mini|Rebhänge bei Sitten im Kanton Wallis mini|Weinberg in Visperterminen – einer der höchstgelegenen in Europa Der Weinbau in der Schweiz findet hauptsächlich im Wallis sowie in den französischsprachigen Westschweizer Kantonen Waadt, Neuenburg, Genf und im Drei-Seen-Land statt. In der Deutschschweiz konzentriert sich der Weinbau auf die deutschsprachigen Gebiete des Drei-Seen-Landes sowie die Kantone Aargau, Luzern, Zürich, Schaffhausen und Thurgau und auf das Alpenrheintal. Im italienischsprachigen Tessin werden vor allem Rotweine erzeugt.

Schweizer Weine werden zum Grossteil in der Schweiz getrunken; nur ein bis zwei Prozent der in der Schweiz erzeugten Weine werden exportiert. Die Nachfrage überstieg die Menge des meist auf schwierigem Gelände angebauten Weines. Dies führt zu hohen Preisen sowie zu der Versuchung, Bedingungen für sehr hohe Erträge zu schaffen. Seitdem sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen in der Schweiz durch Schaffung von kontrollierten Appellationen verschärft haben, steigt die Qualität des Schweizer Weines an. Die Anbaubedingungen auf nur kleinen Weinbergen in steilen Hanglagen sind schwierig. Zudem haben die Schweizer Winzer in den 2020er Jahren – wie praktisch alle Länder, in denen traditionell Wein getrunken wird – mit einem sinkenden Weinkonsum zu kämpfen.Starker Rückgang des Weinkonsums in der Schweiz. Medienmitteilung des Bundesamts für Landwirtschaft vom 29. April 2025. Die Schweizer konsumierten im Jahr 2024 218,4 Millionen Liter Wein gegenüber 266 Millionen Litern im Jahr 2014. Ausserdem hat die Branche mit einer stärkeren ausländischen Konkurrenz zu kämpfen.Krise des Schweizer Weins belastet die Winzer. In: Cash, 4. Oktober 2025. Ungeeignete Rebanlagen sollen gerodet werden.Benno Tuchschmid: «Es gibt viele Winzer, die bald im Traktor nach Bern fahren wollen. Ich verstehe sie». In: Tages-Anzeiger, 26. September 2025.

Schweizer Weine sind überwiegend leichte Weine, die eher jung getrunken werden. Die bedeutendsten Schweizer Weine sind der Weisswein Chasselas (Gutedel, im Kanton Wallis Fendant) und der Rotwein Pinot Noir, im Kanton Wallis auch Dôle.

Geschichte mini|Zierinitiale C mit Keltermotiv aus dem Werk De Trinitate, Anfang 13. Jahrhundert (Stiftsbibliothek Engelberg) Im Kanton Wallis () sind Traubenkerne aus eisenzeitlichem Kontext im Oberwalliser Gamsen belegt. Zudem konnte nachgewiesen werden, dass im Wallis bereits zwischen 800 und 600 v. Chr. Reben kultiviert wurden.Informationen zur Weinregion «Wallis/Valais» im Wein‑Plus Weinführer, gesehen am 6. März 2017. Auch aus frührömischem Kontext wurden Traubenkerne auf zahlreichen Grabungen gefunden. Rebmesser wurden in Gutshöfen der Westschweiz und Städten wie Nyon und Martinach entdeckt. Für den römischen Rebbau im Walliser Alpenraum sprechen wohl auch alte autochthone Traubensorten, wie etwa die Amigne-Traube (Mitis amoena?) oder Resi (Uva raetica?).

Die erste noch erhaltene urkundliche Erwähnung von Reben in der Schweiz stammt aus dem Kanton Wallis aus dem Jahre 516 von der Abtei Saint-Maurice, die das älteste ununterbrochen bewohnte Kloster des Abendlandes ist.Die Weinbaugeschichte der Rebe und der Weine und ihren Weg in die Schweiz, gesehen am 7. März 2017. Von dort verbreitete sich die Rebe in den Klöstern allmählich in der ganzen Schweiz, wie durch die Zisterzienser in Dézaley. In der Waadt ist seit dem 6. Jahrhundert die Kultivation von Wein gesichert.

Im 17. Jahrhundert erlebten die Schweizer Winzer eine erste Krise mit dem vermehrten Import südlicher Weine insbesondere aus dem unteren Rhonetal auf französischer Seite. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Schweiz von den Rebkrankheiten Echter Mehltau und von der Reblaus heimgesucht. Zusammen mit billigen Importen sowie mit der zunehmenden Bebauung der für den Weinbau wichtigen Seeufer ging die Rebfläche vom Ende des 19. Jahrhunderts bis ca. 1960 von 33 000 ha auf 12 500 ha zurück.

Um den Weinbau in der Schweiz nachhaltiger zu gestalten, wird seit kurzem auch integrierter Weinbau betrieben. Der IP-Suisse-Wein soll ab 2022 bei Denner erhältlich sein.

Bei Kontrollen durch Kantonschemiker aus dem Jahr 2023 konnten in Weintrauben Rückstände von verbotenen Pestiziden nachgewiesen werden.

Unter anderem infolge der Unwetter in der Schweiz im Sommer 2024 war die Weinernte 2024 nach 2021 die zweitschwächste der letzten 50 Jahre.

Die Goldgelbe Vergilbung tritt im Kanton Tessin seit 2004 auf und hat sich seither in weiteren Kantonen ausgebreitet.

Qualitätsweine in der Schweiz 1988 wurde vom Kassensturz aufgedeckt, dass Schweizer Weisswein massiv mit Rübenzucker gepanscht wurde, um den Alkoholgehalt des Weins zu erhöhen (Chaptalisation). 1990 führte der Kanton Wallis als erstes Anbaugebiet der Schweiz eine Qualitätsweinhierarchie ein. Früher war es einem Schweizer Winzer weitgehend überlassen, welche Informationen er auf das Etikett der Weinflasche drucken wollte. Die Weine wurden in der Regel nach Ortsnamen oder Rebsorten benannt. Daneben gab es Weine mit einem eigenen Markennamen. Die Weingesetzgebung der Schweiz (Weinverordnung) sieht drei Kategorien von Wein vor:

Kategorie I sind kontrollierte Appellationen mit kontrollierter Ursprungsbezeichnung. Die Bezeichnung dieser Stufe lautet AOC gefolgt vom Namen der Region, in der der Wein wächst. Für einige Gemeinden dieser Kategorie ist die Bezeichnung Grand Cru zugelassen. Kategorie II ist ein Landwein mit Herkunftsbezeichnung, also ein Vin de Pays Kategorie III sind Tafelweine ohne Herkunftsbezeichnung

2014 wurde Provins wegen übermässigen Zuckeranreicherungen angezeigt und später dafür gebüsst.Wallis: Weinkellerei Provins vom Kantonschemiker angezeigt. Radio Rottu Oberwallis, 12. Dezember 2014, abgerufen am 24. Januar 2021.Walliser Weinkooperative Provins wegen überzuckertem Wein gebüsst. swissinfo.ch, 12. Mai 2015, abgerufen am 24. Januar 2021. Am 16. September 2025 wurde ein Walliser Weinproduzent vom Walliser Kantonsgericht zu drei Jahren und neun Monaten Gefängnis ohne Bewährung verurteilt, weil er unter anderem mehrere Tausend Liter spanischen und Schaffhauser Wein unter dem Label AOC Valais vermarktet hat. Zudem muss er dem Kanton Wallis eine Ausgleichsforderung von 2,63 Millionen Franken bezahlen.

Rebsorten in der Schweiz 2019 waren in der Schweiz über 200 Rebsorten auf einer Rebfläche von 14'704 ha bekannt; pilzwiderstandsfähige Rebsorten gewannen mit 316 ha an Bedeutung.Das Weinjahr 2019 des Eidgenössenschaftlichen Bundesamts für Landwirtschaft, April 2020 (PDF, 35 Seiten). Die Weinbaufläche geht seit Jahren geringfügig, aber kontinuierlich zurück.Das Weinjahr 2014 des Eidgenössenschaftlichen Bundesamts für Landwirtschaft, April 2015 (PDF, 53 Seiten). Einige dieser Reben sind international bekannt und in mehreren Ländern im Anbau. Daneben existieren autochthone Sorten mit lokalem Charakter wie z. B. die Sorten Petite Arvine, Amigne, Rouge du Pays (Cornalin du Valais, Walliser Cornalin) und Humagne Blanc aus dem Kanton Wallis. Ausserdem gibt es kleinere Rebflächen mit Neuzüchtungen wie den Sorten Gamaret, Garanoir oder der Sorte Diolinoir. Das Verhältnis von Weiss- zu Rotweinrebsorten beträgt 42:58.

Weisse Rebsorten Bei den weissen Rebsorten herrschen vor: Chasselas oder im Kanton Wallis Fendant (mit 3656 ha Rebfläche), Müller-Thurgau (453 ha), Chardonnay (394 ha), Silvaner oder im Kanton Wallis Johannisberg (286 ha), Pinot Gris oder im Kanton Wallis Malvoisie (235 ha), Petite Arvine (219 ha), Sauvignon Blanc (201 ha), Savagnin oder im Kanton Wallis Heida (199 ha), Pinot Blanc (114 ha), Viognier (52,3 ha), Gewürztraminer (48,3 ha), Marsanne blanche oder im Kanton Wallis Ermitage (45,2 ha), Amigne (42,2 ha), Muscat blanc à petits grains (40,5 ha), Doral (35,8 ha), Johanniter (31,6 ha), Solaris (29,8 ha), Humagne Blanc (29,1 ha), Räuschling (26,4 ha), Kerner (25 ha), Aligoté (24,2 ha), Riesling (23,3 ha), Sauvignon Gris (13,2 ha), Muscaris (12,4 ha), Charmont (10,2 ha), Seyval Blanc (10,1 ha), Chenin Blanc (9,2 ha)

Rote Rebsorten Bei den roten Rebsorten herrschen vor: Pinot Noir oder im Kanton Wallis auch Dôle (3.949 ha), Gamay (1.204 ha), Merlot (1181 ha), Gamaret (436 ha), Garanoir (228 ha), Syrah (202 ha), Cornalin d’Aoste (Humagne Rouge) (151 ha).

Offizielle Weinregionen Kanton Wallis mini|Lagekarte des Kantons Wallis mini|Rebberg in Saillon Es konnte nachgewiesen werden, dass im Kanton Wallis () bereits zwischen 800 und 600 v. Chr. Reben kultiviert wurden.Informationen zur Weinregion «Wallis/Valais» im Wein‑Plus Weinführer, gesehen am 6. März 2017. Heute gibt es im grössten Weinbaukanton der Schweiz etwa 4600 ha Rebfläche, die in rund 75'000 Parzellen unterteilt ist, welche meist im Nebenerwerb bewirtschaftet werden. Folglich stammen rund 40 % aller in der Schweiz erzeugten Weine aus dem Kanton Wallis.Weine aus der Schweiz – Qualität ohne Kompromiss, abgerufen am 13. Dezember 2017. Beginnend bei Visp folgen die Weinberge dem Lauf des Flusses Rhone bis nach Martinach. Die Rebflächen befinden sich an den unteren Hängen der Berge auf einer Höhe von 450 bis 850 m ü. M. mit Steillagen von bis zu 70 % Steigung; viele der Weinberge sind terrassiert. Der bei Visperterminen liegende Weinberg Riebe ist der höchstgelegene Weinberg nördlich des Alpenhauptkammes. Das Wallis verfügt über eine mittlere Sonnenscheindauer von 2090 Stunden bei einer Niederschlagsmenge von 600 bis 800 mm/Jahr. Damit sind die klimatischen Randbedingungen ähnlich wie in Bordeaux (Frankreich). Das Wallis zeichnet sich durch eine unglaublich grosse Zahl autochthoner weisser und roter Traubensorten aus, die häufig mit ebenfalls autochthonen Traubensorten aus dem Aostatal verwandt sind. Bei einigen von ihnen wird vermutet, dass sie noch aus der Römerzeit stammen. Die Weine zeichnen sich durch eine grosse Vielfalt aus: Einige Traubensorten ergeben eher rustikale Weine, während andere auch Weine von Weltklasse hervorbringen (v. a. Petite Arvine, Amigne Blanche und Humagne Blanche). Die bekanntesten einheimischen roten Varietäten Cornalin d’Aoste (Humagne Rouge) und Rouge du Pays (Cornalin du Valais, Walliser Cornalin) werden einerseits einzeln vinifiziert, finden sich aber auch häufig in Cuvées Verwendung. Etwa gleichzeitig mit dem erwachten Interesse an den autochthonen Traubensorten nahm in den vergangenen Jahrzehnten auch der Anbau von Syrah markant zu, nachdem sich gezeigt hatte, dass sich im Wallis hervorragende Weine aus dieser Traubensorte keltern lassen.

Vor allem Westschweizer Weinbetriebe klagen über einen Rückgang des Weinkonsums. Für sie geht es teilweise um die Existenz. Einige Verarbeiter gaben bekannt, keine Trauben mehr annehmen zu können.«Weinkrise» trifft Regionen unterschiedlich hart. In: Echo der Zeit, 4. Oktober 2025. Im Wallis sollen Parzellen zusammengelegt werden. Der Kanton bewilligte dazu im Jahr 2024 170 Millionen Franken, um die historisch gewachsenen Strukturen aufzubrechen. Im Wallis haben viele Familien ein Stück Reben. Die 4600 Hektaren Rebland bestehen aus rund 75'000 Parzellen. Im Schnitt ist eine Parzelle 600 Quadratmeter gross, mit diesen Grössen kann man nicht rentabel wirtschaften. Mit dem Geld sollen mehrere Massnahmen unterstützt werden. Beispielsweise, um Parzellen zusammenzulegen, um Maschinen auf den grösseren Flächen einsetzen zu können. Oder dass Winzerinnen und Winzer dem Klimawandel angepasste Rebsorten kaufen können oder in eine Tröpfchenbewässerung investieren, die weniger Wasser benötigt als althergebrachte Bewässerungen.Weinkanton Wallis will moderne Rebberge. In: Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 15. Mai 2024.

Einheimische (autochthone) Rebsorten des Kantons Wallis sind:Artikel 32 der (PDF) Verordnung über den Rebbau und den Wein (VRW, 916.142), Sitten 17. März 2004. Weisse Rebsorten: Amigne, Arvine, Humagne Blanche, Mennas und Resi