Hamburg-Volksdorf ist ein Stadtteil im Nordosten der Freien und Hansestadt Hamburg, der zum Bezirk Wandsbek gehört. Der Stadtteil ist überwiegend mit Einfamilienhäusern bebaut und weist viele parkähnliche Erholungsflächen auf.
Geografie Volksdorf grenzt östlich an die Stadt Ahrensburg und nordöstlich an die Gemeinde Ammersbek, welche beide zum Kreis Stormarn und zu Schleswig-Holstein gehören. Nordwestlich schließt Volksdorf an Bergstedt an, westlich an den Stadtteil Sasel und südwestlich an den Stadtteil Farmsen-Berne. Abgegrenzt durch den Volksdorfer Wald mit dem Mellenberg als höchste Erhebung Volksdorfs, schließt südlich Meiendorf, ein Ortsteil des Stadtteils Rahlstedt, an. Nördlich der Moorbek liegt auf schleswig-holsteinischem Gebiet die Exklave „Volksdorfer Buschwiese“. ()
Geschichte mini|Die elektrische Kleinbahn 1904 mini|Volksdorf 1905 Die Gegend war – wie das benachbarte Meiendorf – bereits in der Steinzeit besiedelt. Das belegen gefundene Feuersteinbeile, Schaber und Pfeilspitzen aus dieser Zeit. Die Gegend bestand seinerzeit aus Tundrasteppe. Auch aus der späteren Bronzezeit gab es reichlich Funde, namentlich einen der größten Schatzfunde Hamburgs. Bei den Ausschachtarbeiten für die Kleinbahnstrecke am Anfang des 20. Jahrhunderts sind Halsringe, Armspiralen und ein Hängebecken freigelegt worden, die in der Vorgeschichte vermutlich aus kultischen Gründen versenkt worden waren.
Die Bezeichnung Volksdorf stammt von Volcwardesdorpe ab und wird auf den Dorfgründer Volkward zurückgeführt. Die erste urkundliche Erwähnung im Mittelalter erfolgte 1296. Volksdorf gehörte ursprünglich zu Stormarn, seine Einnahmen gingen jedoch an das Kloster Harvestehude. 1437 verpfändete der damalige Grundherr Volksdorf zusammen mit anderen Dörfern an Hamburg, das Pfand wurde jedoch niemals ausgelöst. Volksdorf wurde somit eines der Hamburger Walddörfer. Einem als Verwalter eingesetzten Waldherren waren die Bauern zu Hand- und Spanndiensten verpflichtet. Im 16. Jahrhundert vergrößerte sich Volksdorf um die nachbarlichen Fluren des Herkenkrugs sowie um die Felder des Dorfes Lottbek.
1830 kam es zu einer tief greifenden Verwaltungsreform, bei der Volksdorf in die neu geschaffene Landherrenschaft der Geestlande eingegliedert worden ist. Zu diesem Zeitpunkt gab es rund 400 Einwohner in Volksdorf. Ab 1867 pachtete dann der Hamburger Kaufmann Heinrich Ohlendorff die Volksdorfer Jagdrechte. Er erwarb mehrere Hufen, errichtete ein Landhaus und führte einen modernen landwirtschaftlichen Großbetrieb. Er trieb die Verkehrserschließung Volksdorfs voran und so wurde die Kleinbahn von Altrahlstedt nach Volksdorf 1904 in Betrieb genommen. Auch initiierte Ohlendorff die Anlage eines Parks nach englischem Vorbild; Ohlendorffs Park.
Ab etwa 1900 wurden in Volksdorf von vermögenden Hamburgern Villen im Landhausstil erbaut, Heinrich Ohlendorff dachte jedoch schon weiter und bat im September 1904 den Landherrn der Geestlande um die Erstellung eines Bebauungsplans. Nach einem ersten Entwurf 1906 dauerte es bis 1913, bis der erste Bebauungsplan verabschiedet wurde.700 Jahre Volksdorf, Seiten 38–41
Die Anbindung Volksdorfs an die Walddörferbahn erfolgte ab 1912 mit der Erwartung, neue Siedlungsflächen zu schaffen. Mit der Fertigstellung 1920 führte die Walddörferbahn direkt nach Barmbek an das Hamburger U-Bahn-Netz und machte Volksdorf als Wohnort für andere Hamburger attraktiv.
Eines der ersten Projekte war die Siedlung Wensenbalken. Auch andere Teile Volksdorfs wurden parzelliert (Grundstücksgröße 1.000–1.200 m²) und bebaut. Die Bevölkerung Volksdorfs wuchs von knapp 1.000 im Jahr 1910 auf fast 3.500 im Jahr 1929.700 Jahre Volksdorf; Seite 61 1939 hatte Volksdorf mehr als 6.500 Bewohner und durch Flüchtlinge infolge des Hamburger Feuersturms verdoppelte sich diese Zahl bis 1946 fast.
Weitere Neubaugebiete kamen ab 1948 dazu. Wurden bis dahin fast ausschließlich Einzel- bzw. Doppelhäuser gebaut, änderte sich das. In der Folge wurden vermehrt Reihenhaussiedlungen gebaut und ab 1972 auch höhere Wohnblocks.700 Jahre Volksdorf, S. 57–60 1993 lag die Einwohnerzahl bei über 17.000.
1949/1951 entstand im Rahmen der Neuordnung der Hamburger Verwaltung der Ortsamtsbereich Walddörfer im Bezirk Wandsbek, der bis 2007 bestand.
Statistik Anteil der unter 18-Jährigen: 19,1 % [Hamburger Durchschnitt: 16,8 % (2023)]Hamburger Stadtteil-Profile: Berichtsjahr 2023 Anteil der Haushalte mit Kindern: 22,4 % [Hamburger Durchschnitt: 17,8 % (2023)] Anteil der über 64-Jährigen: 27,6 % [Hamburger Durchschnitt: 17,8 % (2023)] Ausländeranteil: 8,4 % [Hamburger Durchschnitt: 20,7 % (2023)] Anteil von Leistungsempfängern nach SGB II: 4,2 % [Hamburger Durchschnitt: 10,0 % (2023)] Arbeitslosenquote: 3,1 % [Hamburger Durchschnitt: 6,2 % (2023)]
Volksdorf zählt zu den wohlhabenden Hamburger Stadtteilen. Die durchschnittlichen jährlichen Einkünfte pro Steuerpflichtigen betrugen hier im Jahre 2020 etwa 75.263 Euro und sind deutlich höher als der Hamburger Durchschnitt (48.035 Euro).
In der Straße Immenschuur in Hamburg-Volksdorf unterhält die Republik Sierra Leone ein Honorarkonsulat.
Religionen In Volksdorf gibt es zwei lutherische Kirchen in einer Gemeinde: die Kirche am Rockenhof und die Kirche St. Gabriel. Das Gemeindezentrum St. Johannes musste 2002 wegen Geldmangels geschlossen werden. Die katholische Kirche ist mit der Heilig-Kreuz-Kirche der Pfarrei „Sel. Johannes Prassek“ vertreten. Des Weiteren gibt es als Freikirche die Gemeinde Hamburg-Volksdorf im Vörn Barkholt sowie die Lukaskirche der Christengemeinschaft nördlich der Katholischen Gemeinde und eine Neuapostolische Kirche im Eulenkrugpfad.
Politik Für die Wahl zur Hamburgischen Bürgerschaft gehört Volksdorf zum Wahlkreis Alstertal – Walddörfer. Die Bürgerschaftswahlen 2025, 2020, 2015, 2011, 2008, 2004 und 2001 führten zu folgendem Ergebnissen:
Bürgerschafts-wahl VolksdorfSPDCDUGrüneLinkeAfDFDPÜbrige202533,8 %28,4 %20,2 %5,3 %4,7 %2,6 %5,0 %202038,3 %12,6 %28,5 %5,5 %4,0 %7,2 %3,9 %201543,7 %17,3 %14,3 %6,0 %5,1 %10,7 %2,9 %201143,6 %23,3 %15,4 %4,0 % –9,8 %3,9 %200828,7 %46,7 %13,2 %3,8 % –6,5 %1,2 %200424,9 %50,4 %16,5 % – –4,3 %3,9 %200131,2 %30,8 %11,2 %0,2 % –9,1 %17,5 %
Bei Bezirksversammlungswahlen gehört der Stadtteil zum Wahlkreis Lemsahl-Mellingstedt, Duvenstedt, Wohldorf-Ohlstedt, Bergstedt, Volksdorf. Bei der Bundestagswahl ist Volksdorf dem Bundestagswahlkreis Hamburg-Wandsbek zugeordnet.
Die letzten Bezirksversammlungswahlen führten zu folgenden Ergebnissen: +BV-Wahlen 2024BV-Wahlen 2019BV-Wahlen 2014CDU29,7 %25,0 %29,1 %Grüne27,0 %33,7 %21,4 %SPD24,4 %21,4 %32,0 %FDP8,6 %8,2 %5,0 %AfD5,4 %4,5 %4,3 %Linke5,0 %5,6 %6,2 %Übrige1,5 %1,9 %Wahlbeteiligung78,6 %75,2 %61,0 %
Kultur und Sehenswürdigkeiten Das Bürgerhaus Koralle mit dem Programmkino „Koralle Kino“ mit drei Kinosälen, zwei (Musik-)Kneipen und einem Internetcafé ist das Zentrum des kulturellen Lebens in Volksdorf.
In dem Museumsdorf Volksdorf (gegründet 1962) sind historische Bauern- und Wirtschaftshäuser zu sehen. Vier- bis fünfmal jährlich werden Gewerketage veranstaltet, an denen frühere Handwerkstechniken und das ländliche Leben in vergangener Zeit zu sehen sind. Nebenan wurde 1989/90 die ehemalige Volksdorfer Schulkate von 1752 wieder aufgebaut. Sie diente von 1830 bis 1983 als Wohnhaus. Heute ist sie ein kleines Kulturzentrum mit verpachteter Gastronomie im Erdgeschoss.
Der Verein Konzerte junger Künstler im Spiekerhus e. V. (gegr. 1975) veranstaltet im Museumsdorf jährlich sechs Konzerte mit Kammermusik.
Der Verein Kulturkreis Walddörfer e. V. wurde 1978 gegründet, um den Bewohnern von Volksdorf und Umgebung den Besuch von mehr kulturellen Veranstaltungen in ihrem Wohnumfeld zu ermöglichen. Der ehrenamtlich geleitete Verein hat rund 450 Mitglieder und bietet überwiegend in der Ohlendorff’schen Villa jährlich etwa 20 Veranstaltungen (Theater, Konzerte, Lesungen, Vorträge, Kabarett, Kleinkunst, Stadtführungen) an. Der Verein hat sich auch erfolgreich bemüht, die Ohlendorff’sche Villa (denkmalgeschützter Bau von 1928 für Hans von Ohlendorff, Architekt Erich Elingius) als Stätte für kulturelle Veranstaltungen zu erhalten. Nach einem erfolgreichen Bürgerbegehren im Jahr 2008 konnte – nach langen Verhandlungen – der Bau 2013/2014 umfangreich saniert und renoviert werden. Am 30. August 2014 übergab die Hamburger Kultursenatorin Barbara Kisseler das Gebäude der neu gegründeten Stiftung Ohlendorff’sche VillaInternetauftritt der Stiftung Ohlendorff’sche Villa zur öffentlichen Nutzung für kulturelle Zwecke.
Der „Bürgerverein Walddörfer“ organisiert Bürgerengagement für kommunale Themen und vermittelt zwischen Behörden und Anliegen der Stadtteilbewohner.
Der Verein „Pfadfinder & Pfadfinderinnenbund Nordlicht e. V.“ betreibt seit über 40 Jahren Naturschutzangebote für Kinder und Jugendliche im Wulfsdorfer Weg durch Erhaltungsmaßnahmen der Volksdorfer Aue.
In den Kirchen St. Gabriel und am Rockenhof finden fast wöchentlich Konzerte statt.
Jedes Jahr findet am ersten Septemberwochenende das Volksdorfer Stadtteilfest statt mit einem Feuerwerk und einem Radrennen.
Im Zentrum Volksdorfs befindet sich der Platz Weiße Rose mit dem Denkmal zu Ehren der Widerstandskämpfer der Weißen Rose (von Franz Reckert 1978), deren Gedenktafel 1993 um die Namen der Toten der Hamburger Weißen Rose ergänzt wurde.
Angrenzend an das Naturschutzgebiet Duvenwischen befindet sich in der Straße Langenwiesen Nr. 15 das „Künstlerhaus Maetzel“, 1924–1926 von Emil Maetzel für seine Familie errichtet. Nach jahrelangem Leerstand und unklarer Zukunft wurde 2021 zur Rettung von Wohngebäude und Atelier sowie des weitläufigen Gartengeländes die „Stiftung Kunst und Kultur – Künstlerhaus Maetzel“ ins Leben gerufen.Stiftungsgründung Künstlerhaus Maetzel (bebildert)
Naturschutzgebiete mini|Naturschutzgebiet Volksdorfer Teichwiesen In Volksdorf liegen zwei der 35 Hamburger Naturschutzgebiete. Das sind zum einen die von der Saselbek durchflossenen Volksdorfer Teichwiesen. Das gut erhaltene Tunneltal wurde 1993 unter Schutz gestellt und beherbergt bedrohte Arten. Seit April 2019 gibt es zusätzlich das Naturschutzgebiet Duvenwischen.
Bauwerke und Sport Grundlage für die Anlage des Schulzentrums Volksdorf war das Walddörfer-Gymnasium, erbaut 1927–1930 im klassischen Klinkerstil Fritz Schumachers in der Straße Im Allhorn.
Auf dem Gelände des Schulzentrums gibt es vier Sporthallen und das 2014 vollständig sanierte und mit Kunstrasen versehene Allhorn Stadion. Dieses Stadion ist die Spielstätte der Fußballabteilung des ortsansässigen Sportvereins, dem Walddörfer SV.Die zum Ensemble des Museumsdorfes gehörende Räucherkate, die im Juli 2009 abbrannte und 2012 wiederaufgebaut wurde, wird als Veranstaltungsraum genutzt. Dort hat u. a. der Volksdorfer Schachklub seinen Sitz. Die Vermietung übernimmt wie schon früher der Ortsjugendring Volksdorf.Die Räucherkate – eine lange Geschichte. In: Heimatecho. 9. November 2011 (heimatecho.de).Wiederaufbau Räucherkate Volksdorf sichtbar. In: Heimatecho. 2. November 2011 (heimatecho.de).Zentrum für Feiern, Veranstaltungen und mehr In: Heimatecho vom 9. November 2011Volksdorfer erhalten ihr Schmuckstück Räucherkate I. In: Heimatecho. 17. November 2012 (heimatecho.de).Volksdorfer erhalten ihr Schmuckstück Räucherkate II. In: Heimatecho. 17. November 2012 (heimatecho.de)
Der Stadtteil verfügt über das von der Bäderland Hamburg GmbH betriebene Parkbad, ein Hallenbad mit Kind- und Kleinkindbecken, beheiztem Außenbecken und Liegewiese.
Mitten in Volksdorf gibt es außerdem ein Karate-Dojo und eine Tanzschule sowie etwas außerhalb den Walddörfer THC.
Wirtschaft und Infrastruktur mini|Der Platz „Weiße Rose“