mini|hochkant=0.6|alt=|Strukturformel der Parabene (R = Alkylgruppe) Parabene ist eine Sammelbezeichnung für 4-Hydroxybenzoesäure (Paraben) und deren Derivate, wie Salze und Ester (kurz PHB-Ester). Die Bezeichnung leitet sich von para-Hydroxybenzoesäure ab. Sie verfügen, wie die verwandte Benzoesäure, über eine antimikrobielle und fungizide Wirkung und insbesondere die Ester werden daher in der pharmazeutischen Industrie, in Kosmetika sowie in bestimmten Lebensmitteln häufig als Konservierungsmittel eingesetzt.
Natürliches Vorkommen In der Natur kommen Paraben und deren Derivate in vielen Pflanzen, wie Gurken, Möhren, Zwiebeln, Kirschen, Heidelbeeren, Moltebeeren, Johannisbeeren, Weintrauben, Passionsfrucht oder Erdbeeren, in verschiedenen Gewürzen, aber auch in Honig und Gelée royale vor.
Vertreter und Eigenschaften Parabene Name Paraben Methylparaben Ethylparaben Propylparaben Butylparaben Phenylparaben IUPAC-Name 4-Hydroxybenzoesäure Methyl-4-hydroxybenzoat Ethyl-4-hydroxybenzoat Propyl-4-hydroxybenzoat Butyl-4-hydroxybenzoat Phenyl-4-hydroxybenzoat Strukturformel 110px|alt=|Struktur von Paraben 140px|alt=|Struktur von Methylparaben 160px|alt=|Struktur von Ethylparaben 180px|alt=|Struktur von Propylparaben 200px|alt=|Struktur von Butylparaben 180px|alt=|Struktur von Phenylparaben CAS-Nummer PubChem ECHA-ID Summenformel C7H6O3 C8H8O3 C9H10O3 C10H12O3 C11H14O3 C13H10O3 Molare Masse (g·mol−1) 138,12 152,15 166,18 180,2 194,22 214,22 Aggregatzustand fest Kurzbeschreibung farbloses, kristallines Pulver Schmelzpunkt 213–215 °C (Zersetzung) 125–128 °C 116–118 °C 95–98 °C 68–69 °C 182 °C Siedepunkt Zersetzung 270–280 °C (Zersetzung) 297–298 °C (Zersetzung) ab 310 °C Löslichkeit in Wasser 4,9 g·l−1 bei 20 °C, 335 g·l−1 bei 100 °C 2,5 g·l−1 bei 20 °C 1,7 g·l−1 bei 20 °C 0,4 g·l−1 bei 20 °C 0,2 g·l−1 bei 20 °C GHS-Kennzeichnung Gefahr — — Gefahr Achtung H- und P-Sätze Tox-Daten
Verwendung Parabene werden in verschiedenen Bereichen als Konservierungsmittel verwendet. Im technischen Bereich u. a. zur Konservierung von Ölen, Fetten, Leimen, Schuhputzmittel.
Arzneimittel Parabene werden bei Bedarf zur Konservierung sowohl bei Arzneimitteln zur äußeren als auch zur inneren Anwendung eingesetzt.Alfred Fahr: Voigt Pharmazeutische Technologie. 12. Auflage. Deutscher Apothekerverlag, 2010, ISBN 978-3-7692-6194-3, Kapitel 5 Grund- und Hilfsstoffe in der Arzneiformung, S. 192.K.H. Bauer, K.-H. Frömming, C. Führer: Pharmazeutische Technologie. 2. Auflage. Thieme Verlag (1989), S. 135.H. A. Schiffter-Weinle: Schutz vor Verderben - Konservierungsmittel in der Rezeptur. Deutsche Apothekerzeitung, 6. Oktober 2016. Generell gilt, dass die Verwendung von Konservierungsstoffen einer besonderen Begründung bedarf; sie sollte nach Möglichkeit vermieden werden, insbesondere bei Zubereitungen für Kinder. Die verwendeten Konzentrationen müssen so niedrig wie möglich sein.Guideline on Excipients in the Dossier for Application for Marketing Authorisation of a Medicinal Product. (PDF; 127 kB) Ausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Arzneimittelagentur, Juni 2007 (englisch). In der Rezeptur kommen, wenn eine Konservierung erforderlich ist, häufig das Methyl- und Propyl-4-hydroxybenzoat als fixe Kombination in Form des „Konservierten Wassers DAC“ (Aqua conservans) zum Einsatz.Konserviertes Wasser DAC. DAC/NRF Rezepturtipps 2016, 14. Januar 2016. Wegen der östrogenähnlichen Wirkung ist das Propyl-4-hydroxybenzoat (Propylparaben) bei Kindern und Schwangeren zu meiden.M. Haß: Rezepturherstellung - Suspensionen galenisch komplex. Pharmazeutische Zeitung, 27. September 2019. Zur Verwendung von Methyl- und Propylparaben in Humanarzneimitteln zum Einnehmen veröffentlichte der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) 2015 ein Reflection Paper: Demzufolge gelte die von der EFSA für Methyl- und Ethylparaben und ihre Natriumsalze festgelegte erlaubte Tagesdosis (acceptable daily intake, ADI) von maximal 10 mg/kg Körpergewicht auch für Arzneimittel. Die Verwendung von Methylparaben bis zu 0,2 % als Konservierungsstoff entspricht dieser Grenze. Unter Berücksichtigung der in Tierstudien gefundenen Wirkungen von Propylparaben auf das weibliche Fortpflanzungssystem gelte für die Anwendung dieser Substanz bei Kindern und Erwachsenen eine Höchstmenge von 2 mg/kg Körpergewicht pro Tag.Reflection paper on the use of methyl- and propylparaben as excipients in human medicinal products for oral use. (PDF; 357 kB) Ausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Arzneimittelagentur, Oktober 2015 (englisch).
Kosmetika In Kosmetika werden Parabene in Cremes, Lotionen, Make-Up, Lippenstifte, Rasierwässer, Deodorants, Seifen, Sonnenschutzmittel, Enthaarungsmittel und Shampoos verwendet. Die Verwendung in kosmetischen Produkten wird durch die Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel (Kosmetikverordnung) geregelt. Zugelassen sind 4-Hydroxybenzoesäure (Paraben), Methylparaben, Ethylparaben, Propylparaben, Butylparaben, sowie einige deren Natrium-, Kalium- und Calcium-Salze. Es gelten Höchstkonzentrationen von 0,4 % für Methyl- und Ethylparaben, von 0,14 % für Propyl- und Butylparaben sowie 0,8 % für Estergemische (jeweils bezogen auf den Gehalt als Säure). In Kosmetika wird vorwiegend Methylparaben eingesetzt. Weniger häufig werden Propyl- und Butylparaben eingesetzt. Aufgrund fehlender Daten ist die Verwendung der weniger gut untersuchten Parabene Isopropylparaben, Isobutylparaben, Phenylparaben, Benzylparaben und Pentylparaben seit 2014 verboten.
Lebensmittel
In Lebensmitteln sind lediglich Methylparaben und Ethylparaben sowie ihre Natriumsalze als Zusatzstoffe zugelassen, die unter den E-Nummern E 214 (Ethylparaben), E 215 (Natriumethylparaben), E 218 (Methylparaben) und E 219 (Natriummethylparaben) geführt werden. Die zugelassenen Verwendungen sind auf wenige Anwendungen begrenzt (Grenzwerte jeweils bezogen auf die freie Säure): Kategorie / Zugelassene Anwendung Grenzwertmg·kg−1 bzw. mg·l−1 Enzyme 2000 05.2 Süßwaren, außer Kakao und Schokoladenprodukte05.4 Verzierungen, Überzüge und Füllungen 300300 08.3.1 Nicht wärmebehandelte Fleischerzeugnisse 08.3.2 Wärmebehandelte Fleischerzeugnisse 08.3.3 Därme und sonstige Produkte für die Umhüllung von Fleisch Oberflächenbehandlung q. s.Pate 1000Gelee-Überzug 1000 11.4.1 Tafelsüßen, flüssig 500 15.1 Knabbereien auf Kartoffel-, Getreide-, Mehl- oder Stärkebasis15.2 Verarbeitete Nüsse 300300 Die von der EFSA festgelegte erlaubte Tagesdosis (, ADI) für Methylparaben und Ethylparaben liegt bei 0 bis 10 mg/kg Körpergewicht und damit doppelt so hoch, wie die für Benzoesäure und deren Salze.
Die Verwendung von E 216 (Propylparaben) und E 217 (Natriumpropylparaben) in Lebensmitteln ist seit 2006 in der EU nicht mehr zugelassen.
Tabakwaren
Für Tabakwaren waren bis 2016 durch die deutsche Tabakverordnung die Verwendung von E 214 (Ethylparaben), E 215 (Natriumethylparaben), E 216 (Propylparaben) und E 217 (Natriumpropylparaben) als Konservierungsstoffe, jedoch nicht für Zigarren und nicht für Zigaretten, mit Ausnahme von Zigarettennahtleim und Tabakfolie zugelassen. In der aktuell gültigen Tabakerzeugnisverordnung ist ausschließlich die Verwendung von Propylparaben verboten.
Gesundheitliche Risiken Der Einsatz von Parabenen wurde in den vergangenen Jahren mit verschiedenen unerwünschten Nebenwirkungen in Verbindung gebracht. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass Parabene nicht nur über Kosmetika, sondern auch über Medikamente und Nahrungsmittel in den Körper gelangen können.Medikamente bewertet. Stiftung Warentest, 1. Dezember 2012.
Allergenes Potenzial Parabene werden häufig wegen einer möglichen Auslösung von Allergien kritisiert.S. Lange-Ionescu et al.: Kontaktallergie bei Patienten mit Stauungsdermatitis oder Ekzem der Beine. In: Dermatosen, 1996, 44, S. 14–22.Allergie gegen Parastoffe. test.de, Stiftung Warentest, 1. Dezember 2012. Gemäß dem Informationsverbund dermatologischer Kliniken (IVDK) 2011 jedoch „treten Parabene nur selten als Verursacher von Kontaktsensibilisierungen auf Kosmetika in Erscheinung“.Kontaktallergien auf Kosmetika. (PDF; 17 kB) GD Gesellschaft für Dermopharmazie e. V., Pressemitteilung, 4. April 2011.
Krebsrisiko Britische Wissenschaftler (Darbre et al.)P. D. Darbre, A. Aljarrah, W. R. Miller, N. G. Coldham, M. J. Sauer, G. S. Pope: Concentrations of parabens in human breast tumours. In: Journal of applied toxicology: JAT. Band 24, Nummer 1, 2004 Jan-Feb, S. 5–13, doi:10.1002/jat.958. PMID 14745841. berichteten 2004 in einer Veröffentlichung, dass sie Parabene in Brusttumoren nachweisen konnten. Allerdings führten die Autoren keine Untersuchungen zum Parabengehalt in tumorfreien Geweben der betroffenen Patienten durch. Spätere Studien wiesen allerdings die systemische Absorption durch Nachweis intakter Parabenester in menschlichen Ausscheidungen nach. Ebenso fehlten Angaben dazu, ob die Patienten vor dem Auftreten der Tumoren überhaupt parabenhaltige Deodorants verwendet hatten. Trotz dieser Schwächen der Studie wurde vor der Verwendung von parabenhaltigen Deodorants mit Hinweis auf die ungenügende Datenlage gewarnt.W. Parzefall, C. Drucker, N. Erlach, A. Losert, M. Micksche: krebshilfe.net, Stand: 13. Februar 2004. Die Warnung wurde damit begründet, dass Parabene eine dem Hormon Östrogen ähnliche Struktur aufweisen, was die Zellen des Brustgewebes eventuell zu unkontrolliertem Wachstum anregen könnte. Eine Studie zur Exposition ergab jedoch keine Assoziation zwischen dem Gebrauch von Antitranspirantien oder Deodorantien und einer Brustkrebserkrankung. Darüber hinaus wurde zwischen verschiedenen Methoden der Achselhaarentfernung unterschieden, auch hier zeigten sich keine Zusammenhänge.Brustkrebsrisiko durch Paraben-haltige Deodorants. Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und der Wissenschaftliche Ausschuss Verbrauchersicherheit (SCCS) der Europäischen Kommission haben ebenfalls die Arbeiten von Darbre et al. überprüft und sehen keinen Zusammenhang zwischen der Verwendung von parabenhaltigen Deodorantien und Brustkrebserkrankungen.Parabenhaltige Deodorants und die Entstehung von Brustkrebs (13. Februar 2004) (PDF; 64 kB) Bundesinstitut für Risikobewertung.EU SCCS - Opinion on Parabens (2011) (PDF; 475 kB).Stellungnahme (PDF; 168 kB) des Scientific Committee on Consumer Products zu Parabenen, Deodorantien und Brustkrebs (Stand: Januar 2005).
Hormonelle Wirksamkeit Parabene (namentlich Propyl- und Butylparaben) gerieten in Verdacht, den sogenannten endokrinen Disruptoren anzugehören, das heißt, die Wirkung von Hormonen in Lebewesen zu behindern. Endokrine Disruptoren vermögen etwa bei Fischen, Vögeln, Reptilien und Säugetieren schädliche Wirkungen wie Fortpflanzungsstörungen und die „Verweiblichung“ von Männchen zu verursachen. Einer von der Generaldirektion Umwelt 2009 in Auftrag gegebenen Studie zufolge wurde in vitro in Rezeptorbindungsstudien gefunden, dass Parabene östrogene und antiandrogene Eigenschaften aufweisen. Im Tierversuch an erwachsenen Ratten vermochten bestimmte Parabene den Testosteronspiegel und die Spermienproduktion zu senken, jedoch waren die Studienergebnisse uneinheitlich. Zusätzlich habe sich in Studien mit Parabenmischungen eine östrogene Wirkung gezeigt. Allerdings sei die Datenlage insgesamt lückenhaft.State of the Art of Endocrine Disruptors - Final Report. (PDF; 1,8 MB) Report zur von der Generaldirektion Umwelt 2009 in Auftrag gegebene Studie zum Stand der Bewertung von endokrinen Disruptoren, 23. Dezember 2011.