Oberachmann ist eine ehemalige Gemeinde im Salzkammergut in Oberösterreich und gehört zur Gemeinde Lenzing an der Ager im Bezirk Vöcklabruck.
Geografie mini|Steinbach (Schörfling) zwischen Ober- und Unterachmann Der Ort befindet sich an der Ager, nur knapp 1,4 Kilometer vom Attersee entfernt, gegenüber der Rosenau, auf einer Höhe von um die Er umfasst etwa 120 Häuser und hat Einwohner (Stand ). Von Unterachmann getrennt wird der Ort durch den Steinbach (Schörfling).
An Oberachmann vorbei verläuft die Schörflinger Bezirksstraße L1265, von der die Oberachmanner Straße abzweigt. An den ÖPNV angebunden ist der Ort durch die sich in der Nähe der Wengermühle befindliche Haltestelle Unterachmann Agerbrücke, die sich trotz ihres Namens in Oberachmann befindet.
Geschichte
Entstehung Um 1350 wird der Name Achmann erstmals im Grundbuch des Stiftes Mattsee erwähnt und taucht danach 1371 ebenfalls im Grundbuch der Schaunberger auf. Im Urbar Kammer wird bereits 1561 von Ober-Achmann und Nieder-Achmann bzw. Unter-Achmann gesprochen.
Der Ursprung des Worts Achmann geht dabei auf die Aufsichtsperson zurück, die für die Holztransporte vom Attersee nach Vöcklabruck über die Ager verantwortlich war. Nachdem die Ager bereits im Mittelalter eine wichtige Handelsroute war, und häufig für die Flößerei von Holz verwendet wurde, hatten am Agerufer ein oberer und ein unterer Achmann ihre Behausung. In der Nähe dieser, entlang des Agerufers und der daneben liegenden Uferstraße, ließen sich mit der Zeit weitere Siedler nieder, wodurch sich ein Zeilendorf bildete.
Da Oberachmann über keine Kirche verfügte und nicht Markt halten durfte, spielte sich das geistige und wirtschaftliche Leben der damaligen Oberachmanner hauptsächlich in Schörfling ab, das über eine Kirche verfügte und seit 1499 wöchentlich Märkte hielt.
Gemeinde Mit dem Patent Kaiser Josefs II. von 1785 zur Steuer- und Urbarial-Regulierung wurde Oberachmann zur Steuer- bzw. Katastralgemeinde. Diese umfasste neben Oberachmann ebenfalls die Ortschaften: Unterachmann, Kraims, Reibersdorf, Haid, Niederham, Steinbach, Fantaberg, Moos, Wörzing, Neuhausen und Alt Lenzing. Mit Erlass des Statthalters des Kronlandes ob der Enns vom 31. Juli 1851 wurde die Steuergemeinde zur politischen Gemeinde Oberachmann. Sie hatte eine Fläche von 10,63 km² und zählte 701 Einwohner. Entgegen der Meinung des Landesausschusses, und obwohl man sich zum Pfarr- und Marktleben in Schörfling zugehörig fühlte, kam es nie zu einer Vereinigung mit Schörfling. Hauptgrund hierfür war, dass man die Unabhängigkeit der Mühlen und Sägewerke an der Ager bewahren wollte.
Für die bis dahin hauptsächlich bäuerlich geprägte Gemeinde Oberachmann brach in den 1890er Jahren eine Zeitenwende ein, als der Ternitzer Fabrikant Emil Hamburger 1890 die sogenannte Starlinger Mühle in Alt Lenzing kaufte und zu einer Papierfabrik ausbaute. Nur vier Jahre später 1894 kaufte er ebenfalls die Mühle in der Au (Seewalchen) welche er auch zu einer Papierfabrik ausbauen ließ. Später 1896 erwarb er die Fellingermühle in Unterachmann, die er in Wohnungen für seine Arbeiter umbauen ließ, sowie die Raudaschlmühle, welche er in ein Sägewerk umbaute.
Durch die bescheidenen Steuereinnahmen, die durch die Errichtung der Alt Lenzinger Papierfabrik der Gemeinde zugutekamen, war es 1898 erstmals möglich eine Verbindungsstraße von Oberachmann über Fantaberg nach Oberhehenfeld zu errichten, und die Gemeinde Schörfling mangels eines eigenen Schulgebäudes finanziell zu unterstützen.
Im Jahr 1906 wurde erstmals ein elektrischer Netzstrang von Attnang über Vöcklabruck an den Attersee geführt, der die Gemeinde Oberachmann durchquerte, diese jedoch nicht versorgte. Erst 2. April 1919 erteilte die Bezirkshauptmannschaft die Genehmigung für die Errichtung einer Kraftstromleitung, die Ober- und Unterachmann sowie Kraims und Reibersdorf mit Strom versorgte.
mini|10 Heller Notgeldschein mini|50 Heller Notgeldschein Aufgrund des großen Geldmangels zu Beginn der Ersten Republik beschloss die Gemeinde am 11. Mai 1920 die Ausgabe eigener Notgeldscheine.
mini|Das Silmbroth-Gut (Oberachmanner Straße 17) im Jahr 1923 mit den damaligen Besitzern Gemeinsam mit der Gemeinde Aurach gründete die Gemeinde Oberachmann 1923 eine Elektrizitäts-Genossenschaft für den Ausbau des Kraftstromnetzes bis nach Moos, Wörzing, Steinbach und Niederham. Im selben Jahr kaufte die Gemeinde das Haus Oberachmann 5 (heute Oberachmanner Straße 16), ließ es abtragen und an dessen Stelle das neue Gemeindehaus errichten, das zunächst als Armenhaus und später als normales Miethaus verwendet wurde.
1926 kaufte die Gemeinde ein ca. 830 Quadratmeter großes Grundstück in Arnbruck (Timelkam) und errichtet auf diesem im Folgejahr eine dreiklassige Volksschule, die am 27. November 1928 eingeweiht wurde.
1935 kaufte die Schweizer Bunzl-Konzern-Holding AG mit 96 % die Aktienmehrheit der Papierfabriken in Alt Lenzing und Pettighofen, und ließ diese rasch modernisieren und vergrößern. 750 Arbeiter verarbeiteten täglich rund 70 Tonnen Zellstoff zu hochwertigem Pergamentpapier, es kam zur Vollbeschäftigung. 1937 investierte der Bunzl-Konzern weiter in die Zellstofffabrik in Alt Lenzing und baute diese zur modernsten Anlage ihrer Art in Europa aus.
Die modernisierte Zellstoffanlage wurde am 7. März 1938 nur drei Tage vor dem Anschluss feierlich in Betrieb genommen.
Bürgermeister (Quelle: )
1850–1860 Sebastian Baumgartinger 1860–1864 Ferdinand Sturm 1864–1867 Wolfgang Scherndl 1867–1870 Josef Fellner 1870–1873 Josef Apfel 1873–1876 Anton Huemer 1876–1879 Mathias Haminger 1879–1885 Michael Katterl 1885–1894 Josef Wenger 1894–1897 Franz Starzinger 1897–1900 Ferdinand Sturm 1900–1903 Franz Starzinger 1903–1906 Franz Lenzenwöger 1906–1909 Ferdinand Sturm 1909–1919 Franz Lenzenwöger 1919–1924 Franz Ecker 1924–1938 Josef Kofler 1938–1939 Georg Piram (kommissarisch)
Ehrenbürger 1890 Bürgermeister Josef Wenger 1894 Kooperator Ludwig Weilnböck 1901 k.u.k. Landesgerichtsrat Rudolf Pelzeder 1902 Bezirkshauptmann Dr. Karl Graf Lodron-Laterno 1906 Ferdinand Knoll
Grenzstreitigkeiten
Aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Lage der 1920er und 1930er Jahre empfanden Gemeinden es als große Belastung Wohnort der Arbeiter einer anderen Gemeinde zu sein. Grund dafür war, dass die Gemeinde, die die Arbeiter beheimatete, zwar für die soziale Fürsorge bei Krankheits- und Verarmungsfällen sowie Wohnungsnotständen aufkommen musste, die Steuereinnahmen des Arbeit gebenden Betriebs jedoch einzig und allein an die Gemeinde gingen, in der sich der Betrieb befand.
21. Jänner 1920
Im Sitzungsprotokoll des Gemeindeausschusses Oberachmanns wird vermerkt, dass der Gemeindeausschuss das Ansuchen der Gemeinde Timelkam, entweder Alt Lenzing (Gem. Oberachmann) samt der sich dort befindenden Papierfabrik an Timelkam abzutreten, oder Arnbruck (Gem: Timelkam) samt der sich dort befindlichen Arbeiterwohnheime aufzunehmen, abgelehnt hat. Begründet wurde diese Entscheidung, dadurch das es eine ähnliche Situation auch in Oberachmann gäbe, da die zweite Papierfabrik in Pettighofen zu Seewalchen gehört, während sich die Arbeiterwohnheime in Oberachmann befinden.
2. März 1930
Die Gemeinden Oberachmann und Timelkam halten eine gemeinsame Gemeindeausschusssitzung ab, um etwaige Zusammenlegungen bzw. Abtretungen des Fabriksgeländes Alt Lenzing an Timelkam zu argumentieren. Timelkam wird zu dieser Zeit aufgrund der prekären finanziellen Lage der Gemeinde kommissarisch verwaltet.
13. März 1930
Der Gemeindeausschuss Oberachmanns beschließt nach eingehender Beratung einstimmig, dass einer Zusammenlegung als auch einer Abtretung nicht zugestimmt wird.
29. März 1930
Der Gemeindeausschuss Timelkam beschließt alle erforderlichen Schritte für die Abtretung des Fabrikgeländes in Alt Lenzing zu unternehmen, eine Kanzlei mit der Ausarbeitung aller erforderlichen Unterlagen zu beauftragen, und alle dabei entstehenden Koste zu tragen.
11. Mai 1930
Die Gemeinde Timelkam teilt der Oberösterreichischen Landesregierung im Schreiben (Zl. 1136/1) ihre Forderungen zwecks Gebietsabtretungen gegen Oberachmann mit.
28. August 1930
In ihrer Sitzung weist der Gemeindeausschuss Oberachmann die von Timelkam an die Landesregierung übermittelten Forderungen bezüglich Gebietsabtretungen als erfundene Unwahrheiten entschieden zurück und schreibt selbst an die Landesregierung, dass bis 1920 ein friedliches Zusammenleben zwischen Timelkam und Oberachmann bestand, das aber seit damals durch Timelkam unbegründet gestört wird.
14. September 1930
In einem ergänzenden Schreiben an die Landesregierung (Zl. II 2266 v. 7. August 1930) teilt die Gemeinde Oberachmann mit, dass man die Papierfabrik in Alt Lenzing nicht an Timelkam abtreten könne, da Oberachmann die finanziellen Mittel für die in Oberachmann untergebrachten Arbeiter der Papierfabrik in Pettighofen (Seewalchen) bräuchte. Daher wäre eine Abtretung der Papierfabrik in Alt Lenzing finanziell vernichtend für die Gemeinde.
30. September 1930
Die Landesregierung teilt der Gemeinde Oberachmann mit, dass für die Durchführung einer Grenzänderung keine Landesgesetze notwendig seien, und eine solche Änderung daher im gegenseitigen Einverständnis der Gemeinden umgesetzt werden könne.
16. Dezember 1930
Die Landesregierung stellt in ihrem Schreiben (Zl. 2266/4) fest, dass von Seiten des Lands kein beleidigendes Verhalten der Gemeinde Timelkam gegenüber der Gemeinde Oberachmann festzustellen sein, und betont nochmals, dass Grenzänderung nur in beiderseitigem Übereinkommen möglich seien.
12. August 1934
Der kommissarische Leiter der Gemeinde Timelkam legt dem Landeshauptmann die Schwierigkeiten der von ihm verwalteten und unter Geldnot stehenden Gemeinde persönlich da, infolgedessen eine konkrete Vorlage einer Eingabe seitens des Landeshauptmanns eingeleitet wird. Die Landesregierung fasst daraufhin einen Plan für die Gebietsabtretung der Gemeinde Oberachmann ab.
28. Dezember 1934
Der Gemeindeausschuss Oberachmann nimmt in Punk III. seiner Sitzung die zu Gunsten der Gemeinde ausgefallene Entscheidung der Oö. Landeshauptmannschaft über die Gebietsabtretung Alt Lenzing mit Befriedigung zu Kenntnis. (Zl. II 2266/9-1930)
18. Mai 1935
Aufgrund der erdrückenden Abgabenrückstände an das Land, tritt die Gemeinde Timelkam erneut an die Oö. Landeshauptmannschaft mit der Bitte der Eingemeindung Alt Lenzings. Die Gemeinde Timelkam veranlasst daraufhin weitere Eingaben, auf welche die Gemeinde Oberachmann am 18. Juli antwortet, dass auch sie eine finanzielle Notlage erfährt, und daher nicht wie von Timelkam gefordert einer Teilung der Lohnabgaben zustimmen kann.
Ende der Gemeinde
4. Mai 1938 mini|Gemeinde Oberachmann vor 1939 Bereits wenige Wochen nach dem Anschluss versucht die Gemeinde Timelkam erneut ihr Gemeindegebiet auszuweiten. Dieses Mal jedoch nicht mehr nur um Alt Lenzing, sondern auch um Haid, und aufgrund der sich ändernden Gesetzeslage, wenn nötig auch zwangsweise.
7. Juni 1938
Die Gemeinde Timelkam stellt erneut eine Eingabe für die Eingemeindung der Ortsteile Alt Lenzing und Haid aus der Gemeinde Oberachmann, sowie zum ersten Mal für die Ortschaft Pettighofen aus der Gemeinde Seewalchen.
14. Juni 1938
Die Oö. Landeshauptmannschaft hat den Vorschlag Timelkams der Bezirkshauptmannschaft Vöcklabruck „zur allfälligen Kenntnisnahme“ mitgeteilt, mit der Einladung „diesen angeregten Zusammenschluss auch von dort nachdrücklich fördern zu wollen“.
7. Juli 1938
Die Oö. Landeshauptmannschaft teilt den Gemeinden Oberachmann, Seewalchen und Gampern mit, sie mögen bezüglich der von Timelkam von ihnen geforderten Gebietsabtretungen Stellung nehmen.
29. Juli 1938
In einem Schreiben teilt die Gemeinde Seewalchen der Oö. Landeshauptmannschaft mit, dass sie der von Timelkam geforderten Eingemeindung von Pettighofen, unter keinen Umständen zustimmen kann.
3. August 1938