Johann Friedrich Nerlich (* um 1803 in Musternick, Kreis Glogau, SchlesienLandeskirchliches Archiv der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland > Kirchenkreis Pommern > Stralsund St. Jürgen > Bestattungen 1856–1874, S. 5.; † 12. April 1856 in Stralsund) war ein deutscher Orgelbauer in Stralsund.
Leben Laut dem Totenbuch der St.-Marien-Kirchengemeinde und des St. Jürgen-Friedhofes in Stralsund wurde Johann Friedrich Nerlich (auch: Nehrlich und Nörlich) um 1803 in Musternick im Kreis Glogau (Głogów) in Schlesien geboren.Kirchenbuch Stralsund St. Marien „Bestattungen 1850–1870“, S. 132. „Im Alter von 53 Jahren an der Schwindsucht verstorben“. Sowie: Stralsund Friedhof St. Jürgen, Bestattungen 1856–1874, S. 5. Die Kirchenbücher von Musternick sind im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. Somit sind weitere Funde ausgeschlossen. Die Orte seines beruflichen Werdegangs sind bislang ebenfalls unbekannt. Aus welchen Beweggründen sich Nerlich in Stralsund niedergelassen hat, ist auch nicht bekannt.
Von 1844 ist ein erster Orgelneubau bekannt, von 1855 der letzte. In Patzig ist an der Orgel die Aufschrift „Nerlich & Haase“ zu finden. Dabei handelt es sich um Ferdinand Haase, Schankwirt und Orgelbauer aus Stralsund. Beide Namen werden auch im Zusammenhang mit der Orgel der Klosterkirche St. Johannis in Stralsund genannt.https://recherche.stralsund.de/objekt_start.fau?prj=internetzugriff&dm=Stadtarchiv&ref=359480 Das Bürgerrecht der Stadt Stralsund erwarb Nerlich erst am 14. Oktober 1854. Ab 1855 arbeitete er Matthias Fernau zusammen. Seine Werkstatt befand sich im Haus C. 140, der jetzigen Frankenstraße 8. Das Haus ist nicht mehr erhalten. Am 12. April 1856 starb Nerlich in Stralsund an der Schwindsucht.Kirchenbuch Stralsund St. Marien „Bestattungen 1850–1870“, S. 132. „Im Alter von 53 Jahren an der Schwindsucht verstorben“. Höchstwahrscheinlich übernahm Fernau nach Nerlichs Tod dessen Werkstatt.
Werkliste (Auswahl) Johann Friedrich Nerlich baute Orgeln im nördlichen Vorpommern. Ob er auch woanders Orgeln gebaut hat, ist bislang nicht bekannt. Typisch für Nerlich ist die Gehäusegestaltung. Meist baute er einen dreigeteilten Prospekt, bei dem der spitze Mittelturm in fünf Teile gegliedert ist. Über den Seitenfelder können sich Rosetten befinden. Die Öffnungen für die Pfeifen erhielten anfangs Spitzbögen, später auch Rundbögen. Seine Orgeln sind immer einmanualig mit Pedal. Es ist davon auszugehen, das Nerlich immer als Vertragspartner fungierte und Haase bzw. später Fernau als Teilhaber in das jeweilige Projekt involviert waren. Das Werkverzeichnis ist bislang noch unvollständig.
Jahr Nr. Ort Gebäude Bild Manuale Regis-ter Bemerkungen18441StralsundArbeitshausI/P10Die Orgel ist nicht erhalten. Im „Arbeitshaus“ stand in der Mitte des 19. Jahrhunderts eine Orgel von Nerlich und Haase, die 1844 in der Johanneskirche aufgestellt und dort Sachverständigen vorgeführt worden war.Dietrich W. Prost: Stralsunds Orgeln. Lauffen: Orgelbau-Fachverlag Rensch 1996, S. 152. 18462 Patzig St. Margarethenzentriert|160x160px I/aP 8 Die Orgel ist erhalten. Auf dem Firmenschild steht: Nerlich & HaaseOrgel in Patzig Sebastian Warmsiedler (pdf) Sie wurde wohl im Sommer 1846 gebaut. 1999 wurde die Orgel restauriert.18473BrandshagenMarienkirchezentriert|160x160px??Die Orgel ist nicht erhalten. Sie wurde im Frühjahr 1847 für 800 Taler gebaut. 1922 erfolgte ein Neubau durch Franz Beyer mit elf Registern und pneumatischer Traktur. 18474 Neuenkirchen (Rügen) St. Maria Magdalena 160x160px I/aP 6 Die Orgel ist erhalten. Sie wurde am 12. Oktober 1847 eingeweiht. 1892 wurde sie nach Swantow umgesetzt durch Paul Mehmel. Er baute auch einen neuen Prospekt.Über Orgelrestaurierung und Geschichte Kirche Poseritz 1999–2003 wurde die Orgel von Rainer Wolter aus Zudar (Rügen) restauriert. 18485 Prerow Seemannskirche 160x160px|zentriert I/P 10 Die Orgel ist umgebaut erhalten. → OrgelOrgel in Prerow im Organindex 18486 Franzburg Kirche Franzburg I/? ? Die Orgel ist nicht erhalten. Sie war seit 1968 nicht mehr benutzbar und wurde später abgerissen. 2007 erfolgte der Einbau einer Orgel von Paul Rother. Diese Orgel wurde wahrscheinlich bauartbedingt bereits um 1890 von dem Hamburger Orgelbaumeister Rother gebaut, sehr wahrscheinlich für eine andere Kirche mit Kuppelrückwand, worauf die Kröpfungen der längsten Pedalpfeifen hindeuten, bevor sie sich nachweisbar seit 1906 in der Anstaltskirche der Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel befand. Diese Orgel gilt als eine der wenigen, ganz unverändert erhaltenen Orgeln des spätromantischen, norddeutschen Orgelbaus.18487 Pinnow Dorfkirche 160x160px|zentriert I/aP 8 Die Orgel ist erhalten. Genaues Baujahr der Orgel ist derzeit nicht bekannt, es kann aber vom Sommer bzw. Herbst 1848 ausgegangen werden. 1868 fand wohl ein Umbau der Orgel durch Barnim Grüneberg statt. (Opus 105). 2013 erfolgte eine Generalrestaurierung der Orgel durch die Firma Mecklenburger Orgelbau.18488KasnevitzJacobi-Kirchezentriert|160x160pxI/??Die Orgel ist nicht erhalten. Laut Akten wurde die Orgel nach 1848 angeschafft.Stadtarchiv Stralsund: Rep. 28, Nr. 1350. Beitrag des Klosters St Annen und Brigitten zum Bau einer Orgel in der Kirche zu Kasnevitz bei Garz auf Rügen. 1848. 1902 erfolgte eine Neubau durch Barnim Grüneberg (II/P/12) op. 458. Dieses Werk ist erhalten und wurde 1998 durch Rainer Wolter restauriert.18499ZiethenSt. Marienzentriert|160x160pxI/??Die Orgel ist stark verändert erhalten. Sie wurde im Sommer 1849 erbaut. 1937 wurde das Instrument komplett umgestaltet. Die Orgel erhielt dabei einen heute noch bestehenden Freipfeifenprospekt.185010SemlowDorfkirchezentriert|160x160pxI/??Die Orgel ist nicht erhalten. Die Orgel wurde 1850 gebaut. 1913 baut Felix Grüneberg eine neue Orgel in das bestehende Gehäuse (Opus 686). Die Grüneberg-Orgel wurde 1999 restauriert., auf eixen.de 185011 Horst (Sundhagen) Dorfkirche 160x160px I/P 13 Die Orgel ist erhalten. OrgelOrgel in Horst Orgeldatabase 185212 Altefähr St. Nikolai 160x160pxI/?? Die Orgel ist nicht erhalten. Es wird auch das Jahr 1848 für den Orgelbau angegeben. Die Empore ist aber erst 1852 erbaut worden. 1913 erfolgte ein Neubau durch Felix Grüneberg im alten Gehäuse und mit Pfeifenwerk von Nerlich (Opus 687).Orgel in Altefähr Sebastian Warmsiedler (pdf) 185413 Neuenkirchen (bei Greifswald) Dorfkirche 160x160px|zentriert I/P 11 Die Orgel ist erhalten. Sie wurde 1984 von Rainer Wolter aus Zudar restauriert. Das Baujahr wurde teilweise mit 1836 angegeben. Aus einer anderen Quelle erfahren wir das Baujahr 1854. 185514 Kemnitz bei Greifswald Heilig-Kreuz-Kirche 160x160px|zentriert I/P 10 Die Orgel ist erhalten. 1885 erfolgte ein Umbau durch Friedrich Mehmel. 1963 veränderte Firma Sauer die Orgel.Orgel in Kemnitz Dorfkirchen in Mecklenburg-Vorpommern Im Orgelbauvertrag heißt es „Nerlich & Fernau“ bauen die Orgel. Also muss der sich 1855 in Stralsund frisch niedergelassene Fernau gleich als Kompagnon von Nerlich fungiert haben.185615??I/??In der Erbmasse von Nerlich wird in der Stralsundischen Zeitung am 15. + 17. Juli 1856 folgendes erwähnt: Verkauft werden: „… zu einer neuen Orgel angefertigten Gegenständen: 1 Gehäuse, 2 Windladen, 190 Zinkpfeifen, 75 Holzpfeifen, und 1 Claviatur.“ Diese soll sofort meistbietend verkauft werden. Ob und wer die Orgelteile gekauft hat und wo diese eventuell aufgestellt worden sind, ist nicht bekannt. Die Orgel muss mindestens 5 Register gehabt haben. Wahrscheinlich hat Matthias Fernau die Werkstatt übernommen. Wo (und ob) das Orgelwerk aufstellt wurde, ist derzeit noch unbekannt. Möglich sind Rambin und Eixen.
Einzelnachweise
Kategorie:Orgelbauer (19. Jahrhundert) Kategorie:Orgellandschaft Vorpommern Kategorie:Person (Stralsund) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren im 18. oder 19. Jahrhundert Kategorie:Gestorben 1856 Kategorie:Mann