Eberstein (slowenisch Svinec (PDF; 146 kB), abgerufen am 27. Februar 2014.) ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk St. Veit an der Glan im österreichischen Bundesland Kärnten.
Geographie Die Gemeinde liegt im Osten des Bezirks St. Veit an der Glan. Sie umfasst das Görtschitztal vom Gemeindehauptort Eberstein bis nahe an den Hauptort der Nachbargemeinde Brückl, den Südwesten der Saualpe und den Südosten des Brückler Berglands. Die Gemeinde ist Teil der Norischen Region.
Gliederung Katastralgemeinden Die Gemeinde besteht aus zehn Katastralgemeinden (Baumgarten, Eberstein, Gutschen, Hochfeistritz, Kaltenberg, Kulm, Mirnig, Rüggen, St. Oswald, St. Walburgen).
Ortschaften Das Gemeindegebiet umfasst zehn Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):
Zählsprengel Für statistische Zwecke werden zwei Zählsprengel unterschieden: 000 Eberstein (umfasst den Siedlungsschwerpunkt der Gemeinde mit den Ortschaften Eberstein, Kulm, und dem nördlichen Teil der Ortschaft Gutschen) 001 Eberstein-Umgebung (umfasst die Ortschaften Baumgarten, Hochfeistritz, Kaltenberg, Mirnig, Rüggen, St. Oswald, St. Walburgen, und den südlichen Teil der Ortschaft Gutschen)
Nachbargemeinden
mini|Ehemaliger Galgen in Gutschen
Geschichte Vor der Gemeindegründung Das heutige Gemeindegebiet war, wie Funde belegen, schon in der Römerzeit besiedelt. So sind beispielsweise in die Fassade des Schlosses Eberstein römische Grabsteine aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. eingebettet. Funde römischer Meilensteine belegen, dass von Hüttenberg aus durch das Görtschitztal und somit durch das heutige Gemeindegebiet von Eberstein eine Nebenstraße zum Transport des für das Römische Reich wichtigen Norischen Eisens (Ferrum Noricum) geführt hat.
Im 11. Jahrhundert wurde die Burg Hocheberstein erbaut und das Dorf Eberstein zur Versorgung der Burg gegründet. Erstmals urkundlich erwähnt wird das heutige Schloss Eberstein im 12. Jahrhundert als untere Burg. Ihre Besitzer, Dienstleute der Grafen von Görz-Tirol, wurden 1152 erstmals genannt. Die Herren von Eberstein starben im Jahr 1457 aus, ihr Erbe trat Moritz Welzer an, der damit den landespolitisch wichtigen Kärntner Zweig der Familie begründete. Dieser emigrierte im Zuge der Gegenreformation in deutsche Gefilde, so dass im Jahr 1630 Burg und Herrschaft an die Grafen Christalnigg übergingen.
Der bereits 1474 als Markt bezeichnete Ort erlangte ab dem Spätmittelalter Bedeutung durch Hammerwerke, die ab dem 17. Jahrhundert von den Grafen Christalnigg mit Erzen aus Hüttenberg und Lölling beliefert wurden. 1828 gab es im heutigen Gemeindehauptort Eberstein jeweils mehrere Bäcker, Schneider, Schuster, Weber, Schmiede und Kürschner und je einen Lederer, Färber, Binder und Bader. 1848 ging in Eberstein ein zweiter Hochofen in Betrieb.Walter Wohlfahrt: Eberstein und seine Bürgermeister von 1850 bis 1950. in: Carinthia I, 1992. S. 269f.
Albert Tonitz, in Eberstein lebender Kommissär des Steuerbezirks Eberstein, setzte sich 1848 für eine neue Verfassung, für Reformen und gegen Privilegien des Adels ein. Er wurde deshalb polizeilich verfolgt und emigrierte nach Amerika.Walter Wohlfahrt: Eberstein und seine Bürgermeister von 1850 bis 1950. in: Carinthia I, 1992. S. 271.
Gemeindegründung, Zentrum des Görtschitztals Im Zuge der Reformen in Österreich nach der Revolution von 1848/49 wurde 1850 die Ortsgemeinde Eberstein gebildet, die zunächst aus den sieben Katastralgemeinden Baumgarten, Eberstein, Gutschen, Kulm, Mirnig, St. Oswald und St. Walburgen bestand, in denen im Jahr 1849 insgesamt 1705 Personen gelebt hatten.Walter Wohlfahrt: Eberstein und seine Bürgermeister von 1850 bis 1950. in: Carinthia I, 1992. S. 271.
Ebenfalls im Zuge dieser Reformen wurde Eberstein Sitz eines Bezirksgerichts und eines Steueramts. Im März 1850 wurde ein Gendarmerieposten in Eberstein errichtet, im September 1850 eine Post-Expedition gegründet. 1869 bekam Eberstein einen Eisenbahnanschluss durch die Errichtung der Bahnstrecke nach Hüttenberg. Als Folge des Eisenbahnbaus wurden die Gemeinden Hüttenberg, St. Johann am Pressen und Lölling dem Gerichtsbezirk Eberstein (statt dem Gerichtsbezirk Althofen) zugewiesen. Eberstein wurde so zum Mittelpunkt des gesamten Görtschitztals. 1876 wurde ein Notariat in Eberstein eröffnet und eine Creditgenossenschaft gegründet. 1880 wurde der Straßen-Ausschuss Eberstein gegründet, ein Vorläufer der bis heute in Eberstein ansässigen Straßenmeisterei.Walter Wohlfahrt: Eberstein und seine Bürgermeister von 1850 bis 1950. in: Carinthia I, 1992. S. 277–280.
1865 wurde die Katastralgemeinde St. Walburgen von der Gemeinde Eberstein abgetrennt und an die Nachbargemeinde Brückl angeschlossen. 1871 wurde die Nachbargemeinde Hochfeistritz aufgelöst; damit kamen die Katastralgemeinden Hochfeistritz, Kaltenberg und Rüggen zur Gemeinde Eberstein. 1887 ging die Katastralgemeinde St. Walburgen von der Gemeinde Brückl wieder zurück an die Gemeinde Eberstein; seither hat die Gemeinde ihren heutigen Umfang.
Bis 1945 Der Niedergang des Hüttenberger Bergbaus erfasste ab 1881 auch die Ebersteiner Hüttenanlagen, die ihre Bedeutung als Arbeitgeber in der Region verloren. 1903 wurde ein Zementofen in der bereits stillgelegten Hochofenanlage in Betrieb genommen, machte aber 1907 Konkurs.Walter Wohlfahrt: Eberstein und seine Bürgermeister von 1850 bis 1950. in: Carinthia I, 1992. S. 280.
Am 3. Juli 1895 wurde Eberstein durch ein Unwetter schwer in Mitleidenschaft gezogen; allein im Schloss wurden mehr als 100 Fensterscheiben durch Hagel zerstört. Das Ereignis führte zur Gründung des Ebersteiner Sparkassen-Vereins.Walter Wohlfahrt: Eberstein und seine Bürgermeister von 1850 bis 1950. in: Carinthia I, 1992. S. 283.
Ab 1916 war die Versorgungslage in der Gemeinde sehr schlecht. Wochenlang war kein Mehl und kein Brot erhältlich; die Gemeinde empfahl, Krähen und Elstern zu Nahrungszwecken zu jagen. Im November 1918 plünderte die Bevölkerung einen im Bahnhof stehenden Güterzug. In dieser Zeit brach die staatliche Ordnung in der Gemeinde praktisch zusammen; bewaffnete Banden plünderten Bergbauernhöfe.Walter Wohlfahrt: Eberstein und seine Bürgermeister von 1850 bis 1950. in: Carinthia I, 1992. S. 289–291.
1926 errichtete die Gemeinde ein Armenhaus. Ab 1927 führte die Autobuslinie Klagenfurt - Hüttenberg durch Eberstein. 1931 wurde eine Tankstelle in Eberstein eröffnet.Walter Wohlfahrt: Eberstein und seine Bürgermeister von 1850 bis 1950. in: Carinthia I, 1992. S. 303f.
1928 wurde die vielleicht bis ins Mittelalter zurückreichende Ebersteiner Commune, eine bürgerliche Vereinigung, aufgelöst und durch die politische Gemeinde übernommen. Bis zuletzt hatte die Commune sich um die Friedhofsverwaltung, Wasserversorgung, Straßenbeleuchtung, Forstwirtschaft und den Wirtschaftsausschuss gekümmert.Walter Wohlfahrt: Eberstein und seine Bürgermeister von 1850 bis 1950. in: Carinthia I, 1992. S. 294f.
Am 27. Juli 1934 wurde Eberstein durch etwa 150 Nationalsozialisten und Bauernwehren belagert; der Ort wurde durch ein im Schloss stationiertes Heimwehrkommando verteidigt.Walter Wohlfahrt: Eberstein und seine Bürgermeister von 1850 bis 1950. in: Carinthia I, 1992. S. 306f. Nach dem Putschversuch wurden 24 Nationalsozialisten verhaftet, dreizehn weitere flüchteten nach Deutschland.Walter Wohlfahrt: Eberstein und seine Bürgermeister von 1850 bis 1950. in: Carinthia I, 1992. S. 308.
Ab 1935 wurde die Saualmstraße gebaut, ab 1937 ein Kraftwerk an der Görtschitz.Walter Wohlfahrt: Eberstein und seine Bürgermeister von 1850 bis 1950. in: Carinthia I, 1992. S. 308f.
Nach dem „Anschluss“ Österreichs an den NS-Staat 1938 wurden die Zeugen Jehovas der Gemeinde verfolgt: Leonhard Rutter wurde als Kriegsdienstverweigerer ins KZ Dachau deportiert und dort getötet. Johann Obweger jun. wurde ins KZ Dachau deportiert, Johann Obweger sen. und Franz Obweger wurden inhaftiert. Des Weiteren kam Hermine Obweger in ein Umerziehungsheim nach Waiern/Feldkirchen, weil ihre Eltern sich geweigert hatten, sie nach nationalsozialistischen Prinzipien zu erziehen.Gerti Malle: Für alles bin ich stark durch den, der mir Kraft verleiht. Widerstand und Verfolgung der Zeugen Jehovas in der Zeit des Nationalsozialismus in Kärnten. Kitab, Klagenfurt, 2011.
Ab Juli 1944 gab es Partisanentätigkeit im Gemeindegebiet; im April 1945 kämpfen hier etwa 100 Partisanen.Walter Wohlfahrt: Eberstein und seine Bürgermeister von 1850 bis 1950. in: Carinthia I, 1992. S. 310f.
Seit 1945 Am 11. Mai 1945 kamen die ersten britischen Soldaten nach Eberstein; Schloss Eberstein diente den Briten in den folgenden Monaten als Quartier.Walter Wohlfahrt: Eberstein und seine Bürgermeister von 1850 bis 1950. in: Carinthia I, 1992. S. 314.
Das Recht zur Führung der Bezeichnung Marktgemeinde wurde Eberstein 1956 bestätigt. Die Kärntner Gemeindestrukturreform 1973 führte zu keinen Änderungen des Umfangs der Gemeinde Eberstein. 1978 wurde das Bezirksgericht Eberstein aufgelassen. 1995 wurde der Personenverkehr der Görtschitztalbahn eingestellt.
Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung
Die Gemeinde hatte von 1981 bis 1991 und auch weiter bis 2001 eine leicht positive Geburtenbilanz, aber die Wanderungsbilanz war so stark negativ, dass die Bevölkerungszahl insgesamt zurückging. Seit 2011 sind beide Bilanzen negativ, die Geburtenbilanz mit −84 deutlich stärker als die Wanderungsbilanz mit −4.
Staatsbürgerschaft, Religion Laut Volkszählung 2001 hatte Eberstein 1.505 Einwohner, davon besaßen 96,9 % die österreichische Staatsbürgerschaft. 88,0 % der Bevölkerung bekannten sich zur römisch-katholischen und 2,0 % zur evangelischen Kirche, 6,6 % waren ohne religiöses Bekenntnis.
mini|Schloss Eberstein mini|Kapelle mit Pfarr- und Wallfahrtskirche Unsere Liebe Frau in Hochfeistritz mini|hochkant|Pfarrkirche Heilige Walburga in St. Walburgen
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Schloss Eberstein mit der Georgskirche Katholische Pfarrkirche Hochfeistritz Unsere Liebe Frau Katholische Pfarrkirche St. Oswald ob Hornburg Katholische Pfarrkirche St. Walburgen mit ehemaligem Karner Katholische Filialkirche Mirnig hl. Andreas Ehemaliges Hochofenwerk in Eberstein Felsentor: Das im Ortsteil Gutschen westlich des Bahnhofs gelegene Felsentor ist eines der größten und schönsten in Österreich. Vom in der Nähe des Felsentors gelegenen Galgen sind die beiden Pfeiler erhalten und stehen unter Denkmalschutz. Die im Talmuseum Lachitzhof aufliegende Chronik berichtet, dass am 23. Mai 1747 Philipp Lackner wegen Viehdiebstahls am Strang erhängt wurde. Am 26. Juni 1826 wurde die Barschaft von Barbara Schöffmann am Landgericht Eberstein hinterlegt. Sie wurde des Kindsmordes angeklagt und soll dann auch hingerichtet worden sein, wofür es aber keine Belege gibt. Im Juni 2024 wurde am Hauptplatz in Eberstein eine vom Hüttenberger Künstler Franz Muhr errichtete Marmorstatue zu Ehren von Gräfin Anna von Eberstein enthüllt, einer Vorfahrin von Hugh Grants Ehefrau Anna, geborene Eberstein.
Wirtschaft und Infrastruktur mini|Dolomitabbau In der Gemeinde ist neben der Land- und Forstwirtschaft auch der Fremdenverkehr, größtenteils im Sommer als Sanfter Tourismus, mit etwa 15.000 Nächtigungen (Stand 2017) pro Jahr, von wirtschaftlicher Bedeutung.
Der für die Kies- und Schottergewinnung bedeutsame Dolomit wird seit Jahrhunderten im Tagbau direkt über dem Ort abgebaut. In geologischer Hinsicht ist dieser Berg mit dem Kathreinkogel in Schiefling am Wörthersee verbunden, wo auch Dolomit aus dem Berg gebrochen wurde.
Wirtschaftssektoren Die folgende Tabelle zeigt die Entwicklung der Anzahl der Betriebe und der Beschäftigten in den Wirtschaftssektoren: WirtschaftssektorAnzahl BetriebeErwerbstätige20212011 2001 20212011 2001Land- und Forstwirtschaft 1)58101 117 6963 77Produktion2223 18 12591 91Dienstleistung6166 50 165205 166 1) Betriebe mit Fläche in den Jahren 2010 und 1999, Arbeitsstätten im Jahr 2021
Pflege