Emancipation ( für „Emanzipation“) ist das 19. Studioalbum des US-amerikanischen Musikers Prince. Es erschien am 19. November 1996 als CD-Dreifachalbum bei EMI Group und NPG Records und ist sein drittes Album, das er unter seinem unaussprechbaren Symbol als Pseudonym veröffentlichte. Zudem ist es sein erstes Album, das nicht über Warner Bros. Records vertrieben wurde; infolge von Differenzen mit Warner hatte Prince bereits 1993 seinen Künstlernamen abgelegt.

Das Dreifachalbum gilt als sein autobiografischstes Album, da sich mehrere Liedtexte auf seine damalige private Situation beziehen, darunter die Hochzeit mit Mayte Garcia im Februar 1996 sowie ihr ungeborener Sohn, der Mitte Oktober 1996 mit schweren Behinderungen geboren wurde und nach einer Woche starb. Zudem thematisieren die Liedtexte Liebe, zwischenmenschliche Beziehungen sowie Kritik an der Musikindustrie.

Die Musik umfasst Elemente aus Contemporary R&B, Funk, Pop, Rock und Soul. Als Gäste wirken unter anderem Brian Lynch, Kate Bush, Mayte Garcia, Rosie Gaines, Savion Glover sowie die damaligen Mitglieder von The New Power Generation mit. Auf Emancipation veröffentlichte Prince erstmals auf einem Studioalbum Coverversionen, was er in seiner Karriere nur selten tat. Jede CD hat eine Spieldauer von 60 Minuten und enthält zwölf Titel.

Musikkritiker bewerteten Emancipation überwiegend positiv; kommerziell erhielt das Album in den USA Doppelplatin und erreichte Platz eins in der Schweiz. Anlässlich der Veröffentlichung absolvierte Prince 1997 zwei Tourneen; die zweite, die „Jam of the Year World Tour“, war mit Einnahmen von 30 Millionen US-Dollar ebenfalls kommerziell erfolgreich.

Am 13. September 2019 veröffentlichte The Prince Estate („Der Prince-Nachlass“) Emancipation erstmals auf Schallplatte; das Album erschien als Boxset mit sechs ausschließlich lilafarbenen Schallplatten.

Entstehung mini|Das unaussprechbare Symbol Seit 1977 stand Prince bei Warner Bros. Records unter Vertrag, bis es 1993 zu einem Streit mit dem Musiklabel kam. Infolgedessen legte Prince seinen Künstlernamen ab und verwendete stattdessen ein unaussprechbares Symbol als Pseudonym. Emancipation war sein erstes Album, das nicht bei Warner, sondern bei der EMI Group erschien. Dennoch musste er seinen Vertrag mit Warner bis zum 31. Dezember 1999 erfüllen und veröffentlichte dort weiterhin Tonträger unter dem Namen „Prince“; parallel schloss er unter seinem Symbol Verträge mit anderen Tonträgerunternehmen und veröffentlichte zusätzliche Alben und Singles.

Prince bezeichnete Emancipation als „born to make“ und erklärte, es sei das wichtigste Album seiner bisherigen Karriere.Uptown (2004), S. 402. Üblicherweise schirmte er sein Privatleben rigoros ab und sprach öffentlich nur selten darüber; auf Emancipation thematisierte er jedoch unter anderem seine Hochzeit im Februar 1996 sowie seine bevorstehende Vaterschaft.

Im Januar 1995 begann Prince mit der Arbeit an Emancipation. Er nahm zahlreiche Songs auf, das Albumkonzept nahm jedoch erst im Laufe des Jahres Gestalt an. Bis Oktober 1996 arbeitete er daran und nahm sämtliche Titel in seinem Paisley Park Studio in Chanhassen, Minnesota, auf. Das Mastering übernahm Vlado Meller (* 1947) in den Sony Music Studios in New York City.Uptown (2004), S. 172.

Bei den Albumaufnahmen arbeitete Prince eng mit Kirk Johnson (* 1964) zusammen, der ihn vor allem als Toningenieur unterstützte.Thorne (2017), S. 319. Johnson wisse, „wie man einen Computer benutzt, um eine Rhythmusspur aufzubauen“, sagte Prince. Er selbst habe „so etwas nicht gern“ gemacht, weil ihm „dabei oft der Song verloren“ gegangen sei.Thorne (2017), S. 323. Johnson erstellte für jeden Titel auf Emancipation die Rhythmusspur und führte bei den meisten Aufnahmen die Oberaufsicht; die endgültige Entscheidung traf jedoch Prince.Thorne (2017), S. 322. Bereits 1984 lernte er Johnson bei den Dreharbeiten zum Film Purple Rain kennen, in dem dieser in einer kleinen Nebenrolle als Tänzer mitwirkte. 1990 integrierte ihn Prince zunächst als Tänzer in seine Begleitband The New Power Generation, später auch als Schlagzeuger. Im Laufe der Jahre wurde Johnson bis zu Prince’ Tod 2016 zudem sein persönlicher Assistent.

Den ersten Song, den Prince auf Emancipation platzierte, nahm er mit New World bereits Ende Januar 1994 auf. Ursprünglich trug das Stück den Titel Love 4 1 Another, später benannte er es um. Den ersten Song, den er gezielt für Emancipation schrieb, war Mitte 1995 Right Back Here in My Arms. Weitere Titel umfassen das Titelstück Emancipation sowie Slowly Candle Burns, das Prince später in Slave umbenannte.Azhar (2016), S. 88–89.

Während der Arbeiten an Emancipation veröffentlichte Warner Bros. Records im März 1996 das Album Girl 6, das 13 von ihm produzierte Songs enthält, die als Soundtrack zum gleichnamigen Film von Spike Lee dienten. Zudem nahm Prince im Februar und März 1996 Songs auf, die er im Juli 1996 auf seinem Album Chaos and Disorder veröffentlichte, ebenfalls über Warner Bros. Records.

Juli 1996, nachdem Prince mehr als die Hälfte von Emancipation fertiggestellt und Songs wie Betcha by Golly Wow!, 18x18px Can’t Make U Love Me, Face Down, My Computer, One of Us und The Holy River aufgenommen hatte, engagierte er den deutschen Toningenieur Hans-Martin Buff (* 18. Juni 1969 in Garmisch-Partenkirchen). An seinem ersten Arbeitstag spielte Prince mit Buff die Stücke Dreamin’ About U, Emale, Sleep Around und The Love We Make ein.Thorne (2017), S. 325. Laut Buff lud Prince den Toningenieur Peter Mokran ein, um Sleep Around zu überarbeiten; seine Version veröffentlichte Prince jedoch nicht. Mokran war als Toningenieur für R. Kellys gleichnamiges Studioalbum zuständig, das im November 1995 veröffentlicht wurde und sich bis Juni 1996 in den USA drei Millionen Mal verkaufte.

Prince habe vieles selbst erledigt, sagte Buff, insbesondere seinen Gesang; üblicherweise war sein Mikrofon über dem Mischpult installiert, und er nahm alles selbst auf. Nur beim Mixing nahm er Hilfe in Anspruch. Manchmal wünschte Prince „etwas in einem bestimmten Tempo“, worauf – abweichend vom üblichen Verfahren – erst die Strophe und dann der Refrain programmiert wurde. Meistens spielte er darüber Gitarre oder Keyboard, und der jeweilige Song war damit fertiggestellt. War ein Song fertig, nahm Prince den Gesang auf und optimierte ihn mit bereits arrangierten „Stückchen und Effekten“.Thorne (2017), S. 324. Weitere Songs, an denen Buff als Toningenieur beteiligt war, umfassen die Titel Curious Child, Jam of the Year, Mr. Happy, Sex in the Summer, We Gets Up sowie Joint 2 Joint, das Prince als letztes Stück für Emancipation aufnahm.Thorne (2017), S. 326. Prince arbeitete bis Juli 2000 mit Buff zusammen.

Vertragsinhalte Nach über 18 Jahren bei Warner Bros. Records traf sich Prince am 10. Oktober 1996 in New York City mit der obersten Führung der EMI Group und präsentierte das fertige Dreifachalbum Emancipation. Bereits 1987 wollte er bei Warner ein Dreifachalbum mit dem Titel Crystal Ball veröffentlichen, doch das Label verweigerte dies aus Sorge, der hohe Verkaufspreis könnte den kommerziellen Erfolg gefährden.

Innerhalb von 24 Stunden schloss Prince einen Vertrag mit dem zur EMI Group gehörenden Label EMI-Capitol ab, der am 17. Oktober 1996 per Pressemitteilung öffentlich bekannt gegeben wurde. Der Vertrag umfasste ausschließlich das Album Emancipation; Prince unterschrieb dafür einen sogenannten „P&D-Deal“ (Produktion und Vertrieb) und war damit für Herstellung, Vertrieb und die gesamte Musikpromotion verantwortlich. EMI-Capitol leistete eine Vorauszahlung an Prince, der einen Prozentsatz des Verkaufspreises von 22,80 US-Dollar (damals etwa 34,26 DM) an das Label zahlen musste, den die Einzelhändler für Emancipation entrichteten. Obwohl Details nicht öffentlich bekannt wurden, bestätigte Prince’ damaliger Anwalt L. Londell McMillan (* 1966), dass es sich um einen typischen P&D-Deal handelte, bei dem Musikunternehmen üblicherweise 10 bis 30 Prozent des Großhandelspreises erhalten. Nachdem der Künstler die für Produktion und Vertrieb investierten Kosten gedeckt hat, verdient er 70 bis 90 Prozent an jeder verkauften CD. Im Vergleich zu herkömmlichen Lizenzverträgen vertauscht ein P&D-Deal die betriebswirtschaftlichen Rollen, bestimmt, wer wofür bezahlt und wer bei überdurchschnittlichem Verkaufserfolg den größten Gewinn erzielt. Für die Promotion von Emancipation konnte Prince das Vertriebsnetz sowie Marketing-, Werbe- und Promotionpersonal von EMI-Capitol nutzen. Zudem behielt er das Eigentum an den Masterbändern.Uptown (2004), S. 196.

Im April 1997 wurde das Musiklabel EMI-Capitol aufgrund finanzieller Probleme geschlossen, und Prince’ laufender Vertrag verlor damit an Bedeutung, sodass er das Interesse am Projekt Emancipation verlor.Uptown (2004), S. 405. In dieser Zeit tourte er in den USA mit der „Love 4 One Another Charities Tour“ und konzentrierte sich anschließend auf neue Projekte, darunter die „Jam of the Year World Tour“ ab Juli 1997 sowie die Albumaufnahmen von Crystal Ball und Newpower Soul, die beide 1998 veröffentlicht wurden.Garcia (2018), S. 305.

Vermarktung mini|Oprah Winfrey, 1997 Ende Oktober 1996 führte Prince die zuvor geplante Musikpromotion für Emancipation durch, obwohl sein Sohn am 23. Oktober verstorben war. Er trat in mehreren bekannten US-amerikanischen TV-Shows auf und gab mehr Interviews als jemals zuvor in seiner Karriere. Während der Promotion versuchte Prince, die Umstände des Todes seines Sohnes zu verbergen, und forderte Journalisten auf, sich nicht in sein Privatleben oder das seiner Ehefrau Mayte Garcia einzumischen. EMI-Capitol plante ursprünglich eine zwei Jahre dauernde Werbekampagne.Uptown (2004), S. 197.

Am 26. Oktober 1996 war Prince mit EMI-Capitol Gastgeber in seinem Paisley Park Studio. Vor etwa 150 Gästen aus der Musikindustrie und Journalisten spielte er mehrere Stücke von Emancipation und gab eine Pressekonferenz. Am 28. Oktober trat er in der Sendung Muppets Tonight auf; der Auftritt wurde jedoch erst am 4. Mai 1997 im spanischen und am 13. September 1997 im US-Fernsehen ausgestrahlt. Vom 30. Oktober bis 3. November 1996 reiste Prince nach Japan und Australien, um Werbung für Emancipation zu machen.Uptown (2004), S. 410.

Am 4. November 1996 war die Moderatorin Oprah Winfrey in ihrer damals populären The Oprah Winfrey Show zu Gast im Paisley Park Studio, um Prince und seine Frau Mayte Garcia zu interviewen. Es war sein erstes Fernsehinterview seit elf Jahren.Uptown (2004), S. 200. Garcia trauerte noch um ihren verstorbenen Sohn und wollte nicht teilnehmen, doch Prince untersagte ihr dies. Er führte Winfrey durch das Studio und zeigte ihr ein Kinder- sowie ein Spielzimmer, die Garcia noch nicht kannte. Prince hatte diese Zimmer sowie einen Spielplatz vor dem Paisley Park Studio anlegen lassen, während Garcia aufgrund von Schwangerschaftskomplikationen im Krankenhaus war. Sie waren als Überraschung gedacht, wenn sie mit ihrem gemeinsamen Sohn entlassen würde. Auf Winfreys direkte Frage „Wie steht es um Ihr Kind?“ antwortete Prince: „Unsere Familie existiert. Wir stehen am Anfang unseres Familienlebens“. Im Vorfeld wies er Garcia an, „kein Wort“ über das verstorbene Kind zu sagen.Garcia (2018), S. 285–289. Das Interview wurde am 21. November 1996 im US-Fernsehen ausgestrahlt.Uptown (2004), S. 200.

Abgesehen von The Oprah Winfrey Show trat Prince am 7. Januar 1997 bei Rosie O’Donnell, am 7. Februar bei Chris Rock und am 26. Februar 1997 bei Top of the Pops im Fernsehen auf.Uptown (2004), S. 201–204.

Prince’ Sohn mini|Mayte Garcia, 2013