mini|hochkant=1.5| Die Petruskirche in der bayerischen Stadt Neu-Ulm ist ein im 19. Jahrhundert im Zentrum der damaligen Stadtgemeinde errichteter Sakralbau. Sie gehört zum Evangelisch-lutherischen Dekanat Neu-Ulm in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Im Lauf der Entwicklung wurde das Gotteshaus außen und innen mehrfach umgebaut. Die Kirche steht unter Denkmalschutz.

Lage Die Kirche steht frei auf einem 55 × 75 Meter großen Stadtplatz. Nordöstlich und südwestlich wird dieser von Baumreihen gesäumt. Nach Abschluss aller Umbaumaßnahmen einschließlich der Anlage einer Tiefgarage unter dem Platz und der umfassenden Renovierung der Kirche erhielt der Stadtplatz im Jahr 1993 den amtlichen Namen Petrusplatz.

Baugeschichte Von der Grundsteinlegung bis 1871 In der Stadt Neu-Ulm hatten sich im 19. Jahrhundert neben zahlreichen Katholiken auch Protestanten niedergelassen. Die evangelische Kirchengemeinde beschloss im 19. Jahrhundert, im Zentrum des Ortes eine eigene Kirche zu errichten. Nach einer Spendensammlung und der Bereitstellung der Gelder für den Ankauf eines Baugrundstücks sowie für die Ausführung der Bauarbeiten wurde am 15. Oktober 1863 der Grundstein gelegt. mini |hochkant |Grundstein­legungsurkunde Die Baupläne lieferte der königliche Kreisbaumeister Georg Freiherr von Stengel, der auch die katholische Stadtpfarrkirche St. Johann Baptist geplant hatte. Am 25. August 1867 nahm Regierungspräsident Ernst Freiherr von Lerchenfeld die Einweihung des zunächst evangelische Stadtpfarrkirche genannten Gotteshauses vor. Sie erhielt erst 1963, zur Unterscheidung von der zweiten Neu-Ulmer evangelischen Kirche, den Namen des Apostels Petrus. Nach der Fertigstellung des Pfarrhofes im Jahr 1871 gestaltete die Stadt zusammen mit der Kirchengemeinde den umgebenden Kirchplatz.

1872 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs In den 1880er und 1890er Jahren wurden auf der Empore Kirchenbänke installiert, zugleich wurde die erste Orgel aus der Werkstatt von Sigmund Braungart durch die Firma Steinmeyer umgerüstet. Außerdem erhielt der Kirchenraum eine Heizung und elektrische Beleuchtung. Am Ende des Ersten Weltkriegs musste die Kirchengemeinde die beiden größten Bronzeglocken als Metallspende des deutschen Volkes zum Umschmelzen in Kriegsgerät abliefern.Geschichtliche Informationen, abgerufen am 9. Juni 2019.

1926 wurde die elektro-mechanische Kirchturmuhr eingebaut. Ebenfalls in den 1920er Jahren fanden nach Plänen und unter Leitung des Ulmer Architekten Albert Unseld umfangreiche Renovierungsarbeiten statt wie Mauerwerksausbesserungen, Reparaturen am Bodenbelag, neue farbliche Ausgestaltung. Ebenso ließ die Gemeinde zwei neue Kirchenglocken gießen und installieren. 1943 wurden die erneuerten Glocken wiederum zu Kriegszwecken abgeliefert; im Frühjahr 1945 beschädigten Bombenabwürfe das Dach des Kirchengebäudes, auch die Fenster zerbrachen und im Inneren verblieben Rauchspuren.

1945 bis in das 21. Jahrhundert Nach dem Krieg erfolgten rasche Reparaturen, um das Gotteshaus wieder nutzen zu können: Die Fenster wurden in Teilen ersetzt, Schäden im und am Mauerwerk der westlichen Sakristei beseitigt und das Dach ausgebessert. In den 1950er Jahren fand ein umfassenderer Wiederaufbau unter Verantwortung des Architekten Ott aus Günzburg statt. Unter anderem gestaltete der Innenarchitekt und Bildhauer Karlheinz Hoffmann den Hauptkirchenraum ein wenig um: der Hochaltar und die strenge Anordnung von geraden Sitzbänken blieben erhalten, die ornamentierten Wandflächen wurden mit hellerer Farbe einfarbig überstrichen.

mini|Kirche und umgebender Platz anno 1953, auf einer Stadtinfotafel, 2019 Das Aussehen des 21. Jahrhunderts entstand nach massiven Umbauarbeiten in den 1960er, 1970er und 2010er Jahren. Im Jahr 1963 erhielt das Gotteshaus die geänderte Bezeichnung Petruskirche, weil inzwischen mit der Erlöserkirche im Neu-Ulmer Stadtteil Offenhausen ein zweiter evangelisch-lutherischer Kirchenbau in der Stadt entstanden war.

Die Idee der Herrichtung der Kellerräume für die Belange der Gemeinde entstand, weil der Kirchenvorstand keine geeigneten Räumlichkeiten in der Umgebung der Kirche gefunden hatte. Die Ausführung (ab 1967) erfolgte unter Leitung des Architekten Theodor Steinhauser. Das alte Eingangsportal auf der Südostseite und die seitlichen Treppentürme wurden dafür abgerissen.

Die Umbaumaßnahmen führten dazu, dass der Hauptraum aufgelockert, die geraden hölzernen Kirchenbänke ausgebaut, der Altar nach Koblenz verkauft wurde, die Altarnische sparsamsten Schmuck aus naturbelassenem Holz erhielt, die Sitzanordnung um die neue Gottesdienstinsel herum halbkreisförmig geändert wurde. Im Jahr 1972, nach Abschluss des Anbaus der neuen Vorhalle und der Ausschachtung von Teilen des Fundaments wurden zwei neue Kircheneingänge geschaffen. In diese wurden zwei bronzebeschlagene Holztüren eingebaut, im Nachfolgenden als Evangeliumstür (links) und Aposteltür (rechts) bezeichnet.

In den Jahren 2015/2016 konnte die Gemeinde dank Spenden und Fördergeldern die in der Kirchengeschichte bisher umfangreichsten Renovierungs- und Umbaumaßnahmen an der Petruskirche und den Gemeinderäumen ausführen lassen. Das beauftragte Architekturbüro Meister aus Ulm ließ folgende Detailarbeiten ausführen: am Hauptdach (Sicherung und teilweise Erneuerung des historischen Dachgebälks), an den Gewölbekuppeln des Hauptschiffes und der Seitenschiffe, denkmalgerechte Generalsanierung von Kirchenraum und Petrussaal sowie neue Raumorganisation und -erweiterung des Tiefparterres.

Architektur Außenbeschreibung: Hauptgebäude Das gesamte Bauwerk ist mit sichtigem Backstein im neogotischen Stil errichtet. Es besitzt einen kreuzförmigen Grundriss, dessen Achsen in Südost–Nordwest (Hauptschiff) und Südwest–Nordost (Querschiff) ausgerichtet sind. Das Pultdach des Hauptgebäudes ist mit Schieferplatten gedeckt. Ein Anbau wurde dem südlichen Seitenschiff zu Beginn der 1970er Jahre vorgesetzt, in den nun statt des abgebrochenen Hauptportals zwei Portale in das Kircheninnere leiten. Dieser Anbau erhielt 2015 eine Verkleidung aus Sichtmauerwerksziegeln, deren Größe und Farbe mit der Denkmalschutzbehörde abgestimmt wurden. Der ursprüngliche Treppenturm zur Empore wurde abgerissen und drei frühere Fenster sind nun vom Straßenniveau kaum noch erkennbar.

Außenbeschreibung: Kirchturm mini|hochkant|Kirchturm mit Schallöffnungen und mehrseitigen Zifferblättern Der integrierte Kirchturm hat einen quadratischen Grundriss mit einer Seitenlänge von etwa 5 Metern und wird von einem achteckigen kupferplatten-gedeckten Spitzdach abgeschlossen. Er wird auf eine Höhe von 70 m geschätzt.Turmabmessungen und Dächer aus Google Earth, Draufsicht entnommen. Im Turm befinden sich das dreistimmige Geläut und eine Kirchturmuhr mit Zifferblättern in alle vier Hauptrichtungen, die Zeiger sind vergoldet. Im Jahr 1990 wurde die elektromechanische Turmuhr gegen eine neue funkgesteuerte ausgetauscht.

Portalanbau Die beiden Portale haben etwa die Maße vier mal drei Meter und werden von bronzegeschmückten Kirchentüren geschlossen. Zu den Portalen gelangen die Besucher über eine siebenstufige breite Freitreppe.

Auf den Türblättern der beiden neuen Portale sind Bronzereliefs angebracht, die nach Entwürfen des Ulmer Bildhauers, Grafikers und Malers Günther Späth ausgeführt wurden. Die Kirchengemeinde und eine Stiftung der Stadt Neu-Ulm stellten die nötigen Mittel bereit. mini|hochkant|Portal der Aposteltür Auf den Schmucktafeln der Evangeliumstür ist die Geschichte des Apostels Petrus mittels dreier Bilder (und darin verwobenen kleineren Szenen) dargestellt: „Im Zentrum steht ein aufgerissener, zu einem Kreuz stilisierter Baumstamm, mit Jesus als Schmerzensmann, die Hände gefesselt, die Dornenkrone auf dem Kopf, ihm zu Füßen Petrus mit vors Gesicht gepressten Händen. Die Szene folgt der Ankündigung Jesu, er werde getötet, aber am dritten Tag wieder auferstehen. ‚Herr, das verhüte Gott‘, entfährt es daraufhin dem Petrus, der wohl auch um sein eigenes Schicksal fürchtet. Späth lässt ihn ‚querliegen‘ zum Gottessohn. Unterhalb dieser Szene der krähende Hahn und das leere Grab. Links oben stehen sich Jesus und Petrus mit ausgestreckten Armen gegenüber. ‚Du bist Petrus (lateinisch/griechisch: der Fels), und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen.‘ Dabei reicht er Petrus den Schlüssel. Die sich überschlagenden Wellen auf dem rechten Türflügel neben dem Kreuz beziehen sich auf den österlichen Fischzug am See Tiberias wie ihn Johannes im 21. Kapitel seines Evangeliums schildert. Links oben das Fischerboot, daneben Petrus, der sich vor Freuden ins Wasser stürzt, als er am Ufer Jesus erkennt. Rechts liegen sich beide in den Armen.“

„Auf den Tafeln der Aposteltür sind die Jünger Jesu symbolisch unter dem Kreuz versammelt und erleben das Pfingstwunder. Daneben ist die Vision des Petrus zu sehen, in der er einen Sack mit angeblich unreinen Tieren wahrnimmt, die er als gesetzestreuer Jude nicht nutzen darf. Doch er gewinnt die Erkenntnis, dass es dieses Unreine gar nicht geben darf, dass Grenzen zwischen Klassen, Religionen oder sozialen Schichten nicht bestehen dürfen.“

Einer der Türgriffe hat die Form eines Feigen-Baums. Die Reliefs wurden am 26. November 1972 der Gemeinde feierlich übergeben. Der damalige Pfarrer Joachim Pennig fasste die Darstellung so zusammen: „Geht es auf der Evangeliumstür um den Glauben, geht es auf der Aposteltür um die Ethik.“

Innenbeschreibung: Hauptschiff

Der Hauptraum der Kirche wirkt gerundet, ist aber die klassische Anordnung eines rippengewölbten Raumes mit zwei Jochen.

Innenbeschreibung: Chorraum mit Altarinsel Auf einem rundherum frei stehenden zweistufigen Podium sind der hölzerne Altartisch und der Ambo aufgestellt, sie bilden eine Altarinsel. Über dieser schwebt ein rundes Holzscheibenkreuz. Auf einer Seite vor der in den Kirchturm eingebauten Altarnische befindet sich die historische geschnitzte Kanzel und auf der anderen Seite ein in Holz gefasstes Taufbecken. Die Kanzel wird auch Petruskanzel genannt. Die Inselform, mit der dem Gedanken einer Gemeindezentriertheit Rechnung getragen wurde, und die schlichte Naturholzausstattung stammen vom Holzkünstler Karlheinz Hoffmann. Für die Interieurgestaltung erhielt Hoffmann den Kunstpreis der Bayerischen Landeskirche.Der Altarraum. Abgerufen am 9. Juni 2019. Die historischen hölzernen Ausstattungsstücke wurden aufgehellt, der Fußboden wurde mit farblich angepasstem Parkett belegt.

Innenbeschreibung: Empore Im Südostbereich zieht sich die Empore auf drei Seiten um den Raum. Sie ruht auf schlanken kaum verzierten Säulen.

Keller mit Sanitärbereich Durch den in den 1960er Jahren begonnenen und bis 2016 andauernden Totalumbau der Kirche entstand ein Kellerbereich, in dem Toiletten und eine Küche eingebaut sowie ein barrierefreier Zugang ermöglicht wurden. Die Finanzierung der Arbeiten erfolgte zu großen Teilen aus Spenden.

Vorraum Die beiden neuen Hauptportale des Gotteshauses leiten den Kirchenbesucher zunächst in einen Vorraum, in welchem ein Kruzifix eine weiße Wand schmückt und ein separater leicht erhöhter Raum Platz für kleine wechselnde Ausstellungen bietet, eine Garderobenecke ist abgetrennt. Die Darstellung des Gekreuzigten stammt aus der Erstausstattung des Altarraumes. Beidseitig führt nun je eine aus Beton gefertigte Treppe auf die Orgelempore. Eine Treppe verbindet den Eingang mit den Anlagen im Keller und dem dort installierten Fahrstuhl.

Ausstattung Altarraum Aus der Erstbauzeit stammen die hölzerne Kanzel, jedoch ohne Schalldeckel, und das Taufbecken.