mini|hochkant=1.4|Campus der Technischen Hochschule Brandenburg

Die Technische Hochschule Brandenburg (THB) ist eine staatliche Fachhochschule in Brandenburg an der Havel. Sie wurde 1992 als Fachhochschule Brandenburg gegründet, womit die Stadt Brandenburg erstmals Hochschulstadt wurde. Das Gelände der Technischen Hochschule Brandenburg befindet sich auf einem Campus im Stadtteil Altstadt, einem ehemaligen Kasernenkomplex aus dem 19. Jahrhundert.

Etwa 2.128 Studierende (Sommersemester 2023) werden von circa 391 Mitarbeitern der Hochschule betreut. Der Schwerpunkt des Studienangebots in drei Fachbereichen konzentriert sich auf die sogenannten MINT-Fächer.

Geschichte Der Campus der Technischen Hochschule entstand auf dem Gelände eines ehemaligen Kürassier-Regiments der Königlich Preußischen Armee beziehungsweise des Deutschen Heeres. Die historischen Hochschulgebäude mit einer roten Klinkerfassade wurden für das Kürassier-Regiment „Kaiser Nikolaus I. von Russland“ (Brandenburgisches) Nr. 6 errichtet. Im Zuge eines Heeresausbaus wurde 1874 ein Regierungsbeschluss zum Bau mehrerer Kasernen in Brandenburg an der Havel gefasst. Finanziert wurden die Neubauten mit 2.275.000 Mark aus den 5 Milliarden Goldfranken umfassenden französischen Reparationszahlungen nach dem Deutsch-Französischen Krieg.

mini|Die Kürassierkaserne Brandenburg um 1881

Baubeginn an der neuen Kürassierkaserne war im Sommer 1877. Binnen vier Jahren wurde der Bau der Anlage abgeschlossen und am 1. April 1881 übergeben. Architektonische Vorlage war die Husarenkaserne Potsdam. Die neu errichtete Anlage umfasste ein Areal von etwa neun Hektar. 13.570 Quadratmeter der Fläche waren bebaut. Es gab eine Reitbahn mit einer Länge von 47 Metern und 673 Meter Stallungen für insgesamt 742 Pferde. Die Unterkunft für die Soldaten lag an der Magdeburger Straße. In diesem Bau waren im Keller Küchen, Vorratskammern, Speisesäle und Baderäume untergebracht. Bekleidungs-, Ausrüstungskammern und Werkstätten befanden sich unter dem Dach. Weiterhin gab es Unterkünfte für sechs Offiziers- und siebzehn Unteroffiziersfamilien.Wolfgang Kusior: Zur Geschichte der Kürassierkaserne und ihrer Truppenteile in Brandenburg (Havel). In: Rainer Janisch (Hrsg.): 15 Jahre Fachhochschule Brandenburg. 2007, S. 25.

Nach wechselvoller militärischer und ziviler Nutzung wurden ab 1962 Offiziersschüler der Offiziershochschule der Luftstreitkräfte/Luftverteidigung Franz Mehring der Nationalen Volksarmee der DDR auf dem Gelände als Hubschrauberführer ausgebildet. Die Offiziere konnten im Zuge ihrer Ausbildung den akademischen Grad eines Diplomingenieurs erwerben.Wolfgang Kusior: Zur Geschichte der Kürassierkaserne und ihrer Truppenteile in Brandenburg (Havel). In: Rainer Janisch (Hrsg.): 15 Jahre Fachhochschule Brandenburg. 2007, S. 44. Nach dem Ende der DDR wurde die Kaserne in eine zivile Nutzung überführt. Mit der Gründung der Fachhochschule Brandenburg wurde das Gelände zu einer zivilen Bildungsstätte.

Gründung der Hochschule 1992 mini|In der Gründungsphase genutztes Hochschulgebäude in der Kirchhofstraße; ehemaliges Brennaborwerk Im Oktober 1991 wurde vom Land Brandenburg die Errichtung und Gründung von fünf Fachhochschulen beschlossen. Neben der Fachhochschule Brandenburg waren dies die Fachhochschulen in Potsdam, Eberswalde, Wildau und Cottbus und Senftenberg. Die Fachhochschule Brandenburg wurde am 13. April 1992 offiziell gegründet. Sie war die historisch erste Hochschule in der Havelstadt. Bis zu diesem Zeitpunkt war eine Medizinische Fachschule die höchste Bildungseinrichtung in Brandenburg an der Havel.Sebastian Kinder und Haik Thomas Porada (Hrsg.): Brandenburg an der Havel und Umgebung. Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2006, S. 216, ISBN 978-3-412-09103-3. Zum Wintersemester 1992/93 immatrikulierten sich 62 Studierende in den Studiengängen Maschinenbau, Betriebswirtschaftslehre und Angewandte Informatik. Sie wurden zunächst von fünf Professoren unterrichtet. In den ersten Jahren nutzte die Hochschule aufgrund der anstehenden Umbau- und Sanierungsmaßnahmen auf dem ehemaligen Kasernengelände die Räumlichkeiten des denkmalgeschützten ehemaligen Brennaborwerks in der Kirchhofstraße in der Brandenburger Neustadt, welches nach dem Zweiten Weltkrieg jahrzehntelang Standort der Textilfabrik der Brandenburger Kinderbekleidung (Braki) war. Für Absolventen von Fachschulen der DDR wurden ab 1993 sogenannte Fernstudienbrückenkurse im Studiengang Maschinenbau angeboten. Sie konnten in einem verkürzten Studium den Diplomstudiengang abschließen.

Ab 1993 wurden auf dem Campus der Hochschule die historischen Gebäude saniert und durch moderne Neubauten ergänzt. Der erste Absolvent der Hochschule erhielt im August 1994 sein Diplom. Im Oktober 1996 war die denkmalgerechte Sanierung und der Umbau des großen Kasernenbaus zum neuen Hauptgebäude der Hochschule abgeschlossen, worauf die Hochschule von der Kirchhofstraße auf den Campus umzog. Der Standort in der Kirchhofstraße wurde vollständig aufgegeben. Ebenfalls im Oktober 1996 erfolgte die feierliche Übergabe des Gebäudes der Hochschulbibliothek im ehemaligen Reitstall der Kaserne. Ein Jahr später wurden die neu errichtete Mensa und das Gebäude des Fachbereichs Informatik übergeben. Die vormalige Reithalle wurde bis September 2006 zum Auditorium maximum ausgebaut.

Gründungsrektor der Hochschule war der spätere Oberbürgermeister der Stadt Helmut Schmidt. Er leitete die Fachhochschule von 1992 bis 1998. Sein Nachfolger wurde im Januar 1999 Werner Hofacker. Ihm folgten von 2001 bis 2006 Rainer Janisch und Hans Georg Helmstädter, der von 2007 bis 2013 im Amt blieb.Chronik. In: Rainer Janisch (Hrsg.): 15 Jahre Fachhochschule Brandenburg. 2007, S. 72–102. Von 2013 bis 2019 war Burghilde Wieneke-Toutaoui die erste Präsidentin der Hochschule. Am 22. Juli 2015 stimmte das Wissenschaftsministerium des Landes Brandenburg Plänen zu, die Fachhochschule in Technische Hochschule Brandenburg umzubenennen. Diese Umbenennung erfolgte zum 1. März 2016. Seit dem 1. April 2019 ist Andreas Wilms Präsident der Hochschule.

Hochschulstruktur mini|Das Haupttor der Technischen Hochschule Brandenburg

Institutionell ist die Technische Hochschule Brandenburg in die drei Fachbereiche Informatik und Medien, Technik sowie Wirtschaft strukturiert. Ein großer Teil von hochschultypischen zentralen Einrichtungen sind an der THB in sogenannten Zentren zusammengefasst. Neben dem Studierendensekretariat existiert beispielsweise ein Zentrum für Information, Medien und Kommunikation, welches die Hochschulbibliothek der Technischen Hochschule Brandenburg, die Hochschuldruckerei und das Rechenzentrum beinhaltet. Im Zentrum für Internationales und Sprachen sind das Sprachenzentrum und das Akademische Auslandsamt organisiert. Dieses Zentrum führt beispielsweise das Projekt Coaching International durch, welches den Berufseinstieg ausländischer Hochschüler und Absolventen in den regionalen Arbeitsmarkt fördern beziehungsweise unterstützen soll. Das Zentrum für Gründung und Transfer, welches Verbindungen zwischen der Hochschule und Wirtschaftsunternehmen knüpfen und pflegen soll, stellt beispielsweise die Anlaufstelle für angehende Unternehmer unter den Studierenden und Absolventen dar. So ermöglicht das Zentrum Zugänge zu branchenspezifischen Netzwerken und gegebenenfalls Fördermitteln. Daneben soll es die Wissenschaft und Forschung beispielsweise durch Beratung im Hinblick auf Regelung der Zusammenarbeit bei Forschungs- und Entwicklungsaufträgen oder der Suche nach Fördermöglichkeiten unterstützen und helfen, Ressourcen der Hochschule für Unternehmen zugänglich zu machen. Das Zentrum vergibt jährlich den Innovationspreis der Hochschule. Ein Zentrum für Studium und Karriere, das Hochschülern beim Erlangen zusätzlicher Qualifikationen und beim Start in den Beruf unterstützen soll, bietet den sogenannten Career Service. Dieser ist neben dem Zentrum für Internationales und Sprachen ebenfalls am Projekt Coaching International beteiligt. Zur Förderung und Unterstützung berufsbegleitenden Studierens wurde ein Zentrum für Durchlässigkeit und Diversität an der Technischen Hochschule gegründet.

Die Fachbereiche der Hochschule sind ebenfalls in sogenannten Zentren untergebracht. Diese Zentren sind in diesen Fällen die entsprechenden Hochschulgebäude für die einzelnen Fachbereiche mit ihrer gesamten Infrastruktur. So ist das Hauptgebäude, der historische Kasernenbau das Wirtschaftswissenschaftliche Zentrum, während der Fachbereich Informatik und Digitale Medien im Zentrum für Informatik und Medien und der Fachbereich Technik im Ingenieurwissenschaftlichen Zentrum untergebracht sind.

In Pritzwalk im Landkreis Prignitz verfügt die Technische Hochschule über eine Präsenzstelle. Die Einrichtung dient der Unterstützung der strukturschwachen Bildungs- und Wirtschaftsregion im Nordwesten des Bundeslandes. Die Präsenzstelle wurde im Jahr 2005 eröffnet. Initiiert wurde die Einrichtung vom Wachstumskern Autobahndreieck Wittstock/Dosse e. V., der auch an der Finanzierung beteiligt ist. Seit 2007 werden zusätzlich Fördermitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes Brandenburg eingesetzt. Über die Präsenzstelle werden beispielsweise akademische Weiterbildungen in der Region Prignitz koordiniert.

Die offizielle Zeitschrift der Technischen Hochschule Brandenburg ist das Magazin INFOCUS. Diese wird über die Pressestelle der Hochschule herausgegeben. Erstmals erschien das Magazin im Jahr 1994.

Organe und Gremien Leiter der Hochschule ist seit dem 1. April 2019 der Präsident Andreas Wilms, ehemals Vizepräsident für Lehre und Internationales an der THB. Er wird vom Vizepräsidenten für Lehre und Internationales Rolf Socher und vom Vizepräsidenten für Forschung und Technologietransfer Sören Hirsch vertreten. Die Hochschulverwaltung wird durch den Kanzler geleitet. Seit 2010 ist dies Steffen Kissinger. Die Verwaltung ist in drei Abteilungen, eine Stabsstelle und einen Stabsbereich strukturiert.

Dem elfköpfigen Senat der Technischen Hochschule gehören sechs Hochschullehrer, zwei Studierende, zwei Akademische Mitarbeiter und ein sonstiger Mitarbeiter an. Somit besteht grundsätzlich eine festgeschriebene Majorität der Hochschullehrer in diesem Gremium. Aufgaben des Senats sind durch das Brandenburgische Hochschulgesetz definiert. Dies sind Erlass und Änderung der Grundordnung, Erlass und Änderung sonstiger Satzungen der Hochschule, soweit nicht die Zuständigkeit der Fachbereiche begründet ist, Wahl und Abwahl des Präsidenten, die Aufsicht über den Präsidenten, insbesondere in Bezug auf den Rechenschaftsbericht, die Entlastung des Präsidenten sowie in Bezug auf den Entwurf des Haushaltsplanes. Weiterhin hat der Senat die Zuständigkeit über Entscheidungen in grundsätzlichen Fragen der Lehre, der Forschung, des Studiums und der Prüfungen sowie der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, die Zuständigkeit für Entscheidungen über den Entwicklungsplan der Hochschule und über die Vorschläge der Fachbereiche für die Berufung von Hochschullehrern und die Zuständigkeit zur Stellungnahme zu den Satzungen der Fachbereiche. Vorsitzender des Senats ist Thomas Kern.

Die drei Fachbereiche werden jeweils von einem Dekan geleitet. Im Januar 2015 waren die Dekane im Fachbereich Informatik und Medien Susanne Busse, im Fachbereich Technik Christian Zehner und im Fachbereich Wirtschaft Christian Mieke. Die Dekane sind für die Studien- und Prüfungsorganisation und die Koordinierung von Forschung und Lehre in ihren Fachbereichen verantwortlich. Organe der studentischen Selbstverwaltung an der Technischen Hochschule Brandenburg sind der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) und das Studierendenparlament (Stupa). Dem Studierendenparlament als höchstem beschlussfassenden Organ der Studierendenschaft gehören durch die und aus der Studentenschaft gewählte 17 Mitglieder an.

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