Die Neutextschule () ist eine der zwei Hauptschulen im Textstudium der konfuzianischen Klassiker in der chinesischen Philosophie. Im Jahr 213 vor unserer Zeit soll – der Tradition des Shiji gemäß – der Erste Kaiser von Qin die Verbrennung aller konfuzianischen Klassiker angeordnet haben. Nach dem Sturz der Qin-Dynastie und der Gründung der Han-Dynastie unternahmen konfuzianischen Gelehrten die Aufgabe, Klassiker und alte Texte zu rekonstruieren. Die meisten der verlorenen Werke wurden gemäß der mündlichen Überlieferungen einzelner Meister erneut niedergeschrieben. Diese Klassiker wurden später die Klassiker in neuer Schrift (jinwen 今文) genannt, weil sie in der Kanzleischrift geschrieben wurden, einem in der Zeit der Han-Dynastie vorherrschenden Kalligraphie-Stil. Im 2. Jahrhundert vor unserer Zeit überzeugte der Philosoph Dong Zhongshu (179–104 v. u. Z.) Kaiser Wu von Han (reg. 141–87 v. u. Z.), den Konfuzianismus als offizielle Staatsideologie zu propagieren. Ein weiterer wichtiger Repräsentant dieser Schule war He Xiu (; 129–182), der den frühesten überlieferten Interlinearkommentar zum Gongyang-Kommentar zu den Frühlings- und Herbstannalen (Gongyang zhuan)Einer der Drei Kommentare zu den Frühlings- und Herbstannalen (), die anderen sind Zuozhuan (Zuos Kommentar) und Guliang zhuan (Guliangs Kommentar). verfasste. Die Vertreter der Neutextschule machten sich besonders daran, die subtilen Worte der Klassiker auszuarbeiten, um die Theorie der großen Vereinigung des Reiches (da yitong 大一统) zu stützen.
Bereits gegen Mitte der Westlichen Han-Dynastie, besonders jedoch ab dem Interregnum der kurzlebigen Xin-Dynastie des Wang Mang, begann der Niedergang dieser Schule mit dem allmählichen Aufstieg der Alttextschule (Guwen jingxue 古文經學). Die Alttextschule ging auf Texte zurück, die zu verschiedenen Zeitpunkten wiederentdeckt wurden und daher noch in alter Schrift (guwen 古文) verfasst waren. Erst in der Mitte der Qing-Dynastie erlebte die Neutextschule eine Renaissance, welche sich anfangs auf die Changzhou-Schule beschränkte, im Verlaufe des 19. Jahrhunderts jedoch über ganz China ausbreitete.Artikel: „School of the Modern-Script Classics“, in: Han-Ying Zhongguo zhexue cidian. Kaifeng 2002, S. 161 f. Viele Neutext-Denker der Qing-Dynastie bezichtigten Han-zeitliche Denker wie Liu Xin, die Alttext-Klassiker gefälscht zu haben, um damit die Grundlage einer autokratischeren Regierung zu schaffen. Dieser als Alttext/Neutext-Kontroverse bekannt gewordene Diskurs fand in den Schriften Kang Youweis und Liao Pings in den 1890er-Jahren seinen Höhepunkt. In den 1990er-Jahren wurde die Diskussion von Festland-Neukonfuzianern wie Jiang Qing erneut wiederbelebt.
Siehe auch Bücherverbrennung Kang Youwei
Einzelnachweise und Fußnoten
Literatur
汉英中国哲学辞典. 开封 2002 Wang Baoxuan 王葆玹: Jin guwen jingxue xinlun 今古文经学新论. Beijing: Zhongguo shehui kexue chubanshe 中国社会科学出版社 1997 (Zhongguo wenhua yanjiu) Stuart V. Aque: Pi Xirui and Jingxue lishi. 2004. Ph. D. University of Washington 2004 Online*
Weblinks The New-Text and Old-Text Schools
Kategorie:Chinesische Philosophie Kategorie:Konfuzianismus Kategorie:Han-Dynastie Kategorie:Qing-Dynastie