Scherwiller () ist eine französische Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Département Bas-Rhin in der Region Grand Est (bis 2015 Elsass). Sie ist das Zentrum des Rieslinganbaus im Weinbaugebiet Elsass. 67 % der angebauten Reben in Scherwiller sind Riesling. Scherwiller gehört der Communauté de communes de Sélestat an.

Geschichte In einer Urkunde der Abtei Ebersmünster erscheint Scherwiller erstmals 817 als Scerevilare. Der Ortsname ist wahrscheinlich vom Dorfbach, früher Scheer, heute Aubach abgeleitet.

Bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges gehörte der Ort zur habsburgischen Herrschaft Weiler (Villé). Im Westfälischen Frieden kam er 1648 mit dem ganzen habsburgischen Besitz im Elsass an die französische Krone. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs (1918) gehörte Scherwiller zum Reichsland Elsass-Lothringen. Im Ersten Weltkrieg verlief die Hauptkampflinie (Vogesenfront) etwa 15 km westlich des Dorfes, das bis Kriegsende in deutscher Hand und von größeren Zerstörungen verschont blieb. Im Zweiten Weltkrieg erlebten die Einwohner nach dem Waffenstillstand im Juni 1940 die deutsche Besatzung. Die Synagoge von Scherwiller diente als Lager für polnische Zwangsarbeiter. Die im Ort verbliebenen jüdischen Einwohner wurden 1940 nach Südfrankreich deportiert. Laut Yad Vashem wurden dreizehn ehemalige Einwohner Opfer der Endlösung.Scherweiler (Elsass). Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum, aufgerufen am 28. Dezember 2024. Am 1. Dezember 1944 wurde Scherwiller durch amerikanische Truppen von der Naziherrschaft befreit. Der folgende Kampf im Raum Schlettstadt dauerte noch mehrere Wochen, da die Deutschen auf Führerbefehl den Brückenkopf Elsass noch immer hartnäckig verteidigten.

Im Dorf waren im Lauf der Geschichte verschiedene Klöster begütert (Andlau, Ebersmünster, Ottmarsheim, Hugshoffen, aber auch Hirsau und Gengenbach). Scherwiller erlebte im Spätmittelalter mehrere Heimsuchungen: 1262 verwüsteten Söldner des Bischofs von Straßburg im Streit mit den Habsburgern das Dorf. 1370 wüteten die Truppen des Herzogs von Lothringen im Ort und im Dreißigjährigen Krieg litten die Einwohner 1632 unter den Schweden.

Im Bauernkrieg unterlagen bei Scherwiller die aufständischen Bauern im Mai 1525 den Truppen des Herzogs von Lothringen. In der Schlacht und beim anschließenden Massaker starben über 5 000 Bauern. Das Schlachtfeld befand sich im Gewann Kreffzen (heute Rebgelände) südwestlich des Dorfes.

Scherwiller lag an der jahrhundertelang für die Versorgung des Elsass mit Salz wichtigen und schon zur Römerzeit begangenen Salzstraße (Voie des Saulniers), über die Salz aus Lothringen bezogen wurde. Der Pont de la Route du Sel (Salzstraßenbrücke) aus dem 18. Jahrhundert an der Straße Scherwiller – Thanvillé erinnert noch an den Salztransport. Die Route über den Pass der Steige und das Weilertal war aber immer auch eine Verbindung über die Vogesen hinweg für den Handel allgemein.

Im 19. Jahrhundert profitierte auch Scherwiller vom Einzug der Industrie in die Vogesentäler. 1860 gab es in Scherwiller zwei Webereien, zwei Ziegeleien und eine Papier- und Kartonagenfabrik. Im August 1910 verursachte ein Dorfbrand schwere Schäden. 1936 übernahm Robert Kientz die Textilfabrik Hartmann. Auf ihn geht die Gründung von Kientzville im Jahr 1947 zurück, einer Arbeitersiedlung, damals mit Primarschule, Hotel-Restaurant, Fußballstadion, Kapelle und einem künstlichen See. Architekt war der damals beim Wiederaufbau elsässischer Dörfer viel beschäftigte Charles-Gustave Stoskopf. 1952 wurde die Firma Kientz Opfer der Textilkrise, Die Siedlung kam in der Folge an die Gemeinde Scherwiller.

Bevölkerungsentwicklung Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007 2017Einwohner 2269 2300 2368 2382 2278 2614 3009 3195

Bauwerke Der Ort besitzt zahlreiche gut erhaltene Fachwerkbauten, fast immer mit gemauertem Erd- bzw. Kellergeschoss, zum Teil mit rundbogiger Hofeinfahrt und Fußgängerpforte. Die meisten aus dem 18. Jahrhundert. Der Gasthof zur Krone (Hôtel à la Couronne) von 1749 besitzt am Fachwerkobergeschoss einen malerischen Erker mit Schnitzwerk. Auch das Wachhaus (Corps de Garde) an der Rue de la Mairie hat einen Erker, der mit barockem Schnitzwerk (Akanthusblättern) verziert und mit "1700" datiert ist. Dekoratives Fachwerk sieht man an dem wohl noch aus dem 17. Jahrhundert stammenden Haus Nr. 56 an der Rue de la Gare (Hofeinfahrt und Fußgängerpforte jünger). Dekoratives Fachwerk (im Giebeldreieck) hat auch das Haus Nr. 2 an der Rue Joffre.

Die Peter- und Paulkirche (Église St.-Pierre et Saint-Paul) ist ein neugotisches Bauwerk von 1898/99.

Die ehemalige Synagoge (Monument historique) wird heute als Feuerwehrhaus genutzt. Daneben befindet sich das ehemalige Rabbinerhaus (Monument historique).

Die Ortenburg, deren Bauvollendung 1265 urkundlich belegt ist, war bis 1314 im Besitz von Rudolf von Habsburg, der mit der Burg seine Besitzungen im Weilertal schützen wollte. Gegen Ende des Mittelalters war Ortenburg als Raubritternest berüchtigt. Im Dreißigjährigen Krieg zerstörten die Schweden 1633 die Burg. Die Ortenburg besitzt einen 47 Meter hohen, fünfeckigen Bergfried und eine mit Schießscharten versehene 18 Meter hohe Mantelmauer. An dem über einem breiten Zwinger gelegenen Palas haben sich frühgotische Maßwerkfenster erhalten. Baumaterial ist der am Berg anstehende Granit, für feiner zu bearbeitende Architekturteile wurde Buntsandstein verwendet. 

Burgruine Ramstein Bedeutendster Überrest der Burganlage ist die Ruine des Wohnturms. Die Burg Ramstein wurde als ein die Versorgung der Ortenburg blockierender Stützpunkt bei der Belagerung der Ortenburg im Jahr 1293 errichtet. Belagerer war Otto von Ochsenstein, der Landvogt des Unterelsass', der im damaligen Thronfolgestreit um die deutsche Königskrone auf Seiten Adolfs von Nassau stand.  

Regelmäßige Veranstaltungen Rieslingfest ist jedes Jahr Mitte August, wo alle Weinkeller geöffnet sind. Im Juli findet an mehreren Tagen das Waschweiberfest am Aubach im Dorfzentrum statt. Die Waschweiber waschen in ihren traditionellen Kostümen 'dreckige Wäsche' im doppelten Sinne: Mit viel Gesang und kurzen Geschichten wird das Geschehen im Dorf aufgezeigt. Für die Besucher gibt es Flammkuchen und den berühmten Riesling von Scherwiller.

Am ersten Wochenende im September findet jedes Jahr der traditionelle Sentier Gourmand statt, eine Wanderung vom Ortszentrum durch die Weinberge von Scherwiller bis zur besten Lage, dem Rittersberg. Alle Winzer von Scherwiller beteiligen sich an diesem gastronomischen Spaziergang. An acht Stationen entlang der Strecke gibt es jeweils eine kleine Mahlzeit und Weine einer Rebsorte aller Winzer zu verkosten. Der Sentier Gourmand endet am Rathaus mit einem gemütlichen Weinfest zum Ausklang des Tages. Jedes Jahr nehmen ca. 3000 Besucher aus ganz Europa an dieser Veranstaltung teil.

Verkehr Scherwiller liegt an der Bahnstrecke Sélestat–Saverne und ist mit TER-Zügen an Strasbourg und Sélestat angebunden.

Literatur Le Patrimoine des Communes du Bas-Rhin. Flohic Editions, Band 2, Charenton-le-Pont 1999, ISBN 2-84234-055-8, S. 1211–1214.

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Einzelnachweise

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