Die Mönckebergstraße ist eine der Haupteinkaufsstraßen Hamburgs und bildet zusammen mit der Spitalerstraße, die spitz auf die Mönckebergstraße zuläuft, eine Verbindung zwischen dem Hauptbahnhof und dem Rathaus. Die zwischen dem Hamburger Rathaus und dem drei Jahre zuvor eröffneten Hamburger Hauptbahnhof angelegte Innerortsstraße wurde am 26. Oktober 1909 dem Verkehr übergeben und ist nach dem Bürgermeister Johann Georg Mönckeberg (1839–1908) benannt, der ab 1897 Vorsitzender der Sanierungskommission war. Durch Senatsbeschluss vom 13. Dezember 2022 ist die Straße zusätzlich seiner Schwiegertochter Vilma Mönckeberg-Kollmar (1892–1985) gewidmet.Senatsbeschluss vom 13. Dezember 2022, veröffentlicht im Amtlichen Anzeiger Nr. 100 vom 20. Dezember 2022 (luewu.de PDF), abgerufen am 2. Januar 2023.
Laut der Untersuchung einer Beratungsgesellschaft im Jahr 2013 stand die Mönckebergstraße mit etwa 12.500 Passanten pro Stunde in der Reihenfolge der meistfrequentierten Einkaufsstraßen Deutschlands an zweiter Stelle, gleich nach der Kölner Schildergasse. Zeitweise erreichte jedoch in Hamburg die benachbarte Spitalerstraße nach der Zahl der Passanten einen höheren Platz oder lag gleichauf mit der Mö.
Entstehung des Verkehrswegs durch Sanierung und Citybildung Nach der Choleraepidemie von 1892 beschloss der Hamburger Senat unter Bürgermeister Mönckeberg, das Gängeviertel in der östlichen Altstadt abzureißen und großzügig neu zu gestalten. Kernbestandteil dieses Sanierungsplanes war auch eine neu anzulegende Durchbruchstraße entlang der bereits 1901 vorgeschlagenen Trasse der U-Bahn zwischen Rathausmarkt und Hauptbahnhof Süd, deren Tunnel von 1906 bis 1912 in offener Bauweise errichtet wurde. Dazu kaufte die Stadt zunächst alle notwendigen Grundstücke vom Rathaus bis zum Hauptbahnhof an, um sie an geeignete Interessenten unter Auflagen weiterzuverkaufen, sodass die Stadt von den Straßenbaukosten i. H. v. 39,4 Mio. Mark nur 2,7 Mio. selbst trug und den Rest durch die Gewinne aus den Grundstücksgeschäften refinanzierte.Schütt: Chronik Hamburg. Gütersloh/München: Chronik Verlag 1997. S. 366. Die Straße wurde 30 m breit angelegt und war bis 1978 auch eine stark genutzte Straßenbahntrasse. Ihr Verlauf ist leicht „S“-förmig, die Gesamtlänge beträgt 800 m.
Im Rahmen der Citybildung als Folge der wachsenden Bedeutung des Handels nach dem Zollanschluss Hamburgs bestand ein wachsender Bedarf an Büroräumen in modernen Kontorhäusern. Diesen befriedigten die neu errichteten Geschäftshäuser, die nahezu alle ohne Wohnungen konzipiert waren, während es im bisherigen Gängeviertel kleinere Betriebe und vor allem Wohnungen der Arbeiter gab. Die neu geschaffene Mönckebergstraße befriedigte zudem den Bedarf an einer zeitgemäßen Verkehrsanbindung des Zentrums.
Es war ein Hauptziel aller Beteiligten, Hamburgs Stadtbild seiner Größe und Wirtschaftskraft entsprechend zu verschönern. Mit der Berufung des Stadtbaudirektors Fritz Schumacher im Jahre 1909 nahm die Stadt Einfluss auf die äußere Gestaltung und wollte erklärtermaßen den gestalterischen Wildwuchs eindämmen. Die Kaufverträge enthielten entsprechende Bauauflagen für die neu parzellierten Grundstücke: Die großmaßstäblichen Kauf- und Kontorhäuser sollten durch ihre vielgestaltigen Fassaden mit einer reichen Ausstattung von Bauplastik Abwechslung im Bild der Straße bieten. Die reich gestalteten Fassaden führten die Künste wieder zusammen und bildeten Gesamtkunstwerke. Dabei wurde die Gestaltung der einzelnen Häuser aufeinander abgestimmt. Die Stadtverwaltung verabschiedete im Zusammenhang mit den Planungsmaßnahmen das Hamburger Baupflegegesetz und setzte eine Kunstkommission ein, um die gesamtheitliche Wirkung sicherzustellen.
Zum Sanierungsgebiet gehörte unter anderem die Bebauung der Nordseite der Steinstraße. Hier entstand 1921–1924 die Hauptverwaltung des Karstadt-Konzerns (Architekt: Philipp Schaefer) im neoklassizistischen Stil mit einer Sandsteinfassade mit Säulen. Zum Ende des 20. Jahrhunderts zog das Finanzamt in den Bau.
Nach 1920 wurde die Sanierung nach Süden um das Kontorhausviertel fortgesetzt.
Wiederaufbau nach 1945 Nach den Zerstörungen durch die Bombardierungen Hamburgs von 1941 bis 1945 erfolgte die Reparatur der erhaltenen Gebäude der Mönckebergstraße ab 1946. Dabei ist die nach Volkwin Marg „ehemals prachtvolle Mönckebergstraße“ durch „nachkriegsreduzierte Architektur [ge]kennzeichnet“, insbesondere „vereinfachte Fassaden, gekürzte Dachaufbauten, Notdächer und kümmerliche Staffelgeschosse anstelle hoher Dachkörper“.Volkwin Marg, Reiner Schröder: Architektur in Hamburg seit 1900. Hamburg: Junius 1993. S. 161. Ähnlich beschreibt Ralf Lange den „unsensible[n] Wiederaufbau“, der die Straße „als Torso hinterlassen“ hat. Die Pfeilerfassaden des Hansehauses und von Karstadt seien „nur noch in der Grundstruktur erhalten“. Die Staffelgeschosse am Südseehaus oder dem Rappolt–Haus lassen „die Vertikalen der Fassaden ins Leere laufen. So ähnlich [wie das Haus Glass, Bergstraße 7] wirkten vor den Kriegszerstörungen auch das Rappolthaus und das Südseehaus.“ Das Dach des Seidenhaus Brandt war „wesentlich höher. Demgegenüber wirkt die Lösung, die Peter Pruter [...] für den Wiederaufbau wählte, allzu unentschieden und kraftlos“. Beim Barkhof hat „der Verlust der hohen Mansarddächer den Werksteinfassaden ihre monumentalisierende Wucht genommen; besonders störend machen sich die flach abgeschnittenen Erker bemerkbar, deren ursprünglich wie Kapuzen vorkragende Dachbekrönungen ein wesentliches Element des Straßenbildes bildeten (der Kopfbau wurde erst 1961 verstümmelt).“Ralf Lange: Architekturführer Hamburg. Stuttgart 1995. S. 35–37. Ganz abgerissen wurde das Rolandhaus von Carl Gustav Bensel und Franz Bach (Nr. 9), an dessen Stelle 1964/5 eine C&A-Filiale errichtet wurde, die 2022/3 wieder abgerissen wurde und durch einen Neubau ersetzt wird. In den Originalzustand rekonstruiert wurde dagegen der Domhof (Nr. 18) 1988/89 durch das Büro Asmus Werner. Eine Kartierung der Erhaltungskategorien aller Häuser der Mönckebergstraße findet sich in einer Arbeit von Jan Lubitz.
mini|hochkant|Barkhof mit reduzierter Nachkriegsfassade und abgeschnittenen Giebeln
Bauwerke und Plätze (von Osten, Hauptbahnhof, nach Westen, Rathausmarkt. Quelle:Ralf Lange: Architekturführer Hamburg. Stuttgart 1995. S. 34–39.)
Es wurden jeweils sehr große Baukomplexe auf den Grundstücken errichtet, sodass es auf der Nordseite lediglich bis Hausnummer 22, auf der Südseite bis Nr. 31 geht. In der Liste unten fett gesetzte Hausnummern stehen unter Denkmalschutz.Denkmalliste Hamburg-Mitte
Nr. 3: Das Klöpperhaus (1913, Architekt: Fritz Höger), benannt nach dem Bauherrn Adolf Klöpper, Inhaber des Wollhandelshauses Wilhelm Klöpper, an das die Plastiken der Schafe des Bildhauers August Gaul erinnern und für dessen Firma bereits das Alte Klöpperhaus am Rödingsmarkt entstanden war. Den Wettbewerb 1911 hatte Höger noch mit einem stark barockisierenden Entwurf gewonnen, der unter dem Einfluss von Schumacher in der Folge stark entschlackt wurde, so dass schließlich eine stark schematisierende Pfeilerfassade realisiert wurde. Die Holzschnitzarbeiten u. a. in dem Treppenhaussiehe Foto siehe Hamburg und seine Bauten 1914 Band 1, S. 469. waren von Heinrich Walldorf jr. (* 1872) geschaffen worden.Er hatte 1903 die Werkstatt seines Vaters übernommen. Von ihm stammen auch die nicht erhaltenen Arbeiten im Café Belvedere bzw. Café Vaterland (Ecke Bergstraße/Ballindamm - heute Europa-Passage) der Architekten Martin Haller und Herm. Geißler, sowie an der Kanzel der 1944 zerstörten Immanuelkirche Kirche auf der Veddel des Arch. Hugo Groothoff, die Verkleidung der Michel-Orgel (1910) sowie die Schnitzarbeiten im Rappolthaus.Die Warenhauskette Kaufhof erwarb das Haus 1965 in der Absicht, nach Abriss auf dem Grundstück einen Neubau zu errichten. Diese Absicht stieß auf heftigen Widerstand in der Öffentlichkeit. Die Fassade blieb nach Entkernung in wesentlichen Teilen erhalten. Die ursprüngliche Innenausstattung, insbesondere die Eingangshalle und die Direktionsräume, sind im Zuge der Umbauten 1967/1968 verloren gegangen.Ralf Lange: Architektur in Hamburg. Der große Architekturführer. Hamburg 2008. ISBN 978-3-88506-586-9 - A 59.2. Seit Schließung der Galeria-Kaufhof-Filiale am 17. Oktober 2020 stand das Gebäude längere Zeit leer, lediglich Teile der Erdgeschoßfläche wurden als Shop für Sonderangebote genutzt. Im Jahr 2022 wechselte das Gebäude den Besitzer und wurde von der Württembergischen Lebensversicherung an den US-amerikanischen Immobilieninvestor Tishman Speyer verkauft. Nr. 5: Das Hammonia-Haus (Hammonia lat. Hamburg), erbaut 1912/13 nach Entwurf von Ernst Friedheim hieß zunächst Caledoniahaus (Caledonia lat. Schottland). An der Fassade finden sich heute noch Figuren in schottischer Tracht. Im Ersten Weltkrieg wurde es aufgrund der Benennung nach einem Kriegsgegner umbenannt.Hermann Hipp, Freie und Hansestadt Hamburg: Geschichte, Kultur und Stadtbaukunst an Elbe und Alster. Hamburg 1996, S. 176. Es ist im Vergleich zu den anderen Häusern der Mönckebergstraße recht klein, hat aber einen großen Schweifgiebel. Nr. 6: Das Südseehaus entstand 1911 nach Entwürfen von Carl Bensel. Nr. 7: Das Levantehaus (Architekten: Franz Bach und Carl Bensel, 1911/12) ist an der Mönckebergstraße mit Muschelkalk verkleidet; an der rückwärtigen Bugenhagenstraße besteht die nüchtern gehaltene Fassade aus Klinker. Im Haus befindet sich seit 1998 auch ein 5-Sterne-Hotel. Nr. 11: Das Rappolthaus mit der Schmalseite an der Straße Barkhof und der Rückseite zum Jakobikirchhof wurde 1911 und 1912 in zwei Baustufen im Auftrag der Firma Rappolt & Söhne für Herrenausstattung von Fritz Höger erbaut. Die Bildhauerarbeiten außen am vorderen Haus zur Mönckebergstraße sowie ein Brunnen in der Eingangshalle waren von dem Bildhauer Georg Wrba geschaffen worden. Die Bildhauerarbeiten am rückwärtigen Haus wurden von Richard Kuöhl und dem Holzschnitzer Heinrich Walldorf jr. geschaffen. Ehemalige Bücherhalle und Mönckebergbrunnen Die Einmündung der Spitalerstraße wurde auf Vorschlag Schumachers nicht in voller Höhe bebaut. Im Jahr 1914 entstanden anstelle der früheren Breite(n)straße ein kleiner Platz und ein tempelartiger Schmuckbau mit dorischen Säulen als städtebaulicher Akzent, in dem bis 1971 eine öffentliche Bücherhalle untergebracht war. Es war Schumachers einziger Beitrag zur bereits weitgehend gebauten Mönckebergstraße. Nach 20 Jahren Vermietung an Burger King sind 2009 eine Starbucks-Filiale und der KulturPunkt der Kulturbehörde eingezogen. Vorgelagert ist eine kleine Denkmalanlage mit Brunnen (1914–20) zur Erinnerung an Mönckeberg mit Plastiken von Schumachers Freund Georg Wrba (1926; Kriegsschäden durch Philipp Harth 1965 behoben). Die ehemalige Bücherhalle und der Brunnen stehen unter Denkmalschutz.