mini|hochkant|Rudolf Herrmann Rudolf Herrmann (* 11. Mai 1936 in Berlin-Charlottenburg) ist ein deutscher Physiker.

Leben Rudolf Herrmann wurde als Sohn des Zimmerermeisters Richard Herrmann geboren. Er besuchte in Jena die Paradiesschule. Gemeinsam mit seinem Bruder läutete er zwischen 1947 und 1950 die Glocken der Jenaer Stadtkirche St. Michael, die in der Glockengießerei Schilling in Apolda neu gegossen worden waren und deren Herstellung seine Familie begleitet hatte.

Er legte 1954 sein Abitur an der Max-Planck-Schule in Berlin ab und studierte anschließend Physik an der Humboldt-Universität zu Berlin. 1964 promovierte er an der Moskauer Lomonossow-Universität mit einer Dissertation über die Heisenbergsche Austauschwechselwirkung der Ferromagnetika. Von 1964 bis 1968 forschte Rudolf Herrmann bei Pjotr Leonidowitsch Kapiza über die Elektronenstruktur von Festkörpern. Im Jahr 1968 habilitierte er an der Humboldt-Universität über Fermi-Flächen hochschmelzender Metalle und magnetische Oberflächenzustände in Metallen und Halbleitern. Im selben Jahr wurde er zum Dozenten für Experimentelle Physik an die Humboldt-Universität berufen.

1970 erfolgte die Ernennung zum Professor für Experimentelle Physik auf den Lehrstuhl für Tieftemperaturphysik des Fachbereichs Physik der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät. Schwerpunkte seiner Arbeiten waren die elektronischen Strukturen von Metallen und Halbleitern, Supraleitung und der Quanten-Hall-Effekt. Zugleich war er Mitarbeiter im II. Physikalischen Institut der Humboldt-Uni, die unter Leitung von Robert Rompe stand.

Nach der deutschen Wiedervereinigung konnte Herrmann von 1991 bis 1992 eine Gastprofessur an der Pariser Universität Pierre und Marie Curie wahrnehmen. Neben Vorlesungen arbeitete er an der Entwicklung eines Tieftemperatur-Rastertunnelmikroskops zur Untersuchung der Abrikosovschen magnetischen Wirbelgitter mit.

Von 1998 bis 2012 arbeitete Rudolf Herrmann im Institut für angewandte Photonik in Berlin-Adlershof, wo er sich mit der Entwicklung von Kühlsystemen für den Temperaturbereich um 0,3 K für die Kühlung von Detektoren und mit der Speicherung von Wasserstoff in Kapillarsystemen befasste.

Neben der Diplomandenausbildung promovierten 33 Physiker an seinem Lehrstuhl für Tieftemperaturphysik, von denen sich auch zehn habilitierten. Rudolf Herrmann hielt die Experimentalvorlesung für die Mathematik-/ Physik-Lehrerstudenten. Die Inhalte seiner Vorlesungen über die Festkörperphysik veröffentlichte er zusammen mit Uwe Preppernau unter dem Titel Elektronen im Kristall im Akademie-Verlag Berlin und im Springer-Verlag (Wien und New York). Während seiner Tätigkeit als Gastprofessor an der Ritsumeikan-Universität in Kyoto hielt er Vorlesungen über Supraleitung, Supraflüssigkeiten und Festkörperphysik. Als Prodekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität war er seit den 1970er Jahren bis 1990 Vorsitzender der Promotionskommission für Nichtmediziner an der Charité in Berlin und im gleichen Zeitraum leitete er auch die Naturwissenschaftliche Schülergesellschaft Berlins.

Er ist Mitglied der Deutschen Physikalischen Gesellschaft seit 1959 und Mitglied der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin.

Privates Rudolf Herrmann war mit der Physikerin Karin Herrmann verheiratet. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor.

Veröffentlichungen (Auswahl) Monografien mit Uwe Preppernau: Elektronen im Kristall, Akademie-Verlag Berlin (1979), Springer Verlag, De-Gruyterbrill Verlaghttps://www.degruyterbrill.com/de/document/doi/10.1515/9783112617564/html

Die Tieftemperaturphysik an der Humboldt-Universität im 20. Jahrhundert. Vom Nernstschen Wärmesatz zum Quanten-Hall-Effekt 2. Auflage (2025): Die Tieftemperaturphysik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Vom Nernst-Effekt zum Quanten-Hall-Effekt hin zu den Topologischen Isolatoren

Aufsätze Oscillations of the surface impedance of tungsten in weak magnetic fields, phys. stat. sol. 21 703 (1967). mit Karin Herrmann: Cyclotron Resonance and Impedance Oscillations in Tellurium, IX. Int. Conf. Phys. Semicond., Moscow July 23-29, 1968, Band 1 S. 322; phys. stat. sol. 25 655 (1968) Cyclotron resonance in molybdenum, Phys. Lett. 25A 607 (1967). mit V. E. Rode: The Investigation of the Temperature Dependence of the Saturation Magnetisation of Some Ferromagnetic Metals at Low Temperature, Proc. Int. Conf. on Magnetism, Nottingham 7th-11th September 1964, S. 146. The 2-Dimensional Electron Gas in Bicrystals, Festkörperprobleme XXV 437 (1985). mit S. G. Ljapin, M. I. Eremets, A. M. Schirokov, H.-U. Müller, F. Ludwig: Shallow Acceptor States in Tellurium in High Magnetic Fields under High Hydrostatic Pressure, Semicond. Sci. Technol. 4 271 (1989). High temperature superconductivity – a new technology?, Urania 3 68 (1989). mit S. S. Akhmedov, K. N. Kaschirin, A. Krapf, W. Kraak, J. G. Ponomarev, M. V. Sudakova: Sadle points in the energetic spectrum of BiSb-alloys, Journ. Exp. Theor. Phys. 97 663 (1990). R. Kaigawa, T. Sakagutchi, C. Kaito, H. Miki, Y. Nakayama: Crystal Growth of Bi-Sr-Ca-Cu-O from Sr-Ca-Cu-O thin films, Journal of Material Science 30 S. 248–251 (1995).

Weblinks Elektronen im Kristall auf springer.com. Die Tieftemperaturphysik an der Humboldt-Universität im 20. Jahrhundert auf springer.com.

Einzelnachweise

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