsplatz und ein Zentrum des Tourismus und der Kreativwirtschaft der nördlichen Berliner Innenstadt.Restaurants am Rosenthaler Platz. berlin.de; abgerufen am 25. August 2024. Mittig auf dem Platz stand 1737 bis 1868 das Rosenthaler Tor der Berliner Akzisemauer, von dort führte ein Weg nach Norden zum damaligen Dorf Rosenthal.
Lage Der Rosenthaler Platz liegt etwa 700 Meter nördlich des Hackeschen Markts in einem gründerzeitlichen Wohn- und Geschäftsviertel (Ortsteil Berlin-Mitte im Bezirk Mitte). Der Platz hat die Form eines unregelmäßigen Achtecks,Flurstück 647. Amtliches Liegenschaftskatasterinformationssystem (ALKIS Berlin). in ihn münden fünf Straßen: Im Süden die Rosenthaler Straße, im Westen und Osten die Torstraße sowie im Norden die Brunnenstraße und der Weinbergsweg. Wenige Meter nördlich liegt der Volkspark am Weinbergsweg.
Der Platz befindet sich an der nördlichen Grenze des historischen Stadtteils Spandauer Vorstadt. Ab 1737 verlief dort die Berliner Akzisemauer. Nördlich des Rosenthaler Tors entstand ab 1755 die Rosenthaler Vorstadt, beginnend mit der Handwerkerkolonie Neu-Voigtland.
Geologisch liegt der Rosenthaler Platz gut einen Kilometer nördlich und sechs Meter oberhalb des Niveaus der Spree im Talsand des Berliner Urstromtals. Unmittelbar angrenzend erhebt sich ein Ausläufer des Barnim, dessen Geschiebemergel in nordöstlicher Richtung zum Veteranenberg um mehr als 15 Höhenmeter ansteigt.
Verkehr Straßenverkehr mini|links|hochkant=0.85|Luftbild, Mai 2024
Seit dem Mittelalter führte ein Weg nach Rosenthal vom ehemaligen Spandauer Tor entlang der heutigen Rosenthaler und Brunnenstraße zum etwa sieben Kilometer nördlich gelegenen, erstmals 1356 erwähnten Dorf Rosenthal. Nach 1705 entstanden entlang einer neuen Circumvallation der Spandauer Vorstadt zunächst Communicationen (heutige Torstraße) und etwa zur Mitte des 18. Jahrhunderts der heutige Weinbergsweg als Zufahrt zum Blumenthal’schen Weinberg.
Ab 1868 wurde das Straßenland ausgeweitet und die Torstraße in ihrer heutigen Größe angelegt. Von etwa 1930 bis April 1968 war der Rosenthaler Platz für Kraftfahrzeuge ein Kreisverkehr.Max Krajewsky: Rosenthaler Platz. (Fotografie schwarz/weiß, Ansicht von West) In: Berliner Verkehrs-Aktiengesellschaft: Die U-Bahn Gesundbrunnen-Neukölln (GN-Bahn). Zur Eröffnung der Nordstrecke Neanderstrasse – Gesundbrunnen am 18. April 1930. Berlin 1930. 71 Seiten. Mit zahlreichen fotografischen Abbildungen; u-bahn-archiv.de abgerufen am 27. August 2024.Neuregelung am Rosenthaler Platz. In: Berliner Zeitung, 28. April 1968, S. 12. Seit April 1968 ist die Einmündung des Weinbergswegs für Kraftverkehr gesperrt.Rosenthaler Platz ohne Kreisverkehr. In: Berliner Zeitung, 18. April 1968, S. 8. 2024 gehörten die Brunnen- und Torstraße als Hauptverkehrsstraßen der Stufe II zum Übergeordneten Straßennetz von Berlin, etwa vier Fünftel der Platzfläche waren für Kraftfahrzeuge freigegeben.
Ab 1873: Straßenbahn
Vom Rosenthaler Tor nach Gesundbrunnen fuhr eine der ersten Berliner Straßenbahnen, es war die erste Linie der Großen Berliner Pferde-Eisenbahn, die ihren fahrplanmäßigen Betrieb auf der Brunnenstraße am 8. Juli 1873 aufnahm.Königlich privilegirte Berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen, Nr. 156, 8. Juli 1873, Zweite Beilage, S. 1–2. Im selben Jahr wurden in der heutigen Torstraße Schienen für eine Ringbahnstrecke verlegt, die ab 1874 in Betrieb ging,Joseph Fischer-Dick: Fünfundzwanzig Jahre bei der Grossen Berliner Pferdebahn. In: Zeitschrift für das gesamte Local- und Straßenbahnwesen, 1898, XVII. Jahrgang, S. 40–41. Bergmann, Wiesbaden; tu-darmstadt.de eine weitere Linie folgte 1895 auf dem Weinbergsweg. Bis 1902 hatte die Haltestelle den Namen Platz am Rosenthaler Thor.Fabian Sawall: berliner-linienchronik.de
Seit 2004 quert den Rosenthaler Platz die Metrolinie M1 mit Verbindung zur Friedrichstraße und nach Rosenthal, seit 2015 gibt es mit der kreuzenden Linie M8 eine direkte Verbindung zum Berliner Hauptbahnhof.
Ab 1930: U-Bahnhof Rosenthaler Platz
mini|Bahnsteig, 2011
Der seit dem Ersten Weltkrieg unterbrochene Tunnelbau der GN-Bahn (heute: U-Bahn-Linie 8) wurde 1926 wieder aufgenommen. Acht Meter unterhalb des Rosenthaler Platzes wurden Schienen verlegt und 1930 der U-Bahnhof Rosenthaler Platz im Stil der Neuen Sachlichkeit und mit orangefarbenen Wandfliesen fertiggestellt. Als Eingänge entstanden an den Straßenecken rings um den Platz fünf Treppenabgänge sowie eine größere unterirdische Bedürfnisanstalt an der Einmündung der Lothringer Straße (heute östliche Torstraße).H. S. Hermann: Die U-Bahn Gesundbrunnen-Neukölln (GN-Bahn): zur Eröffnung der Nordstrecke Neanderstrasse-Gesundbrunnen am 18. April 1930. Berlin 1930; u-bahn-archiv.de Der U-Bahnhof – ein Typenentwurf des Architekten Alfred Grenander – stand 2024 unter Denkmalschutz.
Mit dem Bau der Berliner Mauer 1961 wurden die Zugänge versperrt und der U-Bahnhof zu einem sogenannten Geisterbahnhof, einem reinen Durchfahrtsbahnhof der West-Berliner U-Bahn-Linie D. Bei der Öffnung des Bahnhofs kurz nach der politischen Wende richtete die DDR von Dezember 1989 bis Juli 1990 im Zugangstunnel einen provisorischen deutsch-deutschen Grenzübergang ein.
Geschichte
Rosenthaler Thor (ca. 1705–1868) Zur nördlichen Begrenzung der Spandauer Vorstadt ließ König Friedrich I. 1705 eine Circumvallation aus Palisaden errichten, damals auch Landwehr genannt. Sie verlief nördlich der heutigen Linienstraße. Die Kreuzung dieser Stadtbefestigung mit dem alten Weg nach Rosenthal war ab dem frühen 18. Jahrhundert als Rosenthaler Thor kartiert,Abraham Guibert Dusableau: Die Königl. Residenz Berlin, wie selbige sich um das Jahr 1723 präsentiret: nach dem von G. Dusableau gezeichneten Plan verfertigt. Berlin 1723; commons.wikimedia auch der Name Rosenthaler Landwehr war verbreitet.Friedrich Holtze: Geschichte der Befestigung von Berlin. In: Schriften des Vereins für die Geschichte der Stadt Berlin, 1874, Heft X, S. 24.
1737 wurde unter Friedrich Wilhelm I. rund um Berlin eine neue Akzisemauer errichtet und das Rosenthaler Tor wurde zu einem der damals 14 Stadttore. Diese waren zunächst „bloße Öffnungen der Mauer“, „schlichte, kaum verzierte Durchgänge oder Durchfahrten.“ Nördlich des Tores ließ Friedrich II. 1752 zugleich mit der Handwerkerkolonie Neu-Voigtland die heutige Brunnenstraße anlegen. Sie führte zum späteren Friedrichs-Gesundbrunnen und verlief wenige Meter südwestlich versetzt entlang des alten Weges nach Rosenthal.Mencelius (Menzel): Plan der Berliner Hufen im Jahre 1822. Konig. Lith. Institut Berlin 1823; stadtmuseum.de.
Eine Dienstanweisung von 1767 beschrieb den Weg der Nachtwächter durch die heutige Rosenthaler-, Brunnen- und westliche Torstraße wie folgt:
Im 18. Jahrhundert: Stadttor für Juden mini|Jüdische Herberge am Tor, 1807
Das Rosenthaler Tor war von etwa 1730 bis 1812 zeitweilig das einzige Tor, durch das Menschen jüdischer Zugehörigkeit die Stadt betreten konnten. Aufgrund der preußischen Judenordnung war die Berliner Jüdische Gemeinde zur Solidarhaftung gezwungen und führte relativ strikte Kontrollen ein: Sie verweigerte mittellosen Juden die Einreise und richtete für sie südlich des Tores, an der heutigen Rosenthaler Straße 2, eine Herberge ein, in einem langgezogenen zweigeschossigen Gebäude mit Mansarddach.Juden in Preußen – Zwischen Ausgrenzung und Assimilation. Fachhistorisches Begleitmaterial der Sendung: „Preußen – Chronik eines deutschen Staates“. Rundfunk Berlin-Brandenburg, 2001; preussenchronik.de abgerufen am 6. September 2024. 1743 soll der 13-jährige Moses Mendelssohn durch das Rosenthaler Tor nach Berlin eingereist sein, der junge Salomon Maimon dagegen wurde 1776 abgewiesen.Salomon Maimon: Salomon Maimons Lebensgeschichte. Von ihm selbst geschrieben. Verlag Friedrich Vieweg, Berlin 1792, S. 268 ff.
1789: Baus des spätbarocken Stadttors Zum Ende seiner Amtszeit gab Friedrich II. den Auftrag, die von seinem Vater errichtete Stadtmauer mit architektonisch geschmückten Anlagen zu versehen. 1786 entwarf Oberhofbaurat Georg Christian Unger, ein Schüler Carl von Gontards, ein repräsentatives, rund 20 Meter breites und 12 Meter hohes Stadttor. Unter der Bauleitung von Johann Georg Moser wurde es 1788–89 mittig auf dem heutigen Rosenthaler Platz errichtet.Joh. Gottf. Riegel: Grundriss zu das Rosenthaler Thor nebst 2 Seitenflügeln welches jetzt in der Arbeit ist. 1788 angefangen zu bauen. Federzeichnung, getuscht, Berlin, 23. August 1789. Digitalisat: smb.museum (Breite laut Grundriss gut 64 Fuß). Pniower gab eine Breite von 16 Metern an, siehe: Pniower, 1927, S. 164–165.Richard Borrmann: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin. Julius Springer, Berlin 1893. S. 151. Die Grenze der Stadt wurde dabei „etwas weiter hinaus gerückt und statt der Palisaden eine Mauer von Backsteinen“ erbaut.Eduard Kuntze: Das Jubiläum von Voigtland oder Geschichte der Gründung und Entwicklung der Rosenthaler Vorstadt Bei Berlin. Selbstverlag, Berlin 1855, S. 4. Gut vier Meter hoch,Wilhelm Friedrich Volger: Handbuch der Geographie. Hannover 1833, S. 231. (Höhe der Mauer angegeben mit 14 Fuß) stand die Mauer zu beiden Seiten des neuen Rosenthaler Thores:
Hinter den zur Stadtseite geöffneten Arkaden waren um 1800 im westlichen Seitenflügel die Einnehmer und Controlleur-Wohnung (Steuerhaus), im östlichen die Rosenthaler Thorwacht untergebracht. Die Durchfahrt war anfangs nur durch den zentralen und relativ engen, gut drei Meter breiten Bogen des Mittelbaus möglich. Vermutlich zur Vergrößerung des Straßenlandes wurde der östliche Seitenflügel um 1864 abgetragen.Der letztmalige Eintrag der Rosenthalerstraße 73, Steuergebäude im Berliner Adressbuch datiert auf das Jahr 1864:
1865–1868: Abriss des Rosenthaler Thores mini|Südansicht, 1865
Mit der Verlegung der Steuerlinie an das äußere Weichbild Berlins verloren das Rosenthaler Tor und die Akzisemauer 1865 ihre Funktion als fiskalische Grenze. Am 20. Juni 1865 erließ König Wilhelm I. eine Kabinettsordre, die den Abriss der Mauer und der Stadttore anordnete sowie zugleich die bis heute gültigen Baufluchtlinien der Torstraße festlegte.Communal-Blatt der Haupt- und Residenz-Stadt Berlin. Magistrat von Berlin, 3. September 1865, S. 427. Diese bekam westlich des Platzes eine Breite von acht Ruthen (gut 30 Meter), östlich des Platzes wurde auf 10½ Ruthen Breite (knapp 40 Meter) eine begrünte Mittelpromenade angelegt. Zusätzlich zum Torbau waren acht weitere, nördlich am Platz gelegene Häuser für den Abriss vorgesehen.Erläuterungs-Bericht zu dem Project, betreffend die Umgestaltung und Regulirung des Platzes am Rosenthaler Thore. In: Communal-Blatt der Haupt- und Residenz-Stadt Berlin, 1. November 1868, S. 392–393; zlb.de
Im Oktober 1867 versteigerte die Bauverwaltung das Tor „auf den Abbruch“, zum Verkauf standen auch Einzelteile, darunter: „die 8 Stück circa 26' [Fuß] hohen Sandsteinsäulen, die vier 6' hohen Kriegerstatuen und vier 4½' hohen Trophäen“.Königliche Ministerial-Bau-Kommission: Bekanntmachung. In: Königlich Preußischer Staats-Anzeiger, 19. Oktober 1867, S. 19. Der Mittelbau wurde im Mai/Juni 1868 abgetragen,F. Albert Schwartz: Das alte Berlin. Rosenthaler Tor. Fotografie, Berlin 1868 (Vermerk auf der Rückseite); stadtmuseum.de noch im November ragte der geschwungene westliche Flügel des alten Steuerhauses auf die Platzfläche. Den Verlust des Rosenthaler Tores beklagte der Berliner Arzt und Heimatforscher Julius Beer 1868 in einem Gedicht.Julius Beer: Das Rosenthaler Thor. In: Berlinische Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen, Nr. 85, 9. April 1868, S. 6; ZEFYS
19. Jahrhundert: Platz am Arbeiter- und Vergnügungsviertel